Tierische Masuren bei Regen 🌧️🦦

Mittwoch

Das für die Masuren typische Wetter hat uns jetzt eindeutig eingeholt: Als wir am Mittwoch aufwachten, prasselte der Regen gemütlich auf unsere Dachluke. Daher drehten wir uns nochmal im Bett um und ließen den Vormittag sehr gemütlich angehen: Das erste Frühstück im Inneren des Bootes, Spiele spielen, Musikhören und Quatschen. Während einer Klopause von Flo im Freien, landete ein Eisvogel auf unserer Ankerschnur direkt neben ihm – was für ein Glück! 

Da es für die nächsten Tage Regen, Wind und auch vereinzelt Gewitter ansagte, wollten wir uns einen sicheren Platz an einem Hafen suchen. Also nutzen wir ein Nicht-Regen-Fenster und machten uns auf. Nachdem wir am Hafen angelegt hatten, war es gar nicht so einfach andere Menschen zu finden. Die Anlage war sehr neu und schön hergerichtet, wirkte jedoch richtig ausgestorben. Als wir endlich einer Frau begegneten, konnte diese leider kein Englisch, verstand irgendwann aber offensichtlich was wir wollten und rief jemanden an. Wenig später kam eine weitere Frau aus einem der Häuser und erklärte uns auf Deutsch, dass sie die Hafenchefin sei. Generell begegnen uns mehr Menschen die Deutsch als Englisch können, was wohl daran liegt, dass die Masuren bis 1945 zu Ostpreußen, also Deustchland, gehörten. Auch lernen wohl viele Menschen im Tourismussektor aus wirtschaftlichen Gründen Deutsch, denn die Masuren werden bei deutschen Touristen immer beliebter.

Wir checkten erst einmal das Festland ein wenig ab, stockten unsere Vorräte im kleinen Hafenshop auf und genehmigten uns dann eine Holzofenpizza im Hafenrestaurant.

Später spazierten wir ins Dorf Popielno, wo wir die traditionellen Holzhäuser, den Hafen und ein Forschungsinstitut besuchten, das sich mit dem Schutz der halbwilden Konik-Polski-Pferde beschäftigt.

Den Abend ließen wir wieder mit Spielen und Lesen, sowie einem Topf-Salat ausklingen. 

Die Nacht wurde leider weniger gemütlich, denn zum einen hatte unser Kater Cäsar beschlossen, seine erste Nacht im Freien zu verbringen, was uns ein wenig Sorgen bereitete, zum anderen war das Wasser extrem unruhig und unser Boot schaukelte durchgehend wirklich stark auf und ab. Flo fand das Schaukeln scheinbar eher einschläfernd, bei mir war leider das Gegenteil der Fall und ich wachte am nächsten Tag nach wenigen und unruhigen Stunden Schlaf mit nicht so guter Laune auf.

Donnerstag

Das Schaukeln des Bootes bewirkte, dass wir beim morgendlichen Zähneputzen am Festland das Gefühl hatten, wir müssten die Wellen ausgleichen. Auch beim Sitzen am Klo fühlten wir uns, als wären wir immer noch am Boot. Dieses Gefühl hielt wirklich lange an und kam jedes Mal wieder, wenn wir wo still standen oder saßen.

Um den Wellen zu entfliehen, holten wir zum ersten Mal unsere Fahrräder vom Boot und starteten eine Tour im Wald, die Küste entlang. Der Radweg war richtig idyllisch und uns begegnete niemand, außer ein riesiger Kautz, ein Reh und ein riesiger Greifvogel, den wir nicht identifizieren konnten. Auch wilde Blaubeeren fanden wir im Wald und legten dafür eine Snackpause ein. 

Am Weg kamen wir an einem Campingplatz vorbei, der komplett im Windschatten dalag und so wirkte, als würde er noch nie Wellen gesehen haben. Das sah nach der wellenreichen Nacht wirklich verlockend aus und so fragten wir den dort herumwerkenden, älteren Mann (neben dem gerade ein riesiger Schwan lag), ob wir später am Nachmittag bei ihm anlegen dürfen. Auf Deutsch sagte er uns, das sei gar kein Problem und so freuten wir uns sehr auf die Aussicht auf eine ruhigere Nacht.

