Der Plan war: Mit dem Bus von Otavalo nach Tulcan, in Tulcan einen besonderen Friedhof anschauen und von dort mit dem Taxi noch 10 Minuten bis zur kolumbianischen Grenze.
Als wir die Hälfte des Plans durchgezogen hatten und gerade am Friedhof aus dem Taxi gestiegen waren, stellte Flo fest, dass ihm sein Handy wohl im Auto aus der Hosentasche gefallen war. Das Taxi war natürlich schon weg und hier gibt es keine Firma oder sontige Anlaufstellen, die man in solchen Fällen gleich kontaktieren hätte können. Da wir nur mit Flos Handy mobile Daten haben und mein Handy deshalb ohne WLAN nicht wirklich nützlich war, machten wir uns sofort auf die Suche um Internet zu finden. Eine sehr nette Frau am Friedhof gab uns wenig später das Passwort für das dortige WLAN, leider funktionierte dieses aber nur alle paar Minuten ganz kurz. So konnten wir Flos Handy zwar immer wieder orten und damit feststellen, dass es durch die Stadt gefahren wurde, anrufen klappte jedoch nicht. Ein Mann, der wohl die Verzweiflung in unseren Augen gesehen hatte, bot uns an von seinem Handy aus Flo anzurufen, was wir auch für 10 Minuten lang – leider erfolglos – taten.
Langsam gingen uns die Ideen aus und so wartete ich – in der Hoffnung der Taxifahrer würde vielleicht zurückkommen – am Eingang des Friedhofs, während Flo ein wenig planlos durch die Straße lief und schließlich an einem kleinen Shop hängenblieb, wo ihn ein Amerikaner ansprach der glaubte Flo wäre auch aus den USA. Als Flo ihm seine Lage schilderte war dieser sofort Feuer und Flamme zu helfen. Da die Eltern des Mannes aus Kolumbien kommen, sprach der Mann glücklicherweise fließend Spanisch und machte von der Ladenbesitzerin das WLAN-Passwort ausfindig. Gemeinsam beobachteten sie nun den Standort von Flos Handy und schmiedeten den Plan, mit einem anderen Taxi auf Verfolgungsjagd zu gehen. Kurzerhand vertraute Flo der Ladenbesitzerin all sein Gepäck an und aus meiner Perspektive vor dem Friedhof sah ich plötzlich Flo und irgendeinen Fremden auf mich zulaufen, irgendetwas rufen und gleichzeitig ein Taxi aufhalten. Ich lief also auch los und sprang ins Taxi, wo die beiden mir und dem Taxifahrer kurz ihren Plan erklärten, bevor die Verfolgungsjagd losging. Glück wie wir hatten, schien das Taxi mit Flos Handy gerade eine Pause am Busbahnhof zu machen, sodass wir dort aus dem Auto sprangen und uns auf die Suche machten. Kurzerhand nahm der eher klein und schmächtig gebaute Amerikaner mir meinen riesigen Rucksack ab und zu dritt liefen wir durch die Straßen. Zwischendurch musste ich mich zusammenreißen nicht in einen Lachanfall auszubrechen, da ich unseren Anblick wirklich komisch fand. Der Amerikaner war so in seinem Element, dass er jeden Polizisten, Securityguard sowie jeden einzelnen Taxifahrer ansprach (oder eher anschrie), während Flo und ich versuchten unter den 100 gelben Autos das richtige zu finden. Schließlich erkannten wir wie durch ein Wunder einen Mann, der gerade auf sein Auto zugeschlendert kam, als unseren Taxifahrer wieder. Zu dritt stürmten wir auf ihn zu und dieser zückte sofort Flos Handy, als er uns kommen sah. Erleichtert ließen wir uns von besagtem Taxifahrer wieder zurück zum Friedhof bringen, wo wir unserem Helfer vor dem Shop ein Bier ausgaben und noch ein wenig zusammensaßen, bevor es höchste Zeit für uns wurde an die Grenze zu fahren. Es kommt so selten vor, dass wir in Ecuador jemanden finden der Englisch spricht, weshalb wir unglaublich dankbar waren, dass wir neben den vielen anderen hilfsbereiten Menschen in dieser Situation auch genau diesem Amerikaner vor irgendeinem Shop in die Arme gelaufen sind. 😄
Das Passieren der Grenze verlief reibungslos und so fanden wir uns schon wenig später in Ipiales wieder, wo wir in unser Hotel eincheckten und uns dann auf die Suche nach SIM-Karte, Geldautomat und Essen machten. Erst als wir alles erledigt hatten und im Bett lagen, ließen wir das Abenteuer vom Nachmittag noch einmal revue passieren und konnten dabei herzlich lachen, weil die Geschichte gut ausgegangen war.
Am nächsten Tag machten wir uns per Colectivo (Mini-Bus) auf den Weg in das kleine Dorf Las Lajas, das für seine spektakuläre Felsenkirche bekannt ist. Wir wurden nicht enttäuscht als wir die Kirche nach einem kurzen Fußmarsch den Berg hinunter erreichten und hatten sogar das Glück, dass gerade eine Messe mit offenen Türen stattfand und die Livemusik rund um das Gebäude gut zu hören war.


