Dienstag

Am Dienstag brachen wir aus dem SĂŒden auf, um den ganzen Weg bis zu dem Hafen zurĂŒckzufahren, an dem wir den Trip vor mehr als einer Woche gestartet hatten. Es ging durch die vielen KanĂ€le und kleinen Seen und dieses Mal konnten wir sie bei guten Wetter bewundern. So einige BaugrĂŒnde und HĂ€user mit eigenem Seezugang an den Ufern regten uns zum TrĂ€umen an – so ein Haus am See mit Boot wĂ€r schon was. Wenn die Masuren nur nicht so weit weg wĂ€ren. đŸ€·đŸœâ€â™€ïž

ZurĂŒck am Hafen in Wilkasy war ich ein wenig nervös vor dem Einparken zwischen den vielen Segelbooten und Yachten, wir fanden aber einen recht breiten Platz, den wir nutzten. (Erst kurz vorm wieder Verlassen des Hafens fiel uns auf dass der Platz reserviert gewesen wĂ€r – ups.)

Am Hafen entsorgten wir den sich angesammelten MĂŒll (schon ein Wahnsinn wie viel MĂŒll man in ein paar Tagen produziert
) und gingen zum Supermarkt, um unsere VorrĂ€te ein letztes Mal aufzustocken. Besonders beim frischen GemĂŒse und Obst schlugen wir zu, denn dieses war in den kleinen HafenlĂ€den meist rar. Mit dem Einkaufswagen ging es zurĂŒck zum Boot, um die EinkĂ€ufe direkt einzuladen. NatĂŒrlich hatten wir uns den einen Wagen mit kaputtem Rad ausgesucht, sodass der Weg zurĂŒck dann doch rumpeliger wurde als gedacht, trotzdem kam das gesamte Eingekaufte heil am Boot an.

Nach dem Hafenstopp ging es nun in den – bisher von uns noch unerkundeten – Norden. DafĂŒr mussten wir durch einen engen Kanal mit hohem Verkehrsaufkommen. Die Boote vor uns waren von den entgegenkommenden, teilweise recht großen, Yachten leider ziemlich eingeschĂŒchtert und fuhren ein wenig unberechenbar, viel zu weit außen sodass sie gegen die Mauer stießen oder blieben an komischen Stellen stehen und drehten sich dann unkontrolliert. Das machte die Fahrt auch fĂŒr uns ein wenig schwierig, Flo fuhr uns mit seiner Ruhe aber trotzdem souverĂ€n durch den Kanal und wir konnten erleichtert aufatmen, als der See vor uns wieder breiter wurde.

Da schon wieder ein Gewitter in der Luft lag, wollten wir mit der Platzsuche nicht zu lange warten und schnappten uns die erste gemĂŒtlich aussehende Bucht, die sich als Goldgriff herausstellte. Die Bucht lag nĂ€mlich so gĂŒnstig, dass wir noch den ganzen Nachmittag und Abend die warme Sonne an Deck genießen konnten – und das Gewitter zog mit ein paar leisen Donnern auch an uns vorbei. 

Mittwoch

Nach dem klassischen EierspeisfrĂŒhstĂŒck wollten wir unseren FahrrĂ€dern mal wieder einen Einsatz gönnen. Also trug Flo sie konzentriert vom Boot durch das Wasser ans Ufer und erinnerte mich dabei an einen Superhelden. Aber seht selbst:

Die Fahrradtour fĂŒhrte uns durch einen Wald mit mehreren Mountainbikestrecken, die Flo natĂŒrlich ausprobieren wollte. Leider fĂŒhrten seine und meine Strecke nicht ans gleiche Ziel und so fand ich mich wenig spĂ€ter „Flooo?“-rufend irgendwo im Wald wieder. Ich sah Flo schon irgendwo verletzt und unfĂ€hig zu antworten in einer Grube liegen, als diesem Gott sei Dank einfiel, dass wir ja Handys hatten. Er beschrieb mir also telefonisch wo er war und wagemutig fuhr ich seiner Mountainbikestrecke nach, sodass wir uns schon wenig spĂ€ter wiederhatten. 

An dem eigentlichen Ziel unseres Ausflugs – einer alten Festung – fuhren wir versehentlich vorbei. DafĂŒr landeten wir aber bei einem Supermarkt und kauften dort neue Zahnpasta, was wir am Vortag eh vergessen hatten. Am RĂŒckweg fanden wir die Festung doch noch, fuhren die alten Mauern entlang und anschließend wieder zurĂŒck zu unserem Boot. 

Donnerstag

Der Donnerstag startete wieder mit der nun schon traditionell werdenden Eierspeise aus der Pfanne, bevor wir uns wieder abfahrbereit machten.

Obwohl wir im Boot viermal so viel Platz wie in unserem Bus in SĂŒdamerika haben, kommt es meiner Neigung dauernd irgendwo anzuhauen nicht sehr entgegen. Ich habe mittlerweile so viele blaue Flecken und meinen Kopf so hĂ€ufig gestoßen, dass ich langsam denke Folgen davon zu spĂŒren. Meine zunehmende Vergesslichkeit, die dazu fĂŒhrt dass ich beispielsweise alle Utensilien zum ZĂ€hneputzen erst nach dem dritten Anlauf beisammen habe, kann ich mir nĂ€mlich nicht anders erklĂ€ren.

