Gerade sitzen Flo und ich mit unseren vollgepackten Rucksäcken im Bus nach Kolumbien. Zwei Wochen haben wir in Otavalo verbracht um Spanisch zu lernen und wir haben uns in dieser kleinen Stadt sofort total wohl gefühlt. Der Start unserer Zeit in Otavalo war leider weniger schön, denn ich hatte mir eine Lebensmittelvergiftung eingefangen und verbrachte die Nacht eher am Klo als im Bett. Den nächsten Tag lag ich dafür umso mehr im Bett, da ich durchgehend Fieber hatte, das zwischendurch auf 39,5 Grad stieg. Gott sei Dank dauerte das Ganze nur eine Nacht und einen Tag und bis auf einen empfindlichen Magen war am Tag darauf alles wieder gut. Bis jetzt wissen wir nicht genau womit ich mir die Vergiftung eingefangen habe, da ich nichts aß das Flo nicht gegessen hat. Wahrscheinlich ist sein Bauch durch sein Auslandsjahr in Indien einfach schon widerstandsfähiger als meiner. 😄
Mehr als froh war ich allerdings darüber, dass wir für die erste Woche ein privates Airbnb gebucht hatten und ich die Klonacht nicht in einem Hostelbadezimmer, das wir mit anderen Reisenden teilen, erleben musste. Generell waren wir mit unserer Unterkunft sehr happy, da wir selbst kochen konnten und ein lieber Hund uns immer schwanzwedelnd begrüßte, wenn wir heimkamen.


Außerdem befand sich unser Apartment am Stadtrand, sodass wir es nicht weit bis in die Natur hatten. So spazierten wir zum Beispiel auf den Berg hinter unserem Haus, von dem aus wir eine tolle Aussicht auf die von Bergen umgebende Stadt Otavalo hatten.





Jeden Tag gingen wir für vier Stunden in die Sprachschule, wo unsere Lehrerin Patricia ihr Bestes gab, um uns Spanisch beizubringen und uns dabei auch etwas über die Kultur und die Geschichte Ecuadors zu lehren. Highlight jeden Tages waren unsere Kaffeepausen, in denen wir uns immer Gebäck vom Bäcker holten. Unsere Favoriten waren die empanadas con queso (Empanadas mit Käse) sowie pan de piña (ein süßes Gebäck mit Ananas).
Einen Tag verbrachten wir zum praktischen Üben der Sprache gemeinsam mit Patricia ein wenig außerhalb von Otavalo in Peguche, wo wir einen Wasserfall besuchten und von drei bezaubernden indigenen Kindern durch das Grundstück ihrer Familie geführt wurden. Die Familie hatte dort nicht nur ihr Haus mit großer Terasse, sondern auch eine Sauna, ein Medizinhaus, eine Gästehütte, sowie eine „Wichtelhöhle“ aus Naturmaterialien selbst gebaut. Die Kinder erzählten uns begeistert, dass die kleinen Wichtel in der Höhle uns einen Wunsch erfüllen würden, wenn wir sie lieb darum bitten. Außerdem mussten wir diese vorher fragen ob wir ihr Reich betreten durften und ein besonders witziger Wichtel scheint jeden Tag Dinge zu verstecken, die die Kinder dann wieder an ihren Platz zurückbringen müssen. Wir durften auch auf einem mit einer Sonne bemalten Stein im Bach sitzen, der Menschen dabei hilft Stress loszuwerden. Außerdem zeigten uns die Drei verschiedene Kräuter und Pflanzen die sie angebaut hatten und erklärten uns deren Wirkung. Wir waren begeistert wie selbstbewusst die jungen Kinder uns herumführten und wie bereitwillig sie uns aus ihrem Leben erzählten.







Ein Highlight unseres Ausfluges war auch der Besuch bei einer alten Frau, die uns zeigte, wie die für Otavalo typischen Textilien in bunten Farben und Mustern früher hergestellt wurden. Wir fanden besonders interessant, dass für das Färben der Wolle für die Farbe rot ein Insekt aus einem Kaktus zerdrückt wurde. Die rote Farbe färbte die Frau mit Zitronensaft gelb und mit einem Pulver (wir glauben Backpulver) violett. Außerdem entstehen alle Muster, Personen und Tiere aus der Vorstellung der Weber*innen heraus, denn es werden keine Skizzen oder Schablonen verwendet!



Unser letztes Ziel dieses Tages war eine Familie, die noch per Hand traditionelle Instrumente herstellt. Ein Mann zeigte uns, wie ein rondador (eine Art Panflöte aus Ecudor) hergestellt wird und spielte uns verschiedene Instrumente aus Ecuador, Bolivien und Peru vor. Zum Schluss spielte er auf seiner Gitarre und gleichzeitig auf einer Panflöte ein Lied vor, was wirklich wunderschön klang!


Unser freies Wochenende nutzten wir (neben Spanischlernen natürlich 😉) für einen Ausflug zur Laguna de Cuicocho – einem Kratersee mit zwei Inseln, von denen eine aussehen soll wie ein Meerschweinchen, woher der See auch seinen Namen erhielt. Wir wanderten fünf Stunden lang einmal um den gesamten See und genossen dabei die Natur und den durchgehend traumhaften Ausblick auf das Wasser und die Berge rundherum.





