Wasserklogänge und Wassertankstellen 💧⛽️

Der Samstag ging extrem schön zu Ende, die Fotos vom Abendhimmel kann ich euch also nicht vorenthalten:

Beim Klogehen in der Nacht hab ich an euch gedacht – ich wollte dass ihr auch diesen spannenden Vorgang mitfühlen könnt, also hier eine Beschreibung: Von Flo habe ich die strikte Anweisung, in der Nacht nie ohne ihn aufs Klo zu gehen, weil er scheinbar meiner „Potschatheit“ nicht ganz traut und mich in seiner Vorstellung hilflos ins Wasser fallen sieht. Wenn ich also, wie derzeit jede Nacht, zwischen 2-3 Uhr in der Früh mit starkem Harndrang aufwache, muss ich erst mal Flo wachrütteln, der dann im Halbschlaf viel potschater als ich aus dem Bett taumelt. Dann wird unsere anspruchsvolle Tür geöffnet: Deckenluke zurückschieben, zwei Platten nach oben hin herausziehen und der Weg ist frei. Nach einer kurzen Gewöhnung an die kühle Nachtluft erscheint es uns derzeit als beste Taktik, die Hinterseite des Bootes als Klo zu nutzen. Während Flo sich dafür nur hinzustellen braucht, hänge ich mich rücksärts hockend vom Boot und halte mich dabei mit geballter Muskelkraft an den Bootsstangen fest. Der See dient praktischerweise direkt als Bidet, bevor wir uns auf den Rückweg in unser Bett machen. Dort angekommen sind wir zwar immer sehr wach, aber bisher haben wir es trotzdem immer wieder geschafft wieder einzuschlafen. (Wir hätten auch eine chemische Toilette im Boot, sind aber zu faul diese irgendwann auszuleeren. Nach dem Verfassen dieser Beschreibung frage ich mich allerdings, wie viel Sinn diese Faulheit eigentlich macht. 😅)

Montag, 07.07.2025

Widmen wir uns nun wieder schöneren Themen: Dem Aufwachen, sich kurz raussetzen um die Morgensonne zu genießen und währenddessen von seinem Mann eine Eierspeise gezaubert zu bekommen. Das Leben kann so herrlich sein! 

Nach dem leckeren Frühstück schmissen wir uns unter die Dusche – also in den See. Frisch gewaschen ging es wieder los und wir fuhren weiter südwärts, wo wir einige Kanäle durchschifften.

Der Himmel wurde leider zunehmend dunkler, bis es schließlich zu regnen begann. Da wir bei uns aber eh alles mit Plastik dichtmachen können, war das gar nicht so schlimm. Die entgegenkommenden Segler die im Regen saßen taten mir da schon mehr leid.

Apropos Segler: Als wir uns dem Städtchen Ryn näherten, kam die Sonne wieder raus und das Wasser wimmelte nur so von Segelbooten. Auf fast allen Booten befanden sich Kindergruppen. Es schien fast so, als würden alle masurischen Kinder über die Ferien segeln lernen. Da Segelboote am Wasser immer Vorrang haben, hatte Flo alle Hände voll zu tun, Zusammenstöße zu vermeiden. 

In Ryn legten wir am Hafen an, um unsere Vorräte aufzustocken. Das klingt jetzt lässig, aber ich war vor dem ersten Anlegen am Hafen ziemlich aufgeregt. Flo parkte aber wie ein Profi rückwärts ein und auch ich führte selbstbewusst Tätigkeiten, wie vom Boot ans Land springen und den Motor vom Rand weghalten oder Seile halten und so tun als würde ich Knoten machen, die dann aber eigentlich Flo macht, aus. (Er hat durch sein Pfadfinderwissen einen klaren Vorteil.)

Einmal angelegt stand unserer Shoppingtour nichts mehr im Wege und da die Supermärkte hier anbieten, dass man mit dem Einkaufswagen vom Shop bis zum Boot fahren darf, mussten wir nicht mal schleppen. Am Hafen gibt es dann eigene Plätze, wo man den Einkaufswagen wieder abstellen kann – coole Idee!

Nach einem Eis legten wir schließlich wieder ab und fuhren noch ein Stück, bevor wir in einem Seitenarm des Sees einen perfekten und sehr ruhigen Platz für die Nacht fanden.  Nach nur drei Anläufen perfekt geankert, pumpten wir unser Kayak auf und unternahmen noch eine kleine Tour das Ufer entlang. Leider hatte ich kein Handy mit, ihr müsst euch das Schilf, die Enten, die Seerosen, die riesigen Bäume, die interessanten Wasserpflanzen und das grünlich, klare Wasser also bitte selbst vorstellen. 

Als ich abends gerade mit Mama und Papa telefonierte, schwanm plötzlich ein Biber direkt an uns vorbei. Ich freute mich riesig und versuchte das Tier auch für meine Eltern auf der Kamera sichtbar zu machen, was mehr oder weniger gelang.

Als ich wenig später gerade im Inneren unseres Bootes war, kam Flo aufgeregt herein und erzählte mir, dass ein Adler plötzlich direkt über ihm einen Möwenkadaver fallen gelassen hätte, der ihn nur knapp verfehlte. Er brachte den Kadaver weg vom Boot in den Wald und so habe ich ihn nie selbst gesehen. Klingt ausgedacht, so viel Bier hatte Flo aber noch gar nicht getrunken, hmm 🤨

Abends kochten wir uns Burritos, die wir uns schmecken ließen und mit denen wir einen weiteren schönen Tag auf den Masuren ausklingen ließen.

