Donnerstag, pünktlich 6:00 Uhr morgens, schwang ich mich aus meinem Bett, machte mich fertig, packte ein paar restliche Utensilien in meinen Handgepäckskoffer und wurde dann auch schon von Annelie abgeholt, die sich netterweise dazu bereit erklärt hatte, mich zum Flughafen zu bringen. Nicht nur, dass sie an ihrem freien Vormittag früh für mich aufstand, sie wurde auch noch schwierigen Wetterverhältnissen und einer Schneefahrbahn ausgesetzt, weshalb ich ihr doppelt dankbar bin!
Eine spannende Fahrt später stieg ich am Flughafen aus und überdachte für einen kurzen Moment die Idee, als orientierungslosester Mensch alleine nach Kanada zu fliegen. Leider war es für Zweifel schon zu spät und so durchquerte ich den Sicherheitscheck, wurde von Drogenhunden beschnüffelt und gelangte schließlich ohne weitere Zwischenfälle zu meinem Gate, wo ich die Wartezeit damit überbrückte, mit Mama zu telefonieren. Auch das Boarding und der Flug verliefen gut, ich genoss von meinem Fensterplatz aus die Aussicht auf die verschneite Winterlandschaft und stimmte mich mit emotionalen Liedern auf das Wiedersehen mit Vivie nach 6 langen Monaten ein. 😃
Drei Stunden und eine Diskussion mit einem kanadischen Sicherheitsmann, welcher fest davon überzeugt war dass ich Alkohol schmuggelte, später fand ich mich planlos am Flughafen in Toronto herumirrend wieder, auf der verzweifelten Suche nach dem richtigen Bus. Wer kommt auf die Idee in einer Stadt 15 verschiedene Bus-, Zug- & U-Bahnlinien zu bauen?! Da Vivie Weihnachten in Österreich verbrachte und ihr Flug erst am Abend landete, musste ich mir eine Beschäftigung für den Nachmittag suchen. Ich entschied mich dafür, in die Yorkdale mall zu fahren und war beeindruckt von mir selbst, als ich schon 20 Minuten später im richtigen Bus saß. Umgeben vom Schnarchen des Mannes hinter mir und einem nicht identifizierbaren Geruch genoss ich die Fahrt, die Dank eines Verkehrsstaues 40 statt 15 Minuten dauern sollte.
Nichts verdarb mir meine gute Laune und so zog ich im riesigen Einkaufszentrum von Geschäft zu Geschäft, schaffte es eine Frau am Hilfestand zu überreden meinen Koffer für ein paar Stunden zu übernehmen, probierte mich dann durch Klamotten und kämpfte in einem gigantisch großen Geschäft 20 Minuten damit, den Ausgang wiederzufinden.
Ab 7:40 wurde meine Aufregung immer größer, da ich jeden Moment eine Nachricht von Vivie bekommen sollte, dass sie gelandet sei. Als ich um 9:15 immernoch nichts von ihr gehört hatte wurde ich langsam nervös und fing an mir die wildesten Szenarien auszumalen, was denn mit ihr passiert sei. Um 9:30 dann endlich die ersehnte Nachricht: „triff mich bei der U-Bahnstation!“ Sofort stürzte ich los und war mehr als erleichtert, als eine komplett fertige Vivie die Tür aufschwang und mir um den Hals fiel. Draußen wartete der Taxifahrer auf uns und eine kurze Taxifahrt später kamen wir am Haus Vivie’s Familie an. Bis tief in die Nacht tratschten wir über hundert verschiedene Themen, schafften es so gut wie kein Gesprächsthema fertig zu sprechen, da uns dazwischen so viele neue Geschichten einfielen und umarmten uns ungefähr 50x, da wir beide mehr als erleichtert und froh waren, uns nach den Strapazen des Tages und 6 Monaten ohne einander endlich wiederzuhaben! ❤️
Nach einer gemütlichen Nacht auf unserem selbstgebauten Matratzenlager machten wir uns mit dem Bus und der U-Bahn auf den Weg in die Stadt Toronto, wo wir erst einmal gemütlich brunchten um uns für den Tag zu stärken. Diesen verbrachten wir damit verschiedene Dinge in der Stadt anzusehen, Vivie zeigte mir tolle Plätze, Cafés und Restaurants und wir genossen die Zeit miteinander. Abends begaben wir uns in eines Vivies Lieblingsrestaurants um zwei riesige „fishbowl“ zu trinken und ein wirklich leckeres Essen mit abschließendem Schokoladenkuchen mit Popcorn zu uns zu nehmen.






