Do, 25.11. – Fr, 26.11.

Nach einem langen Lerntag packte ich abends mal wieder meine sieben Sachen in meinen Rucksack, zog mich warm an und Daniel fuhr Annika und mich nach Sarsporg, von wir in den Flixbus Richtung Göteborg einstiegen. Unsere Überpünktlichkeit führte dazu, dass wir noch eine halbe Stunde in der Eiseskälte hätten warten müssen, weshalb wir uns dazu entschlossen im Shoppingcenter in der Nähe zu verweilen, bis unser Bus in Sicht war. Nach zweieinhalb Stunden Fahrt kamen wir um ungefähr 23:00 Uhr in Göteborg an, wo wir eine Stunde überbrücken mussten, bis unser zweiter Flixbus nach Stockholm abfuhr. In der Halle des Bahnhofs saßen wir also und tratschten und freuten uns, als wir schließlich in den Bus einsteigen durften.

Die siebenstündige Fahrt nach Stockholm beinhaltete leider sehr viel weniger Schlaf als gehofft, da wir es mit unseren Mitreisenden eher weniger gut getroffen hatten. Lautstarke Anrufe mit Lautsprecher von zwei jungen Burschen direkt vor uns, einem lautstarken Morgengebet um 5:00 Uhr Früh mit dazupassender Handymusik neben uns, ein Baby, das jede Stunde einmal kurz losschrie, sowie ein voller Bus ohne viel Platz sich zu bewegen waren ziemlich schlechte Voraussetzungen für einen ruhigen Schlaf. Umso mehr freuten wir uns, als wir um ungefähr 7:00 Uhr morgens die Lichter Stockholms im Wasser spiegeln sahen und endlich aussteigen konnten.

Unser erster Weg führte uns in die nächste geöffnete Bäckerei, wo wir uns erst einmal aufwärmten, uns einen Kaffee genehmigten und das Klo dazu nutzten uns die Zähne zu putzen sowie uns noch ein paar Schichten mehr anzuziehen, da wir auf der kurzen Strecke vom Bahnhof zur Bäckerei schon in den Genuss der eisigen Kälte Schwedens gekommen waren. Nach dem Ausgiebigen Aufwärmen und Kultivieren begaben wir uns Richtung Altstadt und konnten, Dank der noch ziemlich frühen Morgenstunde, noch ziemlich leere Straßen genießen. Die Stadt mit ihren wunderschönen Gebäuden, engen Gassen und dem vielen Wasser zog uns sofort in den Bann. Wir konnten schnell nachvollziehen, woher der Spitzname Stockholms als „das Venedig Schwedens“ kam.

Da die meisten Geschäfte noch geschlossen waren, spazierten wir auf die Insel Södermalm, wo wir zufällig einen schönen Aussichtspunkt fanden, den wir für eine Jausenpause nutzen wollten. Diese Pause dauerte jedoch nicht sehr lange, da uns schon nach wenigen Sekunden ohne Handschuhe so die Finger einfroren, dass wir gerne weiterspazierten und das Essen auf später verlegten.

So war der Hunger auch schon ziemlich groß, als wir schließlich an einem Café vorbeiekamen, das mit einem ziemlich guten Preis für ein Mittagessen lockte. Auch da wir mittlerweile ziemlich durchgefroren waren kam uns dieses Angebot sehr gelegen und so genossen wir Weckerl, Smoothie und vor allem einen warmen Tee und beobachteten die vorbeigehenden Menschen von unserem Fensterplatz aus.

Nach der Stärkung ging es für uns zurück zur Altstadt, wo wir uns am Königspalast mit Anneke, einer anderen Austauschstudentin aus Halden die auch gerade in Stockholm war, trafen. Gemeinsam mit ihr besuchten wir den Weihnachtsmarkt mitten in der Stadt. Annika besorgte Rentierwurst für ihre Familie und enttäuschte den Wurstverkäufer sehr, als sie das Angebot des Kostens des Fleisches nicht annahm, da sie Vegetarierin ist. Als auch noch Anneke und ich sein Angebot mit der selben Begründung ablehnten, konnte er seine Enttäuschung nicht mehr verstecken und die Leute um uns herum mussten ziemlich über die absurde Situation lachen.