Eigentlich hatten wir an diesem Vormittag vor, eine lĂ€ngere Fahrradtour zur Wolfsschanze zu unternehmen, das Wetter machte uns dabei allerdings einen Strich durch die Rechnung. Den ganzen Vormittag regnete es ungemĂŒtlich vor sich hin und so beschlossen wir noch ein wenig weiter in den Norden zu fahren, um eine Anlegestelle nĂ€her an unserem Ziel zu finden und die Fahrradstrecke zu verkĂŒrzen. Zum GlĂŒck scheiterten wir am Ankern an einem halbwegs guten Platz und fuhren noch weiter, denn so landeten wir in einem schmalen und sehr ruhigen Seitenarm des Sees, der durch einen kleinen Pfad mit dem Radweg verbunden war. Außerdem war es in der Zwischenzeit Mittag geworden, der Regen hatte aufgehört und der Himmel klarte auf. Das hieß fĂŒr uns, dass wir die Fahrradtour im Trockenen starten konnten.

Worauf wir uns beim Radweg eingelassen hatten, merkten wir erst nach und nach. Es startete mit einem Feldweg mit teilweise so großen PfĂŒtzen, dass wir unser Rad durch das hohe Gras am Rand stapfend schieben mussten. Anschließend folgte eine unebene Schotter-Sand-Strecke, bei der wir ordentlich durchgeschĂŒttelt wurden und die unseren Popos dadurch ziemlich zusetzte. Die Freude war groß, als wir auf eine richtige Straße kamen, die zwar einige Schlaglöcher und Unebenheiten aufwies, sich aber trotzdem wie das Paradies anfĂŒhlte. Als wir wieder abbiegen mussten, stellten wir mit einer bösen Vorahnung fest, dass die Strecke auf einem Sandweg weiterging. Der Sand leistete unserem Strampeln starken Widerstand, versuchte uns an nassen Stellen einzusaugen und war auch voller PfĂŒtzen, durch die wir nicht oder nur schwer hindurchfahren konnten. MĂŒhsam kamen wir voran und gaben alles, die gute Stimmung nicht kippen zu lassen. Immerhin wurde das Wetter immer schöner und die Sonne kam immer wieder durch! Außerdem war die Umgebung wirklich malerisch – neben uns erstreckten sich SĂŒmpfe, WĂ€lder, Blumenwiesen und Felder. 

Die letzte Etappe des Weges legten wir tatsĂ€chlich auf einem neu gebauten Fahrradweg in Topzustand zurĂŒck, den wir nach der restlichen Tour sehr zu schĂ€tzen wussten. An der Wolfsschanze angekommen, besorgten wir uns deutsche Audioguides, die wir uns umhĂ€ngten, bevor wir den Weg durch das riesige Areal starteten. Die Wolfsschanze war eines der Hauptquartiere Hitlers wĂ€hrend des zweiten Weltkriegs, in dem er sehr viel Zeit verbracht hatte. Das riesige Areal besteht aus den Ruinen vieler Hochsicherheitspunker, in denen Hitler und seine Leute untergebracht waren. Die Audiotour war richtig gut gemacht, so gingen wir von Station zu Station und wurden – passend zu unseren Standorten – automatisch mit Fakten und Geschichten ĂŒber unsere Kopfhörer versorgt. Der Ort ist extrem sehens- und hörenswert, wir konnten voll in die Geschichte eintauchen.

Auf der Fahrt zurĂŒck stellten wir erst fest, warum der Hinweg sich so beschwerlich angefĂŒhlt hatte. Denn scheinbar ging es die meiste Zeit bergauf, was wir gar nicht richtig bemerkt hatten. Der RĂŒckweg stellte sich deshalb als ĂŒberraschend einfach heraus, wir waren um einiges schneller und das Wetter war mittlerweile so schön, dass wir auch die idyllische Umgebung noch besser schĂ€tzen konnten. 

Abrupt stoppten wir beide ab, als wir im Feld neben uns zwei Tiere entdeckten, die aussahen wie eine Mischung aus Storch, Fischreiher und Strauße. Wir konnten sie nicht richtig einordnen und stellten erst beim spĂ€teren googeln fest, dass es sich dabei um zwei Kraniche gehandelt hatte. Wie cool!

Als wir erschöpft aber glĂŒcklich wieder am Boot saßen und uns einen kĂŒhlen Drink an Deck gönnten, entdeckte Flo am gegenĂŒberliegenden Ufer doch tatsĂ€chlich eine schwimmende Pizzeria. Wer Flo kennt weiß – die Chance auf Pizza lĂ€sst er sich nie entgehen. So schnappte er sich unser Kajak und ruderte zur Plattform, um nur wenig spĂ€ter mit zwei Pizzaschachteln im Schoß zurĂŒckzukehren. So kam es also, dass wir den Tag mit zwei frischen Pizzen und einem wunderschönen Sonnenuntergang ausklingen ließen- herrlich!


6 Kommentare zu „Pizza an Board 🍕🌅“

  1. Avatar von Barbara
    Barbara

    Ich bin fasziniert von euren interessanten Berichten und freu mich auf jeden weiteren! Weiterhin eine schöne Reise 👍🍀!
    Liebe GrĂŒĂŸe Barbara

    1. Avatar von miriamabroadblog

      Danke!! Liebe GrĂŒĂŸe zurĂŒck đŸ€—

  2. Avatar von Andrea Ulz
    Andrea Ulz

    Toll hast du wieder erzÀhlt und uns an eurem Abenteuer teilhaben lassen. Danke.

    1. Avatar von miriamabroadblog

      đŸ„°đŸ„°

  3. Avatar von Christine Donnerer
    Christine Donnerer

    Ich freue mich immer auf deine Berichte. Es ist so lustig und spannend zu lesen wie ein Roman. Ich wĂŒnsche euch noch eine schöne erlebnisreiche Zeit.
    Liebe GrĂŒĂŸe Christl

    1. Avatar von miriamabroadblog

      Das freut mich voll, dankeschön! 😊

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