Schon am 18. November fand die feierliche Eröffnung der Weihnachtszeit in Halden statt, bei der sich Menschenmassen im Stadtzentrum zusammenfanden, um gemeinsam Glögg (der norwegische, alkoholfreie Glühwein) zu trinken und Pepperkaker (typisch norwegische Kekse) zu essen. In den Straßen sangen Chöre Weihnachtslieder und ein als Rentier verkleidetes Pony zog Kindern in einem Schlitten die Straße auf und ab. Nachdem die Lichter des riesigen Weihnachtsbaums und auch die restliche Straßenbeleuchtung eingeschalten wurde, gab es noch eine spektakuläre Begrüßung der (besinnlichen ?) Weihnachtszeit durch ein riesiges Feuerwerk über der Festung. Währenddessen fuhr der Kayak-Club mit seinen mit Lichterketten geschmückten Booten den Fluss entlang und zauberten so eine wirklich schöne Atmosphäre voller Lichtern.

Weihnachtlich ging es auch am Weihnachtsmarkt auf der Festung zu, der für ein Wochenende stattfand. Zwar gab es dort wirklich keinen Glühwein zu finden (und wir haben wirklich überall gesucht und viele ratlose Norweger befragt), dafür aber allerlei Selbstgemachtes zu kosten und zu kaufen. Wir entschieden uns dafür, für unsere WG das typische Weihnachtsbrot zu kaufen, nachdem wir den Bäckern live bei der Herstellung dessen zuschauen durften. Außerdem probierten wir noch pancakeähnliche Teigbällchen, tranken Glögg und gönnten uns noch warme Zimtschnecken zu einer heißen Schokolade. Interessant waren auch die Schauspieler, welche sich in das Volk mischten und durch ihre Kostüme wirkten als würden sie aus der Zeit stammen, in der in der Festung noch gelebt wurde.

Die Liebe der Norweger zu Licherketten, Kerzen und Sternen im Fenster machte auch vor dem Studentenwohnheim nicht Halt und so gab es auch hier ein „Christmas-Opening“, an dem Glögg ausgeschenkt wurde und die Lichterketten eingeschalten wurden.

Nicht nur mit dem Jahr sondern auch mit dem Semester in Norwegen ging es langsam aber sicher dem Ende zu und so fanden wir uns schneller als gedacht in unseren letzten Stunden wieder. In Andrews letzter lesson beschlossen wir alle typisches Essen aus unserem Land mitzunehmen und so veranstalteten wir ein gemütliches Beisammensitzen, Tratschen und Essen, bevor wir uns schweren Herzens von unserem Lehrer verabschieden mussten.

Auch Gunhilds letzte Unterrichtsstunde bleibt in Erinnerung, da diese im Freien am Lagerfeuer stattfand. In Paaren zeichneten wir mit Kohle die umstehenden Birken ab und wir tranken gemeinsam heißen Ribiselsaft, wie es in Skandinavien zur Weihnachtszeit üblich ist.

Eine Woche später hatte ich auch schon meine Norwegisch-Prüfung sowie die Prüfung von Gunhilds Kurs in der Tasche und nur noch eine letzte Prüfung stand aus.

Um uns von dem Prüfungsstress ein wenig abzulenken, beschlossen wir an einem sonnigen Wochenende, noch einmal die Inseln zu besuchen. Naja, dies wurde mehr oder weniger für mich beschlossen, denn als ich eines Morgens nichtsahnend und noch gähnend meine Zimmertür öffnete um ins Badezimmer zu gehen, lief mir schon Lena entgegen und schrie mich aufgeregt an, dass ich mich sofort anziehen solle, da sie zu den Insel fahren möchte. Gesagt getan und 15 Minuten später saßen Tore, Daniel, Lena und ich im Auto Richtung Fredrikstad. Auf den Inseln angekommen, unternahmen wir eine kleine Wanderung und landeten schließlich am Strand, wo Lena und Daniel spontan beschlossen ins Meer zu springen. Die beiden Verrückten waren tatsächlich wenige Minuten später im Wasser und schrien um ihr Leben. Um sie danach wieder ein wenig aufzuwärmen setzten wir uns in die Strandbar, wo wir Waffeln aßen und Kaffee tranken.

