Der Flug von Santiago de Chile nach Punta Arenas war wohl einer der schönsten den wir je erlebt haben, denn wir hatten durchgehend Aussicht auf die Berg- und Seenlandschaft Patagoniens mit ihren schneebedeckten Gletschern und gleichzeitig ging die Sonne den gesamten Flug über unter, da wir Richtung Süden flogen. Dieser Ausblick schürte meine unendliche Vorfreude auf unser letztes Monat der Reise in Patagonien nur noch mehr, denn diese Gegend steht schon so lange auf meiner Wunschliste, dass ich fast nicht realisieren konnte sie nun tatsächlich bereisen zu dürfen.

Als wir schließlich um ca. 23:30 Uhr landeten, wollten wir uns ein Plätzchen zum Schlafen am Flughafen suchen. Leider ist der Flughafen Punta Arenas allerdings so klein, dass wir unsere Pläne umwarfen, unsere Rucksäcke schulterten und uns auf eine kleine Nachtwanderung Richtung Meer machten. 45 Gehminuten entfernt wollten wir im Wald unser Zelt aufschlagen um noch ein wenig ruhen zu können. Wir waren gerade erst 10 Minuten am Straßenrand unterwegs, als ein Auto anhielt und ein Mann uns anbot uns mit nach Punta Areas zu nehmen. Als wir ihm erklärten dass wir eigentlich gerne zelten wollten glaubte er uns erst nicht ganz, versprach uns dann aber zu einem Fluss zu bringen, wo er glaubte dass wir ungestört schlafen könnten. Während der kurzen Fahrt zum Fluss fragte der Mann noch ein paar Mal nach, ob wir sicher seien dass wir campen wollen, lieferte uns schließlich aber an besagter Stelle ab und gab uns noch Joghurt und Saftpackerl seiner Kinder, damit wir noch etwas zu essen und zu trinken hatten. Wir bedankten uns sehr bei dem netten Mann, der uns den langen Fußmarsch im Finsteren ersparte hatte und fingen dann an unser Zelt unter der Brücke aufzustellen. Wir schliefen erstaunlich gut, wahrscheinlich auch weil wir nach dem Stress der letzten Tage ziemlich fertig waren.

Am nächsten Morgen wollten wir versuchen die restlichen 20 Minuten Fahrt nach Punta Arenas per Autostopp zurückzulegen. Ich streckte gerade erst meinen Daumen raus, als schon ein Auto anhielt und uns mit in die Stadt nahm. Die Selbstverständlichkeit mit der uns die Menschen hier immer helfen ist schon beeindruckend!

In Punta Arenas spazierten wir zum Büro einer Autovermietung, mit der wir schon per Mail in Kontakt waren. Durch das viele Hin und Her und die Unsicherheit des Autoverkaufs in Córdoba und Santiago hatten wir uns noch nicht getraut ein Auto im Vorhinein zu mieten und dann vielleicht teuer stornieren zu müssen. Da man im Internet überall liest dass man in Punta Arenas in der Hauptsaison schon Monate im Vorhinein einen Mietwagen reservieren sollte um noch einen abzubekommen, rechneten wir damit dass wir nun vor einer langen Autosuche standen. Darauf dass wir trotzdem versuchen wollten ein Auto zu finden hatten wir uns schon geeinigt, da wir unser Monat hier voll auskosten wollten, was in dieser weitläufigen Gegend einfach mit eigenem Fahrzeug am besten geht.

Wir hatten nun also mit allem gerechnet, nicht aber damit, dass wir 30 Minuten später bereit für unser Abenteuer in unserem Mietauto sitzen würden. Genauso geschah es allerdings und viel schneller als gedacht konnten wir unseren letzten Roadtrip starten. Flo kam erst überhaupt nicht mit dem modernen Auto zurecht und beschwerte sich über die gut reagierende Bremse sowie über das leicht zu bedienende Lenkrad (er war ja eines ohne Servo-Lenkung gewohnt). Auch für das Treten der Kupplung war keinerlei Kraftaufwand notwendig und es waren überhaupt keine undefinierbaren Geräusche beim Anstarten zu hören. Langweilig. Schon bald genossen wir unseren neu erlangten Luxus allerdings wirklich sehr. (Wir haben auch eine Klimaanlage und müssen nicht miteinander schreien um uns während der Fahrt zu unterhalten!)

