Eine kleine ErgĂ€nzung zum Vortag: Am Abend stand unsere Gastgeberin Weo plötzlich mit einer thailĂ€ndischen Suppe vor unserer ZimmertĂŒr, die sie uns als EntschĂ€digung fĂŒr das Wasserproblem geben wollte. Wir freuten uns riesig ĂŒber diese liebe Geste! Leider waren in der Suppe FleischklĂ¶ĂŸchen und da wir uns beide vegetarisch ernĂ€hren, mussten wir diese schweren Herzens entfernen. Der Rest der Suppe, bestehend aus GemĂŒse, schmeckte jedoch vorzĂŒglich!

5.8.

Als ich Weo in der FrĂŒh traf und diese mich nach unseren PlĂ€nen fĂŒr den Tag fragte, bot sie uns an, dass ihr Mann Juan uns mit nach Reine nehmen könne, da dieser dort arbeitet. Dankend nahmen wir das Angebot an und fuhren gemeinsam mit Juan in die „Stadt“, wo er uns mittels Auto noch eine kleine FĂŒhrung gab, bevor er uns aussteigen ließ und weiter in die Arbeit musste.

Jasmin und ich schlenderten zwischen den roten HĂ€uschen herum, besuchten den Hafen und fanden eine Minibibliothek, wo wir uns in das GĂ€stebuch eintrugen.

Schließlich landeten wir in einem modernen Souvenirladen, an dem ein Museum anschloss, welches wir beim Durchschauen auch gleich besuchten. Irgendwann kam ein junger Mann auf uns zu und erklĂ€rte uns, dass man fĂŒr das Museum eigentlich Tickets benötigt, wir aber gern weiterschaun dĂŒrfen wenn wir wollen. Uns war das zwar erst unangenehm, doch der junge Mann nahm sich sogar die Zeit uns einen norwegischen Film des Museums auf Englisch zu ĂŒbersetzen und war so freundlich, dass wir uns weiter umschauten. Als wir vor besagten Film saßen, konnten wir nicht glauben wen wir dort sprechen sahen: Es war der alte Mann, mir dem wir zwei Tage davor spaziert waren! Er wurde als „Lokalhistoriker“ bezeichnet und als wir dem MuseumsfĂŒhrer (der ĂŒbrigens aus Ungarn kommt) von unserer Begegnung mit ihm erzĂ€hlten meinte dieser, dass der Lokalhistoriker Ottar alles ĂŒber die Lofoten wĂŒsste.

Mit einem supermodernen Bus ging es fĂŒr uns mit einer durchgehend wunderschönen Aussicht von Reine weiter nach Leknes, wo wir zuerst eine BĂ€ckerei besuchten und uns eine Jause fĂŒr spĂ€ter besorgten.

Danach wanderten wir los zum drei Stunden entfernten Haukland Beach. Auf dem Weg trafen wir zwar keine Menschen, dafĂŒr aber umso mehr Schafe, die hier einen Traumspot zum Leben haben.

Am Haukland Beach, ein Strand mit weißem Sand und wunderschönem, tĂŒrkisblauen Wasser, aßen wir unsere Leckereien von der BĂ€ckerei, freundeten uns mit einer Möwe an und sammelten Muscheln.

Auf dem RĂŒckweg kamen wir ein wenig in den Regen, was jedoch nicht weiter schlimm war, da wir sowieso mit Tratschen beschĂ€ftigt waren und den Regen dadurch kaum merkten.

Nachdem wir zurĂŒck in Leknes das Klo des Einkaufszentrums genutzt hatten, ging es fĂŒr uns mit dem Bus zurĂŒck nach SĂžrvĂ„gen – sogar gratis, da das System gerade nicht funktionierte als wir zahlen wollten und der Busfahrer daher meinte, wir sollen einfach so mitfahren.

Den restlichen Abend verbrachten wir mit Telefonieren, Essen, Chillen und Ausruhen.

6.8.

Unser letzter Tag auf den Lofoten begann mit strahlendem Sonnenschein und so fuhren wir in der FrĂŒh mit dem Bus ungefĂ€hr 45 Minuten nach Fredvang, wo wir zu Fuß weitermarschierten. Es ging nur langsam ĂŒber BrĂŒcken die Straße entlang, weil es so viel zu sehen gab, dass wir stĂ€ndig stehenblieben um Fotos zu schießen.

