Samstag ging es tatsächlich los in den wohl ereignisreichsten Monat meines Lebens bisher – mein Reisemonat. Ich konnte überhaupt nicht realisieren dass meine Arbeitszeit hier wirklich vorüber war und so fand ein eher unwirklicher, kleiner Abschied von meiner Gastfamilie statt (ich sehe sie in einem Monat noch einmal, was das Goodbye um einiges winfacher machte), bevor ich mit Koffer, Rucksack und Tüten ausgestattet zu Eva ins Auto stieg und diese Richtung Annelie losfuhr. Dort angekommen war es an der Zeit Eva tschüß zu sagen und Annelie und ich packten noch den Rest unseres Koffers. Dieser zeigte auf der Waage genau sein maximal zugelassenes Gewicht an, sodass wir bald darauf ready im Auto saßen und von Kristi, Sophie und Luca zum Flughafen gebracht wurden. Nachdem beim Abschied von Annelie mit ihrer Gastmama und den zwei Kindern ein paar Tränen vergossen wurden bekamen wir die erste unschöne Nachricht des Trips: Wir würden unseren Anschlussflug verpassen, da der erste Flug 1,5 Stunden Verspätung hatte. Noch ziemlich gelassen stellten wir uns am Schalter der Airline an, wo uns auch sofort ein neuer Flug, dieses mal über Chicago, gebucht wurde. Leider erwartete uns beim Boarding schon die nächste Überraschung. Ein wohl sehr schlecht gelaunter Mitarbeiter erklärte uns wir müssten 60$ für einen Schlafsack bezahlen den wir mithatten. Da dieser nach einer langen Diskussion einfach nicht nachgeben wollte gaben wir uns damit zufrieden ihm seine 60$ zu bezahlen, eine Beschwerdemail an die Airline zu schreiben und ihm einige deutsche Schimpfworte an den Kopf zu werfen. Wir ließen uns jedoch unsere Vorfreude trotz allem nicht nehmen, genossen eine wunderschöne Aussicht aus dem Flugzeugfenster und landeten wenig später auch schon in Chicago, wo der Umstieg reibungslos ablief. Im Flieger Richtung New Orleans gelang es uns beiden Gott sei Dank ein wenig zu dösen, wodurch wir zwar die Snacks verschliefen, die 2,5 Stunden jedoch schnell vergingen und wir kurz vor Mitternacht todmüde aus dem Flugzeug stiegen und auf unser Gepäck warteten. Die erste Freude als beide Koffer am Kofferband auftauchten wurde auch gleich wieder gedämpft, da unser großes Gepäcksstück durchlöchert und demoliert war. Eine nette Dame der Airline bot uns jedoch sofort an die Rechnung für einen neuen Koffer zu übernehmen und so ging wenigstens diese Situation noch einigermaßen glücklich aus.

Wir holten unser Mietauto ab, fuhren zum 10 Minuten entfernten Airbnb und landeten dank unseres leicht verwirrten Navis mit unseren Koffern vor einem Haus, dessen Briefkasten wir durchsuchten, bis im inneren ein Hund anfing wie wild zu bellen, Nachbarn aus den Türen schauten und wir realisierten – wir standen vor dem falschen Gebäude. Sehr beschämt packten wir unsere sieben Sachen wieder zusammen und gingen so schnell es nur ging ein paar Häuser weiter, wo wir unsere Unterkunft auch schnell fanden und so leise es uns möglich war im Zimmer verschwanden. Keine 10 Minuten später schliefen wir beide wohl auch schon tief und fest und bekamen unsere schon sehr ersehnten Erholung.

Am nächsten Morgen ging es für uns dann relativ früh los Richtung Mississippi, wo wir unser Zelt für die Nacht in einem State Park aufbauen wollten. Auf dem Weg fuhren wir an einem wunderschönen, fast weißen Sandstrand vorbei, wo wir erst einmal stoppten und den feinen Sand sowie das warme Meereswasser an unseren Füßen genossen!