Obwohl wir von der Wanderung ziemlich müde waren, besuchten wir abends noch den berühmten Markt „Plaza de Ponchos“, da dieser sich jeden Samstag weit über den Marktplatz hinaus auf die Straßen rundherum ausbreitet. Wir schlenderten durch die Stände, bestaunten das Kunsthandwerk, verhandelten was das Zeug hielt („Muy caro!“ war eine der ersten Phrasen die Flo auf Spanisch konnte) und gingen mit einem Pulli, einer Sonnenbrille und einem Haarband mehr wieder nach Hause.



Am Sonntag fand unser kleiner Umzug statt: Von unserem Airbnb zogen wir zu der Chefin der Sprachschule, bei der wir für die nächste Woche unterkamen und gemeinsam mit der Familie frühstückten, um noch mehr Spanisch zu üben. Elizabeth und ihr Mann holten uns ab und brachten uns in die Nähe von Quichinche – einem kleinen Dorf etwas außerhalb von Otovalo. Bei ihrem Hof angekommen staunten wir nicht schlecht – denn wir bekamen nicht nur ein eigenes Zimmer, sondern ein ganzes kleines Häuschen mit Küche, Badezimmer, Schlafzimmer und sogar einer kleinen Terrasse! Außerdem wurden wir sofort freudig von drei Hunden begrüßt, die sofort mit uns Freundschaft schlossen und sich meistens um unsere Aufmerksamkeit stritten.



Die drei Vierbeiner bereiteten uns später am Nachmittag ziemlich Kopfzerbrechen, als wir ins Dorfzentrum spazieren wollten. Als wir nämlich vor dem großen Tor des Hofes standen, saßen die drei schwanzwedelnd neben uns und sahen uns erwartungsvoll an. Nachdem wir das Tor nur einen Spalt geöffnet hatten, sprangen sie sofort auf, zwängten sich durch den Ausgang und waren auf und davon. Mit viel Mühe schafften wir es irgendwie die Drei dazu zu bringen wieder hineinzugehen um das Tor hinter ihnen zu verschließen. Als wir jedoch erleichtert losschlenderten, hörten wir plötzlich immer lauter werdendes Getrippel hinter uns und mussten feststellen, dass die drei Hunde es irgendwie aus dem Hof geschafft hatten und sich nun sehr über den Spaziergang mit uns freuten. Leider fanden uns zwei der Hunde viel zu langsam und liefen so weit voraus, dass wir sie nicht mehr sehen konnten. Verzweifelt schrieb ich Elizabeth eine Nachricht, die mir sofort lachend antwortete dass die Hunde eh rausdürfen und von alleine wieder zurückkommen würden.
Beruhigt konnten wir also nach Quichinche spazieren, wo auf den Straßen wegen der Wahl des Präsidenten ziemlich viel los war. Ein Highlight des Dorfes war ein kleiner Shop, der selbstgemachtes Eis in den verschiedensten Geschmacksrichtungen verkaufte. Flo probierte „Bier“ und „Whisky“, während ich eher die tropischen Früchte „Coco-Piña“ sowie „Guanabana“ genoss.

Zwischen den vielen Hausübungen und dem Vokabellernen gönnten wir uns einen freien Nachmittag, an dem wir den Wasserfall Taxopamba besuchten, der einen echten Geheimtipp darstellt. Wir konnten den entspannten Ort ganz für uns alleine genießen und bereuten ein wenig, dass wir keine Handtücher mitgenommen hatten.



Leider hatten wir bei der Taxifahrt zum Wasserfall vergessen den Taxifahrer zu fragen, ob er uns auch wieder abholen würde und so blieb uns nichts anderes übrig als den ganzen Weg nach Otovalo zu Fuß zurückzumarschieren. Als wir zwei Stunden später in der Stadt angekommen waren, fuhr uns der Bus nach Quichinche genau vor der Nase weg und so legten wir die letzte Strecke nach Hause auch noch zu Fuß zurück. Drei Stunden später als geplant kamen wir ein wenig müde aber gut gelaunt wieder bei unserem Häuschen an.
Elizabeth und ihre Familie bauen gerade ein neues Haus, sodass sich neben unserem Häuschen eine Baustelle befand. Leider passierte dort ein Missgeschick, sodass wir am Donnerstag plötzlich kein Wasser mehr im Haus hatten. Die Reparatur dauerte länger als gedacht und so waren wir am Freitag in der Früh immer noch wasserlos. Da wir nach den vielen Versprechungen, das Wasser würde in ein paar Minuten wieder funktionieren, immer wieder am Wasserhahn drehten, ließen wir diesen wohl unabsichtlich offen stehen. Am Nachmittag, als wir von der Schule zurückkamen, lagen viele unserer Sachen vor unserem Haus und im Haus waren die Möbel teilweise abgebaut. Elizabeth erzählte uns dass das Wasser irgendwann am Vormittag tatsächlich zurückkam und wir aufgrund des offenen Wasserhahns eine ziemliche Überschwemmung im Haus hatten. Uns war das Ganze ziemlich peinlich, aber Elizabeth fand die Sache eher lustig und entschuldigte sich sogar mehrmals bei uns dafür, dass einige unserer Sachen nass waren.


