Do, 28.10.

Am Donnerstag Nachmittag wagte ich mich, gut eingepackt in jegliche warme Kleidungsstücke, nach draußen in die Kälte, um meine Besucherin Annelie vom Bahnhof abzuholen. Die Wiedersehensfreude war nach 1,5 Jahren sehr groß und die paar Tage die Annelie bei mir verbringen würde schienen selbst ohne Schlaf zu kurz für die vielen Dinge die wir uns gegenseitig zu erzählen hatten. Nachdem ich meiner Besucherin die WG gezeigt und meine Mitbewohner*innen vorgestellt hatte, kochten, aßen und tratschten wir noch und ließen den Abend so gemütlich ausklingen. Schließlich versuchten wir aus Campingmatten noch ein relativ gemütliches Bett zu bauen, auf dem Annelie die Nacht verbrachte. Das Bett selbst wäre warscheinlich gar nicht so ungemütlich gewesen, wäre Annie nicht immer wieder von ihr hinunter auf den Boden gerollt um sich dann zu wundern dass die Matte plötzlich so hart war.

Fr, 29.10.

Den Freitag nutzten wir nach einem Frühstück dafür die Umgebung zu erkunden und so erhielt Annelie eine Führung in der Universität, bevor wir nach Halden spazierten. Dabei machten wir noch einen Zwischenstopp an meinem Lieblingsaussichtspunkt, von dem aus man den Fjord, die Stadt sowie die Ruine gut überblicken kann. Auch den zweiten Aussichtspunkt am Red Mountain, den Hafen sowie den Strand an der Spitze von Sauøya ließen wir nicht aus und vollendeten die Touri-Tour schließlich wieder am Campus.

Am Nachmittag unternahmen wir einen kleinen Ausflug nach Strömstad gemeinsam mit Martina und Mesi. Gemütlich tranken wir einen Kaffee, durchstöberten einen kleinen Secondhand-Laden, spazierten den Hafen entlang und erledigten schließlich unsere Einkäufe.

Abends kochten wir uns gemeinsam mit Lena Sommerrollen, die ausgezeichnet schmeckten. Später kamen noch einige Freunde vorbei und ehe wir uns versahen wurde unser Wohnzimmer zur Tanzfläche umfunktioniert, Daniels Partylicht aktiviert und das Lautstärkenlimit der Musikanlage mal wieder getestet. Um 1:00 Uhr morgens bekamen wir spontan Lust auf Brezeln, die natürlich sofort gebacken und mit Käse gefüllten Champignons aufgepeppt wurden.

Sa, 30.10.

Da der Wetterbericht keine einzige Sonnenstunde vorausgesagt hatte war unsere Freude umso größer als sich bei unserer Fahrt nach Fredrikstad plötzlich Sonnenstrahlen zeigten und die Sonne sich auch den Rest des Tages immer wieder hartnäckig durch die Wolkenschichte kämpfte. In Fredrikstad spazierten wir durch die Stadt, fuhren dann mit der Gratisfähre in die Altstadt und schlenderten dort gemütlich durch die Gassen.

Weiter ging es auf die Insel Vesterøy, wo wir eine kleine Wanderung an den Strand unternahmen und danach noch einen zweiten Spaziergang auf einem ziemlich gruseligen Terrain wagten, welches voll von alten Tunneln sowie mysteriösen Türen war und uns durchgehend darüber grübeln ließ, was sich hier wohl früher befunden hatte.

Nach dem Abendessen zurück in der WG wanderten wir gemeinsam mit Rebekka, Martina und Julia zur alten Festung in Halden, wo wir gemeinsam mit vielen anderen Austauschstudent*innen sowie Norweger*innen an einem dort stattfindenden Halloween-Event teilnahmen. Dieses bestand daraus dass wir in kleinen Gruppen in Räume der Festung gehen und dort bestimmte Symbole finden mussten. In den Räumen erwarteten uns Horror-Clowns, Zombies, Skelette und andere gruselige Gestalten, die gemeinsam mit dem Ambiente der Burg eine wirklich Angst einflößende Stimmung erzeugten, sodass wir uns meistens eng aneinandergeklammert und wild schreiend vorwärtsbewegten.

So, 31.10.

