21.07.

Mit bitterkalten Füßen wachte ich an diesem Morgen auf und meine Blase ließ mir keine andere Wahl als mich auf den Weg zum Klo zu machen. Ich zog also alles an was ich gerade so finden konnte und spazierte nach meinem Klobesuch weiter Richtung Strand, um mich durch das Gehen ein wenig aufzuwärmen. Von der californischen Sonne war noch weit und breit nichts zu sehen, stattdessen wurde das Meer von einer dicken Nebelschicht eingehüllt. Dank der frühen Stunde begegnete ich noch fast keinen anderen Menschen und konnte stattdessen viele kleine Tiere beobachten, die wie eine Mischung aus Kaninchen und Erdmännchen aussahen.

Nach einer Dusche fuhren wir nach Monterey, um das riesige Aquarium zu besuchen, wo wir Haie, Rochen, Tintenfische, Quallen, Pinguine, Seeotter und viele anderen Meeres- und Küstenbewohner beobachten konnten.

Unser nächster Weg führte uns von Monterey aus Richtung Süden den Sunset Drive hinunter, wo wir an einem Seelöwen-Viewpoint stoppten und eine kleine Wanderung die Küste entlang unternahmen. Am Weg fanden wir einige Krebse, die Flo natürlich versuchte zu fangen, was ihm schließlich auch gelang.

Durch die Krebsfangaktion verloren wir Karl und Susi und schließlich auch noch Sonja und Anita, die alle weitergegangen waren. Leider wussten wir nicht genau welchen Weg die anderen verfolgten und so blieb uns nichts anderes übrig, als immer geradeaus weiterzugehen und zu hoffen, irgendwann auf bekannte Gesichter zu stoßen. Als wir nach ca. 30 Minuten um eine Ecke bogen, standen die anderen tatsächlich plötzlich vor uns und waren gerade dabei Seelöwen am Strand zu beobachten, was wir ihnen gleichtaten.

Zurück am Campingplatz kochten wir uns noch Wraps, machten ein Lagerfeuer und spielten ein paar Runden Werwolf, die meist in großem Gelächter ausarteten.

22.07.

Nachdem wir unser Zeug wieder zusammengepackt hatten, fuhren wir das wohl schönste Stück des Highway 1 Richtung Süden, wobei sich uns trotz des Nebels wunderschöne Aussichten boten. Wir stoppten an der Bixby Bridge, einem State Park mit den riesigen Redwood Trees, wo wir eine kurze Wanderung zu einem Wasserfall unternahmen sowie an einem Strand unter der Autobahnbrücke. Obwohl das Meer sehr kalt war wagten wir uns in die Fluten. Als wir zitternd wieder aus dem Wasser liefen, sahen wir einen Seelöwen, der an der Küste herumschwamm und scheinbar neugierig war, welche Menschen hier badeten.

Abends verließen wir den Highway 1 um ein wenig weiter ins bergige Landesinnere zu fahren, wo sich unser Campingplatz befand. Immer tiefer fuhren wir in den Wald hinein und die Angst von Yohannes, schon wieder keinen Empfang zu haben, wuchs mit jedem Baum. Als die Straße schließlich endete waren wir an unserem Platz angekommen, begannen unser Lager aufzubauen und starteten den Gaskocher. Mit viel Liebe schnitt ich drei Zucchini für unsere Soße klein und gab noch Mais, Paprika und Tomatensoße in die Pfanne dazu. Leider ist der Kocher nicht für eine Pfannengröße für 10 Personen ausgerichtet und so passierte was passieren musste: die Pfanne kippte vom Kocher und die Soße landete auf dem sandigen Boden. Flo und Karl versuchten zu retten was zu retten war, einen Großteil der Soße mussten wir jedoch mit Löffeln so gut es ging aufschaufeln und wegschmeißen, um keinen Bären anzulocken. Ein solcher wurde nämlich am Vortag auf unserem Campingplatz gesichtet, weshalb die Chance dass er zurückkommen würde relativ groß war.

Die Soße war schnell wieder nachgekocht und am Ende hatten wir einen leckeren Reis, den wir genüsslich verspeisten.

Marion, Pauli, Yohannes und ich beschlossen noch einen Hügel zu besteigen, was sich als schwieriger als gedacht herausstellte, da dieser extrem steil war und aus sehr sandigem Boden bestand. Trotzdem schafften wir es auf ein Plateau auf der Spitze des Berges, auf dem wir es uns gemütlich machten und unsere Stirnlampen ausschalteten, um den unglaublich schönen Sternenhimmel betrachten zu können.

23.07.

