Als Einstimmung auf die Festtage besuchten Eva, Annelie, B. und ich am Wochenende vor Weihnachten einen Weihnachtsmarkt in Minneapolis, der, wie wir hörten, einem europĂ€ischem Ă€hnlich sein sollte. TatsĂ€chlich gab es genauso wie bei uns einige StĂ€nde mit Leckerein, Schmuck, Kleidung, Dekorationen und es liesen sich sogar „german sausages“ finden. Trotzdem fand ich den Markt mit den kunterbunten Lichterketten, den vielen Menschen, aufwendige Dekorationen und einem Feuerwerk doch eher amerikanisch als europĂ€isch. Besonders freute ich mich auf den Eislaufplatz, an dem wir gratis Schlittschuhe ausborgen und benutzen konnten. Jedoch stellte sich das Eislaufen als groĂe Challenge heraus, da meine HauptbeschĂ€ftigung eher darin bestand aufzupassen, nicht in andere Menschen zu fahren bzw. mich nicht umfahren zu lassen. Unsere thailĂ€ndische Freundin B. stand dazu auch noch zum zweiten mal in ihrem Leben auf Schlittschuhen und wir hatten groĂe MĂŒhe damit, sie von der Stelle zu bewegen.



Nach einer Woche voller heiĂer Schokolade, Kekse backen und Fertigstellen der Geschenke war es dann am Samstag den 23.12. soweit und mein erstes Weihnachtswochenende so weit entfernt von zu Hause begann. Vormittags trafen unsere ersten GĂ€ste ein und die Vorbereitung fĂŒr unser Christmas-Lunch mit der gesamten Verwandtschaft meiner Gastmama begann. Nachdem wir alle gemeinsam am Tisch (den meine Gasteltern, typisch Amerika, extra fĂŒr diesen Tag gekauft hatten) das leckere MenĂŒ verspeist und ich alle selbstgemachten Kekse meiner Gastoma durchprobiert hatte, stand auch schon die erste Bescherung an. Callie, Ben und die Cousine wurden reich beschenkt und konnten sich vor neuen Spielsachen nicht mehr retten und auch ich bekam, ohne damit zu rechnen, tolle Geschenke von Tanten und GroĂeltern! Die vielen Geschenke wurden ausnahmslos im Laufe des Nachmittags getestet und ausprobiert, bis mein Gastopa nur noch bewegungslos und erschöpft auf der Chouch auffindbar war.
SpÀter Abends machte ich mich mit Eva und einem amerikanischen Freund von uns auf den Weg auf eine Hausparty und feierten so in den 24. Dezember hinein.




Vier Stunden Schlaf spĂ€ter rief ich auch schon meine Familie zu Hause an, und konnte so an der Bescherung und dem Raclette-Essen danach teilhaben. Danach bereitete ich gemeinsam mit meinen Gasteltern ein paar Hot Dogs, Nachos, irgendetwas Scharfes im Speckmantel und Pizza als Fingerfood zu, welches wir dann gemĂŒtlich auf der Chouch beisammensitzend verspeisten, wĂ€hrend wir uns eine sehr amĂŒsante, amerikanische Show anschauten, bei der es darum ging, welche Familie die ausgefallenste, gröĂte und bunteste Weihnachtsbeleuchtung besaĂ. Abends schlĂŒpften die Kids dann in ihre Pyjamas, Curt bereitete special Popcorn und Christmasdrinks zu und wir veranstalteten einen „Christmasmovie-Pyjama-Popocorn-Evening“ auf der Chouch. Bevor die Kinder ins Bett gingen, legten wir noch Kekse und Kakao fĂŒr Santa Claus bereit und schalteten unsere Weihnachtsbeleuchtung ein, um sicher zu gehen, dass der Weihnachtsmann unser Haus auch findet!
Um 10:30 Uhr abends machte ich mich mit Eva auf den Weg nach Minnapolis, um in der Basilca St Mary an der Christmette teilzunnehmen. Die Kirche war gestopft voll und es herrschte eine tolle Stimmung, als die Lichter ausgemacht und die Kerzen angezunden wurden, die wir zuvor am Eingang bekamen. Ein riesiger Chor sang stimmungsvolle Lieder und zu unserer Ăberraschung stimmte die Gruppe schon zu Beginn ein deutsches Lied an und trĂ€llerte in amerikanischen deutsch „Es ist ein RosÂŽentsprungen“. Mein persönliches Highlight war das Lied „Stille Nacht“, welches neben deutsch noch in vier anderen Sprachen gesungen wurde, wĂ€hrend sich der Chor in den GĂ€ngen zwischen den Menschen verteilte. Besonders cool fand ich auĂerdem, dass alle Lieder und Gebete auch auf GebĂ€rdensprache ĂŒbersetzt wurde.





Wieder einmal konnte ich nicht sehr lange schlafen, da die Kinder um 6:30 putzmunter im Zimmer meiner Gasteltern standen und diese MĂŒhe hatten sie davon abzuhalten, schon runterzugehen und nachzusehen ob Santa denn da gewesen war. So beeilte ich mich und um 6:45 kam Bennie auch schon aufgeregt auf mich zugelaufen um mir zu erzĂ€hlen, dass er Santas Rentiere auf dem Dach gehört hatte. Die Aufregung und Freude der Kinder war unbezahlbar und es war schön mitanzusehen, wie sie sich ĂŒber jede Kleinigkeit die sich in ihrem Socken ĂŒber dem Kamin befand freuten. Auch in meinem Socken lies sich so allerhand finden und das Klischee, dass Amerikaner die Anzahl der Geschenke ĂŒbertreiben bestĂ€tigte sich! Auch meine Geschenke fĂŒr die Familie kamen super an und Fotos von meinen Bastelarbeiten wurden sofort von meiner Gastmama an die gesamte Familie und Freunde verschickt. Den Rest des Tages verbrachten wir wieder damit die unzĂ€hligen neuen Spielsachen auszuprobieren, Lasagne zu essen und uns einen gemĂŒtlichen, lazy Tag im Haus zu machen, wĂ€hrend drauĂen -23 Grad Celcius herrschten.









Ich hatte um ehrlich zu sein ein wenig Angst davor, das Weihnachtsfest am anderen Ende der Welt, so viele Kilometer von meinen Liebsten entfernt zu feiern und konnte mein erstes Heimweh förmlich schon riechen. Gott sei Dank habe ich jedoch das groĂe GlĂŒck eine so wundervolle Familie zu haben, die mir nicht nur seit 1. Dezember jeden Tag ein neues Video als meinen Adventkalender schickt, sondern mich auch am Heiligen Abend (bei mir ja eher heiligen Vormittag) per Video anruft und mich so an der Feier teilhaben lĂ€sst. Als ich meine Familie so zusammensitzen sah, bekam ich schon groĂe Lust auf einen Sprung heimzufliegen und allen eine Weihnachtsumarmung zu geben. Trotzdem gelang es mir stark zu bleiben und ich erinnerte mich immer wieder selbst daran, welch groĂes GlĂŒck ich habe, Weihnachten hautnah am anderen Ende der Welt in meiner zweiten Familie miterleben zu dĂŒrfen. Auch Mama und Papa gaben mir das GefĂŒhl sich mit mir ĂŒber diese Chance zu freuen anstatt nur zu sehen, dass ich dieses Jahr so weit weg bin und so konnte ich Weihnachten in Amerika wirklich genieĂen! Und das Beste: Es waren tatsĂ€chlich weiĂes Weihnachten!
