Am 01.08.2021 startete fĂŒr mich mein nĂ€chstes groĂes Abenteuer: Ich werde ein Semester in Norwegen verbringen! âșïž
1.8.
Nach einer lustigen 50er Feier ging es fĂŒr mich um 2:00 Uhr nachts ins Bett, wo es mir aus Aufregung ziemlich schwerfiel einzuschlafen. Als um 5:30 Uhr der Wecker lĂ€utete fĂŒhlte ich mich noch weit weg von ausgeschlafen, sowie voller Vorfreude und traurig zugleich, weil ich wusste, dass ich mich gleich von meinen Liebsten verabschieden musste.
Um 6:45 Uhr kam Jasmin mit ihren Eltern bei mir an und wir lernten uns nach den vielen Telefonaten und Nachrichten endlich wirklich kennen. Jasmin studiert an derselben Uni wie ich, befindet sich zudem im gleichen Semester und hat sich genau wie ich fĂŒr ein Auslandssemester in Norwegen entschieden. Auf der Uni haben wir uns noch nie gesehen aber da wir die beiden einzigen Studenten sind, die dieses Semester ins Ausland gehen, lernten wir uns in der Vorbereitungszeit kennen und waren im stĂ€ndigen Austausch. So fĂŒhlte es sich gar nicht an als wĂŒrde ich eine Fremde umarmen, als sie vor meiner HaustĂŒr stand und mich grinsend fragte: âBereit?â.
Nachdem wir uns schweren Herzens von unseren Familien verabschiedet und die Koffer erfolgreich im Polo verstaut hatten, fuhr Flo uns nach Wien zum Flughafen. Dabei hatte er gute Unterhaltung, da Jasmin und ich uns auf Anhieb so gut verstanden, dass wir durchgehend quatschten.
Beim Koffer abgeben nach dem Einchecken – beides ohne menschliche Hilfe sondern anhand von automatischen Schaltern – standen wir vor dem Problem, dass Jasmins Koffer zu schwer war und deshalb nur mit 50,-⏠Aufschlag aufgegeben werden konnte. Wir suchten uns einen jungen Mitarbeiter, der uns anwies mit ihm mitzukommen, dann Jasmins Koffer eincheckte, uns zuzwinkerte und sagte: âPasst schon!â. Die Freude ĂŒber das Nachsehen des netten Mitarbeiters hielt nicht sehr langr an, da die Verabschiedung von Flo bevorstand. Ein wenig durch den Wind schleppte mich Jasmin daraufhin zum Security Check, der ohne gröĂere Probleme verlief, nachdem wir unsere Wanderschuhe ausgezogen hatten.
Endlich konnte es losgehen! Die 2,5 Stunden Flug nach Oslo verbrachte ich damit ein wenig zu dösen, die immer wieder auf den Boden fallenden Comics des kleinen Jungen neben mir aufzuheben und Musik zu hören.

Die Zeit verging sehr schnell und schon bald hatten wir im Landeflug Aussicht auf die typischen, roten HÀuschen in der schönen Waldlandschaft.


In Oslo angekommen bezeichnete Jasmin den Flughafen als âriesiges Wohnzimmerâ, was mir anhand der gemĂŒtlichen Sitz- und Liegegelegenheiten, der modernen Ausstattung und der ruhigen und ordentlichen AtmosphĂ€re als sehr passend erschien. Nachdem wir dank Impfung bald problemlos aus den Checks kamen, war es unsere Mission eine Aufbewahrung fĂŒr unsere groĂen Koffer zu finden, welche wir nicht mit auf die Lofoten nehmen wollten, die wir fĂŒr die nĂ€chsten sieben Tage besuchten. Nachdem auch hier selbst am Informationsstand kein Mensch zu finden war, sondern Fragen mithilfe eines Automaten beantwortet werden sollten, fragte ich einen Mann im Wechselgeld-Point nach Hilfe, der uns den Standort von Spinten fĂŒr Koffer verriet. Sogleich machten wir uns also auf den Weg dorthin und stiegen in den Lift, der uns in das UntergeschoĂ bringen sollte. Da sich noch weitere Reisende im Lift befanden die erst in den ersten Stock fuhren, stiegen wir im Erdgeschoss im Glauben wir seien im Untergeschoss wieder aus. Kurz wunderten wir uns dass es hier komplett gleich aussah wie dort wo wir losgefahren waren und dass schon wieder Pfeile die Spinte unten anzeigten, als uns aufgrund des Lachens eines Beobachters klar wurde, was gerade passiert war. Lachend begaben wir uns also wieder in den Lift und fuhren nun wirklich nach unten, wo wir such gleich die Spinte fanden und unseren Koffer einsperrten.