Eine wunderschöne Straße entlang des Golf von Mexikos später kamen wir auch schon im State Park an, fanden ein schönes Plätzchen zwischen den Bäumen und bauten unser Zelt auf. Da wir dies nach unserem Roadtrip in Utah schon wie die Profis beherrschten, waren wir nur wenige Minuten später auch schon fertig und fuhren zu Walmart, um Essen für die Woche zu besorgen. Mit Dosen und Wasserkanistern beladen ging es weiter auf eine Art Insel in Alabama, wo wir einen Strand auschecken wollten. Über eine Brücke überquerten wir das Meer um zum Ziel zu gelangen und uns boten sich dabei atemberaubende Aussicht!

Am Strand angekommen waren wir erst einmal sehr glücklich über unser sehr kleines Mietauto (so klein ist es wohl gar nicht, kommt uns nur nach dem Jahr voller Trucks und Vans fast wie ein Smart vor), da wir uns noch auf einen der Parkplätze quetschen konnten. Es herrschte eine sehr stickige Hitze, weshalb wir es kaum mehr abwarten konnten ins Meer zu hüpfen! Die Wassertemperatur überraschte uns jedoch sehr, denn das Meer war weniger eine Abkühlung als ein lauwarmes Bad! Wir freuten uns am warmen Wasser, da wir beide noch nie solche Temperaturen in einem Meer gefühlt hatten, und gönnten uns ein paar wohlverdiente, relaxte Stunden am Strand.

Als wir das Gefühl hatten genug Sonne abbekommen zu haben machten wir uns auf den Rückweg zum Zelt, wo wir feststellten dass wir vormittags bei Walmart komplett vergessen hatten Frühstück zu kaufen! Also stoppten wir ein weiteres mal am Geschäft, besorgten Oatmeal, Peanutbutter und Honig und führen weiter zu unserem Zelt. Unsere Mägen knurrten schon und knurrten noch mehr als wir realisierten, dass wir auch vergessen hatten einen Topf für den Campingkocher zu kaufen. Schnell entschieden wir uns jedoch dazu kaltes Abendessen zu genießen und erst danach zum dritten mal zu Walmart zu fahren, um den Topf zu besorgen.

Nach diesem ereignisreichen Tag schliefen wir auch schon um 21:30 in unserer Sauna, ich meine unserem Zelt, begleitet von den wohlklingenden Gesängen eines uns leider nicht bekannten Tieres mit ziemlich schriller Stimme, ein. Wir hatten auch Glück mit dem Wetter, denn das eigentlich für die Nacht vorhergesagte Gewitter schien es sich doch anders überlegt zu haben. Und wir hatten schon ziemliche Sorgen, da wir die einzigen Camper im Park waren.

Das frühe Schlafengehen zahlte sich aus, denn um 6 Uhr morgens standen wir putzmunter mit unseren Zahnbürsten im Waschraum und ein paar Minuten später war auch schon das Zelt abgebaut und unsere Bäuche mit Oatmeal gefüllt.

So lagen wir ziemlich gut in der Zeit und kamen schon um 10:30 Uhr vormittags bei unserem Zimmer an, welches wir am Vortag wegen Regenvorhersage gebucht hatten. Gerald, unser Gastgeber, begrüßte uns freundlich und gab uns gleich eine Hausführung. Wir waren uns nicht ganz sicher ob wir uns Sorgen machen oder freuen sollen als er uns erzählte, dass die Straße nachts von einem Polizist bewacht wird, da die Kriminalrate in der Gegend ziemlich hoch ist und dass unsere Zimmernachbarin ein bisschen nach Weed riecht, jedoch sonst voll in Ordnung ist. Gerald gab uns noch eine sehr detailreiche Einführung in seine vier Haustürschlösser, bevor wir uns schon wieder im Auto befanden, um zu unserer gebuchten „Swamp Tour“ zu fahren. Dort angekommen bekamen wir von einem netten Mitarbeiter aus irgendeinem Grund unsere Tickets um 14$ weniger als normal und stiegen dann auf das Boot, das uns durch die Sümpfe führen und Alligatoren finden lassen sollte. Wir wurden auch nicht enttäuscht – im Gegenteil! Wir beobachteten unzählige Alligatoren, Waschbären, Fische und riesen Schildkröten in ihrer natürlichen Umgebung und durften am Ende sogar einen Babyalligatoren halten. Ein weiteres must-to auf meiner to-do-Liste wurde somit abgehakt!

