Die letzten Wochen vergingen wie im Flug und ehe ich mich versah waren die wunderschönen bunten Herbstbäume kahl, die Sonne ließ sich immer seltener Blicken und dafür begrüßte uns jeden Morgen ein dichter Nebel, der die gesamte Gegend in Watte einzuhüllen schien. Statt ausgedehnte Sonnen-Spaziergängen im herbstlichen Wald zu unternehmen, sitzen wir jetzt häufig in der WG zusammen, trinken Tee was das Zeug hält, schießen uns Vitamin-D-Tabletten ein und machen es uns vor dem Fernseher oder bei gemeinsamen Spielen gemütlich. Das schöne an dieser Zeit ist sicher, dass wir uns über jeden noch so kleinen Sonnenstrahl so sehr freuen, dass wir ihn doppelt so stark genießen wie sonst. Gestern saß ich mit Freunden gemeinsam am Esstisch um zu lernen, als ich plötzlich einen Blick aus dem Fenster wagte und es gar nicht glauben konnte, als ich tatsächlich blauen Himmel und Sonne entdeckte. Ohne zu zögern zogen wir uns daraufhin unsere Jacken an und liefen nach draußen, um uns die paar wertvollen Sonnenstunden nicht entgehen zu lassen.



Ich nutzte wirklich jeden einigermaßen schönen Tag der letzten Wochen in der Natur, unternahm viele Spaziergänge und konnte dabei sogar schon einen Steinpilz sowie eine skandinavische Art von Pfifferlingen finden. Während ich mir beim Steinpilz über seine Essbarkeit sicher war, zögerte ich bei den Pfifferlingen ziemlich lange und recherchierte, diskutierte und probierte einen halben Nachmittag mit meinen Kolleg*innen herum, bis ich mir schlussendlich sicher war von den Pilzen nicht zu sterben oder high zu werden und sie dann kochte. Diese Entscheidung war Gott sei Dank die richtige und so genossen wir ein Eierschwammerl-Abendessen ohne Bauchschmerzen.



Im Allgemeinen verbringe ich derzeit die meiste Zeit mit den Leuten aus meiner WG. Wir kochen häufig gemeinsam zu Abend und probieren immer wieder gerne neue Rezepte aus. Daniel ist dabei besonders kreativ und so kommen wir ständig in den Genuss von seinen interessanten Experimenten wie zum Beispiel seiner neuesten Eigenkreation „Fetakäse in Schokolademantel“ (Nachmachen auf eigene Gefahr).








Viele Nachmittage und Abende verbringen wir auch im Musikraum der Universität, welcher nicht nur top ausgestattet, sondern, wie wir vor kurzem herausgefunden haben, jederzeit gratis für uns zugänglich ist. Mittlerweile haben wir eine kleine WG-Band gegründet und uns Basiswissen auf diversen Instrumenten angeeignet, sodass wir die Besetzungen ständig durchwechseln können. Häufig sind wir so in unsere spontanen Jamsessions vertieft dass wir die Zeit komplett vergessen und so mussten uns die Mitarbeiter*innen schon das ein oder andere mal nachts aus dem Raum werfen. Erst letzte Session wurde von einer Mitarbeiterin unterbrochen, woraufhin wir realisierten, dass wir schon mehr als 45 Minuten an einem Song spielten. Das Musizieren mit meinene Freunden macht mir große Freude und tut mir sehr gut, um nach langen Lerntagen abzuschalten.

Auch das Lernen, welches sich in letzter Zeit durch die immer näher rückende Prüfungsphase sehr erhäuft hat, fällt gemeinsam leichter und so haben wir unsere WG-interne-Lerngruppe gestartet, was einfach bedeutet dass wir uns zum Lernen im Gemeinschaftsraum zusammensetzen, statt einzeln in den dunklen Zimmern zu studieren. So können wir uns auch hin und wieder vorjammern wie arm wir gerade sind und uns dann gegenseitig wieder motivieren und ermuntern nicht aufzugeben.

Meine Kurse auf der Universität neigen sich dem Ende zu und in den nächsten drei Wochen stehen mir meine Abschlussprüfungen bevor. Auch wenn ich dem ein wenig nervös entgegenblicke bin ich doch ganz zuversichtlich. Dadurch dass hier unsere Prüfungsthemen ja nicht vorgegeben sind sondern wir sie selber nach unseren individuellen Interessen wählen dürfen, habe ich eine ganz andere Motivation wie von zu Hause gewohnt mich an die Prüfungsvorbereitungen zu setzen. Ich bin sogar ein wenig wehmütig wenn ich daran denke, dass ich nächste Woche schon meine letzten Vorlesungen habe, da mich die behandelten Themen sowie meine Professor*innen sehr inspiriert haben und ich gerne noch länger mit ihnen arbeiten würde.
Ein Highlight der letzten Woche stellte auch unser Besuch in einer Volksschule in Halden dar, in der wir in Gruppen selber ein Projekt planen und durchfĂĽhren durften. Gemeinsam mit Alberto und Sarah gestaltete ich also zwei Einheiten mit einer fĂĽnften sowie einer siebten Klasse zum Thema „Demokratie“ und war mehr als beeindruckt darĂĽber, dieses komplexe Thema mit GrundschĂĽlern auf Englisch diskutieren zu können. Nicht nur das Schulenglisch der norwegischen Kinder sondern auch das offene Kollegium sowie die offenen und wissbegierigen SchĂĽler*innen machten diesen Vormittag fĂĽr mich unvergesslich und ich konnte sehr viele wertvolle Erfahrungen sammeln. Vor allem aber merkte ich schnell wie sehr ich es schon vermisst hatte vor einer Klasse zu stehen und mit Kindern zusammenzuarbeiten!
Ansonsten veranstalteten wir einige Tanzpartys (wir haben Dank Daniel neue, riesige Lautsprecher), sowie Lagerfeuer mit Steckerlbrot (vor allem Martina ist begeistert von der Idee, Brot auf einem Stock zu machen), besuchten einen Aussichtsturm in der Nähe und gingen Bowlen in unserer Nachbarstatt.







Außerdem hatte ich das letzte Wochenende über Besuch von einer alten Studienkollegin aus Graz, der ich natürlich Halden mit seiner Festung, dem Hafen und kleinen Cafés zeigte. Außerdem unternahmen wir einen Tagesausflug nach Fredrikstad und genossen die Natur auf den Inseln darunter, obwohl das Wetter sich leider nicht von seiner besten Seite zeigte. Trotzdem hatten wir schöne zwei Tage gemeinsam und hatten vor allem sehr viel zu tratschen, da wir uns schon fast zwei Jahre lang nicht gesehen hatten.











