04.08.
Im Gegensatz zu den Nächten in der Wüste war diese Nacht leider eiskalt und besonders Marion konnte nur sehr schlecht schlafen. Als wir am Morgen einmal nachsahen wo wir eigentlich genau waren stellten wir fest, dass wir uns schon auf 3000 Meter Höhe befanden, was durch die extrem grüne Landschaft mit den vielen dichten Wäldern überhaupt nicht so wirkte. Die Höhe erklärte jedoch, warum wir in der Nacht Kälte leiden mussten.
Nach einem Frühstück am See baute sich Flo eine Angel aus einem Birkenstamm, mit der er versuchte unser Mittagessen zu fangen. Und tatsächlich: Schon eine Stunde später zeigte er uns stolz drei Bergforellen, die wir am Sunset Lake mit unserem Gasgriller mit Erdäpfeln zubereiteten und genüsslich verspeisten.



Gestärkt von diesem außergewöhnlich guten Essen traten wir die Weiterfahrt zu weiteren Seen an, die sich nur 30 Minuten östlich befanden. Dort angekommen hielten wir Ausschau nach einem Platz zum Campen und wurden ein wenig erhöht neben einem Flusszulauf zum See fündig. Während Marion und Pauli ins nächste Dorf fuhren um sich noch eine Decke für die kalten Nächte zu besorgen, bauten Flo und ich unsere Zelte auf, besorgen Feuerholz und bauten eine Feuerstelle. Als ich nach einem Kloganf hinter einem Baum aufstand und nach hinten schaute bemerkte ich, dass mich fünf Kühe interessiert anstarrten. Anscheinend waren wir auf einer Kuhalm grlandet. Da die Alm sehr groß und die Tiere zwar neugierig aber doch recht scheu waren, sahen wir darin keine Gefahr und beschlossen zu bleiben.


Als unsere Reisegefährten zurückkamen kochten wir uns gemütlich einen vegetarischen Gulasch-Chili-Con-Carne-Mix und saßen noch lange am Feuer zusammen. Mit den zunehmenden Sternen wurde auch die Kälte größer und so beschlossen wir schlafen zu gehen. Marion nahm sich noch einen vom Lagerfeuer aufgewärmten Stein mit in ihr Zelt und berichtete am nächsten Tag von einer ausgesprochen guten heizenden Wirkung.
05.08.
Nach einer Nacht die durch die bessere Vorbereitung schon ein wenig wärmer war als die vorherige bauten wir unser Lager wieder ab und wollten es über den Bach zu unserem Auto suf der anderen Seite tragen. Pauli, der als erster losging, kam jedoch schnell wieder zurück und berichtete von einer Kuhherde, die es sich wohl genau zwischen uns und unserem Auto gemütlich gemacht hatte. Mutig traten wir gemeinsam den Weg über den Bach an und die Kühe hatten ohnehin wenig Lust uns zu treffen, denn sie spazierten gemütlich davon als wir kamen.
Wir fuhren nur wenige Minuten zu einem anderen Bergsee (von denen es wie man hört in dieser Gegend nur so wimmelte) und gönnten uns ein kühles Bad, bevor wir die Weiterfahrt nach Glenwood Springs antraten.
Am Weg hielten wir an Wasserfällen sowie an Hot Springs, die sich direkt neben der Straße im Fluss befanden. Natürlich schmissen wir uns sofort in das heiße Wasser, das sich mit dem kalten Flusswasser vermischt, wodurch unterschiedlich warme Minipools entstehen.



In Glenwood Springs angekommen kauften wir erstmal ein und wunderten uns darüber, dass in keinem Superstore – in denen von Staubsaugern, über Hustensaft bis hin zu Fernsehern eigentlich alles verkauft wird – frisches Gemüse und Obst zu finden war. Ohne Gemüse und Obst fuhren wir also weiter durch den Glenwood Canyon, der uns mit steilen roten Felswänden beeindruckte. Nach einer kleinen Apfel- und Müsliriegelpause fuhren wir weiter den Colorado River hinauf, um einen Campingplatz zu finden. Ohne lange zu suchen stießen wir schon bald darauf auf einen Gratis-Campingplatz am Fluss, den wir sogleich bezogen.
Marion und ich hatten beim Einkauf vier T-Shirts und Batikfarbe mit in den Einkaufswagen geschummelt und so nutzten wir den Tisch unseres Platzes um ein Kreativprojekt zu starten. Das Batiken stellte sich mit unserer minimalistischen Ausrüstung als spannend, aber auch sehr amüsant heraus und schon bald waren die Shirts eingefärbt und eingewickelt und die Jungs versuchten sich vor uns zu retten, da wir mit der restlichen Farbe noch alles mögliche einfärben wollten.

