Freitag, 28.10.2022

Um 3:00 Uhr morgens klingelte der Wecker Flo und mich aus dem Schlaf und wir schleppten uns schlaftrunken zur Dusche, die beim Aufwachen half. Wenig später saßen wir auch schon im Auto und machten uns auf Richtung Süden. Da Flo dankenswerterweise das Autofahren übernahm, konnte ich gemütlich im Auto weiterdösen, bis wir Villach erreichten, wo wir das Auto ladeten und uns in der Zwischenzeit einen Kaffee im noch Finsteren gönnten.

Vollgeladen ging die Fahrt weiter nach Südtirol, wo uns ein wunderschöner Sonnenaufgang hinter den gigantischen Bergen erwartete, der besonders durch den Nebel der im Tal hing eine mystische Stimmung mit sich brachte.

Vormittags kamen wir schließlich am Passo Tre Croci an, wo wir uns mit Laura und Lukas trafen, die schon am Vortag angereist waren. Gemeinsam starteten wir unsere Wanderung zum Lago di Sorapis und dank des wunderschöne Wetters bot sich uns eine tolle Aussicht auf die massiven Berge und das Tal, das sich unter den steilen Abhängen erstreckte. Der teilweise schwindelerregende Aufstieg über Felsen, Stiegen und Leitern wurde belohnt durch unser Ziel, das aus dem milchlauen See bestand, der zu unserer Überraschung mit einer Eisschicht bedeckt war. Während wir die Wanderung über noch mit T-Shirt unterwegs waren wurde uns nun im Schatten der Berge die uns umgaben schnell kalt – trotzdem überlegte Luki lange hin und her, ob er sich denn in das eisige Wasser wagen sollte.

Schließlich entschied er sich doch dagegen und wir stärkten uns stattdessen in der Sonne mit einer Jause, bevor wir den Rückweg antraten.

Nach unserer Wanderung waren wir ziemlich hungrig und machten uns auf in das Bergdorf Cortina d‘Ampezuo, wo wir einkaufen und etwas zu essen suchen wollten. Flo und ich kamen als erste im Supermarkt an und warteten vergeblich auf die beiden anderen, die es schafften zwei mal am Ziel vorbeizufahren und dann beschlossen, schon einmal eine Pizzeria zu suchen. Nach dem Einkauf trafen wir uns bei der ersten Pizzaria, die jedoch geschlossen war. Also spazierten wir durch das Dorf, wurden gleich darauf fündig und verspeisten genüsslich Pizzastücke in der Sonne.

Satt fuhren wir auf den Passo Giau, wo sich der Ausgangspunkt unserer Wanderung am nächsten Tag befand. Fast am Pass angekommen fanden wir eine Seitenstraße die über einen kleinen Bach führte und beschlossen hier unser Nachtlager aufzuschlagen. Da wir nach unserer Wanderung alle das Gefühl hatten gerne duschen zu wollen, wurde eine mehr oder weniger tiefe Stelle des Bachs zur Badewanne erklärt. Leider war die Sonne mittlerweile hinter den Bergen verschwunden und so brauchte es etwas Überwindung in das eiskalte Wasser zu gehen. Wir alle zogen das Unterfangen aber tapfer durch und spürten danach zwar unsere Füße nicht mehr, waren aber sauber.

Unser Schlafplatz befand sich am Beginn einer kleinen Straße, die den Hügel hinauf zu einem Hotel führte, das aber geschlossen zu sein schien. Als von oben ein Mann auf uns zu hinunterkam dachten wir erst er würde uns verscheuchen wollen. Es stellte sich aber heraus dass der tschechische Mann selbst mit seinem Van unterwegs war und uns nur einladen wollte uns zu ihm hinauf zu gesellen.

