Die Tage mit meiner Familie vergingen viel zu schnell und so sitze ich nun hier, während Mama, Papa und Samy schon wieder in Süddeutschland sind und morgen daheim ankommen werden, habe das erste mal ein wenig Zeit mich dem Schreiben zu widmen und hoffe, dass ich es schaffe die vielen Erlebnisse in halbwegs richtiger Reihenfolge darzustellen, ohne zu viel zu vergessen.

Montag, 16.08.

Nachdem die Drei sich am Montag von den langen Fahrten der Vortage ausgeschlafen hatten holte mich Papa im Studentenwohnheim ab, wir kauften Frühstück und aßen gemütlich in ihrer Unterkunft. Mit dieser hatten sie richtig Glück, denn sie befand sich nicht nur 5 Minuten von mir entfernt, sondern bestand auch aus einem schön eingerichteten und voll ausgestatteten Haus eines lieben Norwegers, der sein Haus vermietete, während er sich auf Campingreise befand.

Nach dem Frühstück parkten wir das Auto bei mir am Campus und ich gab eine kleine Universitäts-Führung, bevor wir in die Stadt Halden hinunerspazierten. Meine Familie hatte das Glück, dass Norwegen beschlossen hatte sich ihnen von seiner besten Seite zu zeigen und so hatten wir fast durchgehend wunderschönes Wetter, blauen Himmel und „warme“ Temperaturen. Diese nutzten wir natürlich auch aus, indem wir die Stadt erkundeten, den Hafen entlangschlenderten und auf die Festung wanderten, von wo aus wir eine wunderschöne Aussicht genießen konnten.

Am Hafen beschlossen wir uns ein Bier zu genehmigen und den norwegischen Preisen gelang es auch Papa genauso wie mich Tage davor zu schocken, als er 9€ für sein Bier bezahlte. Trotzdem gönnten Mama und ich uns ein Eierspeisen-Lachs-Brötchen und Samy aß ein Hotdog.

Abends beschlossen Samy, Mama und ich noch einen kleinen Spaziergang um ihre Unterkunft zu machen und wir fanden dabei heraus, dass sich nicht einmal fünf Gehminuten von ihrer Haustür entfernt ein Badestrand befand, den wir bei Tageslicht noch näher auschecken wollten.

Dienstag, 17.08.

Der einzige Tag mit etwas Regen war der Dienstag, an dem wir ein wenig in den Süden fuhren, um dort an der schwedischen Grenze wandern zu gehen. Schon nach wenigen Minuten erreichten wir einen Wasserfall und wanderten neben diesem hoch, um an eine Brücke zu gelangen, die sich als Verbindung zwischen Norwegen und Schweden über den Fluss erstreckt. Wenig später befanden wir uns also in Schweden, wo wir kurz die schwedischen Bäume genossen, um danach auf der norwegischen Seite den Fluss aufwärts weiterzuwandern.

Auf unserem Rückweg probierten wir einen Abenteuerweg aus, der leider in eine Sackgasse führte. Da es mittlerweile zu regnen begonnen hatte standen wir nun mit unseren Kapuzen vor dem Fluss, der uns den Weg zur schon sichtbaren Brücke versperrte, die wir zum Parkplatz überqueren mussten. Also drehten wir um und liefen erneut durch das hohe Gras und Gestrüpp, bevor wir schließlich das Auto erreichten.

Weiter ging die Autofahrt wieder Richtung Norden, wo wir den Klaretjern-See ansteuerten. Dieser ist bekannt für sein klares Wasser und wir wurden nicht enttäuscht. Dank des Wetters und des nicht vorhandenen Parkplatzes waren wir bis auf eine Dame (die über unseren Besuch wenig erfreut schien) alleine und genossen die Ruhe und Unberührtheit, die der See ausstrahlte.

Da wir immernoch nicht genug Wasser für den Tag gesehen hatten, blieben wir auf unserem Rückweg noch am kleinen aber feinen Ormtjern-See stehen, den wir zu Fuß umrundeten. Am Weg ließen sich immer wieder Trolle finden, die uns zu einem Spiel veranlassten das daraus bestand, die Trolle als erstes zu erspähen und dann laut „Troll!“ zu rufen.

Schon als wir ankamen bemerkten wir ein Schild am Parkplatz, auf dem irgendetwas von 15:00 Uhr stand, das wir jedoch nicht entziffern konnten. Den Schranken direkt daneben nahmen wir auch nicht zu ernst und so kam es, dass wir nach Beenden unserer Seerunde schon von einem Mann erwartet wurden, der hier geduldig im Regen auf uns gewartet hatte, damit er uns nicht am Parkplatz einsperrte, der um 15:00 Uhr mittels Schranken geschlossen wird. Dankbar liefen wir zum Auto und machten uns auf den Weg zurück zur Unterkunft, wo wir kochten und zu Abend aßen. Mama und ich probierten den für Norwegen typischen Fischkuchen, der viel schlimmer klingt als er schmeckt, da an ihm nicht wirklich viel „Kuchiges“ zu finden ist.

Nach dem Essen spazierten Mama, Papa und ich noch zu ihrem Hausstrand, der uns im Tageslicht tatsächlich noch besser gefiel.

Mittwoch, 18.08.

Am Mittwoch fand mein erster offizieller Unikurs statt, in dem sich meine beiden Professoren vorstellten und uns einen Überblick über das bevorstehende Semester und seine Anforderungen gaben. Sofort fühlte ich mich richtig wohl und vor allem bestätigt in meiner Entscheidung zum Studieren nach Norwegen zu gehen, da mir nicht nur die Professoren mehr als symphatisch waren, sondern deren Arbeitsweise mich zudem sehr beeindruckten. Das Verhältnis zwischen Professoren und Studenten ist vor allem durch das Fehlen der Sie-Form und das Verwenden der Vornamen auf Augenhöhe und der Unterricht viel interaktiver und studentenorientierter.

Nach dieser ersten Einführung holte mich meine Familie an der Uni ab und wir führen in das 30 Minuten nördlich liegende Fredrikstad. Dort nahmen wir die Gratis-Fähre in die Altstadt, die wir zu Fuß erkundeten. Wir spazierten durch die Straßen und am Wasser entlang, genehmigten uns einen Kaffee und nordische Mehlspeise in einem Café, durchforsteten die kleinen Shops (und fanden Himbeerzuckerl, die Kindheitserinnerungen bei Papa weckten) und fütterten die Enten, Möwen und anderen Vögel, die durch die Futteraktion immer mehr wurden. Außerdem versuchten wir uns Zugang zu der Kirche zu verschaffen, was uns leider nicht gelang.

Nachdem wir mit der Fähre zurück zur Hauptinsel gefahren waren spazierten wir auch dort noch die Straßen entlang zur Kathedrale, die jedoch leider auch geschlossen, aber auch von außen schön zu betrachten war.

Abends fuhren wir noch weiter Richtung Norden in die Stadt Moss, wo wir auf der Insel Jeløy die idyllischen Spazierwege am Meer entlang ausnutzten, am weißen Strand relaxten und die Abendsonne von einem Aussichtspunkt aus genossen.


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