Di, 19.10.
Den gesamten Dienstag ĂŒber fiel es mir schwer mich auf die Uni zu konzentrieren und mich dem Lernen zu widmen, weil ich an nichts anderes mehr als an den mir bevorstehenden Besuch meines Freundes denken konnte. Flo war den ganzen Tag mit Bus, Zug, Flugzeug, wieder Zug und wieder Bus unterwegs, bis er schlieĂlich um 19:45 Uhr endlich am Bahnhof in Halden ankam. Ich erwartete ihn dort schon freudig, eingepackt in Haube, Handschuhe und dicker Jacke, da das Wetter ihm einen weniger freundlichen Empfang bereitete. Nachdem wir gemeinsam fĂŒr die nĂ€chsten Tage eingekauft hatten, spazierten wir gemeinsam im Nieselregen zum Studentenwohnheim, wo wir uns Wraps mit CouscousgemĂŒse zubereiteten und mit meinen Mitbewohner*innen tratschten, bis wir schlieĂlich schon wenig spĂ€ter, beide ziemlich geschafft vom Tag, in mein Mini-Bett fielen.
Mi, 20.10.
Obwohl ich am Mittwoch in der FrĂŒh in die Uni musste, war meine Freude riesengroĂ, als ich aufwachte und Flo neben mir liegen sah. Schnell gingen die fĂŒnf Stunden in der Uni um, wĂ€hrend Flo in meinem Zimmer arbeitete und schon wenig spĂ€ter kochten wir uns ein gemeinsames Mittagessen und mieteten uns dann ein Auto, mit dem wir ĂŒber die schwedische Grenze nach Strömstad fuhren. Dort parkten wir am Shoppingcenter und spazierten in die Innenstadt zum Hafen, wo wir genau rechtzeitig fĂŒr den Sonnenuntergang ankamen. Trotz des ziemlich starken Windes genossen wir die Meerluft und den bunt gefĂ€rbten Abendhimmel, bevor wir uns auf den RĂŒckweg machten.



ZurĂŒck in der WG verbrachten wir einen amĂŒsanten und gemĂŒtlichen Abend mit meinen Mitbewohner*innen mit Kartenspielen und ein paar Bier und endeten schlieĂlich um Mitternacht im 16. Stock des E-Buildings, wo wir verzweifelt nach einem Zugang zur Dachterrasse suchten. Wie ich schon stark vermutet hatte war dieser Zugang fĂŒr Studierende natĂŒrlich nicht offen und so mussten wir enttĂ€uscht aufgeben und widmeten uns wieder den Karten.
Do, 21.10.
Auch der Donnerstag begann mit vier Stunden Uni fĂŒr mich und auch Flo nutzte die Zeit dafĂŒr zu arbeiten. Nach meinem Norwegischkurs packten Flo und ich eine Jause zusammen und spazierten auf den RĂždsberget, einen kleinen HĂŒgel in Halden, den ich bis dahin noch nie besucht hatte. Wir genossen die Jause mit Aussicht auf die DĂ€cher Haldens bei strahlendem Sonnenschein, umgeben von gelben HerbstbĂ€umen und waren einfach nur glĂŒcklich beisammen zu sein.




FĂŒr den RĂŒckweg entschieden wir uns fĂŒr den Weg den Fjord entlang und fanden uns schon bald in einer Sackgasse wieder, da durch den vielen Regen vor einigen Wochen die BrĂŒcke ĂŒber den Fluss dran glauben musste. Flo wĂ€re nicht Flo, wenn er sich nicht sofort dran gemacht hĂ€tte eine BrĂŒcke aus Steinen zu bauen und so sprangen wir schon wenig spĂ€ter ohne nass zu werden von Stein zu Stein ĂŒber das Wasser.


