Do, 10.09.
Ein ziemlich spannendes Ereignis trug sich letzten Donnerstag zu: Es begann mit einem harmlosen Telefonat mit meiner Mama in meinem Zimmer, als plötzlich ein ohrenbetäubendes Piepsen begann, das mich aus dem Bett springen ließ. Ich riss die Zimmertür auf und das erste was ich sah und vor allem auch roch war Rauch. Die ganze Küche war so vollgenebelt, dass ich im ersten Moment nicht einmal meine Mitbewohner ausmachen konnte. Dann hörte ich auch schon Arthur: „Oh no, my steak!“, schreien und Daniel kam geistesgegenwärtig vorbeigelaufen, um den Feueralarm mit Hilfe des Knopfes vor unserer Apartmenttür auszuschalten. Dies gelang ihm auch schon wenige Sekunden später und der Lärm war erst einmal vorbei. Da die Küche jedoch immernoch aus Rauch bestand und wir unser Fenster im Wohnzimmer nur einen Minispalt öffnen konnten, hatten wir die glorreiche Idee, einfach die Tür offen zu lassen und das Fenster am anderen Ende des Ganges zu öffnen. Leider stellte sich heraus, dass die Feuermelder im Gang nicht mehr abgestellt werden konnten, sobald diese erst einmal ausgelöst worden waren. So sahen wir zu, wie alle Bewohner unseres Gebäude aus ihren Zimmern nach draußen liefen und uns blieb nichts anderes übrig als auch nach unten zu laufen. Während alle Menschen aus dem Gebäude evakuierten und sich im Dunkeln vor dem Gebäude ansammelten, versuchte mein Mitbewohner Tore die Feuerwehr anzurufen, um ihnen mitzuteilen, dass es sich lediglich um einen Fehlalarm handelte und ihr Kommen nicht notwendig war. Leider war dies schon zu spät, denn wenig darauf hörten wir Sirenen und blaues Licht war zu sehen und ein riesiges Feuerwehrauto parkte direkt vor den Studentenwohnheimen. Ein paar Feuerwehrleute sprangen heraus und rannten ins Gebäude – allerdings erst ins falsche – um gleich darauf wieder herauszulaufen und sich in unser Haus zu begeben. Dort gelang es ihnen erst nach ungefähr 10 Minuten den Alarm auszustellen und sie kamen, nicht sehr erfreut wirkend, wieder heraus und begaben sich auf Rückfahrt. Arthur, dem das ganze mehr als peinlich war, stand die ganze Zeit wie ein begossener Pudel da und wusste nicht was er machen sollte. Als wir zurück ins Haus durften rannte uns ein Student nach um zu fragen, was wir denn gemacht hätten. Als Arthur mit: „Steak“ antwortete, lachte dieser und meinte nur: „Ah, a Mis-steak!“.
Nach diesem ereignisreichen Abend stießen wir in der WG noch mit einem Beruhigungssekt auf Lena an, die am Wochenende ihre Yogalehrer-Ausbildung geschafft hatte.
Nun sind wir wenigstens beruhigt zu wissen, dass die Feuerwehr bei Notfällen sehr schnell da ist!
Um 22:30 Uhr trafen sich alle Austauschstudenten noch für ein Lagerfeuer hinter dem Unigebäude und es wurde viel gelacht, getratscht, gesungen, getanzt und gegessen. Ich spielte auch ein paar Lieder mit der Ukulele, zu denen alle gemeinsam mitsangen.

Fr, 11.09.
Der Abend war fast etwas zu gemütlich, da ich viel länger blieb als geplant und erst um halb 1 ins Bett kam, was bedeutete, dass ich nur mehr 3,5 Stunden schlafen konnte. Dies lag daran, dass Jasmin und ich schon um 4:45 Uhr morgens mit dem Zug Richtung Oslo aufbrachen, von wo aus wir nach Bergen flogen, die zweitgrößte Stadt Norwegens.
In Bergen holten wir ein Mietauto ab und trafen uns mit Rebekka und einer Freundin von ihr aus Kärnten, um gemeinsam mit dem Auto Richtung Ulvik zu fahren. Während der Autofahrt verwarfen wir unsere kompletten ursprünglichen Pläne: Wir hatten vor am nächsten Tag die 8-10 Stunden lange Wanderung zum Trolltunga zu machen, das Wetter sagte jedoch den gesamten Tag lang 100% Regen an, weshalb wir kurzerhand beschlossen die Wanderung noch am selben Tag zu starten. Die dreistündige Autofahrt führte uns an wunderschönen Seen, Fjorden und Bergen vorbei, die durch die bunten Bäume schon richtig herbstliche Stimmung verbreiteten. Außerdem fuhren wir durch zahlreiche Tunnel und waren ziemlich überrascht über die ultramodernen Kreisverkehre in den Tunneln! 😄




