Montag, 13.09.

Den gesamten Flug von Bergen nach Oslo konnte ich vor Aufregung fast nicht mehr still sitzen, denn nach der Landung erwartete mich am Flughafen ein ganz besonderer Besucher aus Österreich. Nachdem mein Flug eine halbe Stunde vor geplanter Zeit in Oslo ankam, erreichte ich den Bahnhof genau, als dieser auch gerade von meinem Freund Florian betreten wurde. Dieser rechnete noch gar nicht mit mir und sah mich, von der Seite anschleichend, daher anfangs gar nicht kommen. Erst als ich knapp neben ihm stand entdeckte er mich und die Wiedersehensfreude war riesig.

Mit dem Zug fuhren wir in die Innenstadt Oslos, wo wir das wunderschöne Wetter ausnutzten, indem wir am Hafen entlangspazierten. Auf einer einladenden Bank machten wir es uns dort gemütlich und Flo überreichte mir mitgebrachte Geburtstagsgeschenke, über die ich mich riesig freute.

Wenig später spazierten wir in den Frogner Park, in dem ich auch schon mit meinen Eltern gewesen war und bestaunten dort die vielen Statuen und Skulpturen. Da Flo von der Arbeit aus an einem Meeting teilnehmen musste, suchten wir uns einen halbwegs ruhigen Tisch mitten auf einer Wiese, von wo aus er gut arbeiten konnte. In der Zwischenzeit widmete ich mich meinen norwegischen Vokabeln und spazierte ein wenig im Park umher.

Nachdem das Meeting beendet war, nutzten wir die Sonne noch für ein kleines Picknick im Gras, bevor wir in das angesagte Viertel Grünerløkka weiterwanderten. Dort angekommen schlenderten wir durch die Straßen, spazierten den Fluss Akerselva entlang und landeten schließlich in einem Café, in dem Flo seine erste norwegische Zimtschnecke zu sich nahm und in den Geschmack des weniger leckeren, jedoch üblichen Filterkaffees kam.

Nach dieser kleinen Pause besuchten wir noch die Bibliothek und bestiegen das Dach der Oper, von wo sich uns ein schöner Ausblick auf die Stadt bot.

Schließlich ging es mit dem Zug weiter nach Halden, wo wir noch einen kurzen Abstecher zu meinem Lieblingsaussichtspunkt machten, da der Abendhimmel sich pink gefärbt hatte.

Ziemlich geschafft landeten wir schließlich in meiner WG, wo Flo meine Mitbewohner*innen kennenlernte, eine Wohnungsführung bekam und wir uns ein leckeres Linsengulasch kochten, bevor wir ziemlich müde in mein kleines aber feines Bett fielen.

Dienstag, 14.09.

Während ich am Dienstag in der Uni saß, spazierte Flo an den Strand des Fjords und checkte dabei, welche Tiere sich im Wasser finden ließen.

Nach meiner Vorlesung trafen wir uns vor der Universität und Flo erhielt eine Führung, bevor wir uns auf nach Halden machten. Wir bestiegen als erstes die Festung und genossen die Aussicht auf die Stadt mit einem Schokoladenmuffin, bevor wir hinunter an den Hafen gingen, um uns dort noch ein leckeres Eis zu gönnen. Mit vollen Bäuchen spazierten wir auf die Halbinsel Haldens, um dort am Strand bei Meer, Sonne und Wald zu entspannen.

Abends kochten wir uns zurück in der WG Garnelen, die mir Stian dagelassen hatte und aßen diese gemeinsam mit Lena und Daniel.

Bei einer Serie ließen wir den restlichen Abend noch gemeinsam mit meinen Mitbewohner*innen ausklingen.

Mittwoch, 15.09.

Der Mittwoch begann für Flo und mich produktiv, da ich mich in der Uni befand und er in der Zwischenzeit von meinem Zimmer aus arbeitete.

Nach Vorlesungsschluss fuhren wir mit dem Bus nach Fredrikstad, wo Flo in den Genuss einer Gratisfährenfahrt kam und wir durch die idyllische Altstadt spazierten. Wir ließen es uns außerdem nicht nehmen auch noch eine der bekannten Konditoreien zu besuchen, um einen Karottenkuchen zu essen, den wir beide zum leckersten Karottenkuchen allerzeiten erklärten.