Mit einem kurzen Zwischenstopp in einem Einkaufszentrum, das nicht nur durch auffällige Weihnachtsdekoration sondern auch durch einen verkleideten Weihnachtsmann auf einem Thron die beginnende Weihnachtszeit nicht leugnen ließ, begaben wir uns auf die Insel Djurgården, um dort noch vier weitere Austauschstudenten aus Halden zu treffen und mit ihnen gemeinsam das Abba-Museum zu besuchen. Wir erhielten Eindrücke in das Leben der vier Mitglieder der Gruppe, bestaunten Requisiten aus dem Film „Mamma Mia“, sangen und tanzten um unser Leben und kamen aus dem Abba-Fieber gar nicht mehr heraus.

Zurück in der frischen Luft meldete sich allerdings langsam die letzte Nacht im Bus und Annika und ich verzichteten auf ein Abendessen, um uns auf dem schnellsten Weg Richtung Hostel und Bett zu begeben. Vor lauter Müdigkeit nahmen wir nicht einmal mehr unsere beiden Zimmerkammeraden wahr, die aus einem ziemlich streng riechenden, nicht sehr gesprächigen Franzosen sowie einem 40-jährigen Impfgegner aus Österreich bestanden. Auf schnellstem Weg hüpften wir unter die Dusche und schliefen wenig später auch schon tief und fest.

Sa, 27.11.

Geweckt wurde ich von dem Österreicher, der im Stockbett unter mir lag, da dieser ab 7:00 Uhr morgens alle 2 Minuten zwischen Bett und Badezimmer wechselte und dabei undefinierbare Geräusche von sich gab. So gab ich es ziemlich schnell auf noch länger zu schlafen uns Annika und ich verließen das Hostel, um uns eine Bäckerei zum Frühstücken zu suchen. Da die „Küche“ des Hostels leider nur aus einem Kühlschrank und einer Mikrowelle bestand, blieb uns die Möglichkeit selbst zu kochen leider verweigert.

Nach dem Frühstück trafen wir uns wieder mit unseren Freunden am Palast, wo wir uns die spektakuläre Wachablösung anschauten. Wir konnten uns das Lachen dabei fast nicht verkneifen, als die Wachen ihre Choreographie in aller Ernstigkeit abzogen.

Als uns zu kalt zum Herumstehen wurde, schlenderten wir noch einmal durch den Weihnachtsmarkt, besuchten die nun offenen kleinen Stores und spazierten schließlich zur Stadtbibliothek, um dort festzustellen, dass sich diese gerade mitten im Umbau befindet, weshalb ihre sonst so beeindruckende Architektur leider nicht zu sehen war.

Nach einem Zwischenstopp in unserem Hostel, für Tee und Klo, trafen wir uns alle gemeinsam im Kungsträdgården, wo wir uns Schlittschuhe ausborgten. Gerade als wir uns aufs Eis schwingen wollten begann eine kleine Show, in der junge Eiskunstläuferinnen ihr Können zeigten. Nicht ganz so elegant drehten wir danach (gefühlt gemeinsam mit halb Stockholm) unsere Runden auf der bunt beleuchteten Eisbahn und hatten vor allem großen Spaß an der lauten Musik des DJs, der in der Mitte der Bahn auflegte. Zwei unserer Französinnen fühlten sich leider eher weniger wohl auf ihren Schlittschuhen und verbrachten viel Zeit damit sich and er Bande am Rand festzuhalten, weshalb ihnen irgendwann ziemlich kalt wurde, während wir anderen vor lauter Fahren und Tanzen ins Schwitzen gekommen waren.

Einer Stärkung nach diesem Erlebnis stimmten alle mit Begeisterung zu und so spazierten wir zu Vapiano, wo wir uns zur Abwechslung einmal Nudeln, Pizza und Risotto zu erschwinglichen Preisen gönnten und den Abend gemütlich ausklingen ließen.

So, 28.11.

Um 5:00 Uhr morgens erhielten wir statt dem Österreicher einen neuen Mitbewohner in unserem Zimmer, der das Unmögliche möglich machte von von 5:00 bis 8:00 Uhr lautstark durchschnarchte, sodass ich in meinem Bett über ihm in den Genuss eines abwechslungsreichen Schnarchkonzertes inklusive Bettvibrationen kam. Aus diesem Grund war ich am nächsten Morgen eher schlecht auf ihn zu sprechen, was er jedoch anscheinend nicht merkte, da er mir, während ich mich für den Tag fertigmachen wollte, ununterbrochen seine Lebensgeschichte mit jeglichen Ausschmückungen und Details erzählte. Ob er nun aus Barcelona, Stockholm oder London kam kann ich euch leider nicht genau sagen, weil die Geschichte ziemlich verwirrend und verstrickt und meine Aufmerksamkeitsspanne wohl dank des fehlenden Schlafs auch nicht gerade am Höhepunkt war. Unser Freund verfolgte uns noch in die Küche und den Speisesaal und ließ schließlich schweren Herzens von uns ab, als wir aus dem Hostel auscheckten.