Wieder mieteten wir uns ein Auto, mit dem wir 30 Minuten in den Norden fuhren, um dort kayaken zu gehen. Wir befanden uns komplett alleine am idyllischen See und genossen die ruhige Herbststimmung. Leider vergaĂ ich meine Handschuhe im Auto, weshalb meine HĂ€nde am Paddel nach dem Sonnenuntergang ziemlich schnell nicht mehr spĂŒrbar waren. Flo war dabei weniger pingelig, schnappte sich kurzerhand mein Paddel und brachte uns, zwei Paddeln gleichzeitig benutzend, sicher wieder zurĂŒck.




Zum AufwĂ€rmen kochten wir uns zurĂŒck in der WG Fischkuchen mit SchwammerlsoĂe und brachten dann zwei Freundinnen mit dem Mietauto zum Bus nach Sarpsborg, da diese fĂŒrs Wochenende nach Koppenhagen reisten.
Als wir zurĂŒckkamen hatten wir die spontane Idee ein Lagerfeuer mit Steckerlbrot zu veranstalten, da meine Mitbewohnerin Hannah sowas noch nie gegessen hatte und unbedingt einmal probieren wollte. Gesagt, getan. Hannah versuchte ein Feuer zu entfachen, wĂ€hrend Flo und ich passende Stecken suchten, zuschnitten und -schnitzten. Die fertigen Stecken lehnten wir an die BĂ€nke der Feuerstelle, was Hannah anscheinend falsch deutete, denn schneller als wir schauen konnten hatte sie die Stecken verheizt. Also gingen Flo und ich noch einmal auf Steckensuche, wurden fĂŒndig und konnten schon wenig spĂ€ter unser Brot ĂŒber das Feuer halten.
Fr, 22.10.
Am Freitag beschlossen wir gemeinsam auszuschlafen und den Tag dann mit unserer Lieblings-Brunchmahlzeit Shakshuka zu beginnen. Nach einem köstlichen FrĂŒhstĂŒck begaben wir uns auf eine Wanderung, auf der ich Flo (manchmal eher zufĂ€llig als gewollt) auf altbekannte Spazierwege von mir fĂŒhrte und wir schlieĂlich an einem kleinen See landeten, der umzingelt von BĂ€umen dalag. Diesen See ernannten wir zum Umkehrpunkt unserer Wanderung und wir spazierten durch den Wald auf neuen Wegen wieder zurĂŒck.

Nachdem wir uns mit Kakao und Schokoladen-Peanutbutter-Datteln, die wir am Vorabend gemeinsam gemacht hatten, gestĂ€rkt hatten, fuhren wir zum Klaretjern, einem wunderschönen See nicht weit von Halden. Kurzerhand beschlossen wir in den See zu hĂŒpfen, zögerten auch nicht lange, rissen uns die Kleider vom Leib und stĂŒrzten uns ins eiskalte Nass. Lange hielten wir es nicht im Wasser aus und so standen wir schon ein paar Sekunden spĂ€ter lachend auf den Steinen und zogen uns wieder an.

Dank der Sitzheizung des Mietautos waren wir schon bald darauf wieder aufgewĂ€rmt und spazierten noch ein wenig den Krusetertjern-See entlang, bevor wir uns auf die RĂŒckfahr machten.




ZurĂŒck in der WG kochten wir uns ein Curry, welches wir auf der Couch zu uns nahmen, wĂ€hrend wie „Pocahontas“ schauten. Nach dem Film beschlossen wir uns auch noch „Rio“ anzuschauen und bereiteten uns dazu selbst Chips zu, die ausgezeichnet schmeckten. Das Ende des Filmes bekam ich leider nicht mehr mit, da ich – ganz klassisch – vorher einschlief.
Sa, 23.10.
Auch der Samstag startete gemĂŒtlich mit einem MĂŒsli und Eier Brunch, bevor wir uns wieder ins Mietauto schmissen und in die schwedische Stadt Smögen fuhren. Dort hatten wir das GlĂŒck bei strahlendem Sonnenschein die Felsen am Meer sowie den kleinen Hafen mit den bunten HĂ€uschen entlangspazieren zu können und die starke Sonne machte uns sogar ein kleines Sonnenbad auf den Felsen möglich. Die eingepackte Jause teilten wir auf zwei Teile auf, sodass wir einmal am Felsen mit Aussicht aufs Meer und spĂ€ter an einem Aussichtspunkt ĂŒber der Stadt aĂen und uns dadurch zwei mal ĂŒber die leckere Mahlzeit freuen konnten.