Mit dem Bus ging es schließlich auch schon wieder zurück nach Halden, wo wir uns einen Lachs gönnten und mit meinen Mitbewohner*innen tratschten. Daniel kam irgendwann auf die Idee, dass wir doch dumpster diving machen könnten, was so viel bedeutet wie die Mülltonnen hinter einem Supermarkt nach Essen zu durchsuchen, das weggeschmissen wurde aber immernoch gut war. Gesagt, getan. Ausgerüstet mit Stirnlampe unternahmen wir einen Nachtspaziergang zu Spar, wo wir jedoch enttäuscht feststellen mussten, dass die Mülltonnen gerade ziemlich frisch ausgeleert worden waren. Trotzdem konnten Daniel und Flo, die beide sehr motiviert bei der Sache waren, einen guten, gelben Paprika finden, den sie wie eine Trophäe stolz zurück zur WG brachten.

Do, 16.09.

Den Donnerstagvormittag verbrachte ich im Norwegischkurs und Flo im Bett und im Wohnzimmer mit Daniel. Zu Mittag trafen wir uns wieder und veranstalteten ein gemeinsachaftliches Fisch-Wrap-Essen mit Lena und Daniel , bevor wir unsere Rucksäcke packten und mit dem Bus zum Flughafen fuhren. Auf halbem Weg bekamen wir es kurz etwas mit der Angst zu tun, da der Verkehr in Fredrikstad nur sehr zähflüssig voranging und wir schon mehr als 20 Minuten Verspätung hatten. Gott sei Dank wurde die Verspätung nicht noch großer und das Umsteigen in den zweiten Bus verlief ohne Probleme, sodass wir abends pünktlich am Flughafen ankamen.

Da sich unser Gate während wir auf den Flug nach Ålesund warteten drei mal änderte, liefen wir einmal durch den kompletten Flughafen vom einen zum anderen Ende und landeten schlussendlich genau dort, wo wir ursprünglich schon gewartet hatten.

Der Flug verging sehr schnell und so kamen wir nachts in Ålesund an, holten dort mittels Schlüsselbox unseren Mietwagen ab und fuhren mit diesem zu unserer Unterkunft, die aus einem gemütlichen Wohnwagen im Garten der Vermieter bestand. Sofort fühlten wir uns wohl und schliefen ziemlich erschöpft im Bett, welches größer als mein WG-Bett ist, ein.

Freitag, 17.09.

Lange konnten wir nicht ausschlafen, denn schon um 6:45 Uhr morgens fuhren wir los Richtung Osten, wo wir nach zwei Stunden Fahrt die Stadt Åndalsnes erreichten, in der wir parkten, um dann gemeinsam mit anderen Wanderern mit dem Bus zum Startpunkt der bekannten Romsdalseggen-Wanderung weiterzufahren. Die Wanderung hielt was sie versprach und war voller unglaublicher Rundblicke und wunderschönen Plätzen, sodass wir den gesamten Tag über aus dem Staunen nicht mehr herauskamen. Wir genossen erst das frische Trinkwasser des Flusses den wir entlangwanderten, kletterten dann über Felsen und Geröll den ersten Berg nach oben, wanderten schließlich mehrere Stunden den Bergkamm entlang und hatten die gesamte Zeit über unglaubliches Glück mit dem Wetter. Beim Abstieg fand Flo so viele große Steinpilze, dass wir uns schon fragten ob das Sammeln dieser überhaupt legal ist, da sie offensichtlich nicht mitgenommen werden. Zwei Steinpilze nahmen wir uns für unser Abendessen mit.

Sechs Stunden später erreichten wir unser Auto mit dem wir Richtung Trollstigen fuhren, eine sehr markante Serpentinenstraße, die sich zwischen Wasserfällen den Berg hinaufschlängelt. Wir fuhren diese hinauf und besuchten oben angekommen eine Aussichtsplattform, auf der wir Müsliriegel zu uns nahmen und den Ausblick genossen.

Am Geirangerfjord entlang fuhren wir schließlich zurück zu unserem Wohnwagen, wo wir Fischburger mit Pilzgemüse kochten und einen ruhigen Abend genossen.