Ein weiteres Highlight während dem Lernen war auch das Lagerfeuer, dass wir Austausstudenten spontan veranstalteten. Eher zufällig trafen sich viele von uns am Feuerplatz hinter der Universität und der Abend wurde zu einem langen, gemütlichen Beisammensitzen und Tratschen und gemeinsam ließen wir das Semester Revue passieren und stießen auf die vielen neuen Freundschaften an, die in den letzten Wochen entstanden sind.

Nicht zu vergessen ist auch das Semestercleaning, welches einmal pro Semester veranstaltet wird, damit die WGs einmal ordentlich durchgeputzt werden. Jeder und jede Bewohner*in erhält dabei drei Hauptaufgaben, für die er oder sie beim Putzen zuständig ist. Beim Putzen des riesigen Wohnzimmerfensters wurde Lena dabei besonders kreativ. Zur Belohnung für unsere blitzsaubere WG erhielten wir nach dem Cleaning-Check sogar eine Überraschung.

Direkt nach meiner Rückkehr von Stockholm fuhr ich gemeinsam mit Daniel nach Strömstad, um Flo abzuholen der dort mit der Fähre angekommen war. Nach einem Zwischenstopp um eine Angel für Daniel zu kaufen, kamen wir in der WG an, wo Martina gerade zwei Freundinnen aus Italien zu Besuch hatte. Da sie an diesem Tag ihren 21. Geburtstag feierte, saßen wir abends alle zusammen, aßen Kuchen, spielten und tanzten noch bis lange in die Nacht hinein.

Als wir als WG versuchten einen Termin für ein letztes gemeinsames Abschlussessen zu finden fiel uns auf, dass dafür nur mehr der nächste Tag, der 2.12. in Frage kam. Kurzerhand luden wir Stian, der ja am Beginn des Semesters noch mit uns gewohnt hatte, für den nächsten Abend ein und erhielten wenige Minuten später auch schon seine Zusage. Am Donnerstagnachmittag war die Küche ständig von mehreren Bewohner*innen der WG belegt, da jeder und jede eine Spezialität für das Abschlussessen bereitstellen wollte. So hatten wir am Abend typisch norwegisches Risgrøt und Christmassoda, französisches Omlett, Enchilladas in verschiedenen Variationen, Spezial-French-Fries, selbstgebackene Brötchen mit Tomatenbutter, italienische Tiramisu sowie frische und noch warme Schokoladencroissants. Wir genossen nicht nur das leckere Abendessen, sondern vor allem das letzte Beisammensein sehr und feierten noch lange, bis ich mich irgendwann dazu entschied mich hinzulegen, weil mir nicht gut war.

Um 5:00 Uhr morgens wachte ich schweißgebadet auf um festzustellen, dass ich über 39 Grad Fieber hatte. Sofort machte ich einen Coronatest und das unvermeidliche traf ein: Er war positiv. Flo hatte alle Hände voll damit zu tun mich zu beruhigen, da ich aufgrund des Fiebers und der Tatsache, dass ich gestern Abend mit all meinen Freund*innen gemeinsam zu Abend gegessen habe leicht panisch wurde. Wenig später stellte sich heraus, dass auch meine Freundin, mit der ich in Stockholm gewesen war, positiv war und so konnten wir darauf schließen, dass wir uns in Stockholm oder im Bus zurück nach Norwegen angesteckt hatten.

Die nächsten Tage schauten weniger fröhlich aus. Meine gesamte WG blieb zu Hause, trug Masken und testete sich regelmäßig, ich telefonierte täglich mit dem norwegischen Gesundheitsamt und Flo versorgte mich mit Essen, da ich mein Zimmer nicht verlassen durfte. Ich war sehr erleichtert als mir das Gesundheitsamt mitteilte, dass ich doch nicht wie vorerst gedacht in ein Quarantänehotel musste, sondern dass ich hier in meinem Zimmer bleiben durfte. Ein paar Tage später schlug auch Daniels Test positiv an und Tags darauf kam es wie es kommen musste und auch Flo, den wir schon als superresistent gefeiert hatten, testete sich positiv. Martina hatte mittlerweile alle Hände voll damit zu tun uns mit Essen zu versorgen und nahm ihren Job so ernst, dass wir alle paar Stunden Vanillekipferl, Tee, Kaffee, Kekse und Schokolade erhielten, damit wir ja bald gesund würden. Gott sei Dank ging es mir (warscheinlich Dank Flos und danach Martinas All-Inclusive-Versorgung) nach ein paar Tagen schon viel besser, weshalb ich meine Zeit in der Quarantäne dazu nutzen konnte meine letzte Online-Prüfung zu schreiben, die ich sonst erst in einem Jahr hätte nachholen können.

