Fr, 01.10.

Als mich um 2:45 Uhr morgens mein Wecker aus dem Schlaf riss dachte ich kurz dass sich jemand einen Spaß mit mir erlaubt, musste dann jedoch wohl oder übel einsehen dass der Wecker es ernst mit mir meinte. Also stand ich auf, duschte kalt um richtig aufzuwachen und traf dann auch schon Tore in der Küche, der noch keine Sekunde geschlafen hatte und gerade dabei war seine Jause zu richten. Auch Lena kam wenig später im Halbschlaf aus ihrem Zimmer geschlürft und so war die Reisetruppe komplett und wir konnten uns auf den Weg Richtung Bahnhof machen. Einen 40-minütigen Fußmarsch später kamen wir pünktlich beim Zug an und verbrachten die nächsten zwei Stunden im ziemlich kalten Waggon damit vor uns hin zu dösen, bevor wir in Olso am Hauptbahnhof umstiegen und die letzten Minuten zum Flughafen im Schnellzug fuhren.

Meine zwei Jacken, ein dicker Schal und ein bis nach oben hin vollgestopfter Rucksack, der sich nicht einmal mehr richtig schließen ließ, machten das häufige Umsteigen sowie den Security Check nicht gerade einfach und nahmen mir ziemlich viel Platz im Flieger, jedoch war es gar nicht so einfach mit kleinem Handgepäck in eine so nördliche und dadurch ziemlich kalte Ecke Norwegens zu reisen.

Schon der erste Schritt aus dem Flughafen in Tromsø zeigte mir dass die beiden Jacken keine schlechte Idee gewesen waren, denn die kalte Luft ließ uns sofort spüren dass wir uns nördlich des Polarkreises befanden.

Da wir unser Mietauto erst am späten Nachmittag abholen konnten, beschlossen wir uns den Tag in Tromsø zu verbringen, wo wir mit dem Bus (unabsichtlich schwarz) hinfuhren. Mitten im Zentrum stiegen wir aus und suchten uns erst einmal ein sonniges Plätzchen um zu jausnen, bevor wir einen Outlet für Wollpullis im Norwegerstil fanden. Der arme Tore musste Lena und mir dabei zusehen wie wir begeistert alle möglichen Pullis zusammensuchten und anprobierten, bis wir uns schließlich unabhängig voneinander zufällig für denselben Sweater entschieden. Auch Tore schlug schlussendlich noch zu und kaufte sich ein warmes Hemd sowie eine Haube, da er diese daheim vergessen hatte.

Als nächstes marschierten wir über eine Brücke die endlos zu sein schien über den Fjord, um auf die andere Seite Tromsøs zu gelangen, wo als erstes sofort die markante Arktische Kathedrale ins Auge stoch.

Weiter ging es nach Fjellheisen, einer Gondel die uns auf den Storsteinen brachte, von dem aus wir die gesamte Stadt am Fjord überblicken konnten. Mittlerweile ziemlich genervt von unserem schweren Gepäck, ließen wir dieses kuzerhand bei einem älteren, norwegischen Pärchen stehen, das versprach darauf aufzupassen, um ein wenig am Berg herumzuspazieren. Dabei trafen wir zwei deutsche Jungs, die uns einige Tipps für Schlafplätze und schöne Spots gaben, bevor wir zurück zur Bergstation gingen, um uns dort Kaffee und Waffeln zu gönnen, die Aussicht zu genießen und uns ein wenig auszuruhen. Die Waffeln ließen wir uns natürlich ganz traditionell mit Marmelade und Sourcream schmecken, wie es in Norwegen so üblich ist.

Nach der RĂĽckfahrt mit der Seilbahn spazierten wir zurĂĽck zur Kirche, um von dort mit dem Bus – wieder ohne zu bezahlen, aber dieses mal sogar mir der Erlaubnis des netten Busfahrers – zurĂĽck zum Flughafen zu fahren, um unseren Campervan abzuholen.