Inzwischen hatte uns der Hunger gepackt und so checkten wir fĂŒr unseren nĂ€chsten Flug ein und suchten alle Restaurants und Shops nach einem halbwegs leistbaren Essen ab. Langsam wurde uns klar, warum Norwegen als eines der teuersten LĂ€nder bezeichnet wird, denn das billigste das wir finden konnten und nicht nur aus 4 SalatblĂ€ttern bestand war eine vegetarische Lasagne um 18,-âŹ. Aufgrund des Preises versuchten wir uns einzureden, dies sei die beste Lasagne unseres Lebens und genossen jeden Bissen.

Der Flug nach BodĂž war der wohl leisteste den wir je erlebt haben. Jasmin hatte irgendwo gelesen dass dies daran liegt, dass es in Norwegen ein Zeichen des Respektes ist sich ruhig zu verhalten und uns wurde klar, dass wir mit unserem Gekichere und stĂ€ndigen Geplappere wohl als ziemlich unhöflich wahrgenommen werden mussten, weshalb wir versuchten uns ein wenig zusammenzureiĂen.
In BodĂž marschierten wir aus dem kleinen Flughafen ungefĂ€hr eine halbe Stunde in die kleine Stadt hinein zu unserer Unterkunft – einem kleinen weiĂen HĂ€uschen im typischen skandinavischen Look. Unsere freundliche Gastgeberin hatte uns den SchlĂŒssel fĂŒr ihr Haus einfach sehr offensichtlich in den Blumentopf vor der HaustĂŒr gelegt, da sie zum Zeitpunkt unserer Ankunft nicht zu Hause war. Nachdem wir unsere Sachen abgelegt hatten gingen wir auch gleich wieder los, um das StĂ€dtchen ein wenig zu erkunden. Mit Pulli und Regenjacke ausgestattet spazierten wir zum Hafen, checkten die Wassertemperatur des Meeres und stellten in GesprĂ€chen fest, dass wir unglaublich viele Gemeinsamkeiten haben, sodass es uns fast schon gruselig erschien.




Auf dem Weg zurĂŒck zum Airbnb stoppten wir noch an einem Supermarkt, wo wir ziemlich planlos versuchten, die billigsten Lebensmittel zu finden. Nachdem wir am RĂŒckweg noch mit unseren Familien telefoniert hatten machten wir es uns in unserer Unterkunft gemĂŒtlich und duschten. FĂŒr Jasmin war dies die heiĂeste Dusche ihres Lebens, da die HeiĂ-kalt-Anzeige verkehrt beschriftet war und daher brĂŒhend heiĂes Wasser aus dem Duschkopf kam, obwohl ja scheinbar auf eiskalt gestellt war. AuĂerdem hatte sie sehr mit dem Griff des Wasserreglers zu kĂ€mpfen, der locker war und ihr daher mehrmals hinunterfiel.
Mehr als mĂŒde fielen wir in unser Bett und versuchten das Fenster so gut es ging abzudunkeln, da die Sonne ja erst um 23:30 Uhr untergeht und um 3:00 Uhr morgens schon wieder anfĂ€ngt zu scheinen. Dies gelang uns mehr oder weniger gut und wir schliefen halbwegs gut (halbwegs dank der sehr lauten Möwen vor unserem Fenster).
Um 6:00 Uhr morgens verlieĂen wir unsere Unterkunft auch schon wieder und gingen zur FĂ€hre, die uns nach Moskenes auf den Lofoten bringen sollte. ĂberpĂŒnktlich waren wir die ersten Passagiere am Schiff, sagten dem Kontrolleur unsere Namen und Telefonnummern in sein DiktiergerĂ€t (warum auch immer) und suchten uns einen Platz am Fenster.
Nachdem wir Brot mit KĂ€se und Aufstrich gesnackt und ein wenig gedöst hatten, waren auch schon 3 Stunden um und wir befanden uns kurz vor den Lofoten. Jasmin und ich stiegen hinauf aufs Deck und hielten dort bis zum Anlegen durch – auch wenn es ziemlich windig und kalt war. DafĂŒr bot sich uns ein gigantischer Ausblick auf die immer nĂ€her kommenden Berge, die am Ende sogar von einem Regenbogen verziert wurden. Da wir beide schon jahrelang davon trĂ€umen die Lofoten zu besuchen und uns in der Zwischenzeit unendlich viele Fotos und Videos von der nordischen Landschaft angeschaut hatten, wurden wir bei diesem Anblick fast ein wenig sentimental und konnten unser GlĂŒck kaum fassen.