Nachmittags fuhren wir in die zwei Stunden entfernte Stadt Pasto, wo sich unser Hostel in einer etwas komischen Gegend befand, in der wir uns nicht ganz wohlfühlten. Auch die Stadt an sich war für uns persönlich kein Highlight, nur den riesigen Markt fanden wir ganz spannend. Am Hauptplatz stellten wir uns zu einer Menschenschlange dazu, weil wir davon ausgingen, dass es hier etwas Gutes geben musste, wenn so viele Leute darauf warten. Wie uns der Mann in der Schlange vor uns später erklärte, war die besondere Zutat des Eises, die wohl nur dieser Stand anbot, genau drei Leute vor uns ausgegangen. Naja – das sehr süße Eis schmeckte trotzdem!

Den nächsten Morgen verbrachten wir damit uns herumzufragen, bis uns eine nette Frau direkt in ein Taxi setzte und dem Fahrer einen Ort irgendwo in einer kleinen Straße nannte, von wo aus Colectivos zum Laguna de la Cocha fuhren. Dort angekommen wurde uns sofort klar, warum der Ort als das „südamerikanische Venedig“ bezeichnet wird: um einen Kanal herum stehen lauter farbenfrohe Häuser und im Kanal wartet ein buntes Boot nach dem anderen darauf, zum See gefahren zu werden. So ziemlich jedes Haus war ein Café oder ein Restaurant und wir fingen uns an zu wundern, wie all diese Menschen Geld verdienten. Denn mit uns waren im Dorf nur ungefähr eine handvoll Touristen zu entdecken und auch von Einheimischen war sehr wenig zu sehen. Wir genossen allerdings die Ruhe, spazierten den Kanal entlang und fanden dabei einen riesigen Hundefreund, der sich dafür entschieden, uns auf Schritt und Tritt zu folgen.




Als wir uns nach einem leckeren Fisch-Mittagessen am frühen Nachmittag wieder in das Colectivo zurück nach Pasto setzten, kamen gerade große Busse an und das Dorf fing an sich zu füllen. Anscheinend ist die Zeit für Touristen eher nachmittags, was auch an der Sonne liegen könnte, die sich erst nach Mittag langsam anfing zu zeigen.
Weiter ging es für uns nach Norden in die Stadt Popayán, die für seine weißen Gebäude bekannt ist und als eine der schönsten Städte Kolumbiens gilt. Außerdem wird sie auch „Stadt der Präsidenten“ genannt, da 17 kolumbianische Präsidenten hier geboren wurden oder gelebt haben.
Wir waren sofort auch verliebt in die Studentenstadt und waren noch begeisterter, nachdem wir eine dreistündige Stadtführung mit zwei Studenten unternommen hatten. In der Führung lernten wir nicht nur viel über die von Erdbeben gezeichnete Geschichte der Stadt, sondern auch über die langjährige Kultur der spektakulären Osterprozession sowie der riesigen kulinarischen Festivals. Außerdem kosteten wir das typische Getränk Salpicon Payanes sowie die traditionellen Empanadas de pipián. Außerdem genossen wir die abendliche Aussicht über die Stadt von einem Hügel aus und amüsierten uns bei ein paar Runden UNO mit unseren lustigen englischen Hostel-Kollegen.