Mit den Fahrrädern fuhren wir noch bis Piaski, wo wir uns am Hafen ein Eis und eine Süßspeise gönnten, die uns der Verkäufer mit „very good wildberries inside“ empfohl. Die Beerenfüllung und auch der Rest des krapfenartigen Gebäcks schmeckte uns wirklich ausgezeichnet.

Auf der Rückfahrt begann es leider wieder mal zu regnen, und so beschlossen wir den Weg ein wenig abzukürzen und den direkten Radweg zurück zu unserem Boot zu nehmen.

Zurück am Hafen genehmigten wir uns noch eine warme Dusche, bevor wir uns auf zum Campingplatzes des netten Mannes machten. Als wir allerdings dort ankamen, waren alle Stege mit „Reserviert“-Schildern gekennzeichnet. Der Mann erklärte uns, dass eine Segelgruppe, bestehend aus 18 Booten (am Ende waren es 11, 18 hätten auch nicht Platz gehabt 😄) kommen würde, und wir deshalb an seinem Privatsteg, direkt neben seinem Segelboot anlegen dürfen. Der Platz befand sich zwar mitten im Schilf, der Mann versicherte uns aber, dass das super funktionieren würde. Er half uns beim Einparken und Boot richtig am Steg Anmachen und tatsächlich – wir standen perfekt geschützt im Schilf und es waren keinerlei Wellen zu spüren.

Unser Gastgeber sah uns glaube ich ein bisschen als seine persönlichen Schützlinge, denn er und auch seine Frau, die beim Anlegen aus deren Boot kam, waren sehr bemüht, dass es uns an nichts fehlte.

In der Nacht ging der sonst eher vor sich hin tröpfelnde Regen dann in einen ziemlichen Schauer über und wir waren echt froh, einen so ruhigen Platz gefunden und wieder tief schlafen zu können. 

Achja: Der starke Regen führte nun auch dazu, dass wir unsere Klotaktik änderten und unser Geschäft statt im strömenden Regen auf unserer Chemietoilette im Inneren verrichteten. Ich wusste anfangs zwar nicht was ich während des Klogang nun mit meinem Bizeps anfangen sollte, wenn ich mich nicht mehr vom Boot hängen musste, dann fand ich das Klogehen im Trockenen aber doch ganz gemütlich.

Freitag

Als wir uns nach einem langen und tiefen Schlaf in der Früh nach Draußen begaben, begrüßte uns die liebe Frau schon mit einem freudigen Gesicht und deutete auf den Himmel, wo tatsächlich ein Stückchen blau zu sehen war. Die Sonne mal wieder zu spüren tat wirklich gut und so waren wir direkt super drauf.

Nach dem Frühstück wollten wir den kleinen Brunnen am Campingplatz zum Abwaschen nutzen – dies taten jedoch auch alle Kinder und Jugendliche der 11 Segelboote und so standen wir ziemlich lange an und schauten ein paar Jungs zu, wie sie umständlich jeweils 5 Minuten an jedem Geschirrstück herumschrubbten. Irgendwann hatte Flo die brillante Idee unseren Kübel zu holen, den wir – während einer gründlichen Topfschrubbung der Jungs – mit Wasser füllten und als Waschbecken für unser Geschirr nutzten. Fünf Minuten später waren wir fertig und bereit für die Weiterfahrt.

Nachdem wir noch das wunderschöne – selbstgebaute – Boot des Paares bewundert hatten, fuhren wir weiter Richtung Süden.

Schon wenig später wartete ein neues Abenteuer auf uns, denn wir mussten eine Schleuse durchfahren. Zum Glück hatten wir drei Segelboote vor uns, denen wir zuschauen konnten, bevor wir uns selbst in der Schleuse einreihten. Auf den anderen Booten waren jeweils mindestens vier Personen sehr geschäftig am Werken, wir taten zu zweit so als wüssten wir was zu tun ist und packten – wie wir es bei den anderen beobachtet hatten – die Seile, die am Rand der Schleuse herunterhingen. Wenig später ging es auch schon los, das Tor hinter uns schloss sich und unter den Augen einiger Besucher auf der Brücke füllte sich die Schleuse mit Wasser, bis wir hoch genug waren um weiterfahren zu können. 