Dabei wurden wir von einer super lieben Mitarbeiterin aus Tschechien bedient, die uns alles erklärte, bevor wir uns endlich mit unserem Gefährt aufmachen konnten. Der erste Weg führte zum 50 Meter entfernten Supermarkt, wo wir uns erst einmal mit den wichtigsten Lebensmitteln eindeckten, bevor wir noch eine Stunde raus aus der Stadt Richtung Sommarøy fuhren. Die Fahrt in der untergehenden Sonne gestaltete sich als wunderschön und beinhaltete mehrere Wow-Plätze, bis wir schließlich an einem Spot ankamen, den wir für die Nacht ausgewählt hatten.

Lena fuhr den Van geschickt über eine sehr holprige Straße den Hügel hinauf und so bot sich uns ein wunderschöner Überblick über den Fjord, die Berge und eine Brücke.

Was wir bei der Wahl des Platzes nicht bedacht hatten war, dass wir auf dem Hügel ziemlich dem Wind ausgesetzt waren, was das Kochen mit unserem Gasherd zu einer wahren Herausforderung unserer Geduld werden ließ. Mehr als eine Stunde verbrachten wir damit den Herd mit allen möglichen Utensilien vom Wind abzuschirmen, bis unsere Nudeln endlich halbwegs weich waren und wir sie zusammengepfercht im Auto zu uns nahmen.

Noch während wir kochten konnten wir am Himmel leichte Nordlichter ausmachen, was mich immer wieder zwischen aufgeregtem Herumgespringen und geduldigem Windschutz-Halten wechseln ließ. Die leichten Nordlichter waren auch der Grund dafür, warum ich noch bis zwei Uhr morgens nicht schlafen konnte und alle 10 Minuten den Himmel checkte, weil ich so sehr auf stärkere Lichter hoffte.

Irgendwann fielen meine Augen dann jedoch auch noch zu und ich gesellte mich zu meinen schon lange schlafenden Freunden.

Sa, 02.10.

Es gibt definitiv schlimmeres als in der FrĂĽh die Augen aufzumachen, den Vorhang des Vans zurĂĽckzuziehen und eine unglaubliche Aussicht auf das Meer und die Berge zu haben. Diesen Blick nutzen wir auch noch beim FrĂĽhstĂĽck aus, welches wir am HĂĽgel zu uns nahmen.

Gestärkt packten wir unser Zeug wieder zusammen und fuhren bis zum Ende der Straße der letzten Insel Sommarøys, von wo aus wir eine kleine Wanderung auf den Hillesøytoppen starteten, die sich zwischendurch als ziemliche Kletterherausforderung herausstellte.

Oben angekommen entschied sich die Sonne dazu sich in ihrer vollen Pracht zu zeigen und so genossen wir einen MĂĽsliriegel bei angenehmen Temperaturen und Sonnenschein.

Hinunter wollten wir uns einen neuen Weg suchen, um auch die andere Seite des Berges noch zu erkunden. Dies startete zwar erfolgreich, da wir dadurch einen versteckten, weißen Sandstrand zwischen den Bergen entdeckten, jedoch landeten wir plötzlich vor einem Zaun und eine Frau rief uns auf Norwegisch irgendetwas Unverständliches zu, während sie wild gestikulierte. Da sie zu weit entfernt war um sie zu verstehen sprang Tore kurzerhand über den Zaun um näher an sie ranzukommrn und kam daraufhin mit der Nachricht zurück, dass wir auf dem falschen Weg wären und eine Koppel queren sollten, wenn wir am Rückweg nicht durch 7 Höfe laufen wollten. Also befolgten wir den Rat der Frau und fanden schließlich über Umwege doch noch den Weg zurück zur Straße, die zu unserem Van führte.

Nach dieser Wanderung machten wir uns auf den Weg zurück ins eine Stunde entfernte Tromsø, wo wir kurz bei unserer Autovermietung hielten, um nach einem passenden Topfdeckel für unsere Pfanne zu fragen, sowie von dem zweiten Gaskocher zu berichten, der gestern hohe Flammen geschlagen hatte als wir ihn benutzen wollten. Der sehr liebe Mitarbeiter zeigte uns einen einfachen Trick, wie wir die Flammen vermeiden hätten können, brachte uns den passenden Topfdeckel und führte uns dann auch noch den Dosenöffner vor, mit dem wir am Vorabend auch kleine Probleme gehabt hatten.