Als wir um ca. 14:30 Uhr endlich am Parkplatz des Trolltunga ankamen und dort die Frau im Visitor Center nach den Parkgebühren (50€!!!🤦🏻♀️) fragten, schaute diese uns an als wären wir komplett verrückt und meinte, dass ein Aufstieg um diese Zeit viel zu gefährlich wäre, da wir im Dunkeln zurückgehen müssten. Obwohl wir uns gerade im Klo umgezogen hatten und motiviert für die Wanderung gewesen wären, schreckte uns diese Warnung doch ab. Anscheinend wird empfohlen nicht später als um 8:00 Uhr morgens loszumarschieren, um die Wanderung ohne Probleme zu schaffen.
Nach einer kurzen Lagebesprechung entschieden wir uns dazu das Risiko nicht einzugehen und wählten stattdessen eine alternative Wandertoute, die durch herbstliche Wälder auf einen Bergsee führte und unglaublich schöne Ausblicke auf den darunterliegenden Fjord bot. Außerdem begegnete uns auf dem gesamten Weg nur ein einziger Wanderer, womit wir das idyllische Plätzchen ganz für uns hatten.








Nach der Wanderung fuhren wir mit dem Auto in unsere Unterkunft in Ulvik, die aus einer kleinen Hütte am Fjord auf einem Campingplatz bestand. Beim Einchecken hatten wir erst kleine Startschwierigkeiten, weshalb wir bei einem ziemlich unmotivierten Rezeptionisten landeten, der uns nur den Tipp gab, einfach noch einmal zu versuchen den Türcode einzugeben. Also probierten wir nochmals und siehe da – plötzlich öffnete sich die Tür tatsächlich!

Da wir mittlerweile ziemlichen Hunger hatten, kochten wir uns in der Campingküche Couscous mit Gemüse und aßen dieses am Fjord, während wir eine wunderschöne, mystische Abendstimmung am ruhigen Wasser genossen.


Pünktlich nach dem Essen begann es zu tröpfeln, weshalb wir unser idyllisches Plätzchen verließen und uns für eine Dusche zum Waschhaus begaben. Ich glaube dass es ziemlich lustig aussah, wie wir im Regen mit Pyjama und einem um die Haare gewickelten Handtuch von der Dusche zurück zu unserem Häuschen rannten. Müde schliefen wir in unseren Stockbetten ein.
Sa, 12.09.
Der Samstag begann mit einem gemütlichen Frühstück am selben Ort wie am Vortag, bevor wir unsere Sachen wieder packten und uns langsam auf den Rückweg machten.



Unser erster Stopp führte uns zum Skorvofossen, einem riesigen Wasserfall, an dem angekommen sich sogar die Sonne kurz für uns zeigte.


Weiter ging es den Hardangerfjord entlang bis zum Steinsdalsfossen, einen weiteren Wasserfall, den man sogar komplett umgehen und ihn damit auch von hinten betrachten konnte.

Leider zog es wirklich immer mehr zu und der Regen und Nebel wurden immer stärker, sodass wir nur noch eine Pause mit Aussteigen unternahmen, bei der wir sogar das Glück einer Regenpause hatten. Diese Gelegenheit nutzen wir und spazierten nach einer Jause ein wenig herum, wobei wir auf einen – wie soll es anders sein – Wasserfall trafen.


Gerade als wir noch die Klos der Raststation nutzten begann es wieder ziemlich zu schütten, was uns zu einem Lauf zum Auto, vorbei an seelenruhig Schokolade essenden Motorradfahrern, veranlasste.
In Bergen angekommen brachten wir am Flughafen unser Mietauto zurück und fuhren dann mit der Straßenbahn in die Innenstadt, von wo aus wir noch 20 Minuten zu unserer Unterkunft spazierten. Da Bergen von sieben Bergen umgeben ist war auch der Weg zum Airbnb ziemlich hügelig und wir erfreuten uns an den schönen Häusern. Auch von unserem Haus wurden wir nicht enttäuscht und wir fühlten uns sofort wohl.


Da wir schon ziemlich geschafft vom Tag waren, legten wir eine kleine Pause ein, kochten uns Spagetti und spielten Hut-Activity.
Danach begaben wir uns wieder ins Stadtzentrum, um eine Bar zu suchen. Dabei irrten wir erst ein paar mal im Kreis herum, da wir mit unseren Wanderschuhen nicht ganz dem Dresscode der meisten Clubs entsprachen und fassten uns schließlich ein Herz, um es an einer Cocktailbar zu versuchen, die gut besucht schien. Als die Aufgebrezelten Leute vor uns allesamt auf der Gästeliste standen machten wir uns kurz etwas Sorgen, freuten uns dann aber umso mehr, als der Türsteher uns freundlich begrüßte und wir, an High Heels und Kleidchen tragenden Frauen vorbei, zu unserem Tisch in einem beheizten Innenhof geführt wurden. Zur Feier des Tages gönnten wir uns einen Cocktail (da dieser ohnehin nicht mehr viel teurer als ein Bier war) und eine gemeinsame Portion Pommes und ließen den Tag ausklingen.