Nun stand uns eine weitere lange aber auch schöne Busfahrt nach Cali bevor, während der wir uns durchgehend an der Aussicht auf Berge und Täler erfreuen konnten. Als wir abends schließlich ankamen, waren wir von der langen Fahrt ganz schön hungrig und suchten uns ein Restaurant mit den typischen gefüllten Maisfladen – Arepas genannt – aus. Die Arepas schmeckten in dem tollen Ambiente des Restaurants auch wirklich gut, wurden uns jedoch am nächsten Tag zum Verhängnis, an dem wir beide mit ziemlichen Magenschmerzen aufwachten. Leider wurden die Schmerzen immer schlimmer als besser und langsam kam auch Fieber dazu, sodass wir den ganzen Tag zwischen Bett und Klo verbrachten, uns selbst bemitleideten und um die Wette jammerten. Nach jeweils zwei Bananen beschlossen wir am Abend, dass wir wahrscheinlich irgendetwas essen sollten, um ein wenig zu Kräften zu kommen. Wir rafften uns also auf, um uns zu dem kleinen Shop direkt gegenüber unseres Hostels zu schleppen, kauften dort Tomatensuppe und Zwieback und bereiteten das Ganze in der Hostelküche zu. Noch nie war die Zubereitung einer so einfachen Mahlzeit so mühsam! Die Anstrengungen lohnten sich aber, denn nach der Suppe fühlten wir uns beide ein wenig besser und konnten gut einschlafen.

Glücklicherweise war von unseren Beschwerden am nächsten Tag nichts mehr zu spüren und wir konnten uns endlich auf den Weg machen, um die Salsa-Hauptstadt zu erkunden. Zu Fuß zogen wir durch Parks, schlenderten den Fluss entlang und besuchten einige schöne Bauwerke, während uns der Schweiß von der argen Hitze auf der Stirn stand.







Trotzdem konnten wir das Flair der Stadt genießen und fanden besonderen Gefallen an einem kleinen Künstlerpark, in dem die Leute zusammensitzen und Kunsthandwerk erstellen, welches an verschiedenen Ständen verkauft wird. Wir machten es uns mit einem Bier auf der Promenade gemütlich und genossen die Aussicht auf die Dächer Calis und die dahinter untergehende Sonne.


Abends baute ein Mann plötzlich eine kleine Anlage auf und immer mehr Menschen versammelten sich, um gemeinsam im Park zu tanzen. Es war so schön mitzuerleben, wie eine Gruppe Fremder, bestehend aus kleinen Kindern bis hin zu Pensionisten, gemeinsam ausgelassen tanzten. Die Lebensfreude und das Gemeinschaftsgefühl war so stark spürbar dass uns sofort klar wurde, woher Cali seinen Titel als Salsa-Hauptstadt hat!
Nach der Großstadt freuten wir uns darauf, wieder ein wenig Zeit in der Natur zu verbringen und so buchten wir uns für drei Nächte ein Zelt am Rand von Salento. Salento ist ein kleines Dorf, das mitten im Kaffeegebiet liegt und mittlerweile ziemlich touristisch ist. Noch nirgendwo anders haben wir bisher so viele andere Backpacker getroffen! Besonders machen Salento vor allem die bunten Häuser und die vielen Möglichkeiten für Kaffeetouren und Wanderungen um das Dorf herum.