Den Abend verbrachten wir auf einer unseren kaputten Campingmatten am See und tranken ein paar fast ganz kalte Bier.
06.08.
Aufgeregt konnten wir es gar nicht mehr erwarten unser Bastelprpjekt vom Vortag auszuwickeln und so wurden unsere Shirts sofort ausgewaschen, ausgewickelt und voller Freude betrachtet. Danach hüpften wir noch schnell in den Fluss und fuhren dann zurück in die Stadt um ein Geschäft zu finden in dem es Gemüse und Obst gab. Wir wurden fündig, zahlten viel zu viel für das bisschen gesunde Essen und fragten uns ein wenig durch um irgendwo Duschen zu finden, die wir mittlerweile schon sehr herbeisehnten.
Als wir einem Tipp eines Mannes folgten landeten wir in einem Community Center, wo uns die Frau netterweise ein Familienticket verkaufte, durch das wir Zugang zu einem Hallenbad hatten, das wir sofort ausnutzten. Nachdem wir ein pasr Längen geschwommen waren setzten wir uns noch in den Whirlpool, wo wir ein sehr nettes altes Ehepaar kennenlernten, mit dem wir sofort ins Gespräch kamen und von dem wir sehr gute Tipps für die Weiterreise erhielten.
Nach einer sehr ausgiebigen Dusche waren wir im Gönnermodus und hielten noch bei Taco Bell, wo wir uns Tacos und Burritos kauften, die wir im Park nebenan verspeisten.
Abends kamen wir schließlich in der Stadt Aspen an, in der man – laut dem Mann aus dem Whirlpool – nur als Millionär wohnen kann. Die unzähligen luxuriösen Villen in den Bergen bestätigten diese Information und da wir uns in der Welt der Reichen wenig zu Hause fühlen fuhren wir ein wenig aus der Stadt hinaus zum Beginn einer Wanderroute, die wir am Tag darauf starten wollten. Dort schlugen wir unsere Zelte in der Wiese auf, bauten uns eine Feuerstelle und saßen noch länger gemütlich am Feuer beieinander, kochten in diesem Ofenkartoffeln und genossen die Einsamkeit unseres Platzes.

Da wir uns wieder auf 2600 Meter Seehöhe befanden war die Nacht recht kalt, wir hatten uns inzwischen jedoch gute Tricks überlegt. Zum einen haben Flo und ich herausgefunden, dass sich unsere Schlafsäcke per Reißverschluss zu einem großen zusammenbauen lassen, zum anderen hatten wir den Steintrick perfektioniert und wärmten unsere Zelte mit den heißen Steinen vom Lagerfeuer.
07.08.
Um 6:30 Uhr morgens läutete unser Wecker und so krochen wir müde aus den Zelten und froren ziemlich, da sich die Sonne hinter den Bergen um uns herum noch nicht blicken ließ. Am Auto kochten wir uns ein schnelles Frühstück und starteten dann gestärkt unsere 8-Stunden-Wanderung.
Der Weg ging durch Wälder und Wiesen einem Fluss entlang und wir konnten uns gar nicht an der schönen Landschaft mit den über 4000 Meter hohen Bergen um uns herum satt sehen. Ziemmich genau vier Stunden, 15 Kilometer und fast 1000 Höhenmeter später erreichten wir unser Ziel: Die Canandrum Hot Springs. Ein natürlicher Pool mit dem heißem Wasser lag vor uns und wurde nach einer Wrap-Jause natürlich sofort ausprobiert. Besser hätte es uns in dem Moment gar nicht gehen können, als wir mit atemberaubender Aussicht auf die Berge im natürlichen Pool lagen und das warme Wasser genossen.







Irgendwann wurde es uns fast zu heiß und Flo und ich beschlossen ein wenig zu kneipen, indem wir zum Fluss liefen, uns ins eiskalte Wasser legten und danach gleich wieder in die Hot Springs stiegen.
Nach dieser Mittagspause wie aus dem Bilderbuch wagten wir uns an den Abstieg und wanderten wieder los. Auf ungefähr halben Weg hörten wir plötzlich hinter uns ein lautes Geräusch, das sich wie ein großes Tier anhörte, das ins Wasser lief. Alamiert (Es gab hier überall Bären- und Elchwarnungen) blieben wir starr stehen und lauschten. In die Stille hinein knackte es plötzlich nicht weit von uns entfernt und nach genauem Hinschauen konnten wir hinter einem Busch Bewegung ausmachen. Das Tier dahinter schien riesig zu sein und das Ohr das in unserem Blickfeld erschien sah aus wie das eines Rehs – nur viel zu groß. Da passierte es: Ein riesiger Elch spazierte gemütlich hinter einem Busch hervor, visierte uns einige Sekunden lang an, schüttelte dann seinen Kopf und zog ruhig weiter. Ich konnte mein Glück kaum fassen: Schon so lange wünsche ich mir einen Elch in freier Wildbahn zu sehen und nun wurde dieser Wunsch tatsächlich wahr! Das Glück wurde noch übertroffen als wir feststellten, das sich ein noch größerer Elch mit riesigem Geweih hinter einem anderen Baum versteckte und wir nun auch diesen aus sicherer Entfernung beobachten konnten. Was für eine tolle Erfahrung diese gigantischen Tiere wild zu sehen!
Da wir abends ziemlich müde zum Zeltplatz zurückkamen, beschlossen wir noch eine weitere Nacht auf der Wiese zu schlafen. Wir kochten uns Nudeln mit Käsesoße und Oliven und chillten noch ein wenig am Lagerfeuer, bevor wir müde in die Zelte krochen und nach so viel Glück an einem Tag mehr als gut schliefen.
