Langsam fang ich an, mich an die amerikanische Gemütlichkeit zu gewöhnen. Nicht nur, dass wir die Wäsche nicht nach Farben oder sonstigen Kritierien ordnen, sondern alles gemeinsam in die Waschmaschine und danach direkt in den Trockner schmeißen, kein Bügeleisen benutzen, einmal getragenes Gewand sofort in die Wäsche geben und das Putzen den „Cleaning Ladies“ überlassen. Auch der Rasen wird mittwochs von unserem Gärtner gemäht und Post die wir versenden wollen legen wir einfach in den Briefkasten und klappen das rote Fähnchen hoch, anstatt zum Postamt zu gehen. Selbst bevor Kinderserien beginnen wird dir genau erklärt, welche Fähigkeiten und Kompetenzen bei den Kindern in der folgenden Sendung gefördert werden.
Am besten gefällt mir aber immer noch, dass die Geschäfte hier nicht nur jeden Tag und zu so ziemlich rund um die Uhr geöffnet haben, sondern auch dein Eingekauftes von einem eigens dafür angestellten Verkäufer in Tüten eingepackt wird. Du musst lediglich der Verkäuferin deine Karte reichen und „Papier“ oder „Plastik“ sagen, um das Material deiner Tüten auszuwählen.
Am Dienstag fand das alljährliche Fest meiner Nachbarschaft im Park statt, zu welchem ich mit meiner gesamten Gastfamilie ging. (Naja, eher lief, nachdem die Kinder mit dem Fahrrad fuhren und Ben noch nicht ganz herausgefunden hat, wie die Bremsen funktionieren.) Es war ein amerikanisches Fest, wie man es sich vorstellt: Die Väter versuchten sich am Grillen und führten Gespräche über Foot- und Baseball, die Mütter saßen zusammen und tauschten sich über ihre alltäglichen Problemchen mit ihren Sprösslingen aus, welche Baseball spielten und großen Gefallen daran fanden, den Ball immer mal wieder „unabsichtlich“ mitten unter die tratschenden Damen zu werfen. So lernte ich bei Burger (was sonst?), Salaten (naja, wenigstens Nudelsalate) und reichlich Chips und Cookies (darunter alle Varianten von Oreokeksen – Grüße gehen raus an Michi) eine sehr nette Nachbarin kennen, welche mir freundlicherweise ihre Hilfe in möglicherweise aufkommenden Notsituationen anbot. So half sie auch meiner Vorgängerin, als diese beim Müll raus bringen von Ben ausgesperrt wurde. Unter den Festgästen befanden sich auch Polizeimänner und -frauen, welche Seifenblasen und Karten mit Baseballspielern an die Kinder austeilten und eine Vorführung ihrer Blaulichter starteten.



Dienstag Vormittags hatte ich außerdem mein erstes Playdate mit Katharina und ihrem 1,5 Jahre alten Hostkid Evelin. Wir trafen uns am Spielplatz hinter unserem Haus und ich kochte anschließend Lunch für unsere Schützlinge, die wir danach auch schon ins Bett bringen mussten. Gerade als Katharina jedoch gehen wollte, hatte Evelin eine riesen „poop explosion“, wie es die Amerikaner liebevoll nennen, sodass wir noch etwas länger die Ehre hatten, gemeinsam Zeit zu verbringen.
Als ich heute Abend mit meiner Gastfamilie auf dem Sofa saß, wir die Lieblings-TV-Show meiner Kids schauten, Ben sich an meiner Rechten und Callie an meiner Linken an mich kuschelte wurde mir wieder klar, welch großes Glück ich habe, die Chance zu haben mein Auslandsjahr mit dieser Familie machen zu dürfen. Ich könnte mir keine bessere Gastfamilie wünschen, die so bemüht ist, dieses Jahr zu einem besonderen für mich zu machen. Von Beginn an fühlte ich mich in dem Haus dieser eigentlich fremden Menschen, auf einem völlig fremden Kontinenten, in einer komplett neuen Umgebung wohl und spreche wie selbstverständlich von „meinem zu Hause“. Das ist nicht selbstverständlich und aus diesem Grund bin ich vor allem meinen Gasteltern sehr dankbar, dass sie mich so liebevoll aufgenommen haben!
Auf den folgenden Fotos und Videos zu sehen: Bennie in seinem Lieblingskostüm, Bennies Lieblingsplatz beim Fernsehen, krasse Geschwindigkeiten auf den Cars der beiden Raudis, sowie „extra kleines Eis“ – nobody knows wie das große aussieht.




