Den vorletzten Tag in Island begannen wir mit einem Besuch bei den, nur 10 Minuten von der Farm, auf der wir übernachteten, entfernten Hot Springs. Da es noch ziemlich früh war als wir ankamen, war außer uns nur ein junger Mann da, der leider ein bisschen schneller war und den natürlichen Minipool vor uns erreichte. Neben diesem Pool war noch eine größere Wasserstelle, die aber so heiß war, dass wir nicht einmal die Hand länger als zwei Sekunden drinnen behalten konnten. Also blieb uns nichts anderes übrig als zu warten und um den Herrn im Pool herumzugehen, während wir hofften, er würde nicht zu lange baden. Nach fast einer Stunde warten wurde uns jedoch ziemlich kalt und so fasste sich Manuel ein Herz und fragte den Mann, wie lange er noch gedenkte zu baden. Dieser antwortete ihm mit ungefähr 30 Minuten, schlug uns aber vor, uns einfach dazuzusetzen. Das Wasserloch war so klein, dass es uns vollste Konzentration kostete unsere Gesellschaft nicht ständig aus Versehen zu berühren, ansonsten genossen wir aber das heiße Wasser nach der Kälte der letzten Tage. Die romantische Badestimmung zu dritt hielt nicht mehr lange an, da sich unser Freund bald doch entschloss, sich wieder anzuziehen und wir konnten den Hot Tub für ein paar Minuten zu zweit genießen, bevor wir von einem australischen Paar Gesellschaft bekamen, das genauso unauffällig um den Pool kreiste, wie wir kurz zuvor. Da langsam immer mehr Autos am Parkplatz zu sehen waren, überließen wir den beiden unseren Platz und machten uns auf den Weg zurück zum Auto, um dort Frühstück zu kochen.
Mit vollen Mägen fuhren wir daraufhin nach Hraunfossar, einem Wasserfall von dem wir nach den letzten Tagen voller Wasserfälle keine großen Erwartungen hatten. Umso überraschter waren wir dann, als wir herbstliche Bäume und wunderschön blaues Wasser vorfanden, das den Berg hinunterprasselte. Von Sonnenschein begleitet unternahmen wir einen kleinen Spaziergang, bevor wir weiterfuhren.



Als wir an einer Kuhweide vorbeikamen, sahen wir eines der Tiere mit dem Kopf im Stacheldraht hängen und drehten sofort um, um die arme Kuh zu retten. Da sich diese Weide am Rande einer großen Straße befand, bogen wir kurzerhand in einen kleinen Schotterweg daneben ein, was nicht unsere beste Idee war, wie sich schon wenig später herausstellte. Der rechte Vorderreifen des Vans hatte sich so tief in den Schotter gewühlt, dass wir weder vor noch zurück konnten und das Auto sich nicht mehr von der Stelle bewegte. Auch als wir versuchten anzuschieben rührte sich der Wagen keinen Zentimeter von der Stelle, sondern war mitlerweile so tief im Schotter, dass die Verkleidung der Stoßstange schon am Boden anstieß. Leider ging es direkt neben dem Reifen ziemlich steil nach unten und langsam bekamen wir Angst, dass das verdächtig schief stehende Auto hinunterstürzen würde.
Uns blieb nichts anderes übrig, als vorbeikommende Autos anzuhalten, deren Fahrer uns zwar allesamt mitleidig anschauten und gute Ratschläge gaben, jedoch nicht wirklich weiterhelfen konnten. Ungefähr 500 Meter von uns waren ein paar Hausdächer zu sehen und so war unser nächster Plan, bei den Häusern zu klingen und um Hilfe zu fragen. Die ersten beiden Gebäude schauten von nahem ziemlich gruselig und unbewohnt aus, das dritte Haus war zwar nicht weniger gruselig, jedoch waren Stimmen vom inneren einer Halle zu hören. Wir folgten dem Geräusch und standen plötzlich vor einem Mann mit Glatze und blauem Overall. Verzweifelt schilderten wir ihm unser Problem und zeigten ihm ein Foto des feststeckenden Autos, das er kurz betrachtete, eine Augenbraue hochzog, uns anschaute und dann kurz aber bestimmt sagte: „I can help you.“ Dies war Musik in unseren Ohren und wir schauten ihm dabei zu, wie er ein Seil in seinen Truck packte, bevor er uns deutete, wir sollen einsteigen und sich mit uns auf den Weg zu unserem Gefährt machte. Dort angekommen, band er das Seil mit ein paar geschickten Handgriffen erst an unserem Bus, dann an seinem Auto fest, versuchte mir zu verstehen zu geben ich solle ausweichen und setzte sich zurück in sein Auto. Manuel war derweil schon im Van eingestiegen und legte den Rückwärtsgang ein, während unser Helfer mit dem Truck vorwärts fuhr. Es brauchte keine Sekunde und unser Wagen bewegte sich mühelos nach hinten und wenig später stand er auch schon auf der Straße. Erleichtert bedankten wir uns bei unserem Retter und saßen dann beide erst einmal kurz ruhig im Auto, um die Aufregung zu verdauen. Alles noch einmal gut gegangen!

Einen spontanen Zwischenstopp legten wir in der Stadt Akranes ein, um den Schock zu verdauen und Thunfisch-Mais-Basilikum-Nudeln zu kochen, die wir im warmen Auto mit Aussicht auf einen Leuchtturm einnahmen.
Durch einen Tunnel, welcher unter dem Meer durchführte, ging es zurück in die Hauptstadt Islands, wo wir noch einmal durch die Stadt schlenderten, Crepes und Eis aßen und dann an die Küste zum Grotta Leuchtturm fuhren, um den Sonnenuntergang zu sehen. Da der Wetterbericht für diese Nacht weniger Wolken als die Tage zuvor bevorsagte, beschlossen wir an der Küste zu bleiben und darauf zu hoffen, in der Nacht ein paar Nordlichter sehen zu können. Um die Zeit ein wenig zu verkürzen, unternahmen wir einen Spaziergang den Strand entlang, schauten dann eine Folge „how I met your mother“ im Auto und wurden schließlich aufmerksam, als sich eine kleine Menschenansammlung vor unserem Bus gebildet hatte, die in den Himmel starrte und wie wild Fotos schoss. So begaben auch wir uns nach draußen und tatsächlich: am Himmel tanzten die grünen Nordlichter!