ENDLICH aus der Quarantäne unternahm ich sofort einen Spaziergang und genoss jeden Schritt in Freiheit und jeden Atemzug der frischen, kalten Schneeluft in vollen Zügen.

Als Flo wieder raus durfte, unternahmen wir einen Nachtspaziergang, wo wir einen Schneemann bauten und machten uns Steckerlbrot über dem Lagerfeuer.

Daniels erster Ausflug in Freiheit bestand aus einer Fahr zu den Seen bei uns in der Nähe, deren Eisschicht Flo und Dani erkunden wollten. Also fanden wir uns auf dem, Gott sei Dank dicken, Eis wieder, wo wir eine Rutschbahn erstellten, einen Schneemann bauten, ein Loch ins Eis bohrten um die Eisdicke herauszufinden (offensichtlich die Idee der beiden Jungs) und schließlich noch eine Tanzparty mit dem Schneemann veranstalteten.

Am Beginn meiner letzten Woche in Norwegen unternahmen Flo und ich noch einen Spaziergang in die Stadt, wo wir uns in der Konditorei zwei heiße Schokoladen und den besten Karottenkuchen der Welt zum Aufwärmen gönnten.

Als Flo am Montag seinen Flug nach Wien für Mittwoch buchte, beschloss ich wegen der bedrohlich steigenden Coronazahlen und des Omikron-Hotspots in und um Oslo herum spontan mitzufliegen und nicht noch wie geplant bis Sonntag zu warten. Von diesem Plan erzählten wir zu Hause jedoch vorerst niemandem, da ich meine Familie überraschen wollte.

Von da an ging alles sehr schnell: Ich versuchte mein gesamtes Hab und Gut wieder in meine Koffer zu bekommen und Flo half mir beim Putzen meines Zimmers, Bsdezimmers und meiner Anteile der Küche. Zwischendurch unternahmen wir noch ein paar Spaziergänge, um meine liebsten Plätze nocheinmal zu besuchen.

Die letzten beiden Abende verbrachte ich mit meinen WG-Kolleg*innen die noch hier waren, sowie anderen Freund*innen von mir am Lagerfeuer, wo wir nicht nur Steckerlbrot aßen, sondern auch Garnelen, Krabben und Sc grillten. Mein Highlight waren die Bananen, die wir mit Schokolade füllten, mit Alufolie aufs Feuer legten und dann auslöffelten.

Als der Wecker am Mittwoch in der Früh nach nur wenigen Stunden Schlaf läutete, sprang ich sofort auf, machte mich fertig, packte meine Koffer fertig ein, saugte noch einmal mein Zimmer und teilte übriggebliebene Lebensmittel auf meine Freund*innen auf. Dabei schwankte meine Stimmung ständig zwischen Traurigkeit, Wehmut und großer Aufregung und Vorfreude auf zu Hause und meine Familie. Als der Moment gekommen war und ich mich von Dani und Martina verabschieden musste überwiegte jedoch die Traurigkeit und ich hätte am liebsten gleich wieder meine Koffer ausgepackt und mich mit den beiden an den Tisch gesetzt um gemeinsam Kaffee zu trinken.

Die Tatsache dass ich nicht alleine gehen musste erleichterte mir die Sache jedoch ein wenig und so machten Flo und ich uns auf zur Bushaltestelle, wo wir auf den Bus Richtung Strömstad warteten.

In Strömstad ging es weiter auf die Fähre nach Sandefjord. Diese war richtig modern eingerichtet und weihnachtlich dekoriert, sodass wir schnell ein gemütliches Plätzchen finden konnten, wo Flo an einer Online-Vorlesung teilnahm und ich die Zeit damit verbrachte auf das Meer zu starren und Musik zu hören.