Hinter der Schleuse wartete ein noch wilderer und unberührterer Teil der Masuren auf uns und wir bewunderten den Wald mit den riesigen Bäumen und das an uns vorbeiziehende Ufer, das uns ein bisschen an die Natur im Dschungel erinnerte. 

Die schöne Landschaft beanspruchte unsere ganze Aufmerksamkeit und so übersahen wir das „Motoren verboten“-Schild. Erst als wir schon viel weiter nur noch von Seglern umgeben waren und uns einer von diesen irgendwas auf Polnisch zurief, begannen wir stutzig zu werden. Irgendwie reimten wir uns das Motorenverbot zusammen und drehten um. Auf der Rückfahrt entdeckten wir dann auch das Schild, das mitten im Wasser platziert war. 

Da unsere Mägen langsam schon wieder knurrten, legten wir am Ufer an und brauchten dieses Mal nur mehr einen Versuch, nach dem wir schon perfekt geankert standen. Langsam haben wir den Dreh raus, wissen ungefähr wo und wie wir uns hinstellen müssen und worauf wir bei der Platzsuche achten sollten. Ein paar dieser Tipps hätten bei der Einführung zu Beginn nicht geschadet, aber so ist es halt ein „learning by doing“ – eh viel cooler, wie Flo meint.

Nach einem Reis-mit-Allerlei machte sich Flo ans Fischen und ich ans Lesen, bis Flo mich plötzlich aufgeregt zu sich winkte. Direkt neben uns wohnte eine Fischotterfamilie und vier kleine Fischotter tollten gerade auf den Baumstämmen im Wasser herum. So süß! 

Wärend unseres Abendessens an Deck – eine Bruschetta-Variation aus Tomate, Zwiebel, Koriander und Zitrone – genossen wir die vielen Naturgeräusche um uns herum. Die Masuren sind so still und so lebendig zugleich, wenn man gut hinhört und -schaut, kann man so viele Tiere entdecken! Flo ist darin besonders gut, so hat er beim Angeln auch noch einen Schwarzspecht und beim Essen einen Flusskrebs entdeckt (der ihm zu seinem Leidwesen entwischt ist).

Zu unseren Nachbarn zählte auch eine besonders freche Ente, die sogar zu uns aufs Boot hüpfte und uns durchgehend anquakte. Wir sind uns nicht sicher was sie uns genau mitteilen wollte, ihr Quaken klang aber irgendwie vorwurfsvoll. Vielleicht war sie beleidigt, dass sie nichts von unserem Essen abbekam.

Den Rest des Abends versuchte Flo noch Fische und/oder Flusskrebse zu fangen und ich malte. So entspannt war ich schon lange nicht mehr. ☺️


4 Kommentare zu „Tierische Masuren bei Regen 🌧️🦦“

  1. Avatar von Andrea Ulz
    Andrea Ulz

    Wenn man sich mit dem Regen anfreundet, kann Regenzeit richtig schön sein. Eure Kochvariationen schauen immer sehr schön aus. So viel Natur gibt Energie, das freut uns. Schöne Zeit.

    1. Avatar von miriamabroadblog

      Das stimmt, man darf sich nur nicht von ihm ärgern lassen. 😌
      Schmecken such immer sehr gut 🥰
      Danke, beste Grüße nach Hause 😘

  2. Avatar von Barbara
    Barbara

    Hallo ihr Lieben!
    Danke für eure tollen interessanten Reiseberichte!
    Schön, diese herrliche Natur und diese Ruhe!
    Liebe Grüße
    Barbara

    ….und Gratulation zur Vermählung! Wünsche euch ein langes glückliches gemeinsames Leben!

    1. Avatar von miriamabroadblog

      Vielen herzlichen Dank! 🥰

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