Da wir schon eine Feuerstelle gebaut, unsere Wäsche aufgehängt und den Tesla umgeräumt hatten beschlossen wir dann doch auf unserem Platz zu bleiben und begannen mit der Feuerholzsuche. Mittlerweile war es wirklich kalt geworden und wir freuten uns sehr auf das wärmende Feuer, das die beiden Feuermeister Flo und Luki jedoch zu ärgern schien. Was sie auch probierten und welche Tricks sie auch anwandten – das Feuer wollte einfach nicht so richtig brennen. Laura und mich plagte mittlerweile das schlechte Gewissen, da der freundliche Mann von vorhin in unserem Kopf gerade starke Selbstzweifel entwickelte, da wir einfach nicht zu ihm hinaufgefahren sind. Als wir es nicht mehr aushielten und die Jungs immernoch mit dem Feuer beschäftigt waren, schnappten wir uns ein Bier und spazierten den Hügel hinauf, um dem Camper das Getränk zu bringen und uns zu entschuldigen. Dieser hatte in der Zwischenzeit ein perfektes Lagerfeuer gezaubert, an dem er gemütlich saß und er freute sich sehr, als wir mir unserem Versöhnungsgeschenk zu ihm kamen. Sofort lud er uns auf einen Tee ein, brachte uns Kisten zum Sitzen und wir quatschten ein wenig über dies und das. Gerade als ich angesichts des wolkenlosen Sternenhimmels meinte „Hier ist es fast zu schön um wahr zu sein.“, sahen wir von unten Blaulichter auf unsere Jungs zufahren. Mit unseren gerade erhaltenen Tees in der Hand wussten wir nicht so recht was wir tun sollten und während wir noch diskutieren war das Blaulicht auch schon auf dem Weg zu uns. Unser Reisekollege löschte sofort das Feuer aus und als das Blaulicht bei uns angekommen war erkannten wir, dass es sich nicht um die Polizei, sondern um die Feuerwehr handelte. Ein Feuerwehrmann stieg aus und erklärte uns, dass es aufgrund der trockenen Gegend strengstens verboten sei Feuer zu machen und dass sie durch die Kamera auf dem Hotel gesehen hatten, dass zwei Feuer brannten. Der Mann war wirklich sehr nett, entschuldigte sich dauernd für sein schlechtes Englisch und erklärte uns, dass wir auf keinen Fall mehr Feuer machen sollten. Wir entschuldigten uns auch und versprachen ihn besser auf Vorschriften zu achten, als wir unten bei den Jungs ein riesiges Feuerwehrauto – natürlich auch mit Blaulicht – herankommen sahen. Laura und ich beschlossen zu Flo und Luki hinunterzulaufen, wo schon mehrere Feuerwehrmänner um unser Lager standen und wenig begeistert dreinschauten. Ganz schlau wurden wir aus der Situation nicht, da sich die Feuerwehrmänner untereinander uneinig waren – während der erste immer wieder freundlich meinte, das alles sei „no problem“, war uns der andere weniger positiv gesinnt. Irgendwann brachen sie aber wieder auf und warnten uns, wir sollen schleunigst verschwinden, denn wenn die Polizei kommt würden wir garantiert zahlen müssen. Natürlich dachten wir über diesen Tipp nicht lange nach, packten rasch zusammen und räumten das Feld.

Weiter oben parkten wir beim nächstbesten Parkplatz und versuchten kurz das Erlebte noch einmal durchzudenken. Da wir kein Feuer machen konnten war es aber viel zu kalt um noch beisammenzustehen und so wollten wir uns gerade schlafenlegen, als vier riesige Wohnmobile auf unserem Parkplatz angerollt kamen uns uns regelrecht zuparkten. Wir waren aber mittlerweile viel zu müde um noch einen neuen Schlafplatz zu suchen und so legten wir uns einfach schlafen und waren froh, dass der Feuerwehrzwischenfall so glimpflich für uns ausgegangen war.

Samstag, 29.10.2022

Frisch und munter wachten wir am Samstag auf und freuten uns über das wunderschöne Panerama das sich uns bot, denn in der Vornacht waren die Berge von denen wir umzingelt waren wegen der Dunkelheit verborgen geblieben.

Da wir keine große Lust hatten zwischen den Wohnmobilen zu frühstücken fuhren wir zurück zum Parkplatz der letzten Nacht, wo wir es uns auf der Wiese hinter dem Hotel gemütlich machten und ein Frühstück mit Eierspeise veranstalteten.

Nach der Mahlzeit nutzten wir den Bach für eine Katzenwäsche und zum Abwaschen des Geschirrs und fuhren danach zum Parkplatz am höchsten Punkt des Passes, um dort unsere Wanderung zu starten. Die Sonne brannte wieder vom Himmel, was den steilen Aufstieg zu einem sehr anstrengenden machte – als wor oben ankamen war alle Anstrengung jedoch gleich vergessen. Vor uns erstreckte sich ein almartiges Land mit dem Lage delle Baste, umgeben von gigantischen Bergen. Über die weiten Wiesen ging es für uns hinunter zum Teich, wo wir uns im Gras liegend eine sonnige Pause gönnten.

Als wir am späten Nachmittag zurück zu unseren Autos kamen, fuhren Flo und ich zu einem Supercharger um das Auto zu laden, während Laura und Luki sich schon auf Richtung Bruneck machten. Gott sei Dank fiel Laura früh genug ein dass der nächste Tag ein Sonntag war und kaufte noch Jause für uns alle. Außerdem suchten sie eine Pizzeria für uns, denn die Pizza vom Vortag hatte uns Lust auf mehr gemacht. So trafen wie uns wieder bei „Sigi“, wo wir leckere Pizzen aßen und dann in das Warmbad Cron4 gleich daneben fuhren – vor allem der warmen Dusche wegen. Nach einer Stunde Baden inklusive Blubbersitze, Nackenmassage und Strudel, genossen wir eine ausgiebige Dusche und machten uns dann auf Schlafplatzsuche.

