Freitag
Freitag Abend schnappte ich mir meinen bis zum Rand vollgestopften Rucksack und lies mich von Eva zum Flughafen bringen, um den nĂ€chsten Roadtrip zu starten. DafĂŒr flog ich nach Atlanta, wo ich fĂŒr eine Nacht bei Hannah unterkommen durfte, welche ich vor ungefĂ€hr zwei Monaten im Zug nach Washington DC kennengelernt hatte. Nicht nur dass Hannah mich, ein quasi wildfremdes MĂ€dchen das sie 30 Minuten lang im Zug vollgequatscht hat und welches sie seitdem nie mehr gesehen hatte, gratis bei sich unterkommen lies, sie wartete auch schon mit einem extra aufgebautem Bett wessen MatratzenhĂ€rte ich mir selber einstellen konnte auf mich und gab mir auch noch ihre frischgewaschene Decke, wĂ€hrend sie mit einer dĂŒnnen GĂ€stedecke schlief. Ich war Hannah ĂŒber diesen Komfort mehr als dankbar, auch weil ich zuvor alleine um Mitternacht am Flughafen ankam und komplett durch ein ziemlich dunkles Parkhaus spazieren musste, um zu der Pickup-Station zu gelangen, wo mich mein Uberfahrer abholte.
Hannah und ich verbrachten noch eine gute Stunde damit ĂŒber Gott und die Welt zu quatschen und uns eigentlich erst ein wenig kennenzulernen, bevor uns beiden die Augen zufielen.
Samstag
Am nĂ€chsten Morgen landeten auch Mimi, Alisa, Cece und Roro in Atlanta und planten erst unser Mietauto und danach mich abzuholen. Leider begann der Roadtrip mit ein paar weniger erfreulichen Nachrichten von Miriam. Sie schrieb mir, dass wir noch ziemlich viel extra bezahlen mĂŒssen da wir das Auto an einem anderen Standort zurĂŒckgeben und dass unser kleiner Wagen leider nicht wie erhofft geupgradet wurde sondern wir uns nun zu fĂŒnft mit zwei groĂen und einigen kleinen Koffern in das kleine Auto quetschen mĂŒssen. Schon einige Minuten spĂ€ter erreichte mich jedoch eine erfreulichere Nachricht: Alisa hatte, mehr aus SpaĂ als Ernst, die Vermietung beim Vorbeigehen nach dem roten Truck gefragt und diese ihr daraufhin sofort das Auto angeboten. NatĂŒrlich liesen sich die MĂ€dels nicht zweimal fragen und entschieden sich kurzerhand dazu den roten Truck zu fahren, welcher 30 Minuten spĂ€ter such schon mit lautstarker Musik bei Hannah angerollt kam um mich abzuholen.

Los ging also die Fahrt in die erste Stadt: Nashville, Tennessee. Gut gelaunt und mit viel Musik verging die Zeit wie im Nu und schon wenig spĂ€ter standen wir vor einem ziemlich gruselig aussehenden Motel, welches wohl unseres war. Wir liesen uns vom Ă€uĂeren Erscheinungsbild des Motels nicht abschrecken, holten die SchĂŒssel fĂŒr unser Zimmer und machten uns auf die Suche nach unserem Raum. Auch das Zimmer ĂŒberraschte uns leider nicht zum positiven, war aber zweckerfĂŒllend. Naja, es handelte sich um ein Zimmer fĂŒr 4 Personen, da ich mich spontan dazu entschied mit auf den Roadtrip zu kommen und die Zimmern zu diesem Zeitpunkt schon gebucht waren. FĂŒr uns war auch dies kein Problem und so bereiteten wir uns Minipizzen in der Rezeptions-Mikrowellen zu, machten wir uns frisch, tranken noch ein paar Margaritas und Bier im Kofferraum unseres Trucks und bestellten dann ein Uber in die Stadt. Leider zeigten die Margaritas ihre Wirkung als Roro ein Uber fĂŒr 4 statt 5 Personen bestellte, was wir natĂŒrlich erst realisierten als dieses schon hier war. Schnell schmiedeten wir den Plan uns zu viert auf die Sitzbank zu quetschen und zu hoffen, der Fahrer wĂŒrde es nicht bemerken. NatĂŒrlich ging dieser Plan nicht ganz auf, unser netter Fahrer drĂŒckte jedoch ein Auge zu und wollte uns trotzdem downtown fahren. WĂ€hrend der Fahrt freundeten wir uns sogar so gut mit ihm an, dass er noch zwei seiner Cousins anrief und die drei uns einen wunderschönen Platz in Nashville zeigten. So saĂen wir gleich darauf neben einem Fluss im Gras und hatten eine tolle Aussicht auf die Skyline der Stadt, die sich im Wasser spiegelte. Wenig spĂ€ter machten wir uns dann auch schon zu FuĂ auf den Weg ĂŒber eine BrĂŒcke und befanden uns auf der „Broadway Street“, einer sehr belebten StraĂe an der sich Bars aneinanderreihten. So zogen wir von Location zu Location und genossen viel Livemusik, Country und Cowboys, tanzten, sangen Karaoke und hatten eine wirklich lustige Nacht.