Der Samstag startete mit einer Fahrt zum Hafen in Morro Bay, wo wir eine Whale Watching Tour gebucht hatten. Aufgeregt bestiegen wir das kleine Schiff und waren voller Hoffnung tatsächlich Wale zu sichten. Die Fahrt begann spannend, da wir einige Seelöwen sowie Seeotter beobachten konnten. Besonders die Seeotter, welche lässig am Rücken schwimmend ihre Muscheln schlürften, hatten es uns angetan.

Je weiter wir vom Hafen wegkamen, desto höher wurden die Wellen und desto wackeliger wurde die Fahrt. Die ersten Passagiere wurden bleich um die Nase und es dauerte nicht lange, bis eine Frau am Schiffsende hing und sich regelmäßig erleichterte.

Von uns wurde Gott sei Dank niemanden schlecht und so konnten wir die immer mehr werdenden Delfine und Seelöwen, die um unser Boot herum schwammen und aus dem Wasser sprangen, richtig genießen. Plötzlich war es soweit und jemand schrie: „Look, a whale!“ und zeigte aufgeregt auf einen Punkt im offenen Meer. Und tatsächlich: einige Meter von uns entfernt konnte man eine Wasserfontäne und danach eine riesige Schwanzflosse ausmachen. Die Walsichtungen häuften sich und schließlich passierte das Unglaubliche: Gleich vier Wale wurden neugierig und traten mit uns in Interaktion. Eine laut unserem Kapitän äußert seltene Situation. Wie besonders die Situation sein musste wurde uns klar, als unser Kapitän, welcher drei mal täglich mit seinem Boot am Meer unterwegs war, plötzlich das Steuer verließ und kurzerhand auf das Dach des Schiffes sprang, um Fotos zu schießen. Die Wale umkreisten unser Boot und tauchten sogar mit ihren Köpfen direkt vor uns auf, um uns neugierig zu betrachten. Sie waren so nah, dass wir ihre Wasserfontänen spüren und ihren Walgesang hören konnten. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, das bei mir Gänsehaut und Tränen gleichzeitig auslöste. Welch ein Riesenglück wir doch hatten, gleich vier Wale so nah zu sehen!

Nach diesem unglaublichen Erlebnis gönnten wir uns eine Riesenpizza am Hafen von Morro Bay und begaben uns danach zum Strand am Fuße eines einstigen Vulkans. Den Strandnachmittag hatten wir uns jedoch ein wenig anders vorgestellt, das windige Wetter machte den Besuch nämlich weniger gemütlich und Lust ins Wasser zu gehen kam eher geringe auf.

Am Abend wärmten wir uns am Zeltplatz mit Steckerlbrot am Feuer wieder auf und wurden immer kreativer im Brotbacken. Es entstanden mit Soßen und Gemüse gefüllte Brottaschen sowie ein Riesenbrot, welches wir am nächsten Tag zum Frühstück verspeisen wollten.

24.07.

Der Tag begann mit ungemütlichen Wetter, nämlich leichtem Regen und Nebelreißen. Wir ließen uns die Laune jedoch nicht verderben, frühstückten unser selbstgebackenes Brot vom Vorabend, packten unsere Zelte zusammen und begaben uns wieder auf die Straße Richtung Süden.

In der kleinen Stadt Santa Barbara besuchten wir eine Mission von Franziskanern und warenfroh über die Sonne, die sich endlich wkeder blicken ließ.

Danach spazierten wir eine Promenade entlang weißer Strände und Häfen hinunter. In einer Fußgängerzone beschlossen wir einen Frozen Yoghurt Store zu besuchen, aus dem wir allesamt glücklich aber mit viel zu vollen Bäuchen wieder herauskamen.

Auf der Weiterfahrt zu unserem Campingplatz kurz vor Los Angeles legten wir einen Einkaufsstopp bei Target ein. Wie man sich warscheinlich vorstellen kann fällt der Einkauf für zehn Personen ziemlich groß aus, was die Begegnung mit unserem Verkäufer noch lustiger machte. Dieser war nämlich mindestens 70 Jahre alt und hatte überhaupt keinen Stress, als er in Zeitlupentempo Teil für Teil scannte und langsam in Sackerl packte. Dabei ignorierte er gekonnt die Ordnung die wir uns für die Lebensmittel überlegt und die wir dementsprechend sortiert auf das Förderband gelegt hatten und pickte sich stattdessen zufällig Dinge heraus. Nachdem er die Weinflasche 5x gedreht hatte um den QR-Code zum Scannen zu finden, beäugte er Karl kritisch und fragte ihn dann todernst nach seinem Ausweis. Auch der Ausweis wurde ausgiebig betrachtet und warscheinlich auswendig gelernt, bevor er ihn mit einem Nicken zurückgab. Eine gefühlte Ewigkeit später war das Werk vollbracht und unser gesamter Einkauf lag in Sackerl verpackt im Einkaufswagen, sodass wir das Essen im Auto verstauen und uns auf den Weg zum Campingplatz machen konnten.