Vom kleinen Ort aus schlugen wir eine Wanderroute ein, die uns auf den Berg Ryten fĂŒhren sollte, der eine grandiose Aussicht auf den Kvalvika Beach versprach. Der Weg fĂŒhrte hĂ€ufig steil bergauf und wir liefen ĂŒber Wiesen an Seen vorbei, kletterten die Steine nach oben und balancierten ĂŒber Stege, welche an besonders schlammigen Stellen angelegt wurden. Der anstrengende Weg aber hatte sich gelohnt, als wir auf der Bergspitze standen uns sich weit unter uns der Kvalvika Beach erstreckte, der mit seinem weißen Sand und der tĂŒrkisen Wasserfarbe eher wie ein Strand in der Karibik als ein Strand am Arktischen Meer wirkte.

Wir suchten uns ein PlÀtzchen auf einem flachen Stein, wo wir unsere Jause, bestehend aus Resten der letzten Tage, einnahmen und etwas ausruhten und Fotos schossen.

Nach einigem hin und her beschlossen wir den Berg bis an den Strand nach unten zu klettern, um diesen auch aus dieser Perspektive noch erleben zu können. Der Strand befand sich weiter unten als gedacht, denn auf dem Weg nach unten schien er nur sehr langsam nĂ€herzurĂŒcken. Wir kletterten wieder Steine hinunter und versuchten dem Schlamm so gut wie möglich auszuweichen, wobei ich mit meinem rechten Schuh einmal bis an den Schuhrand im braunen Sumpf versank.

Endlich am Strand angekommen bestaunten wie die fast senkrecht in die Höhe schießenden Berge an seinen Seiten, von denen wir einen gerade erst bestiegen hatten. Kurzerhand zogen wir unsere Bikinis an und stĂŒrzten uns in die (eiskalten) Fluten. WĂ€re das Meer nicht so kalt gewesen, hĂ€tten wir fast Sommerurlaub-Feelings gehabt. Zum Trocknen legten wir uns auf einen Stein, bevor wir wieder in unsere Wanderkleidung schlĂŒpften und den nĂ€chsten Aufstieg starteten.

Um ĂŒber die Berge zu gelangen ging es erst wieder ziemlich steil bergauf, wĂ€hrend sich der Abstieg mit Holzstehen und Aussicht auf die Insellandschaft recht gemĂŒtlich gestaltete.

Wieder an der Straße angekommen diskutierten wir darĂŒber, wie wir am schnellsten an den zwei Fußstunden entfernten Rambergstranda gelangen sollten, da uns von der Wanderung schon ziemlich die FĂŒĂŸe schmerzten. Nach kurzer Überwindung versuchten wir uns am Autostoppen. Da nur wenige Autos vorbeikamen gingen wir immer ein StĂŒck und streckten dann die Arme zur Seite, wenn ein Fahrzeug zu hören war. Anfangs hatten wir nur wenig GlĂŒck und ernteten nur lĂ€chelnde Gesichter oder Schulterzucken. Gerade als wir kurz davor waren aufzugeben, schoss ein Auto an uns vorbei, bremste quietschend und legte den RĂŒckwĂ€rtsgang ein. Zwei sehr jung wirkende Jungs ließen die Scheibe hinunter und versprachen uns zum Rambergstranda zu bringen. Etwas mulmig war uns, da der Fahrer uns scheinbar beeindrucken wollte und deshalb ziemlich Gas hab. Die beiden waren aber sehr nett und wir unterhielten uns gut mit ihnen, bis sie uns direkt vor dem Strand aussteigen ließen. Wir bedankten uns und spazierten den langen, weißen Strand entlang, wĂ€hrend wir das Meer betrachteten, das in der Abendsonne glitzerte.

Mittlerweile hatte uns der Hunger voll im Griff und nach dem anstrengenden Tag hatten wir ein großes BedĂŒrfnis nach einer warmen Mahlzeit. Wir steuerten also das einzige Restaurant des Ortes an und bestellten dort das einzig vegetarische – Burger. Der Kellner musste lachen als wir ihm schon von weitem sehnsĂŒchtige Blicke zuwarfen, als er mit den Burgern in der Hand auf uns zusteuerte. In diesem Moment fĂŒhlte sich dieses Essen so an, als wĂ€re es das Leckerste was wir jemals in den Mund bekommen haben und alles was man fĂŒr die nĂ€chsten Minuten von uns hörte war genĂŒsslich „Mmmmh!“.

Beim Bezahlen redeten wir mit dem Kellner darĂŒber was und wo wir in Norwegen studieren werden und Jasmin kam beim Bezahlen durch das Multitasking etwas durcheinander. Als sie die Summe eingeben sollte, die sie bezahlen möhte, gab sie versehentlich ihren Pincode ein und bezahlte dadurch fast mit einer vierstelligen Ziffer. Der Kellner hĂ€tte sich zwar bestimmt ĂŒber die paar Tausend Kronen Trinkgeld gefreut, Jasmin zog dann aber doch noch zurĂŒck und tippte die richtige Summe ein.