Sonntag
Den Sonntagmorgen verbrachte ich mit Roro damit im Kofferraum unseres Trucks zu chillen, Musik zu hören und die (um diese Zeit noch nicht zu heiĂen) Sonnenstrahlen zu genieĂen, bevor wir uns wieder auf den Weg in die Innenstadt machten, um dort auf einem ârooftopâ-Restaurant mit Livemusik Lunch zu uns zu nehmen.
GestĂ€rkt ging es zurĂŒck zum Auto, in dem wir die nĂ€chsten zwei Stunden verbrachten, bis wir in Memphis ankamen. Nachdem wir uns in unserem, sagen wir mittelgruseligen, Motel frisch gemacht hatten fuhren wir los Richtung Graceland, um Elvis zu besuchen. Da dieser nicht zu Hause war um uns persönlich reinzulassen und eine Tour uns zu teuer war schossen wir Fotos von drauĂen, sahen sein Privatflugzeug, Haus und RiesengrundstĂŒck.


Nach diesem kleinen Ausflug parkten wir unseren Truck in der Innenstadt Memphisâ (ein junger Mann öffnete extra fĂŒr uns einen riesen Parkplatz, da wir es nicht schafften beim kleinen einzuparken) und begaben uns auf die âBeale Streetâ. Im Prinzip war diese StraĂe der von Nashville ziemlich Ă€hnlich, nur ein wenig kleiner. Wir fanden einen schönen Gastgarten mit live Bluesmusik wo wir uns niederliesen und Cocktails schlĂŒrften. Danach schlenderten wir noch ein wenig durch die StraĂe, besuchten Souvenirshops und genossen die Blues-AtmosphĂ€re.


Montag
Montag Vormittag waren wir dann auch schon wieder auf der StraĂe, um den nĂ€chsten Staat zu bereisen: Arkansas. Am Vorabend hatten wir uns im Internet einen sehr idyllisch aussehenden Park rausgesucht, welchen wir nun vorhatten zu besuchen. Ich war ĂŒbrigens an der Reihe den Truck zu fahren, was mir unglaublich groĂen SpaĂ machte. Ich hatte schon kurz ĂŒberlegt wie ich das Auto am besten mit nach Hause schmuggeln könnte.

Im Park angekommen fanden wir ein wunderschönes PlĂ€tzchen am See, wo wir es uns mit der Ukulele gemĂŒtlich machten und die Zeit genossen.