Die RĂŒckfahrt gestaltete sich als abenteuerlicher als gewollt, da sich der Akku unseres Elektroautos auf der Autobahn gefĂ€hrlich schnell entleerte. Besorgt betrachteten wir die Anzeige der noch fahrbaren Kilometer, die irgendwann geringer war als die Anzahl der noch zu fahrenden Kilometer bis Halden, weshalb wir einen Zwischenstopp einlegten, um das Auto anzustecken. Leider funktionierte das Schnellladen nicht und so ladeten wir das Auto wĂ€hrend wir Kleinigkeiten einkauften und Trinkschokolade und Skoleboller auf einem HĂŒgel mit Aussicht auf Autobahn und LKW-Parkplatz zu uns nahmen auf. Als es zeitlich eng mit der RĂŒckgabe-Uhrzeit des Mietwagens wurde machten wir uns wieder, mit genug Kilometer auf der Anzeige, auf den Weg. Leider sanken die Kilometer viel schneller als gedacht und so standen wir schon bald vor der Entscheidung: Noch einmal das Auto anstecken und Aufpreis fĂŒr zu spĂ€tes ZurĂŒckgeben des Autos bezahlen oder riskieren und (hoffentlich) mit fast leerem Akku in Halden ankommen. Ich war eher fĂŒr ersteren Vorschlag, Flo hatte jedoch der Ehrgeiz gepackt und er wollte es unbedingt schaffen, mit dem restlichen Akku zurĂŒckzufahren. Also fanden wir uns bald darauf mit 60 kmh auf der Autobahn dahindĂŒsend wieder, wurden von einem LKW ĂŒberholt und kamen mit 5% Akku an der Grenze an. Dort sahen wir mit Schrecken dass alle paar Autos kontrollierten und finden an StoĂgebete nach oben zu werfen, um einfach durchfahren zu können. Wir setzten unser freundlichstes LĂ€cheln auf, versuchten möglichst Einheimisch zu wirken, winkten den Polizisten und kamen tatsĂ€chlich ohne Stopp durch, wĂ€hrend das Auto hinter uns herausgezogen wurde. Unsere Akkuanzeige blinkte mittlerweile nur mehr verĂ€rgert und zeigte keine Kilometer mehr an, weshalb ich die letzten fĂŒnf Minuten der Strecke vor Aufregung einige Male vergaĂ zu atmen.

Am letzten Anstieg vor der UniversitĂ€t meinte Flo plötzlich alamiert: „Das Auto wird immer langsamer!“, woraufhin ich fast umfiel vor Schreck. Es handelte sich jedoch um einen (unabsichtlichen?) Fehlalarm seinerseits und wir schafften es tatsĂ€chlich noch mit 3% Akku bis zur Steckdose am Parkplatz der Studentenwohnheime.
Nach diesem Schock half nur noch eins: Wir machten eine Burger-Night mit selbstgemachten Kichererbsen Pattys.



So, 24.10.
Am Vortag hatte ich es geschafft ein Freiticket fĂŒr Tusenfryd, einen Freizeitpark in der NĂ€he Oslos, zu ergattern und so wollten wir den Sonntag dort verbringen. Da der Zug zum Park ziemlich teuer war und die Mietautos schon alle reserviert waren, beschlossen wir kurzerhand unser GlĂŒck zu versuchen und Auto zu stoppen.