Für den nächsten Tag hatten wir geplant ein Auto zu mieten, um zu den zwei Autostunden entfernten Niagarafällen zu fahren, wurden jedoch von einem glücklichen Zufall überrascht. Drei australische Au Pair Freunde von Vivie fuhren an diesem Samstag auch zu den Fällen und boten an, uns mitzunehmen. Dankbar sagten wir natürlich zu und schauten uns dick eingepackt die berühmten Niagarafälle an, welche mich sehr beeindruckten. Durch den Schnee und die Kälte bot sich uns eine unbeschreiblich schöne Winterlandschaft und ich konnte gar nicht aufhören Fotos zu schießen. Als wir anschließend einen Mann baten ein Bild von uns gemeinsam mit den großen „Canada“-Buchstaben zu machen wurden wir schwer enttäuscht, da unser Profifotograf es schaffte aus Canada Anada zu machen 🤦🏻♀️





Nachdem wir uns schweren Herzens vom Anblick der Wasserfälle trennen konnten fuhren wir weiter in das kleine Dorf „Niagara on the lake“, um dort zu essen und die Straßen mit den kleinen Shops zu erkunden.
Der Sonntag war voll mit Sightseeing durch Toronto: wir besuchten den CN Tower, das eatoncenter, das Stadion der Basketball- & Eishockeymannschaft Torontos, die „Hockey Hall of Fame“ und mein persönliches Highlight des Tages: Harbour front, von wo aus wir Toronto island sehen konnten und einen wunderschönen Ausblick auf den gefrorenen See hatten. Hier nehmen wir auch einen kleinen Snack zu uns – einen sogenannten „Bieberschwanz“. Schmeckt weit besser als es klingt! 😄








Abends genossen wir noch einen Gemüsesnack, bevor wir uns für die letzte Nacht im Jahr 2017 bereit machten. Erst nachdem daheim in Österreich schon das neue Jahr angefangen hatte trafen wir uns bei einer australischen Au Pair Freundin von Vivie mit 10 anderen Au Pairs und einem Bruder eines Au Pairs, spielten dort Partyspiele und aßen leckere Snacks. Später abends machten wir uns mit der U-Bahn auf den Weg Downtown, um das große Feuerwerk anzusehen. Noch nie in meinem Leben war es mir so kalt wie in dieser Nacht, als wir uns mit tausenden anderen Menschen auf dem Eis sammelten und auf den Start ins Jahr 2018 warteten. Für das Feuerwerk hatte es sich wirklich ausgezahlt in der Kälte zu warten, auch wenn wir danach durch die Menschenmassen große Mühe hatten in die U-Bahn zu kommen, die uns wieder Richtung Vivie’s Haus bringen sollte, wo wir uns endlich wieder aufwärmen konnten und bei einer Eierspeise und einem Film die Nacht ausklingen liesen.

