01.08.

Nach dem Zeltplatzabbau gönnten wir uns alle noch eine Luxusdusche, bevor wir uns voneinander verabschieden mussten, da sich unsere Wegen trennten. Marion, Paul, Flo und ich starteten, nun nur noch zu viert, die Autofahrt in den Capital Reef National Park. Auch wenn die Fahrt lang war wurde uns nie langweilig, da sich die Landschaft um uns herum stĂ€ndig verĂ€nderte und zwischen grĂŒnen almĂ€hnlichen, bunten bergigen und kahlen WĂŒstenlandschaften abwechselte. Kurz vor dem Nationalpark wurden die Regenwolken um uns herum immer mehr und als wir gerade in den Park hineingefahren waren, wurden wir von einer Rancherin aufgehalten die uns vor Sturzflut warnte. Eine riesige schwarze Wolke kam tatsĂ€chlich gefĂ€hrlich schnell nĂ€her und so beschlossen wir dass es wohl die sicherste Entscheidung war den Nationalpark zu verlassen und in Richtung blauen Himmel weiterzufahren. Dies taten wir also und schon bald konnten wir den Regen tatsĂ€chlich hinter uns lassen und fuhren noch ein langes StĂŒck bis zur kleinen Stadt Green River.

Dort angekommen trauten wir uns abermals auf eine kleine „Straße“, um zum Fluss zu gelangen, an dem wir Wildcampen wollten. Nach ca. sieben Kilometer Schotterstraße durch ein kahles aber hĂŒgeliges Gebiet, das Flo und Pauli große Lust auf Offroad-Motorradfahren machte, kamen wir an einer schönen Stelle am Fluss an uns konnten unseren Augen nicht trauen: Direkt vor uns lag ein Geysir, der jedoch ziemlich inaktiv wirkte.

Nachdem wir diesen ausgiebig inspiziert hatten gingen wir den Fluss entlang, wo Flo ein kleines Surfboard fand, das er natĂŒrlich sogleich ausprobieren wollte. Dabei mussten wir feststellen, dass der Schlamm am Fluss sehr tĂŒckisch und vor allem tief war. Aus Angst wegen des fehlenden Halts nicht mehr aus dem Wasser zu kommen gingen wir also doch nicht baden und beschlossen stattdessen unsere Nudeln vom Vortag aufzuwĂ€rmen.

In diesem Moment begann ein starker Wind zu wehen und eine schwarze Regenfront kam so schnell auf uns zu, dass wir nur mehr die wichtigsten Zutaten aus dem Kofferraum packten und ins Auto flĂŒchteten. Kurz bevor der Regen auf uns traf drehte plötzlich der Wind und wie durch ein Wunder blieben wir vom Regen verschont. GlĂŒck gehabt!

Als wir unsere Zelte aufbauten bemerkten wir, dass auf einmal vom Geysir Wasser in den Fluss lief. Aufgeregt liefen wir nĂ€her an ihn heran und warteten und warteten – doch außer ein wenig fließendem Wasser und Blubbern passierte nicht viel.

Also suchten wir Feuerholz, schnitzten uns Stöcke und veranstalteten ein Lagerfeuer mit Steckerlbrot. Gerade als der letzte Biss Brot gegessen war begann es plötzlich doch noch zu regnen und so warteten wir ein wenig im Auto, bis wir in die – Gott sei Dank trockenen – Zelte schlĂŒpften und schlafen gingen.

02.08.

Flo weckte mich an diesem Morgen mit den Worten: „Heey, ich glaub ich hör den Geysir ausbrechen.“ Schnell waren wir wach, liefen zum Geysir und tatsĂ€chlich- dieser war aktiv und spuckte Wasser! Die FontĂ€ne war zwar nicht mehrere Meter hoch, wie wir es uns am Vortag ausgemalt hatten, trotzdem war es ein tolles Naturschauspiel, das man nicht jeden Tag zu sehen bekommt.

Nach einem FrĂŒhstĂŒck, einem Bad das Flo doch noch im Fluss nahm und dem Abbauen unserer Zelte, ging es weiter Richtung Moab. Dort fĂŒhrte unser erster Weg in den Arches Nationalpark, wo wir jedoch schon beim Eingang feststellen mussten, dass man seit diesem Jahr eine Reservierung brauchte um in den Park zu kommen. Außerdem war die Autoschlange so lang, dass uns die Lust ohnehin verging. Kurzerhand drehten wir um und fuhren in den nicht weit entfernten Canyonlands Nationalpark, der weit weniger Menschenmassen aufwies und uns nicht enttĂ€uschte. Ein unglaublicher Ausblick auf die vom Green River und Colorado River geformten Canyons sowie eine kurze Wanderung zum Mesa Arch warteten auf uns.

Leider machte uns die Hitze zu schaffen und wir waren ziemlich fertig, als wir uns auf die Suche nach einem Campingplatz machten. Der erste Versuch scheiterte an einer Straße die fĂŒr unser Auto unbefahrbar war und am Ende landeten wir auf einem offiziellen Campingplatz am Colorado River, an dem wir uns ersteinmal etwas kochten, bevor wir in den Fluss sprangen um uns abzukĂŒhlen und unseren Topf zu waschen. Dabei wurden wir immer kreativer und stellten fest, dass unser Topf als Schwimmhilfe, Boje, Boot sowie als Trommel vielseitig verwendbar ist.