Wieder trafen wir uns mit Anneke beim Königspalast in der Altstadt, da diese dem Museumsbesuch ihrer Gruppe nicht beiwohnen wollte. Stattdessen spazierten wir durch ein angesagtes Viertel auf Södermalm mit vielen Cafés und Second-Hand-Läden und und genehmigten uns dann ein Frühstück in einer gemütlichen Bäckerei. Dort saßen wir ziemlich eng uns mussten unsere schweren Rucksäcke immer wieder auf den Schoß nehmen, um andere Gäste vorbeizulassen. Trotzdem fühlten wir uns sehr wohl und genossen ein wirklich ausgezeichnetes Frühstück.

Als ich noch ein paar Leckereien für Martina kaufen wollte, die am nächsten Tag Geburtstag hatte, stellte ich mich in die Menschenschlange hinter die Theke. Ich kam dabei genau bei der Eingangstür zu stehen und hielt diese für eine alte Frau auf, die die Bäckerei betreten wollte und sich sichtlich schwer mit dem Gehen tat. Die Chance der offenen Tür nutzte dann auch eine Familie hinter mir, um die Bäckerei zu verlassen und bevor ich die Tür schließen konnte kamen auch schon die nächsten Gäste, die sich nickend und lächeld für mein Aufhalten bedankten und sich dann vor mir in die Schlange stellten. Irgendwie passierte es dann, dass ich mich wegen des bunten Treibens die nächsten Minuten nicht mehr von meinem Türsteherjob losreißen konnte und immer mehr Menschen sich vor mich in die Warteschlange stellten. Eine ältere Frau, die das Ganze wohl beobachtet hatte, setzte sich dann lautstark für mich ein und kommantierte die Menschen zurück, sodass ich mich ganz vorne in die Schlange stellen konnte. Ein bisschen Unangenehm waren mir die vielen Augen schon, aber als ich anfing über die Situation zu lachen stimmten auch andere ein und der peinliche Moment war vorüber.

Den Nachmittag verbrachten wir damit durch die Straßen zu schlendern und die schöne Weihnachtsbeleuchtung zu genießen.

Abends begaben wir uns ins Modern Art Museum, wo wir eine Lebkuchenhaus-Ausstellung sowie viele moderne Kunstwerke bestaunen konnten. Ich, als sehr interessiert an dieser Kunstepoche, hatte dabei wohl mehr Spaß als Annika, die nur mir zu liebe mit ins Museum gekommen war und viel Zeit auf der Couch vor den Kurzfilmen der Ausstellung verbrachte, die sie zum Teil 3-4 mal durchschaute.

Nach dem Museumsbesuch genehmigten wir uns erneut ein Abendessen bei Vapiano, tranken noch einen Cider in der Bar „The Laughing Duck“, in der viele Bilder von bekannten Künstlern als Enten herumhingen und begaben uns schließlich zum Bahnhof, wo um 23:40 Uhr unser Flixbus zurück nach Norwegen losfuhr.

Auch diese Nacht war nicht sehr viel angenehmer als die erste Nacht im Bus und ich schaffte es leider keine Minute lang zu schlafen.

Mo, 29.11.

Um 6:40 Uhr in Göteburg angekommen, hatten wir fünf Stunden Wartezeit auf den nächsten Bus zu überbrücken, die wir erst in einem Café lernend und danach in einem weiteren Café Kaffee trinkend und Frühstück essend verbrachten. Im zweiten Café trafen wir außerdem eine Freundin von Annika aus Deutschland, welche derzeit ein Auslandsemester in Göteborg macht.

Leider verspätete sich unser Bus um noch weitere 1,5 Stunden, die wir am Bahnhof wartend absaßen und langsam knapperte echt die Müdigkeit an uns. Im Bus nach Sarsporg gelang es mir jedoch endlich eine Stunde lang zusammengekauert auf meinem Sitz zu schlafen und der Busfahrer ließ uns überraschenderweise mitten im Kreisverkehr in Halden aussteigen, sodass wir uns die Busreise von Sarsporg zurück ersparten.d

So ging ein ereignisreiches, gemütliches und sehr kaltes Wochenende in Stockholm zu Ende, das zwar aus sehr wenig Schlaf bestand, mich aber durch die schöne Weihnachtsbeleuchtung und die Weihnachtsmärkte total in Weichnachtsstimmung gebracht hat.


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