Nach einem Großeinkauf, der einen kleinen Campingkocher und eine Basis-Campingausstattung beinhaltete, machten wir uns auf Richtung Süden. Als wir so die Küste entlangfuhren sahen wir schon nach wenigen Minuten Delfine im Wasser springen, Pinguine die sich auf einem Stein sonnten und eine rastende Robbe. Wir waren einfach unendlich glücklich in dieser magische Gegend sein zu dürfen. Bald schon fanden wir auch noch einen idyllischen Zeltplatz im Wald direkt am Meer, wo wir unser Zelt aufstellten, eine Bank aus einem Baumstamm bauten und dann einfach nur genossen hier zu sein. Unser neuer Campingkocher wurde mit einem Linsengulasch eingeweiht und wir konnten von unserer Baum-Bank aus Delfine beim Spielen zusehen, während wir aßen.

Die Nacht im Zelt war so kalt, dass wir um 2:00 Uhr morgens vom Zelt in das Auto wanderten, wo wir versuchten noch ein wenig auf den zurückgelegten Sitzen zu schlafen, was beim armen Flo zu ziemlich witzigen Posen führte.

Nach einem ausgiebigen Frühstück fuhren wir bis ans Ende der Straße, also zum südlichmöglichsten Punkt der Gegend, wo wir eine Wanderung zum San Isidro Leuchtturm unternahmen. Zwei Stunden marschierten wir den Strand entlang, beobachteten wieder Delfine und fanden unendlich viele Miesmuscheln.

Beim Leuchtturm genossen wir einen Mate mit Aussicht auf die wunderschöne Fjord-Landschaft und – natürlich – auf Delfine. Nach dem Marsch zurück zum Auto fuhren wir zurück nach Punta Arenas, wo wir wenig abseits der Stadt an einem gratis Campingplatz mit Aussicht aufs Meer unser Zelt aufschlugen. Diese freien Zeltplätze, meist mit Feuerstellen, Tischen und Bänken und oft sogar Klos, findet man überall in Patagonien, was wir richtig cool finden. Da sich der Zeltplatz nicht weit vom Flughafen entfernt befindet, konnten wir immer wieder Flugzeuge von sehr Nahem beim Landen beobachten. Da nicht gerade häufig Flieger in Punta Arenas landen war dies auch nicht störend sondern eher interessant. Als wir so gemütlich vor uns hin chillten fiel uns auf dass wir einen Termin mit der Autovermietung vereinbart hatten, die uns in der Zwischenzeit Papiere für den Grenzübergang bereitgemacht hatten. Dieser Termin war vor 20 Minuten gewesen, weshalb Flo sich sofort ins Auto schwang um die Papiere zu holen, während ich bei unseren Sachen am Zeltplatz blieb. Glücklicherweise war noch ein Mitarbeiter im Büro, wir erhielten die Papiere und waren nun bereit für die Weiterfahrt nach Argentinien am nächsten Tag.

Die Fähren in Patagonien sind etwas anders als die, mit denen wir bisher in Südamerika gefahren sind. Statt ein paar Holzbrettern auf zusammengebundenen Booten erwartete uns ein großes Schiff, das uns samt Auto sicher über die Mangellanstraße brachte. Die Fahrt war trotzdem spannend, da die hohen Wellen am Schiff brachen und so hoch spritzten, dass wir ziemlich nass wurden, als wir draußen standen. Außerdem leisteten uns ein paar schwarz-weiße Delfine Gesellschaft und sprangen lustig neben uns her.