Da wir mit dem Wetter Glück hatten, war auch alles wieder schnell getrocknet und Gott sei Dank ist dabei nichts kaputt gegangen!
An unserem vorletzten Abend in Otavalo, als wir uns nach einer stundenlangen Hausübung-Session hungrig auf den Weg nach Quichinche machten um Essen zu gehen, war dort das einzige Restaurant geschlossen. Gerade als wir uns wenigstens etwas Brot in der Panaderia kaufen wollten, stand plötzlich ein Paar mit ihrer Tochter vor uns und fragte, woher wir kommen. Nach ein wenig Smalltalk lud uns die Familie zu sich ein, um uns die wunderschöne Aussicht zu zeigen, die man wohl von ihrem Garten aus hätte. Ein wenig skeptisch verneinten wir mehrfach dankend aber die drei waren so euphorisch und ihr Haus befand sich nur eine Gehminute von der Panaderia entfernt, sodass wir irgendwann einwilligten, kurz mitzukommen.
Aus dem kurzen Besuch wurden drei Stunden, in denen wir nicht nur Glühwein und spanischen Wein mit unseren Gastgebern tranken, sondern auch noch ein Abendessen von der Frau serviert bekamen. Yaro hat Freunde in Deutschland und in der Schweiz und war selbst schon in Bayern, was er uns mit witzigen Geschichten erzählte. Außerdem rief er noch ein paar seiner anderen sechs Kinder, welche in verschiedenen Städten studieren, per facetime an, um uns ihnen vorzustellen. Als wir so dasaßen und tratschten fing plötzlich alles im Haus an zu wackeln und es hörte sich an, als würde jemand laut polternd über das Dach laufen. Yaro und seine Frau Magali war sofort klar, dass es sich dabei um ein Erdbeben handelte und versicherten sich sofort, dass ihre Kinder in Sicherheit waren. Gott sei Dank blieb es aber bei diesem kurzen Beben!
Der gemeinsame Abend verging so schnell, dass wir erst am Heimweg bemerkten, dass unser Spanisch anscheinend schon dafür ausreicht, eine dreistündige Konversation zu führen. Darauf waren wir schon ein wenig stolz.


Für unseren letzten Abend in Otavalo luden uns Yaro und Magali noch einmal zum Abendessen ein und beharrten dabei auf 17:00 Uhr, um uns ihr Haus auch bei Tageslicht zeigen zu können. Unseren Ruf als Europäer gerecht werdend standen wir pünktlich um 17:00 Uhr vor dem Haus der Familie, wo uns ein überraschter Yaro begrüßte. Sie hatten wohl noch nicht mit uns gerechnet, denn er war gerade dabei sein Auto zu waschen und Magali war noch in der Stadt unterwegs. Kurzerhand stellte Yaro uns zwei Sessel neben sein Auto und wir schauten ihm beim Putzen zu, bevor wir gemeinsam mit ihm in die Stadt fuhren, um Magali und ihre Tochter abzuholen.
Als wir dann alle gemeinsam wieder bei ihnen zu Hause waren, erhielten wir Kaffee, Tee, Saft und noch mehr Tee sowie ein ausgezeichnetes Abendessen. Außerdem spielten wir mit der jüngsten Tochter, die mit ihren acht Jahren schon das gleiche schauspielerische Talent wie ihr Vater besaß und lernten auch noch eine der älteren Töchter kennen. Besonders aus dem Häuschen war Yaro als sich herausstellte, dass Flo und er am gleichen Tag Geburtstag haben.
Wieder verging der Abend wie im Flug und als Magali am Tisch schon immer wieder die Augen zufielen, beschlossen wir zu gehen. Naja – wir wollten die fünf Gehminuten heimspazieren, Yaro bestand aber darauf, uns mit seinem Auto nach Hause zu bringen. Diese unglaubliche Gastfreundschaft hat uns wiedereinmal sehr berührt und wir sind so dankbar, auf unserer Reise solche Herzensmenschen kennenlernen zu dürfen.
Unser letzter Tag war auch in der Schule ein Highlight, denn gemeinsam mit unserer Lehrerin, einer zweiten Lehrerin sowie deren Schülerin aus Belgien kochten wir das ecuadorianische Gericht „Cevichocho“ sowie einen Kaiserschmarren als Dessert. So hatten wir auch einen tollen und gemütlichen Abschluss unserer Zeit in der Schule.


Die zwei Wochen in Otavalo sind wie im Flug vergangen. Wir verstehen jetzt so viel mehr als noch vor wenigen Tagen und schaffen es sogar Konversationen zu führen. Nach dieser schönen Zeit sind wir mehr als bereit unsere Weiterreise anzutreten und unser Spanisch weiter zu üben. Kolumbien – wir kommen! ☺️