Samstag, 18.09.

Frisch und munter schlüpften wir am Samstagvormittag wieder in unsere Wanderschuhe, um den Sukkertoppen, den Berg hinter unserer Unterkunft, zu besteigen. Nur eine einstündige Wanderung später nahmen wir ein Frühstück, bestehend aus Zimtrollen, mit einer schönen Aussicht auf das Meer und den vielen Inseln um Ålesund zu uns und Flo erfreute sich am Kompass auf der Spitze des Berges.

Nach der Wanderung ging es für uns in die Innenstag Ålesunds, wo wir in einem Parkhaus parkten, um vom Stadtpark aus über 600 Stufen auf den Aussichtspunkt Aksla zu steigen. Als wir zurückkamen und im Parkhaus bezahlen wollten, stellten wir fest dass wir auf die Minute genau eine Stunde gebraucht hatten und daher noch den billigeren Tarif bazahlten konnten. Über dieses unabsichtlich perfekte Timing freuten wir uns sehr.

Unsere Jause, natürlich inklusive dem berühmten Browncheese, nahmen wir am Meer ein, nachdem wir die Küste – ein wenig unfreiwillig kletternd – erkundet hatten.

Da es im Wohnwagen leider keine Dusche gab, bestand unsere nächste Mission daraus, eine solche zu finden. Plan A – Dusche im Service Center in der Innenstadt – scheiterte daran, dass wir nach verzweifelter Suche nicht einmal das Service Center selber finden konnten. Plan B – Dusche eines Campingplatzes – scheiterte fast daran, dass sich der Selbstbedienungsschalter einfach nicht bedienen lassen wollte und wurde schlussendlich von einem Mann gerettet, der uns seinen Code gab, mit dem wir zu den Duschen gelangten.

Frisch geduscht veranstalteten wir einen gemütlichen Nachmittag im Wohnwagen und genossen etwas Ruhe und Zweisamkeit, während der Regen beruhigend auf das Dach prasselte.

Abends begaben wir uns wieder zurück in die Stadt, da mich Flo auf ein Geburtstagsessen in eine Pizzaria einladen wollte. Leider war die Pizzeria jedoch sehr voll und da wir nicht reserviert hatten, bekamen wir keinen Platz mehr. Die Mitarbeiter waren jedoch ausgesprochen freundlich zu uns und nahmen ausnahmsweise noch unsere Bestellung von zwei Pizzen auf, die wir nach einem kleinen Regenspaziergang abholten und dann gemütlich im Wohnwagen zu uns nahmen. Außerdem holten wir uns in der Wartezeit noch Vor- und Nachspeise im Supermarkt und Flo war ziemlich enttäuscht darüber, dass wir kein Bier mehr kaufen konnten, da dies in Norwegen nach 18:00 Uhr nicht mehr möglich ist.

So saßen wir wenig später im Wohnwagen, aßen unsere Pizzen und lauschten der lauten Musik unserer Vermieter, die eine Gartenparty veranstalteten, bevor wir schlafen gingen.

Sonntag, 19.09.

Nach einem Frühstück mit Kaffee und Keksen vom Vorabend veranstalteten wir am Sonntag ein Inselhopping: Auf der ersten Insel Valderøya besuchten wir eine Höhle, in die sich Flo so weit hineinwagte, bis er nicht mehr durch die Öffnung passte. Auf der zweiten Insel Giske, die zum Gegensatz seiner Inselnachbarn komplett flach ist, spazierten wir zum Strand, ließen Steine hüpfen, aßen Yoghurt und genossen das Meerrauschen. Auch die Marmorkirche der Insel besuchten wir und hatten sogar das Glück einen Blick hinein werfen zu können, da eine Frau sie gerade putzte und uns Einlass gewährte.

Auf der letzten Insel Godøya unternahmen wir schließlich wieder eine Wanderung auf den Berg Storhornet. Spontan weiteten wir die Wanderund aus und genossen neben wunderschönen Ausblicken auf Meer und Inseln die Ruhe eines großen Sees und unberührte Landschaften, in denen sich niemand außer uns zu befinden schien. Als krönenden Abschluss konnten wir im Abendlicht auf einem Aussichtspunkt sitzend plötzlich ein Delphinrudel im Meer beobachten und konnten unser Glück kaum fassen.