In Strömstad angekommen hatten wir ziemlich viel Zeit zu überbrücken, weshalb wir uns zuerst an den Hafen setzten und unsere Jause bei Sonnenuntergang (um 14:30 Uhr 🤦🏻‍♀️) genossen. Danach spazierten wir zu einem Café und genehmigten uns einen letzten norwegischen Cappuccino bzw. Café Latte, bevor wir unseren Fußmarsch zum Flughafen starteten. Dieser gestaltete sich im Dunkeln mit zwei Koffern und zwei Rücksäcken als gar nicht so ungefährlich, da irgendwann der Fußweg endete und wir auf der Straße gehen mussten. Außerdem fingen unsere Schultern und Rücken nach mehr als einer Stunde Marsch langsam an zu schmerzen und auch das Ziehen der Koffer auf dem Rollsplitt gestaltete sich als weniger spaßig. Umso mehr freuten wir uns, als plötzlich ein Van neben uns hielt und ein Mann aus dem Kosovo uns das letzte Stück zum Flughafen mitnahm.

Am Flughafen standen wir erst ewig an und mussten dann natürlich meinen Koffer am Schalter umpacken, da dieser 4 kg zu schwer war. Gltt sei Dank bekamen wir das sogar irgendwie hin und so fanden wir uns wenig später an unserem Gate wieder.

Wie das so mit den Flügen die Flo und ich gemeinsam bestreiten langsam Tradition ist, hatte auch dieser Flug wieder eine Stunde Verspätung und wir bekamen ein schlechtes Gewissen, weil Michael uns so spät noch in Wien holen musste. Der wusste allerdings noch nicht, dass auch ich im Flieger sitze und er nicht nur Flo abholen wird.

Glücklicherweise blieb es bei der einen Stunde Verspätung und so standen wir um 23:30 Uhr auf österreichischen Boden.

Michael war ziemlich überrascht als ich plötzlich neben dem Auto stand und mit meinen Koffern mitfahren wollte und die Wiedersehensfreude war groß!

Da wir erst um 2:00 Uhr nachts daheim ankamen, wollte ich meine Eltern am nächsten Tag in der Früh überraschen. Papa hatte jedoch andere Pläne und musste um 2:00 Uhr nachts plötzlich aufs Klo, wo er mich vorfand. Schnell hob ich die Hände und rief: „Überraschung!“ und ich glaube Papa brauchte ein wenig um darüber nachzudenken ob er gerade noch träumte oder ob ich da gerade wirklich am Klo saß.

Auch Mama zu überraschen war schwieriger als gedacht, denn diese durchkreuzte meinen Plan vor ihr aufzustehen und in der Küche auf sie zu warten, indem sie noch früher als sonst aufstand und sich damit schon vor mir in der Küche befand. Machte aber nichts – so betrat ich einfach das Esszimmer und wünschte ihr einen guten Morgen. Mama schaute mich an als wär ich ein Geist, weshalb ich mich schnell für den Schrecken entschuldigte. Sie hatte sich sber recht schnell wieder gefangen und umarmte mich so fest, als wolle sie mich nie mehr loslassen.

Nachdem Flo und ich uns nochmal für ein paar Stunden hingelegt hatten beschlossen wir auch noch Omi zu überraschen, die sich auch sehr freute als ich plötzlich in der Tür stand. Mehr Überraschungen waren dann nicht mehr möglich, da sich die Nachricht über meine Rückkehr schnell verbreitet hatte.

Auch wenn die letzten Tage meiner Zeit in Norwegen dank Corona komplett anders verlaufen waren als geplant, blicke ich mehr als dankbar auf die Zeit in Norwegen zurück. Ich habe so wertvolle Erfahrungen sammeln dürfen, so viel für mich persönlich und für meinen Berufsweg als Lehrerin dazugelernt, ich habe durch die vielen Begegnungen mit Menschen aus verschiedenen Ländern neue Perspektiven und Blickwinkel kennengelernt, mir war es trotz Corona möglich so viele unglaubliche Orte zu bereisen und ich habe neue Freund*innen fürs Leben gewonnen. Ich bin unendlich dankbar dafür, dass ich die Chance hatte dieses Auslandsemester in Norwegen zu absolvieren und dass ich Menschen hinter mir habe, die mir all diese Erfahrungen ermöglichen.

Bis bald Norwegen, ich habe das Gefühl es wird nicht allzu lange bis zu einem Wiedersehen dauern. 🇳🇴


Ein Kommentar zu „Driving home for Christmas ✨❄️⛄️“

  1. Avatar von Waltraud Donnerer
    Waltraud Donnerer

    Danke, für die herzerwärmende Norwegen-Abschlussstory und soooooooooooooo schön, dass du wieder da bist😍🥰😘

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