Dort angekommen kochten wir uns eine Riesenportion Nudeln mit Carbonara a la Anita sowie einer Gemüsesoße mit extrem viel Käse, die freudig verspeist wurde, bevor alle müde in ihre Zelte krochen.

25.07.

Die Besichtigung von Los Angeles stand bevor und Anita, deren großer Traum es schon seit Jahren ist, die Stadt zu besuchen, war noch nie so schnell munter und fertig wie an diesem Tag. Aufgeregt hüpfte sie von einem Bein aufs andere, bis wir endlich alle im Auto waren und uns auf in die Stadt machten.

Unseren erster Stopp legten wir im Griffith Park ein, in dem wir eine kleine Wanderung auf einen Hügel unternahmen, von dem aus wir die berühmte HOLLYWOOD-Schrift sowie die Stadt von oben betrachten konnten.

Weiter ging es mitten in die Stadt hinein, wo Karl wiedereinmal Unglaubliches mit dem Bus vollbrachte und diesen sicher in eine Parkgarage lenkte. Von dort aus spazierten wir den Walk of fame mit den zahlreichen Sternen am Boden auf und ab, trafen Spiderman, Mickey Mouse und Vin Diesel und wurden von allen Richtungen zu irgendwelchen Attraktionen gelockt.

Nach dieser leichten Reizüberflutung fuhren wir weiter nach Downtown, wo wir zur City Hall spazierten, von deren Dach aus man eine Aussicht auf die gesamte Stadt hatte. Wir wunderten uns darüber dass die Straßen trotz der vielen Wolkenkratzer menschenleer waren – als aber ein Mann auf uns zukam und uns warnte, dass man in diesem Stadtteil wohl besser nicht ohne Waffe außer Haus ging, wurde uns klar warum. In der City Hall wurde ein Security Check mit uns durchgeführt und Paul brachte sich mit seinem Taschenmesser im Rucksack fast in Schwierigkeiten. Am Ende schafften wir es dank einer netten Polizistin doch noch alle ins Gebäude und fuhren mit zwei Liften in den 26. Stock, um den Ausblick auf Los Angeles von oben zu genießen.

Der Rückweg zum Auto war durch unser neu erworbenes Wissen über die mangelnde Sicherheit der Gegend von einem mulmigen Gefühl gezeichnet – glücklicherweise kamen wir jedoch alle ohne weitere Vorkommnisse heil wieder an.

Der letzte Stopp bestand aus dem Santa Monica beach, an dem wir im Sand jausneten, bevor wir Venice beach entlangspazierten, die Turngeräte und Schaukeln am Strand ausprobierten und am Ende noch den Santa Monica Pier mit seinem Vergnügungspark darauf besichtigten. Am Pier wurde Anita in eine Streetdance-Show verwickelt, die wir uns noch anschauten, bevor es wieder zurück zum Auto ging.

Mit diesem fuhren wir noch die Hügel in Beverly Hills ab, um einen Blick auf die Häuser der Superreichen zu erhaschen, bevor die Rückreise zum Campingplatz angetreten wurde.

In der Nähe von Malibu stoppten wir bei Barney‘s Burgers, wo wir ausgezeichnete Burger und Pommes zu uns nahmen und den Tag gemütlich ausklingen ließen.


4 Kommentare zu „Westcoast – best coast 🌊“

  1. Avatar von Michaela
    Michaela

    Es hat sogar mir die Tränen in die Augen getrieben, als ich die Erzählungen und das Video der Wale sah. Es freut mich wirklich, dass ihr so ein Riesenglück hattet, das in natura zu betrachten. Ich wünsche euch weiterhin viele tolle, spannende und lustige Abenteuer. Liebe Grüße an alle!

    1. Avatar von miriamabroadblog

      Vielen lieben Dank! Auch liebe Grüße nach Hause!

  2. Avatar von Andrea Ulz
    Andrea Ulz

    Ich bin auch überwältigt von den Walen – so ein Glück, das erleben zu dürfen!
    Die Reise ist sehr spannend zu verfolgen – von Ruhe und Natur in die big cities und wieder zurück … cool! Ich wünsche euch noch weitere tolle Erlebnisse, spannende und ungefährliche Abenteuer – und danke für deine Einträge, die ich so gerne lese, du erzählst so lebendig, dass man ein Stück dabei sein kann. Liebe Grüße an alle!

    1. Avatar von miriamabroadblog

      Dankeschön!! 🥰 Liebe Grüße zurück!

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