Nach der kurzen Pause in der Natur fuhren wir weiter nach Jackson in Mississippi. Da die ersten 5 Meilen der Strecke nur auf einer kleinen StraĂe aus dem Wald hinausfĂŒhrten beschlossen Mimi, Roro und ich uns in den Kofferraum zu setzen, was sich als gemĂŒtlicher als gedacht herausstellte. Der Wind blies durch unsere Haare, um und herum war nur Natur und in diesem Moment war ich mal wieder einfach nur glĂŒcklich und dankbar fĂŒr all die tollen Dinge die ich zurzeit erleben darf. Als es zurĂŒck auf den Highway ging setzten wir uns jedoch wieder ins Auto, das war uns dann doch zu viel Wind in den Haaren.
Kurz vor Jackson stoppten wir an einem Tattoostudio, da sich Mimi, Roro und Ali ein Tattoo als Erinnerung an den Trip machen lassen wollten. (Ich nicht, gern geschehen Mama!)
Drei kleine Tattoos spĂ€ter fuhren wir weiter zu dem fĂŒr die Nacht gebuchten airbnb, ein Gartenhaus welches von der nettesten Gastgeberin ever vermietet wird. Als wir an ihrem Haus ankamen waren wir entzĂŒckt von dem Garten sowie der HĂŒtte, welche liebevoll gestaltet und eingerichtet waren. Eine Ă€ltere Dame begrĂŒĂte uns ĂŒberschwĂ€nglich mit einer Umarmung und teilte uns mit dass sie gerade dabei war Muffins fĂŒr uns zu backen. Wir konnten ihre Gastfreundschaft kaum fassen und beschlossen diesen Abend einfach im Garten ausklingen zu lassen und Sâmores zu machen. Leider gelang es uns wegen eines Regenschauers frĂŒher am Tag nicht das Lagerfeuer anzuzĂŒnden, weshalb es dann Sâmores aus der Mikrowelle wurden. Trotzdem schmeckten sie lecker und wir genossen einen schönen lauen Abend im Garten, mit Bier, Sâmores und Wassermelone.
Dienstag
Vormittags waren wir schon wieder auf der StraĂe um uns auf den Weg nach New Orleans zu machen. 4,5 Stunden und gefĂŒhlt 100 Klopausen am Pannenstreifen des Highways spĂ€ter kamen wir am Flughafen an, wo wir Marie abholten. Die Freundin von Alisa wĂŒrde die Gruppe bis Samstag begleiten, da ich ja Mittwoch schon wieder zurĂŒck nach Minnesota fliegen musste.
Zu sechst (gut das wir im Truck so viele Sitze hatten!) ging es ab zu Walmart, wo wir unsere Essens- und GetrpnkevorrĂ€te fĂŒr die nĂ€chsten Tage auffrischen wollten. WĂ€hrend die eine HĂ€lte unserer Crew jedoch im Store war begann es plötzlich so heftig zu regnen, dass sich das Wasser auf der GepĂ€cksflĂ€che sammelte und unser komplettes Zeug nass wurde. Um zu retten was noch zu retten war, schmissen Mimi und ich alles auf die RĂŒckbank des Trucks und wir schafften es irgendwie mit GepĂ€ck und 6 Personen im Auto zum airbnb zu gelangen. Als wir wenige Minuten spĂ€ter ankamen hörte es auch schon wieder auf zu regnen und der Himmel war so blau als wĂ€re nie etwas gewesen.
So setzten wir uns in unseren kleinen Garten, sonnten uns und hörten Musik, bevor wir uns fertig fĂŒr den Abend machten. Diesen wollten wir auf der „Bourbon Street“verbringen, wo sich die meisten Bars und Clubs befanden. Gesagt, getan: Die nĂ€chsten Stunden bis 3 Uhr morgens hielt uns die StraĂe beschĂ€ftigt, wir tanzten und sangen zu Livemusik, hatten fĂŒr einige Zeit unseren eigenen Privatclub, zogen von Bar zu Bar, schauten von Balkonen hinunter auf die StraĂe und hatten einfach eine super Zeit! Mit einem McDonaldâs Essen (shoutout an unseren coolen Uberdriver!) auf unserer Veranda lieĂen wir die Nacht ausklingen und fielen mehr als mĂŒde in unsere Betten.


Mittwoch
Nachdem Mittwochmorgen alle wieder mehr oder weniger lebendig waren ging es fĂŒr uns noch einmal in die Stadt, wo wir in dem berĂŒhmten âAcmeâ zu Mittag aĂen und noch ein wenig durch die StraĂen schlenderten, bevor wir Richtung Flughafen aufbrachen, wo mich die MĂ€dels ablieferten.


Jetzt sitze ich hier im Flugzeug Richtung Minnesota und bin glĂŒcklich ĂŒber die letzten paar Tage, die durch die viele Musik und vor allem die tollen Menschen mit denen ich sie verbringen konnte einfach unglaublich waren!