Die ersten beiden Plätze die wir anpeilten waren leider schon voll mit Vans und so landeten wir unter einem Schilift, mit wunderschöner Aussicht auf Bruneck und die Talstation des Liftes, wo eine ziemlich laute Party stattfand. So hatten wir beim Bettfertig-Machen gute musikalische Unterhaltung, bevor wir müde einschliefen.

Sonntag, 30.10.2022

Die Aussicht auf die Stdt war am Morgen besonders schön, da diese komplett mit Nebel bedeckt war. Gleich nach dem Aufstehen füllten wir unsere Flaschen mit Flusswasser auf und fuhren ein Stück Richtung österreichische Grenze, wo wir ein sonniges Plätzchen am Fluss fanden. Dort veranstalteten wir ein ausgiebiges Frühstück, bevor wir uns voneinanderverabschieden mussten, da Laura und Lukas den Heimweg antraten.

Flo und ich beschlossen eine Wanderung zu den berühmten drei Zinnen zu unternehmen, da wir diese das letzte mal als wir da waren wegen der vielen Menschen ausgelassen hatten. Da wir uns nun in der Nebensaison befanden rechneten wir mit weniger Andrang als sonst. Außerdem planten wir vom Lago Antorno loszuwandern, um die 30€ teure Mautstraße zu den drei Zinnen zu vermeiden. Leider wurde unsere Vorstellung nicht ganz erfüllt, den schon auf der Straße vor dem Lago Antorno standen wir im Stau, weshalb wir kurzerhand am Straßenrand parkten und beschlossen, den Aufstieg zu Fuß in Angriff zu nehmen. Meine Laune war wegen der Menschenmassen gedämpft aber Flo wäre nicht Flo wenn er mich nicht hätte querfeldein durch einen Sumpf stapfen lassen, bevor wir in einem einsamen Wald landeten, den er „Tut-gut-Wald“ nannte. Meine Laune besserte sich schnell wieder und mit jedem Höhenmeter wurde die Aussicht schöner, sodass ich die vielen Menschen ganz vergaß.

Oben angekommen waren wir überwältigt von der Aussicht und so war das letzte Stück hinter die drei Zinnen kein Problem mehr. Auch dort fand Flo ein Plätzchen abseits der vielen Menschen, wo wir es uns gemütlich machten und ein Picknick in der Sonne zu uns nahmen.

Den halben Abstieg über erzählte ich Flo von dem Buch das ich am Vortag ausgelesen hatte und so verging die Zeit so schnell, dass ich es gar nicht glauben konnte, dass schon fast sechs Stunden vergangen waren seit wir das Auto verlassen hatten.

Warscheinlich könnt ihr schon erraten auf welches Essen wir nach dieser Wanderung Lust hatten: natürlich Pizza. Zum Abschluss wollten wir eine Pizzeria aufsuchen in der wir vor zwei Jahren schon einmal gelandet sind und in der wir die beste Steinpilz-Pizza der Welt gegessen hatten. Voller Vorfreude parkten wir vor dem Restaurant, richteten uns sogar halbwegs zeigbar her und mussten dann enttäuscht feststellen, dass die Pizzeria geschlossen hatte. Der zweite Versuch endete vor einer schon vollen Pizzeria, an der die Menschen schon Schlange standen und so beschlpssen wir unsere Trauer durch einen weiteren Besuch im Warmbad zu kompensieren. Am Weg dorthin landeten wir in „Nico‘s Factory“ – einer kleinen aber mehr als feinen Pizzeria/Bar, wo wir einen super lustigen Kellner hatten und unglaublich gute Pizzen zu essen bekamen. Glück im Unglück. 😊

Nach eineinhalb Stunden im Warmbad fuhren wir zum Frühstücksplatz diesen Tages am Fluss, wo wir sehr entspannt und zufrieden auf unsere Luftmatratze fielen.

Montag, 31.10.2022

Bevor wir die Heimfahrt starteten, legten wir noch einen kleinen Stopp in Toblach ein, um Gebäck und Kaffee zu kaufen. Dieses Frühstück nahmen wir jedoch erst in Kärnten, im Nationalpark Hohe Tauern, zu uns. Dort legten wir nämlich noch einen Zwischenstopp ein, um im Seebachtal eine kleine zwei Stunden Wanderung zu unternehmen. Diese ging den hellblauen Fluss entlang, führte an Wasserfällen und einem See vorbei und begeisterte uns durch die Ruhe der Natur.


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