Nachdem wir uns ausgeschlafen sowie ein ausgiebiges Frühstück genossen hatten, machten wir uns auf den Weg um Kayaken zu gehen. Wir genossen die Ruhe des Wassers auf dem sich niemand außer uns in unserem Boot befand und ruderten gemütlich in der Sonne herum.

Zurück in der WG beschlossen wir mit Martina und Daniel einen Kaffee in Rød Herregård zu trinken und unseren Lieblings-Aussichtspunkt zu besuchen.

Da es durch die Zeitumstellung um vier Uhr nachmittags schon dunkel war, beschlossen wir einen gemütlichen Abend zu verbringen und schauten gemeinsam mit meinen Mitbewohner*innen noch zwei Filme, wobei es sich als ziemlich schwierig herausstellte, ein Filmgenre zu finden, das allen Beteiligten gefiel.

Mo, 01.11.

Der Montag war weniger ereignisreich, da ich einiges für die Universität zu tun hatte und Annelie die Zeit für Sport nutzte. Nachmittags zeigte ich Annelie gemeinsam mit Daniel eine meiner Standardspazierwege, wobei dieser durch das nasse Wetter ziemlich matschig war, was den Spaziergang fast zu einem Abenteuerausflug machte.

Di, 02.11.

Um 9:00 Uhr morgens fuhren wir mit dem Zug Richtung Oslo, wo wir so einige Schritte zurücklegten. Wie besuchten die Bibliothek, genossen die Aussicht vom Operndach aus, jausneten auf der alten Festung mit Blick auf den Oslofjord, schlenderten den Hafen entlang und besuchten den Royal Palace, bei dem man so nah an den Eingang gehen kann, dass man das Gefühl hat anklopfen und dem König guten Tag sagen zu können. Außerdem warfen wir einen Blick in die Foodhall und spazierten den Fluss entlang, wo wir einige kleine Wasserfällte zu sehen bekamen. Danach gingen wir nach Grünerløkka, ein Viertel Oslos, das voll mit Second Hand und Vintage Stores sowie kleinen Cafés ist und uns zu einer Bummeltour und dem Genuss einer frischen, warmen Zimtschnecke veranlasste. Abends begaben wir uns auf die Suche nach einem Klo für das wir nicht bazahlen mussten und landeten schließlich wieder am Ausgangpunkt unseres Tages – der Bibliothek. Dort nutzten wir nicht nur das WC, sondern auch die gemütlichen Lesesessel, in denen wir die restliche Wartezeit verbrachten, bis wir uns schließlich am Bahnhof voneinander verabschieden mussten, da mein Weg zurück nach Halden und ihrer in ein Airbnb ging, von dem aus sie am nächsten Morgen ziemlich früh zum Flughafen fuhr.

Schon in unserer gemeinsamen Zeit in Amerika träumten wir immer wieder davon, einmal gemeinsam ein skandinavisches Land zu besuchen und so waren die paar gemeinsamen Tage ein wahr gewordener Traum von vor vier Jahren. Damals ahnten wir noch nicht dass unsere Freundschaft trotz der Entfernung derart stark bestehen bleiben und ich einmal in Norwegen wohnen und sie als Gast empfangen können würde. Ich genoss die Zeit mit Annelie sehr und bin dankbar für die neuen schönen Erlebnisse die wir teilen dürfen.


4 Kommentare zu „Von Halden nach Oslo 🇳🇴“

  1. Avatar von annelielibrary

    Schön geschrieben! Ich freu mich schon auf unsere weiteren Abenteuer!

  2. Avatar von Christine Donnerer
    Christine Donnerer

    Schön dass du Annelie wieder treffen konntest.
    Dieses Land muss unheimlich schön sein. Die Bilder die du schickst sind ein Traum.
    Genieß noch die Zeit. Wir denken oft an dich.
    Liebe Grüße aus Harnschdorf !

    1. Avatar von miriamabroadblog

      Vielen Dank, ganz liebe Grüße zurück nach Harnschdorf! Ich denk auch oft an euch 😘

  3. Avatar von Andrea Ulz
    Andrea Ulz

    Das sind wunderschöne Bilder – der Herbst hat es in sich. Ich freu mich dass Annelie und du euch wieder mal getroffen habt! Lg

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