Aus einer leeren Schachtel bastelte ich uns ein „Oslo“-Schild, mit dem bewaffnet wir uns an die StraĂe stellten und den Daumen nach drauĂen streckten. Nach einer erfolglosen halben Stunde waren wir schon weniger hoffnungsvoll, da am Sonntag anscheinend nur sehr wenig Autos unterwegs waren und wir noch nicht mehr als einige schulternzuckernden, bedauernden Blicke und einen gezeigten Vogel bekommen hatten. AuĂerdem wurde es langsam ziemlich kalt und wir dachten schon an das teure Zugticket, das wir wohl bald kaufen mĂŒssten. Genau in diesem Moment blieben jedoch zwei afrikanische MĂ€nner stehen, die uns versprachen uns mit nach Sarpsborg zu bringen, was sich schon ein wenig nĂ€her am Ziel befand und auĂerdem einen besseren Ausgangspunkt zum Autostoppen darstellte. Dankbar nahmen wir ihr Angebot also an und stiegen ein. In Sarpsborg angekommen wollten wir an der Autobahnabfahrt aussteigen, die beiden MĂ€nner meinten jedoch dass sie nur kurz einen Freund holen wĂŒrden und uns dann noch weiter Richtung mitnehmen können. TatsĂ€chlich stieg noch ein weiterer afrikanischer, junger Mann zu, wunderte sich nicht einmal ĂŒber uns auf der RĂŒckbank und schon bald waren wir in ein interessantes GesprĂ€ch mit den dreien verwickelt. Dabei ging es auch darum wie schade es ist, dass in Norwegen und wie ich empfinde auch in Ăsterreich, jeder dem anderen gegenĂŒber sofort misstrauisch ist und das schlimmste vermutet, anstat einander zu helfen und fĂŒreinander da zu sein. Diese Community, das Sozialleben sowie das Gemeinsame statt jeder nur fĂŒr sich vermissen die drei am meisten an Afrika, auch wenn sie sehr gerne in Norwegen leben. Mir haben diese Worte wirklich zu denken gegeben, denn wĂ€ren die drei MĂ€nner nicht so selbstlos und hilfbereit gegenĂŒber uns völlig Fremden, stĂŒnden wir warscheinlich noch immer mit mittlerweile gefrorenen Fingern in Halden. Die drei brachten uns tatsĂ€chlich genau vor den Eingang des Freizeitparkes und wir konnten uns gar nicht oft genug bei ihnen bedanken.
Vor dem Eingang trafen wir Jasmin, Jonas, Nicole, Tobi und noch einige weitere Leute aus meiner Uni, mit denen wir uns gemeinsam ins GetĂŒmmel schmissen. Der Tag bestand aus vielen Achterbahnen, anderen FahrgeschĂ€ften, GruselhĂ€usern und langem Anstehen dazwischen, welches wir meistens zum Jausnen nutzten. Wegen Halloween waren im Park auch vielerlei dunkle Gestalten wie Zombies, Knochenmaxis oder Horrorclowns unterwegs.



Nach diesem aufregenden Tag waren wir todmĂŒde und warteten auf den Bus zurĂŒck nach Fredrikstad, von wo aus Nicola uns dann mit nach Halden nahm. So ging auch schon der letzte Tag mit Flo zu Ende und wir genossen nach leckeren Shrimpsnudeln und Packen noch ein wenig Zweisamkeit.
Mo, 25.10.
Der Abschied als ich Flo heute Morgen um 6:50 Uhr zum Bus brachte war wie immer nicht leicht. Wiedereinmal bin ich aber einfach nur dankbar dafĂŒr, dass ich diese wunderschönen und ereignisreichen Tage mit ihm teilen durfte und ich die Möglichkeit hatte, ihm noch mehr an meinem Leben hier teilhaben zu lassen. Ich kann das Wiedersehen mit ihm jetzt schon nicht erwarten, freue mich aber auch sehr auf die zwei Monate, die mir hier in Norwegen noch bevorstehen.