Erst als die Sonne am Abend allmĂ€hlich schwĂ€cher wurde wagten wir uns in den Arches Nationalpark, in dem man abends auch keine Reservierung mehr brauchte. So stand unserer Sonnenuntergangs-Wanderung zum Broken Arch nichts entgegen und wir genossen die immernoch warme aber weniger heiße Abendluft sowie die einen schönen Abendhimmel ohne andere Menschen am Arch.

Bevor es zurĂŒck zum Campingplatz ging wollten wir noch ein kaltes Bier besorgen, da wir den ganzen Tag ĂŒber schon warmes Wasser trinken mussten. An der Kassa zeigte ich meinen Ausweis und bezahlte, als wir den ĂŒberstrengen Umgang mit Alkohol der Amerikaner zu spĂŒren bekamen. Flo wollte das Bier hochheben und hatte es gerade so berĂŒhrt, als der VerkĂ€ufer in streng ansah und sagte: „Now I need to see your ID too, because you touched the beer.“ Also zeigte auch Flo seinen Ausweis und wir durften die kalten GetrĂ€nke mitnehmen. Am Campingplatz genossen wir diese und legten uns auf die BĂ€nke, um den Sternenhimmel betrachten zu können. Da wir uns mitten in der Einöde befanden und weit und breit keine große Lichtverschmutzung vorhanden war, sahen wir unglaublich viele Sterne sowie Sternschnuppen.

03.08.

Die warme Nacht war kurz, denn schon um 4:30 Uhr lĂ€utete unser Wecker, wir zogen uns an, setzten uns ins Auto und fuhren fĂŒr eine Sonnenaufgangs-Wanderung zurĂŒck in den Arches Nationalpark. Dort starteten wir noch im Finsteren den Rundweg im „Devil‘s Garden“ und hatten schon bald Aussicht auf einen feuerroten Morgenhimmel. UngefĂ€hr 45 Minuten spĂ€ter kamen wir am Partition Arch an, den Rundbogen, den wir fĂŒr den Sonnenaufgang ausgesucht hatten. Wir machten es uns gemĂŒtlich und frĂŒhstĂŒckten mit perfekter Aussicht auf die aufgehende Sonne, genau im Arch.

Als wir unsere Wanderung fortsetzten, deutete uns eine Wanderin vor uns still zu sein, da sich direkt neben uns ein Reh befand, das gemĂŒtlich graste. Wie sich herausstellte war die Wanderin eine deutsche KieferorthopĂ€din, die alleine unterwegs war und sich uns kurzerhand anschloss. Also wanderten wir zu fĂŒnft weiter, kletterten ĂŒber die roten Felsen, besuchten mehrere Arches und kamen drei Stunden spĂ€ter, als die Sonne schon wieder begann erbarmungslos auf uns herabzubrennen, wieder zum Parkplatz zurĂŒck. Auch die morgendliche Ruhe war vorbei und Menschenmassen strömten langsam in den Park, sodass wir uns wieder auf den Weg nach draußen machten.

Am Campingplatz bauten wir in der prahlen Sonne die Zelte ab, kochten uns im Schatten eines Baumes ein schnelles zweites FrĂŒhstĂŒck und hĂŒpften dann wieder in den Colorado River, um uns abzukĂŒhlen.

Nun waren wir bereit fĂŒr die Weiterfahrt in einen neuen Staat in dem ich bisher noch nie war aber immer schon hinwollte: Colorado. Nach eineinhalb Stunden Fahrt kamen wir in der kleinen Stadt Grand Junction an, wo wir zuerst unsere EinkĂ€ufe erledigten und danach in die Innenstadt fuhren, um dort ein wenig spazieren zu gehen. Beim Schlendern durch die Straßen wurden wir immer begeisterter von der Stadt, die voll mit Kunst, Outdoor-LĂ€den, Brauerein, Vinzern und netten kleinen LĂ€den war. In einem kleinen SportgeschĂ€ft verstanden wir uns besonders gut mit dem VerkĂ€ufer, der uns viele Tipps fĂŒr unsere weitere Reise gab und uns stolz die von ihm erfundenen Jacken prsentierte, die man ganz einfach in RucksĂ€cke verwandeln kann. Geheimtipp fĂŒr mit sehr viel Liebe und hochqualitativ hergestellte Outdoor- und Sportprodukte: der Loki-Onlineshop.

Abends fuhren wir wieder aus der Stadt hinaus Richtung Mesa Lakes, wo wir durch Zufall auf einen kleinen Campingplatz direkt an einem Fischersee stießen, den wir fĂŒr die Nacht wĂ€hlten. Wir bauten uns also ein Lager auf und verbrachten den Sonnenuntergang am Sunset Lake, dessen Name nicht zu viel verspricht.


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