Nachdem wir das letzte Stück unserer Wanderung den Berg hinuntergelaufen waren, begaben wir uns abermals auf die Suche nach einer Dusche. Wir wurden zwar ziemlich schnell fündig, jedoch befand sich in besagter Dusche aus unerfindlichen Gründen kein Boden, weshalb wir die Mission ein wenig ruhen ließen und stattdessen zu einem Leuchtturm fuhren. Dort kostete es uns zwar einige Überwindung unsere mittlerweile ziemlich müden Beine zum Aussteigen zu bewegen, jedoch zahlte sich die „Anstrengung“ schließlich doch aus, als wir auf einer Bank am Strand saßen, Surfern zusahen und Nüsse snackten.

Nach einer Dusche am selben Ort wie am Vortag kochten wir uns vegetarische Würstchen in Wraps nach Norwegerart und packten schließlich schweren Herzens wieder unsere Rücksäcke, für die frühe Abreise am nächsten Tag.

Montag, 20.08.

Schon um 5:45 Uhr saßen wir bereit für den Rückflug am Gate am Flughafen und boardeten wenig später das Flugzeug, in dem wir nach kurzer Wartezeit die Nachricht des Piloten erhielten, dass wir aufgrund eines technischen Gebrechens das Flugzeug wieder verlassen müssen und sich der Flug um ungefähr eine Stunde verzögern würde. Zurück am Gate nutzen wir die Zeit um ein wenig zu lernen und zu arbeiten, bevor wir langsam nervös wurde, als sich nach zwei Stunden immernoch nichts an der Situation geändert hatte. Schließlich wurde uns mitgeteilt, dass der Techniker für das Flugzeug aus Oslo eingeflogen werden müsse und sich die Verspätung daher noch länger hinziehen würde. Da Flo in Oslo einen Anschlussflug nach Wien erwischen musste, fingen wir langsam an einen Notfallplan zu schmieden. Leider schien es keine gute Alternativlösung zu geben, sollte Flo seinen Anschlussflug verpassen und so hofften wir einfach stark darauf, bald fliegen zu können. Als wir um 10:30 schließlich endlich das Flugzeug boarden durften, hatten wir nur mehr wenig Hoffnung darin, dass Flo seinen Flug in Oslo um 11:30 Uhr erwischen würde. Die Stewardess im Flieger erklärte ihm, er solle direkt nach der Landung aufspringen und aus dem Flieger zu seinem Gate laufen, um noch eine minimale Chance zu haben, den Flug zu erwischen. Als wir dank gutem Wind um 11:07 Uhr landeten, tat Flo also genau dies und rannte aus dem Flugzeug direkt zu seinem Gate, wo er das Boarding tatsächlich noch rechtzeitig erreichte.

Durch die ganze Aufregung war die Verabschiedung leider etwas zu kurz gekommen und ich fand mich ziemlich traurig alleine am Flughafen wieder. Mein Busfahrer Richtung Halden schaffte es jedoch mich etwas aufzumuntern, indem er mich mitfahren ließ, obwohl ich eigentlich ein Ticket für einen früheren Bus gebucht hatte, welchen ich leider versäumte. Mit einem Lächeln sagte er nur: „Du hast mit deinem verspäteten Flug schon genug Strapazen gehabt, steig einfach ein und genieß die Fahrt.“

Ziemlich hektisch ging diese wunderschöne Woche zu zweit also zu ende und ich bin sehr dankbar, dass ich Flo meine Freunde vorstellen, die Uni, die WG und Halden zeigen konnte und wir die Möglichkeit hatten, gemeinsam einen so wunderschönen Teil Norwegens zu entdecken.


2 Kommentare zu „Reunion in Ålesund 🏔🌊☀️“

  1. Avatar von Papi
    Papi

    Wie immer wunderbar und spannend deine (eure) Geschichten und Erlebnisse und ein so rührendes Ende, dass ich Tränen in den Augen habe …. DANKE!

    1. Avatar von miriamabroadblog

      Mah danke Papi! ♥️

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