Da ich campen liebe freute ich mich sehr, am Morgen meines Geburtstages in einem Zelt mit wunderschöner Aussicht ins grüne Tal aufzuwachen. Noch vor Sonnenaufgang telefonierte ich von der Hängematte aus mit meinen Eltern, bevor ich auch Flo aufweckte, wir gemeinsam frühstückten und dann zum Marktplatz spazierten. Dort kauften wir uns ein Ticket, um mit einem Jeep ins Valley de Cocoa zu fahren, wo die höchsten Palmen der Welt zu finden sind. Flo gab alles um als letzter ins Auto einzusteigen und damit einen Stehplatz ganz hinten am Trittbrett zu ergattern.
Nach einer lustigen Fahrt kamen wir im Valley an, wo wir eine Wanderung starteten, die uns zunächst durch das malerische Tal führte und dann lange durch einen tropischen Wald, einem Fluss entlang, vorbei an Wasserfällen und über mehrere (schwindelig wirkende) Hängebrücken, ging. Wir fühlten uns wie Indiana Jones und nahmen auch noch einen kleinen Umweg in einen noch unberührteren Teil des Waldes in Kauf, wo wir plötzlich feststellten, dass wir unbewusst begonnen hatten nur mehr sehr leise miteinander zu flüstern, da wir so im Zauber des Waldes und seinen Geräuschen gefangen waren. Der idyllische Weg führte uns zu einem Haus von Einheimischen, die uns Kakao mit Käse (wird hier häufig getrunken, können wir aber nur mäßig empfehlen 😄) anboten. Außerdem hatten sie Stationen mit Zuckerwasser in die Bäume gehängt, an denen sich unzählige Kolibris erfreuten, die sich mit ein wenig Geduld von sehr Nahe betrachten ließen. Ich konnte mich gar nicht mehr an diesen schnellen kleinen Tieren sattsehen! Wir waren so nah an ihnen dran, dass wir den Wind ihrer Flügel spüren konnten und das Wasser spürten, mit dem sie beim Trinken spritzten.



Nach einem ziemlich steilen Stück bergauf landeten wir schließlich auf einem Hügel, von dem aus wir eine wunderschöne Aussicht auf das nebelbehangene Tal und die Berge rundherum hatten. Diesen Platz erkoren wir zu unserem Jausenplatz und als wir so gemütlich vor uns hinaßen, hörte ich hinter uns plötzlich jemanden über Graz sprechen. Da hatte doch tatsächlich ein Grazer Backpacker entschieden, genau hinter uns auch Jausenpause zu machen, was wir ziemlich witzig fanden. Übrigens trafen wir den Grazer ein paar Tage später noch ein zweites mal zufällig im Bus. 😆
Nach der Jausenpause ging es schließlich zu den Quindío-Wachspalmen, die bis zu 65 Meter hoch wachsen! Sie waren ein wirklich beeindruckender Anblick und eine super Kulisse für Fotos.



Die Heimfahrt mit dem Jeep verbrachte auch ich stehend am Trittbrett, von wo aus wir nocheinmal die umliegende Landschaft so richtig genießen konnten.
Wieder in Salento angekommen, überraschte mich Flo mit einer Geburtstags-Waffel mit Früchten und Nutella sowie dem besten Chai Latte den ich je getrunken habe!
Abends bekam ich auch noch einen vegetarischen Burger und meinen Lieblingssaft aus der Guanabana-Frucht. Ich war selig. 😊

Als wär der Tag nicht ohnehin schon perfekt genug gewesen, fanden wir noch eine gemütliche kleine Bar mit Live-Musik, in der wir den Tag ausklingen ließen.
Natürlich muss man in Salento auch unbedingt eine Kaffeetour machen und so landeten wir auf der Farm eines Engländers und seiner kolumbianischen Frau. Drei Stunden lang erzählte uns der lustig Mann alles über den Kaffeeanbau, zeigte uns seine Bäume und Früchte, den Weg der Kaffeebohnen von der Ernte bis zum Verkauf und ließ uns schließlich selbst Kaffee rösten und natürlich kosten. Ich fand es extrem interessant zu sehen, wie die Kaffeeproduktion funktioniert. Traurig fand ich aber irgendwie, dass der gute Kaffee in Kolumbien fast ausschließlich exportiert wird und die einheimischen Menschen eigentlich nur den Kaffee mit schlechterer Qualität trinken. Wir haben uns schon gewundert warum es in dem Land, in den Kaffee angebaut wird, so schwierig ist guten Kaffee zu finden.