Nachdem wir am Montag erst einmal ordentlich ausgeschlafen haben, lernte ich Vivie’s Gastfamilie kennen, die am Abend zuvor von ihrem Österreich-Besuch zurückgekommen waren. Ihre beiden Gastjungs waren auch schon ganz gespannt wer da neben ihrer Vivie schläft und ich bekam vom jüngeren der beiden sofort eine Einführung in seine „Paw Patrol“-Sammlung. Außerdem wurden uns ganz aufgeregt alle Weihnachtsgeschenke vorgeführt die sie in Wien bekommen hatten und Henry erklärte mir genau, wie seine beiden Rennmäuse gefüttert werden. Außerdem versuchten uns die beiden zu überreden mit ihnen nach draußen zu gehen um einen Schneemann zu bauen oder eine Schneeballschlacht zu veranstalten, welchen Wunsch wir ihnen trotz meiner nicht vorhandenen Schneehose jedoch leider nicht erfüllen konnten. So machten Vivie und ich uns noch einmal zu Fuß auf den Weg um ein nettes Café für einen Abschlussplausch zu finden, blieben jedoch wegen des Feiertages erfolglos und landeten bei Starbucks. Wieder daheim angekommen spielten wir noch eine schnelle Runde „Stress“, kochten uns Reis mit Tomatensoße und machten uns dann auch schon auf den Weg zum Flughafen. Der Abschied von Vivie war nicht leicht, doch da wir schon angefangen haben ihren Besuch bei mir zu planen, versuchten wir uns eher darauf zu freuen.
Nun war ich wieder auf mich alleine gestellt und ein wahrlicher Horrorabend am Flughafen sollte mir noch bevorstehen. Schon den ganzen Tag lang hatte ich versucht online für meinen Flug einzuchecken, was jedoch aus unerklärlichen Gründen nicht klappte. Also versuchte ich es mit Einchecken am Flughafen, was natürlich auch erfolglos blieb. Nachdem ich drei Mitarbeiter um Hilfe gefragt hatte landete ich in einer langen Menschenschlange, wartete 55 Minuten und bekam dann gesagt, dass ich das Glück hatte, für einen Extra-Sicherheitscheck ausgewählt worden zu sein. Mit großer Freude marschierte ich los Richtung Sicherheitscheck und wurde von drei Geräten durchleuchtet, durfte mein komplettes Gepäck auspacken, welches ewig lang durchsucht wurde und wurde ungefähr fünf mal aufgefordert meinen Namen zu buchstabieren um dabei kritisch von drei Männern gemustert zu werden. Nachdem sie sich sicher waren dass ich nur gefährlich aussah, jedoch harmlos bin, durfte ich weiterziehen, um in der nächsten Schlange 40 Minuten zu warten. Ein Sicherheitsmann, welcher sichtlich keine Lust mehr hatte zu arbeiten, nahm meine Fingerabdrücke ab, machte Fotos von meinem Gesicht, stellte sicher dass ich nichts in die Staaten schmuggelte und entlies mich schließlich, um mein Gate zu finden. Sehr erleichtert das Schlimmste nun endlich hinter mich gebracht zu haben fiel ich auf einen Stuhl und freute mich darauf, 15 Minuten später im Flugzeug zu sitzen. Natürlich machte es mir das Schicksal jedoch nicht so einfach und ein wenig später wurde ein Gate-Wechsel meines Fluges, sowie eine Verschiebung des Fluges um 15 Minuten durchgesagt. 15 Minuten später erfuhren wir, das Boarding würde doch noch um 30 weitere Minuten verschoben werden und danach erreichte uns eine weitere frohe Botschaft: das Gate wurde ein weiteres mal geändert und die Zeit des Fluges würden wir später erfahren. Auf dem Weg zum dritten Gate dieses Abends lernte ich einen kanadischen Augenarzt kennen, welcher seine Arbeit in Minnapolis ausübt. Mit ihm führte ich sehr anregende Gespräche, bis wir uns fast zwei Stunden später endlich ins Flugzeug begeben durften.
Nun sitze ich im Flieger und werde in 20 Minuten in Minneapolis landen und freue mich nach diesen ereignisreichen Tagen sehr auf mein warmes Bett zu Hause. ☺️