Als wir von der Fähre fuhren realisierten wir, dass wir nun tatsächlich Tierra del Fuego, also „Feuerland“, den „letzten Zipfel Südamerikas“ erreicht hatten. Auch dieses Ziel war schon so lange in meinem Kopf, dass es sich gar nicht real anfühlte, als wir plötzlich wirklich dort ankamen. Feuerland besteht großteils aus riesigen, flachen und eigentlich ziemlich langweiligen Landschaften, in denen der Wind gerne mal mit mindestens 100 km/h weht. Auch wir kamen sofort in den Geschmack des berüchtigten Windes der Gegend und da weit und breit nichts in Sicht war dass ein wenig Windschatten für unser Zelt geben konnte, beschlossen wir im Auto zu übernachten. Vorher fanden wir aber noch in dem ausgestorbenen Minidorf Cerro Sombrero gratis Duschen mit warmen Wasser, die wir erfreut nutzten. Für die Nächtigung im Auto probierten wir eine neue Taktik aus, bei der Flo am Boden vor den hinteren Sitzen und ich auf ebendiesen liege. Und gleich vorneweg – das war Flos Idee und ich habe ihn keineswegs dazu gezwungen sich auf den Boden zu zwängen! Und zwängen ist hier wirklich das richtige Wort, denn Flo musste sich geradezu in seine Schlafposition „einfädeln“ und konnte sich dann nicht mehr bewegen. Glaubt es oder nicht, aber wir schliefen richtig gut und diese Schlafposition sollte nicht zum letzten Mal genutzt werden. 😄

Nach einem Frühstück im Auto (draußen war es viel zu windig) machten wir uns an die Weiterfahrt Richtung Süden, wo die Landschaft nach einigen Stunden endlich wieder anfing Bäume zu enthalten und dann immer bergiger und schöner wurde. Zum Ende hin befanden wir uns mitten in einer unglaublichen Berg-, See-, Fjordlandschaft, die uns immer wieder zum Anhalten und Fotos Schießen brachte. Endstation war schließlich Ushuaia, die den Titel der südlichsten Stadt der Welt trägt und uns zum Einkaufen diente. Als Schlafplatz wählten wir allerdings einen Park am Rio Olivia etwas außerhalb der Stadt, wo wir (aus Faulheit) wieder im Auto übernachteten.

Am nächsten Tag ging es für uns in den Tierra der Fuego Nationalpark, wo wir die nächsten drei Tage verbrachten. Wir besuchten das südlichste Postamt der Welt (das uns ein bisschen zu voll mit Touristen war), tranken einen Glühwein am Ende der berühmten Route 3 (die sich von Buenos Aires bis hier zieht) und unternahmen einige Wanderungen.

Die erste Wanderung führte uns die wunderschöne Küste entlang und bot uns durchgehend Aussicht auf die schneebedeckten Berge am anderen Ende des Fjordes.

Für die zweite Wanderung wanderten wir 1000 Höhenmeter auf den Cerro Guanaco, wo wir dank des wunderschönen Wetters ein 360 Grad Panorama genießen konnten.

Am dritten Tag spazierten wir eher gemütlich durch den Nationalpark, besuchten ein paar Seen und Fjorde und genossen die Ruhe und die vielen coolen Vögel die wir beobachten konnten.

Nachdem wir den Nationalpark nach drei Tagen wieder verlassen mussten, wollten wir nochmal am Rio Olivia schlafen und die dort stehenden Steingriller zum Pizzabacken nutzen. Leider fing pünktlich als wir am Zeltplatz ankamen der Wind wieder an stärker zu werden und blies schon bald so kräftig dass wir die Küche im Auto aufbauten und Flo sich immer nur kurz hinauswagte um die Pizzen ins Feuer zu legen, umzudrehen oder ins Auto zu holen. Leider stand unser Pizzaabend wirklich unter keinem guten Stern, denn die kleinen Calzonen klebten so an der Alufolie dass wir diese fast nicht mehr abbekamen, der geschnittene Käse und die Oliven fielen uns im Auto runter und Flo ließ schließlich auch noch sein Bier fallen, das aufplatzte und ins Auto spritzte, das ich in diesem Moment öffnete. Irgendwann hatten wir genug, kochten einen Reis mit dem restlichen Pizzabelag und beschlossen das Ganze ein anderes Mal erneut zu versuchen. Übrigens war der Moment in dem Flo sein Bier fallen ließ der erste auf der gesamten Reise in dem ich echte Verzweiflung und vielleicht sogar eine kleine Träne in seinen Augen sah.