Da es auf Senja nur sehr limitierte Einkaufsmöglichkeiten gibt stockten wir noch unsere Vorräte auf, wuschen unsere Weintrauben im Klo und füllten unser Wasser auf, bevor wir die drei Stunden lange Fahrt auf die Insel starteten.

Nach zwei Stunden Fahrt wurde es allmählich dunkel und wir ziemlich müde, weshalb wir spontan an einer Raststation am Wasser hielten, um dort für die Nacht zu bleiben. Während wir Abendessen zubereiteten trafen wir eine Österreicherin, die mit ihrem Hund im Van unterwegs war und gerade von Senja kam. Sie gab uns einige Tipps für gute Stellplätze und zeigte uns Bilder von der Insel, die unsere Vorfreude noch mehr steigen ließen.

Den Abend ließen wir noch mit Ginger Beer aus der nördlichsten Brauerei der Welt und Kartenspielen ausklingen, bevor wir müde einschliefen.

So, 03.10.

Nach einem Picknick-Frühstück am Wasser setzten wir die Fahrt nach Senja fort, die mit jedem Kilometer schönere Aussichten bot.

Unser erster Stopp führte uns zum Fuß des Hesten, den Nachbarberg des bekannten Seglas. Von dort aus wanderten wir steil bergauf und hatten einen immer schöner werdenden Blick auf den Segla sowie die Berg- und Fjordlandschaft rundherum und kamen zwischen dem Schnaufen aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Das letzte StĂĽck des Berges gestaltete sich als sehr abenteuerlich, da wir ziemlich nah am Abgrund klettern mussten. Tore hielt uns kurz fĂĽr verrĂĽckt als ihm klar wurde dass wir das mit der Gipfelbesteigung ernst meinten, beschloss dann aber doch uns zu folgen und bereute dich auch nicht, als wir am Gipfel standen und uns die Aussicht sprachlos machte.

Beim Jausnen am Berg trafen wir zwei deutsche Jungs, die sich dafür bedankten, dass wir ihnen anscheinend am Parkplatz mit unserer Singerei einen Ohrwurm in den Kopf gesetzt hatten. Wir verstanden uns sofort super mit dem Brüderpaar, das für zwei Monate durch Norwegen reist und tauschten uns über gute Plätze und frühere Reisen aus.

Nachdem wir den Berg (erneut ziemlich abenteuerlich) wieder hinuntergeklettert waren, gönnten wir uns kurzerhand ein Softeis und trafen am Parkplatz die beiden Jungs wieder, die direkt neben uns parkten. Wir gaben uns gegenseitig noch eine Vantour, unterhielten uns noch ein wenig und fuhren dann weiter, um uns auf Campingplatzsuche zu machen.

Nachdem wir uns zwei Plätze angesehen hatten entschieden wir uns schnell für ersteren, da dieser nicht nur eine unlimitierte, extrem schöne Dusche mit Fußbodenheizung bot, sondern auch eine Indoor-Küche, die das Kochen ohne Wind mehr als erleichtern würde.

Wir genossen allen Luxus den der Platz zu bieten hatte, kochten uns Ofenkartoffeln und GemĂĽse zu Abend und bekamen sogar noch schwache Nordlichter zu sehen, bevor wir ins Bett gingen.

Mo, 04.10.

Der Luxus hörte auch am nächsten Morgen nicht auf, als wir uns Eierspeise in der warmen Küche kochten, bevor wir die Weiterfahrt starteten.

Unser erstes Ziel des Tages bestand aus dem kleinen Inseldorf Husøy. Wir parkten vor der Brücke und spazierten dann gemütlich auf die Insel, um das kleine Dorf zu Fuß zu umrunden. Gerade als wir am letzten Ende des Dorfes, einem idyllischen Leuchtturm, angekommen waren, begann es plötzlich zu tröpfeln und gleich darauf fanden wir uns laufend im strömenden Regen wieder. Wir flüchteten in einen Supermarkt, wo wir uns Brot und Croissants kauften und gingen zurück zum Auto, nachdem der Regen nachgelassen hatte.

Den nächsten Stopp legten wir in Mefjordvær ein, um eine kleine Wanderung auf einen Berg zu machen. Auf dem Berg trafen wir ein altes, deutsches Paar und der Mann erklärte uns begeistert wie man die Nordlichter am besten finden und fotografieren konnte. Stolz zeigte er uns nicht nur seine Fotos, sondern auch die Apps die er als Vorhersage benutzte. Unter anderem gab er uns den Tipp, dass genau auf diesem Berg die Sicht auf die Nordlichter sehr gut sein würde, wie er vor wenigen Tagen selbst erlebt hatte.

Unsere Wanderung fĂĽhrte uns noch zu einer kleinen HĂĽtte, bei der wir eine Pause einlegten und uns die Sonne ins Gesicht scheinen lieĂźen sowie zu zwei kleinen Bergseen, die ruhig und scheinbar unberĂĽhrt dalagen.

Da Tores Powerbank mittlerweile leer war und er krin richtiges Ladegerät für das Auto dabeihatte, riefen wir bei einem der wenigen kleinen Supermärkte an um nachzufragen, ob diese ein solches Kabel zum Verkauf hätten. Die Verkäuferin war sich nicht ganz sicher und somachten wir uns einfach auf den Weg zum Shop, wo wir tatsächlich das passende Ladegerät fanden.

Durch Zufall fuhren wir wegen des Umweges an einem Spot vorbei, in den wir uns direkt verliebten. Da die Sonne so weit nördlich im Oktober nur mehr sehr flach aufgeht, ist es meist ab zu Mittag übersll schon sehr schattig. An diesem Spot direkt am Meer jedoch schien uns immer noch die Sonne ins Gesicht und so erklärten wir ihn zu unserer Abendessen-Location. Wir bereiteten uns Wraps zu, aßen zu Abend und genossen danach den schönsten Sonnenuntergang und die Ruhe der Insel bei einem Kaffee.

Aus Bauchgefühlgründen entschlossen wir für die Nacht zurück nach Melfjordvær zu fahren, um dort den Berg (Tipp des alten Mannes) für eventuelle Nordlicht-Beobachtungen zu nutzen.

Als wir in Melfjordvær ankamen, wurden wir wild winkend von zwei alten, deutschen Ehepaaren begrüßt, die uns vom Campingplatz des Vortages wiedererkannten, weil wir ihnen dort anscheinend durch unsere „fröhliche und gut gelaunte Art“ aufgefallen waren. Wir tratschten ein wenig mit unseren neuen Freunden, die auch auf Nordlichter hofften und passend dazu mit ihrem besten Kameraequipment ausgerüstet waren.

Wir beschlossen im Van mit Bier und Kartenspielen auf die Nordlicht-Zeit zu warten. Als ich einmal kurz ausstieg um aufs Klo zu gehen konnte ich meinen Augen kaum trauen: Über dem Berg war ein deutlicher Lichtstreifen zu sehen, der langsam vor sich hin tanzte. Sofort holte ich Lena und Tore aus dem Auto und wir wanderten so schnell wir konnten auf den Berg hinauf. Oben bot sich uns nicht nur der schönste Sternenhimmel den ich je gesehen hatte, auch die Nordlichter waren deutlich zu sehen und veränderten ihre Form ständig. Ich konnte mein Glück kaum fassen und vergaß die Kälte um mich herum für die nächsten drei Stunden komplett, während wir hinter einem Stein Schutz vor dem Wind suchten und die wild tanzenden Lichter beobachteten.


Ein Kommentar zu „Tromsø – Senja 🏔🌅“

  1. Avatar von Andrea Ulz
    Andrea Ulz

    dass die Natur so wunderschön ist – danke fĂĽr die tollen Einblicke!

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