Nach der Tour fuhren wir zurück nach New Orleans Downtown, wo wir ein bisschen durch die Straßen schlenderten, bevor wir zu einer Crossfitbox fuhren, wo Annelie ein Training ausprobieren wollte.

Mein eigentlicher Plan war es Annelie mit Beignets (so etwas ähnliches wie Strauben) vom berühmten Cafe du Monde zu überraschen und so machte ich mich auf den Weg zu dem 20 Minuten entfernten Standort. Mein Vorhaben erwies sich als schwieriger als gedacht, als mir zuerst ein Mann an der Ampel die Autoscheibe zu putzen anfing und ich ihn halb überfahren musste als er nicht weggehen wurde nachdem die Ampel grün wurde und die Autoschlange hinter mir wie wild hupte, ich in einem Megastau auf der sechsspurigen Autobahn landete und mich wenig später auf einem Gelände eines Luxushotels wiederfand, wo ich ungewollt die Durchfahrt eines wild hupenden Tourbuses verhinderte. Als der Preis des des Parkplatzes dann auch noch 25$ die Stunde betrug hatte ich die Nase voll und machte mich ohne Beignets auf den Rückweg. Natürlich entschied mein Navi mich über belebtesten Straßen mit 10000 Fußgängern zurück zu schicken und so kam ich heilfroh noch zu leben wieder bei der Crossfitbox an und musste erst einmal durchschnaufen. Wenig später kam auch eine verschwitzte Annelie aus der Box und wir machten uns auf den schnellsten Weg zurück zu unserem Zimmer, wo wir uns frisch machten und die warme Dusche genossen. Außerdem lernten wir unsere Zimmernachbarin kennen, eine 50 Jahre alte Afroamerikanerin mit der wir uns ein bisschen unterhielten und die wirklich nett erschien. Sie war zu uns jedoch netter als zu übernatürlichen Wesen, denn wenig später trafen wir sie in der Küche an, wo sie gerade dabei war das Haus auszuräuchern und von bösen Geistern zu befreien. Wir mussten uns wirklich zusammenreißen nicht durchgehend zu lachen, da eine wild mit ihrem Sage herumschwingende Frau das letzte war das wir in der Küche erwartet hatten.

Mit noch nassen Haaren fuhren wir dann abends zurück in die Stadt um dort endlich die bekannten Beignets zu essen (welche wirklich lecker waren!) und Bourbon Street auszuchecken. So zogen wir die Straße entlang, besuchten ein paar Bars und kamen in den Geschmack einer Jazzband, welche mit ihren originellen Dancemoves, coolen Sonnenbrillen und wirklich guter Musik überzeugten.


5 Kommentare zu „From beaches in Alabama to alligators in New Orleans“

  1. Avatar von Andrea Ulz
    Andrea Ulz

    Hey super, es gibt wieder Nachrichten von dir! Wir warten schon gespannt!
    Viel Spaß und schöne Erlebnisse und passt auf euch auf!!!

  2. Avatar von Donnerer Christine
    Donnerer Christine

    So kurz unterwegs und schon so viel aufregendes erlebt, wow.
    Ich bewundere deinen Mut auf so unbekannten Straßen mit dem Auto herumzufahren. Bravo!
    Viel Spaß noch euch Zwei! Passt aber gut auf euch auf.
    Lg. Christl

    1. Avatar von miriamabroadblog

      Danke, machen wir!☺️

  3. Avatar von Astrid Zach
    Astrid Zach

    Ja das hört sich super an! Philipp wollte gleich wissen ob du Angst hattest wie du den Babyalligator gehalten hast?

    1. Avatar von miriamabroadblog

      Der konnte Gott sei Dank seinen Mund nicht öffnen, deshalb hatte ich keine Angst ☺️

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