An unserem letzten Tag im Süden unternahmen wir noch eine Wanderung zur Laguna Esmeralda. Der Weg führte durch malerische Landschaften und endete schließlich am unrealistisch blauen See, an dem wir uns ein abgelegenes Plätzchen für unsere Jause suchten. Dieses befand sich auf einem ziemlich steilen Hügel, der uns fast zum Verhängnis wurde, als unser Rucksack ins Rollen kam und Flo ihn gerade noch einholen und vor dem Fall in den See bewahren konnte.

Für uns war es Zeit uns vom argentinischen Teil Feuerlands zu verabschieden, um nun die chilenische Seite zu besuchen. Leider darf man über die Grenze keinerlei tierische und pflanzliche Produkte mitnehmen (sogar die Linsen nahmen sie uns ab) und da das chilenische Feuerland sehr abgelegen ist befürchteten wir, die nächsten Tage Reis mit Nudeln essen zu müssen. Da hatten wir aber nicht mit Rafael gerechnet. Diesen lernten wir nämlich am Laguna Blanco kennen, als ich nach dem Versuch eine Böschung hinaufzuspringen fast in ihn hineinlief. Flo war in diesem Moment gerade dabei seine selbstgebaute Angel aus dem Kofferraum zu holen und zog damit sofort Rafaels Aufmerksamkeit auf sich. Wie sich herausstellte war der Mann mit seiner Frau und Freunden hier zum Campen und Fischen und obwohl seine Frau schon seit ein paar Tagen wieder heimfahren möchte waren sie immer noch hier. Er hatte nämlich so große Freude am Fischen dass er noch unmöglich heim konnte. Als er in Flo einen Fischliebhaber entdeckte war sofort eine Freundschaft entfacht und Flo durfte sich nicht nur eine seiner Angeln zum Fischen aussuchen, sondern erhielt von der Frau noch zwei große Stücke schon fertig gekochten Fisch zum Probieren. Obwohl es schon nach 21:00 Uhr war, begaben sich Rafael und Flo mit ihren Angeln zum See und ich legte mich schon mal ins Zelt, da ein leider Kopfschmerzen hatte. Eine Stunde später wachte ich auf und sah einen freudestrahlenden Flo mit vier großen Fischen in der Hand vorm Zelt stehen. Also ums Essen brauchten wir uns wirklich keine Sorgen mehr machen.

Nachdem wir am nächsten Tag (ohne Wind) ordentlich ausgeschlafen hatten, entzündeten wir schon während unseres Kaffees ein Lagerfeuer, auf dem wir zwei der Fische grillten und Steckerlbrot machten. Ich kann euch gar nicht sagen wie lecker dieses Frühstück/Mittagessen war! Dass es lecker riecht fanden auch die vier Graufüchse die dauernd um uns herumschlichen und auf den perfekten Moment warteten uns die Fische abzuknöpfen. Am Ende erhielten sie von uns die Reste, über die sie sich auch sehr freuten.

Die anderen beiden Fische filetierte Flo schon am Lagerfeuer und wir gaben sie in unseren Topf um sie abends zu kochen. Am späten Nachmittag ging es für uns schon wieder weiter, da wir in der Nähe eines Pinguinparkes übernachten wollten. Am Weg kamen wir an einer Goldminen-Maschine (keine Ahnung wie man das nennt 😄) vorbei, die von 1903 – 1907 in Betrieb war.

Am nächsten Tag ging schon wieder einer meiner Träume in Erfüllung: Ich durfte meine Lieblingstiere in freier Wildbahn beobachten! Wir besuchten die einzige Festland-Kolonie von Königspinguinen, die hier geschützt leben dürfen. Ich hatte eine solche Freude die süßen Tiere beim Schwimmen, Sonnen und Putzen zu beobachten!


2 Kommentare zu „Am Ende der Welt in Feuerland“

  1. Avatar von Andrea Ulz
    Andrea Ulz

    Von Nord nach Süd in Südamerika habt ihr es geschafft! Und so viele spannende Tiere und Landschaften erlebt, so viele nette Menschen kennengelernt. Und endlich habt ihr die Pinguine erlebt.
    Ich wünsche euch noch eine schöne Zeit.

    1. Avatar von miriamabroadblog

      Stimmt, so schön wie viel wir schon sehen konnten!
      Danke und bis bald!

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