So, 12.09.
Nachdem wir am Sonntag gefrühstückt hatten brachen wir für eine Wanderung auf den Ulvik, einen der sieben Berge, auf. Der Nebel hing dicht über der Stadt und wir hofften darauf, dass dieser sich bis wir oben angekommen waren verzogen hatte, wie es auch der Wetterbericht optimistisch voraussagte.
Steil ging es über Steine und Felsen immer weiter bergauf, bis wir schließlich an eine Kreuzung kamen, an der die Schilder und unser herausgesuchter Weg nicht mehr ganz zusammenpassten, was uns ziemlich verwirrte. Aus diesem Grund fragten wir eine ältere Dame die gerade heraufkam nach Hilfe und diese beschloss kurzerhand uns einfach mitzunehmen. Also liefen wir zu viert der freundlichen Norwegerin nach, die mit ihren geschätzt 65 Jahren ein ordentliches Tempo vorlegte, das uns ganz schön zum Schwitzen brachte! Der immer dichter werdende Nebel brachte irgendwann jedoch auch sie an ihre Grenzen, denn bald darauf standen wir irgendwo im Nirgendwo und wussten nicht mehr so recht ob wir uns noch am richtigen Weg befanden. Glücklicherweise kamen uns gerade zwei weitere Norwegerinnen entgegen, die auf dem Weg zum selben Ziel wie wir waren und so folgten wir ihnen. Unsere Wandergruppe, die mittlerweile ziemlich gewachsen war, lief also immer weiter und landete schließlich bei einer Hütte, an der sich unsere ursprüngliche Wanderführerin wieder auskannte. Hier trennten wir uns von den anderen beiden Frauen und liefen ihr wieder bis an die Spitze des Berges nach.


Ziemlich verschwitzt und aus der Puste kamen wir also oben an und uns bot sich dieser grandiose Ausblick über Bergen:

Leider war es nun an der Zeit sich von der lieben und vor allem fitten Frau zu verabschieden und wir machten uns über 1333 Stufen auf den Weg nach unten. Ungefähr 2 Stunden später kamen wir endlich wieder in der Innenstadt an und gingen dort auf dem schnellsten Weg zu einer Bäckerei, auf die wir uns schon ewig freuten und deren Zimtschnecken das einzige waren, an das wir in der letzten Stunde denken konnten. Leider wurden wir etwas enttäuscht, als sich in der Bäckerei nur sehr kleine Zimtschnecken finden ließen und es außerdem keine Sitzmöglichkeiten gab und so beschlossen wir kurzerhand ein anderes Lokal aufzusuchen. Gleich darauf wurden wir auch schon fündig und saßen glücklich mit Karottenkuchen und heißer Schokolade in einem gemütlichen Café.





Nach dieser Stärkung und einem schnellen Einkauf ging es zurück in die Unterkunft, wo wir uns ein Resteessen aus Nudeln, Couscous, Gemüse und Tomatensoße zauberten, bevor wir auch schon wieder aufbrachen.
Weil uns ein Berg am Tag natürlich nicht genug ist, bestiegen wir auch noch den Fløyen, da sich das Wetter mittlerweile um Welten verbessert hatte und wir uns dieses mal eine bessere Aussicht erwarteten. Weil ich für den Sonnenuntergang schon ziemlich spät dran waren, liefen wir förmlich auf den Berg und brauchten statt der angeschriebenen Stunde nur 35 Minuten. Oben angekommen wurden wir mit einem so schönen Ausblick auf Bergen mit untergehender Sonne belohnt, dass sich alle Anstrengung mehr als gelohnt hatte!







Nachdem die Sonne untergegangen war statteten wir noch ein paar Ziegen, die genau wie wir die Aussicht genossen, einen Besuch ab und hatten einen Riesenspaß dabei, die Tiere zu streicheln.





Nach dem Abstieg saßen wir noch kurz beisammen, bevor wir uns schließlich auf ins Bett machten, da wir für den Rückflug am nächsten Tag schon um 4:40 Uhr aufstehen mussten.
So ging ein wunderschöner Kurzurlaub in Bergen zu Ende, aus dem wir trotz mittelmäßigem Wetter das beste gemacht haben.