Nach dem Einkauf der Jause fĂŒr den nĂ€chsten Tag ging es fĂŒr uns mit dem Bus zurĂŒck nach Reine, wo wir das erste mal einen Sonnenuntergang miterleben wollten, da wir durch die kurzen NĂ€chste Norwegen noch nie im Dunkeln erlebt hatten. Wir fanden einen Tisch mit schöner Aussicht auf die untergehende Sonne hinter den Bergen und beschlossen dort zu bleiben und Uno zu spielen.

Nach einer Stunde wirde uns ziemlich kalt, weshalb wir losspazierten um uns ein wenig zu bewegen. FĂŒr den nĂ€chsten Bus zurĂŒck nach SĂžrvĂ„gen hatten wir noch zwei Stunden zu ĂŒberbrĂŒcken. Auf unserem Spaziergang stupste mich Jamsnin plötzlich an und meinte: „Hey, schau mal wer da ist!“. Vor uns stand Weo, unsere Gastgeberin, und ihr dreijĂ€hriges Kind in einem Garten und pflĂŒckte Obst. Wir sprachen sie an und sie fragte uns ob wir mit ihen zurĂŒck zum Haus fahren wollten, da sie sowieso gerade dabei sind wieder aufzubrechen. Wir nahmen dieses Angebot dankend an und setzten uns zu Juan ins Auto, der uns fragte, ob wir heute am Reinebringen – einen berĂŒhmten Berg in Reine – gewesen wĂ€ren. Als wir verneinten schlug er sich mit der flachen Hand auf die Stirn und meinte, man darf die Lofoten nicht besuchen ohne den Reinebringen zu besteigen. Er versuchte uns zu ĂŒberreden den Berg jetzt noch hochzugehen und war schließlich auch erfolgreich, denn wir stiegen an der ersten Kreuzung wieder aus. UnglĂ€ubig schauten wir uns an, denn eigentlich konnten wir nur mehr an unser Bett denken und standen jetzt stattdessen um 21:30 Uhr am Fuß des Reinebringen um diesen zu besteigen. Über 1400 Stufen ging es steil bergauf und es benötigte sehr viel gegenseitige Motivation und gutes Zureden, um nicht aufzugeben. Irgendwann bewegten sich die Beine wie von selbst und 45 Minuten spĂ€ter standen wir tatsĂ€chlich auf der Spitze des Berges. Fast kamem mir nach dieser Anstrengung die TrĂ€nen, denn vor uns lag der schönste Ausblick den ich je gesehen habe. Ich brauchte einige Minuten um zu realisieren, was hier gerade passiert war und saß einfach nur da und schaute in die Tiefe. Aber seht selbst:

Vor allem der Beginn des Abstiegs war ziemlich abenteuerlich, da unsere Beine mittlerweile ziemlich zitterten und vor allem Jasmin mit ihrer leichten Höhenangst der Anblick der steilen Stiege mit dem Abgrund direkt davor ein wenig zusetzte. Mit letzten KrĂ€ften kamen wir jedoch heil unten an und wurden von Juan wie versprochen mit dem Auto abgeholt. Begeistert dankten wir ihm einige male dafĂŒr, dass er uns zu dieser wahnsinnigen Idee ĂŒberredet hat und er lĂ€chelte nur zufrieden.

ZurĂŒck in der Unterkunft schafften wir es gerade noch zu duschen, bevor wir todmĂŒde ins Bett fielen und sofort einschliefen. Kein Wunder nach den 42.000 Schritten die wir am Tag zurĂŒckgelegt hatten!

7.8.

Schon um 5:15 Uhr waren wir wieder auf den Beinen, denn es hieß Packen, FrĂŒhstĂŒcken und ab zur FĂ€hre, mit der wir zurĂŒck nach BodĂž fuhren.

Der Abschied von den Lofoten fiel uns schwer und mit schweren Herzen betrachteten wir vom Schiff aus die immer kleiner werdenden Berge.

Wir versprachen uns aber dass wir bestimmt zurĂŒckkehren werden und dieser unglaubliche Auftakt des Norwegen-Semesters sowie einer neuen, sehr besonderen Freundschaft wird immer in meinen Erinnerungen bleiben. â˜ș


Ein Kommentar zu „Lofoten at its best 🌅“

  1. Avatar von Christine Donnerer
    Christine Donnerer

    Wahnsinn, so wunderschöne Bilder! Und wie du schreibst ist so interessant.
    Es muss dort wirklich herrlich sein.
    Schön dass es euch gut geht.
    Liebe GrĂŒĂŸe Christl

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Miriam abroad

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen