Di, 05.10.

Beim Aufwachen checkte ich als erstes sofort die Fotos meines Handys, da ich mir nicht mehr ganz sicher war, ob ich von den Nordlichtern nur geträumt hatte oder ob wir sie tatsächlich in dieser Stärke beobachtet hatten.

Unsere deutschen Van-Nachbarn begrüßten mich gut gelaunt, als ich gerade von der Toilette zurückkam und so nutzte ich die Chance und ließ all meinen Charme spielen, bis Rainer (wir schätzten erst zufällig seinen Namen, der sich dann tatsächlich als richtig herausstellte 😂) uns versprach, uns seine Kamerafotos von den Nordlichtern mit einem neumodernen Medium (Mail) zu senden.

Für ein gemütliches Frühstück fuhren wir zum Ersfjordstranda, ein langer, weißer Sandstrand, an dem aus irgendeinem Grund eine goldene Toilette steht.

Nach dem Frühstück beschlossen wir den Husfjellet zu besteigen und beschlossen trotz der gefährlich dunklen Woken dem Wetterbericht zu vertrauen, der vor 17:00 Uhr keinen Regen ansagte. Die Wanderung führte uns durch einen herbstlichen Wald und wurde schlagartig ziemlich windig, als wir die Baumgrenze hinter uns ließen. Als würde sich jemand einen Spaß mit uns erlauben fing es pünktlich an zu regnen, nachdem ich laut: „At least it‘s not raining.“ ausgesprochen hatte. Tore wurde die ganze Sache etwas zu heikel und er beschloss umzudrehen, als wir ungefähr die Hälfte des Weges, den Gipfel Sommardalen, erreicht hatten. Lena und ich wagten uns noch weiter nach oben, versuchten so gut wie möglich dem Matsch auszuweichen und hielten unsere Hauben fest, damit sich diese nicht durch den Wind aus dem Staub machten.

Als sich uns eine dichte Nebelfront gefährlich schnell näherte und der Wind zu stark wurde um sich zu unterhalten, gaben wir uns schließlich geschlagen und machten uns auch auf den Rückweg. Dabei trafen wir nach einigen Minuten den alten Mann vom Vortag, der uns den Tipp für den Nordlichter-Spot gegeben hatte. Wir bedankten uns herzlich bei ihm und er packte wieder seine riesige Karte aus, um uns zu zeigen, was wir auf der Insel noch unbedingt auschecken sollten. Danach machte er sich auf den Weg Richtung Gipfel und wir fühlten uns ziemlich schlecht, dass dieser alte Mann mit seinem kompletten Kameraequipment auf dem Rücken Wind und Wetter trotzt, während wir auf dem Weg zurück waren. Jedoch wollten wir Tore auch nicht zu lange warten lassen und so tratschten wir den gesamten Weg zurück, bis wir schließlich wieder am Parkplatz angekommen waren.

Da die Sonne ein wenig durch die Wolken blickte und die Picknicktische neben der kleinen Kirche sehr einladend aussahen, beschlossen wir eine kleine Jause zu ums zu nehmen, bevor wir uns auf die Weiterfahrt begaben.

Auf unserem Weg Richtung Torsken, dem letzten Ort der Insel, an dem die Straße endet, kamen wir bei einer richtig coolen Aussichtsplattform vorbei, die wir für Bilder und Videos nutzten.

Eine einstündige Fahrt durch die sich ständig verändernde Landschaft hindurch später landeten wir im Örtchen Torsken, welches komplett von der Außenwelt abgeschnitten schien.

Zurück ging es wieder etwas weiter in den Norden, um dort an einem Strandplatz unseren Abwasch im eiskalten Meer zu erledigen und Suppe sowie „Döner“ zu kochen.

Für die Nacht war ein heftiger Sturm angesagt, weshalb wir den Stellplatz noch einmal zum etwas besser geschützten Ersfjordstranda wechselten, wo wir Bier tranken, Karten spielten und den Luxus des goldenen Klos genossen.

Der Wetterbericht hatte nicht zu viel versprochen: in der Nacht stürmte und regnete es heftig und zwischendurch hatten wir das Gefühl, gleich mitsamt des Vans wegzufliegen. Gott sei Dank standen wir jedoch bis am nächsten Morgen an der selben Stelle und trugen außer feuchten Bettdecken wegen undichten Türen keinerlei Schaden davon.

Mi, 06.10.

Da das Wetter auch am nächsten Morgen nicht gerade einladend war, nutzten wir den Vormittag dazu lange zu schlafen und uns ein wenig im warmen Van auszuruhen, bevor wir in den Süden, Richtung Ånderdalen Nationalpark fuhren.

Dort angekommen beschlossen wir einen kleinen Spaziergang in den Park zu unternehmen, der dann zu einer dreistündigen Wanderung wurde. Der Weg ging durch kahle Herbstlandschaften, an diversen Flüssen und Bächen entlang, führte über Holzstege und vorbei an sumpfigen Mooren. Während des gesamten Weges waren wir sehr auf den ziemlich matschigen Boden fixiert, was vielleicht der Grund dafür war, dass wir kein Rentier und keinen Elch ausmachen konnten, die eigentlich in dieser Gegend sehr zahlreich vertreten sind.

Müde kamen wir schließlich von unserer Wanderung zurück zum Van und beschlossen uns für den Abend den Campingplatz von vor ein paar Tagen zu gönnen, da wir alle schon von einer langen, warmen Dusche träumten.

Eine wohltuende Dusche und leckere Nudeln später fielen wir auch schon ins Bett und schliefen sofort ein.

Do, 07.10.

Als wir am Donnerstag den Vorhang des Vans zurückzogen, hatten wir einen direkten Blick auf die Berge, die allesamt ausschauten als hätte sie in der Nacht jemand mit Zucker bestreut. Da es ziemlich kalt war beschloss ich die warme Dusche des Campingplatzes noch einmal auszunutzen, bevor ich es mir mit einem Kaffee in der Küche gemütlich machte und mich den weiteren Reiseplanungrn widmete.

Auch die anderen zwei gesellten sich später zu mir in die Küche und wir bereiteten uns ein Eier-Frühstück zu, bevor wir uns wieder ins Auto setzten und zurück Richtung Tromsø fuhren.

Eine Kaffee-Zimtschnecken-Pause und drei Autofahrtsstunden später kamen wir in der Stadt an, die uns mit wenig einladendem Schneeregen begrüßte. Die Wetterverhältnisse veranlassten uns auch dazu unsere ursprünglich geplante Wanderung durch einen Besuch des Polarmuseums zu ersetzen.

Viele Informationen reicher beschlossen wir uns für unser Abschluss-Festessen zwei Tiefkühlpizzen sowie Kekse als Nachspeise zu besorgen, bevor wir uns einen Spot an einem großen Campingplatz mitten in der Stadt suchten.

Dort bereiteten wir uns die Pizza in der Gemeinschaftsküche zu und waren dem australischen Ehepaar sehr dankbar, das uns dafür freundlicherweise Backpapier sowie einen Pizzaschneider borgte.

Wir gönnten uns zur Pizza noch ein Ginger Bier und ließen den Abend mit Kartenspielen ausklingen.

Fr, 08.10.

Die Temperaturen wurden mit jedem Tag spürbar kälter und so war die Nacht auf Freitag die erste, in der wir die Heizung des Vans die gesamte Zeit über laufen lassen mussten um nicht zu frieren.

Mein Morgen begann mit einer Online-Vorlesung meiner Uni in Graz, bevor wir in der warmen Küche unser restliches Müsli aßen und uns dann dem Packen sowie dem Umbauen des Vans widmeten.

Als unser Gepäck halbwegs verstaut war begaben wir uns noch einmal in die Innenstadt, wo wir zuerst die Brücke ein Stück entlangliefen um die Aussicht auf die nun mit Schnee bedeckten Berge um Tromsø zu genießen. Außerdem spazierten wir Storgata entlang, schauten uns Ølhallen, die Bar der nördlichsten Brauerei, die Kathedrale der Stadt sowie die schönen bunten Häuser an und tranken dann noch eine warme Schokolade bzw. Glühwein in der kleinsten Bar der Welt. Tore und Lena gönnten sich dort außerdem noch einen Hotdog und Tore wagte es dabei sogar das Rentierfleisch zu kosten.

Zurück am Parkplatz aßen wir noch ein paar Bissen unseres kreativen Salates, der aus lauter Überbleibsel der Vortage bestand und machten uns dann auf den Weg zurück zur Autovermietung. Da wir uns ein wenig mit der Zeit verschätzt hatten und uns Google Maps ein wenig an der Nase herumführte kamen wir später als gedacht an und versuchten so schnell wie möglich noch den Van zu putzen, den Müll zu entsorgen und uns ein Jausenpaket zusammenzustellen, bevor wir die Autoschlüssel zurückgaben und im Eilschritt Richtung Flughafen losmarschierten. Der 30-minütige Weg mit unserem Gepäck zog sich ein wenig, jedoch kamen wir rechtzeitig am Flughafen an, schafften es Gott seinDank ohne Probleme durch den Security Check und saßen schon bald darauf im Flieger zurück nach Oslo.

So ging eine Woche voller wundervoller Erlebnisse, atemberaubenden Landschaften, viel Gelächter und einer neuen deutsch-norwegisch-österreichischen Freundschaft zu Ende.


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