Dienstag, 08.07.2025

Da das Wetter für die nächsten Tage weniger gut (aber für die Gegend typisch) angesagt hatte, freuten wir uns extrem, als wir wieder von Sonnenstrahlen im Gesicht geweckt wurden. Wir ließen uns die Chance natürlich nicht entgehen und unternahmen nach dem Frühstück einen herrlichen Morgenschwimm in der Sonne.

Das Wetter sollte auch den gesamten weiteren Vormittag so schön bleiben und so genoss ich die Fahrt vorne am Boot und freute mich an jedem Kormoran, jeder Möwe und besonders an jeder Schwanenfamilie, die alle gerade junge Tiere haben.

Ein nächstes aufregendes „erstes Mal“ ließ nicht lange auf sich warten: Wir mussten tanken. Im Ort Mikołajki (auch „das Venedig Polens“ genannt) fanden wir eine Wassertankstelle und stellten uns hinter einem Boot an, bevor wir selbst an die Reihe kamen. Während Flo unsere leeren Kanister auffüllte, gab ich alles unser Boot am Steg zu halten, bevor der Spaß auch schon wieder geschafft war.

Als die Wolken immer dunkler wurden, suchten wir uns wieder einen Platz, an dem wir ankerten, bevor wir uns Bruschetta zu Mittag machten. Da haben wir was angefangen, dieses Essen gibt es bei uns jetzt täglich – dieses Mal sogar mit Upgrade, denn wir haben jetzt einen Basilikumstrauch.

Während des Essens begann auch schon der Regen und so machten wir es uns während des Schauers im Boot gemütlich und spielten Skipbo. Nach einer Partie kam jedoch schon wieder die Sonne raus und Flo startete eine Fisch-Session, während ich den Radweg abcheckte, der direkt hinter unserem Schlafplatz im Wald vorbeiging.

Flo war beim Fischen endlich erfolgreich und fing zwei Barsche, die wir abends mit dem Einweggriller zubereiten wollten. Gerade als ich am hinteren Ende des Bootes die Champignons wusch, hörte ich undefinierbare Geräusche im Wald vor mir. Da sah ich auch schon etwas Großes hinter den Bäumen hervorkommen und je länger ich hinschaute, desto mehr Pferde entdeckte ich. Die Tiere rutschten wagemutig den steilen Hang herunter, um am Schilf zu knabbern und im See zu trinken. Wir trauten unseren Augen kaum und ich wollte das Schauspiel natürlich festhalten. Als ich aufgeregt versuchte mit langsamen Bewegungen ins Wasser zu steigen, schmiss ich unabsichtlich die beiden, schon von Flo fürs Grillen vorbereiteten, Fische in den See. Upsi. Flo konnte sie aber Gott sei Dank beide wieder heraus“fischen“. 😄

Die Pferde fraßen währenddessen seelenruhig weiter und zogen nach einem Wieher (des Chefs?) langsam weiter zur nächsten Bucht. Mit sowas hatten wir wirklich nicht gerechnet! Wie wir dann ergoogleten, handelte es sich bei den Wildpferde um Tarpane.

Nach der Aufregung war der Hunger noch größer und wir schmissen den Griller an, der sich leider als ziemlicher Reinfall entpuppte. Er wurde nicht richtig heiß und räucherte unser Essen mit einem feinen Spiritusgeschmack. Das ließen wir dann also lieber doch sein und packten stattdessen unseren Campingkocher aus, der gute Dienste leistete. So genossen wir unser nur fast gegrilltes aber trotzdem leckeres Abendessen, besonders die von Flo gefangenen Barsche.


6 Kommentare zu „Wasserklogänge und Wassertankstellen 💧⛽️“

  1. Avatar von Andrea Ulz
    Andrea Ulz

    Tolle Erlebnisse! Nach einem Lachflash bei deinen ersten Zeilen las Papa wieder vor und ich genoss nebenbei die schönen Fotos! Alles Liebe

    1. Avatar von miriamabroadblog

      😂 Freut mich! 😊

  2. Avatar von Michaela
    Michaela

    Hallo ihr zwei! Es ist wieder einmal ein Genuss eure Erlebnisse so nah und detailgetreu miterleben zu können 🤣:
    Weiterhin viele tolle und einzigartige Momente und Erlebnisse und gaaaanz viel Spaß!
    Alles Liebe

    1. Avatar von miriamabroadblog

      Dankeschön, das freut uns sehr! 🥰

  3. Avatar von Waltraud
    Waltraud

    Danke für die lebhaften Schilderungen, die ich sehr genieße 😍🤗
    Ich wünsche euch einen wunderschönen, eindrucksvollen Urlaub zu Wasser und grüßt mir bitte die Masuren 🥰
    Schiff ahoi und vlG
    Waltraud
    PS: die Faulheit bzgl. WC-Entleerung würde ich mir noch einmal gründlich durch den Kopf gehen lassen…😉

    1. Avatar von miriamabroadblog

      Das freut uns, die Masuren lassen dich schön zurückgrüßen! 😃🥰
      (Bezüglich WC-Entleerung gibt es im nächsten Beitrag Updates 😉)

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