Nachdem wir von der FĂ€hre marschiert waren machten wir uns direkt auf den Weg zu unserer Unterkunft und liefen fĂŒr 30 Minuten die einzige StraĂe der Halbinsel die KĂŒste entlang, bis wir bei einem hellblauen, typisch skandinavischen HĂ€uschen ankamen, wo uns unsere asiatische Gastgeberin schon freundlich begrĂŒĂte. Nach einer ZimmerfĂŒhrung stellten wir unser Zeug ab und wollten uns dann auf den Weg Richtung Ă (Den Ortsnamen spricht man âOâ aus) machen. Unsere Gastgeberin hatte nicht unrecht mit ihrer Prophezeiung darĂŒber, dass wir fĂŒr den Weg lange brauchen werden, weil wir so viele schöne Dinge entdecken werden die uns aufhalten. Zuerst erspĂ€hten wir am Weg einen See und bogen rechts ab, dann kam ein Wasserfall in unser Blickfeld, der klarerweise besucht werden musste und schlieĂlich landeten wir bei einem riesigen Bergsee mit WasserfĂ€llen, die ĂŒber die Berge in ihn hineinflossen.







Nach diesem Umweg kamen wir jedoch doch noch irgendwann in Ă an, wo uns eine Norwegerin mit den Worten âSay oooo!â fotografierte. Das Fischerdorf zeigte sich von seiner besten Seite: rote HĂ€uschen wohin man blickte, freundliche Norweger und das penetrante Geschrei von hunderten Möwen. Im Zentrum des Dorfes gönnten wir uns die bekannten Cinnamon Rolls mit einer heiĂen Schokolade und spazierten dann weiter auf einen HĂŒgel, von dem aus wir einen wunderschönen Ausblick auf das Meer, Ă und die Fjorde hatten.










Am Heimweg versuchten wir uns nicht mehr zu sehr von der Landschaft ablenken zu lassen, da sich langsam der Hunger meldete. Stattdessen bewunderten wir die schönen HÀuschen und trÀumten von einem eigenen Haus auf den Lofoten, im skandinavischen Stil.
ZurĂŒck in unserer Unterkunft machten wir uns Wraps und recherchierten mögliche Unternehmungen fĂŒr die nĂ€chsten Tage. Danach beschlossen wir unseren Nachtisch in Form eines Joghurts am See zu uns zu nehmen und spazierten deshalb noch einmal los. Da Jasmins Joghurtdeckel vom Wind in den See geblasen wurde musste sie wohl oder ĂŒbel in das Wasser steigen, von dem sie behauptet es sei weniger kalt als erwartet. Aus diesem Grund schmiedeten wir PlĂ€ne fĂŒr eine Baderunde im See am nĂ€chsten Tag und gingen dann wieder zurĂŒck.
Leider verpassten wir die Einfahrt zu unserem HĂ€uschen, was wir erst bei einer gĂ€nzlich unbekannt wirkenden Kurve feststellten. Also ging es ein paar Meter zurĂŒck und wir schafften es schlieĂlich doch noch unsere Unterkunft zu finden.
Als sich Jasmin gerade im Bad befand hörte ich sie vom Zimmer aus plötzlich rege mit unserer Gastgeberin sprechen. Diese hatte uns vergessen mitzuteilen, dass sie ein Problem mit den Wasser haben und es daher nicht möglich ist zu duschen oder aufs Klo zu gehen, wÀhrend die Waschmaschine lÀuft.
Da wir dies nicht wussten waren wir beide schon aufs Klo gegangen und ich hatte schon vor ihr geduscht, sodass unsere Gastgeberin nach Jasmins Dusche anfangen muste Wasser aus dem Waschraum zu schöpfen. Sie entschuldigte sich tausend mal bei Jasmin, dass sie vergessen hatte uns von ihrem Wasserproblem zu erzĂ€hlen und Jasmin entschuldigte sich dauernd zurĂŒck, dass wir ihr diese Arbeit grmacht hatten. Wir hatten ein sehr schlechtes Gewissen, als wir sie noch 10x mit einem vollen KĂŒbel Wasser an unserem Fenster vorbeilaufen sahen, aber sie wollte sich nicht helfen lassen.
Nach unserer lauten Möwennacht hatten wir ein wenig Angst, wieder von dem Geschrei der Vögel vom Schlafen abgehalten zu werden, hatten jedoch GlĂŒck und verbrachten eine ruhige, gemĂŒtliche und erholsame Nacht.
