Freitag
Da Freitag der Abreisetag von Flos Familie war, bestand der Vormittag daraus die Zelte und Hängematten abzubauen und alles in den Autos zu verstauen, bevor wir uns ein letztes mal gemeinsam im Meer abkühlten. Danach mussten wir uns auch schon verabschieden und die Reise ging für Flo und mich alleine weiter.
Unser nächstes Ziel legten wir auch erst während der Fahrt fest: die Stadt Matera. Bevor es ins Landesinnere ging legten wir noch einen Zwischenstopp an der Küste ein, um uns ein Mittagessen bestehend aus Nudeln, Thunfisch, Mais und Zucchini mit dem Gaskocher zu zaubern. An der Stelle die wir zum Essen ausgesucht hatten konnten wir Vögel beobachten, welche uns stark an Flamingos erinnerten. Laut Google gibt es jedoch keine schwarz-weißen Flamingos, so bleibt deren Tierart wohl von uns verborgen.





Am späten Nachmittag kamen wir in Matera an und blieben etwas außerhalb der Stadt stehen, um einen Blick auf die Felsenhäuser zu erhaschen. Zu Fuß erkundeten wir die Umgebung und wurden nicht enttäuscht! Vor uns erstreckte sich eine tiefe Schlucht durch die sich ein Fluss schlängelte und auf der anderen Seite der Vertiefung war die einzigartige Felsenstadt Matera zu sehen. Neben vielen Eidechsen entdeckten wir auch so einige Höhlen, in welchen die Menschen bis vor 50 Jahren hier noch lebten! Es war ein arges Gefühl in den Höhlen zu stehen und sich das vorzustellen.




Auf dem Rückweg zum Auto pflückte uns Flo frische Feigen von einem Baum, die wir genüsslich verspeisten.

Abends wagten wir uns mit dem Auto in die Stadt und ich war mehr als froh, dass Flo es steuerte. An manchen Stellen parkten die Autos so, dass man nur sehr knapp durchkam und Flo bewies ein wirklich gutes Gefühl für die Breite unseres Gefährts! Schließlich fanden wir einen guten Platz zum Parken und schlenderten in die Stadt, wo wir aus dem Staunen nicht mehr herauskamen. Es machte uns großen Spaß durch die verzweigten Gassen zu spazieren und nach gefühlt jeder Ecke gab es ein neues Gebäude zu bestaunen. Ein leckeres Eis später kauften wir noch Wasser für die Weiterfahrt und machten uns auf zu einem See ein wenig außerhalb der Stadt, an dem wir übernachten wollten.





Was wir da noch nicht ahnten war, dass das wahre Abenteuer erst hier begann. Kurz vor der Stelle an der wir schlafen wollten roch es plötzlich nach Rauch und schon wenig später sahen wir Feuer auf den dunklen Feldern lodern. Nach dem ersten Schrecken stellten wir jedoch fest dass es sich beim Feuer wohl nicht um einen Waldbrand sondern um eine gezielte Feldabrodung handelte und da es mittlerweile auch schon spät und wir müde waren, suchten wir (ich immernoch mit mulmigem Gefühl) weiter nach einem passenden Schlafplatz. Dies stellte sich leider im Dunkeln als ziemlich schwierig heraus und erst nach langem hin und her fanden wir endlich einen kleinen Waldweg über den wir von der Straße weg zum See gelangten. Erleichtert über den perfekten Schlafplatz wollten wir uns gerade das Bett zurechtmachen, als uns jemand plötzlich mit starken Taschenlampen direkt ins Gesicht leuchtete. Erst als sie die Taschenlampen ein wenig von uns wegdrehten, konnten wir vier Polizisten erkennen, die uns in sehr gebrochenem Englisch erklärten, dass wir hier nicht stehen dürften. Sie leuchteten ständig ins Auto, redeten miteinander auf Italienisch und das einzige das wir verstanden war, dass immer wieder das Wort „Tesla“ fiel. Schließlich fragten sie uns noch von wo wir waren, was wir heute gemacht haben und was wir denn am nächsten Tag vorhätten. Ich glaube nicht dass sie unsere Antworten ganz verstanden aber sie lächelten uns an und fuhren uns dann noch ein Stückchen nach, bevor sie abbogen und endlich weg waren. Müde diskutierten wir über unser weiteres Vorgehen, versuchten unser Glück noch bei einem anderen Parkplatz in der Nähe des Sees, wo uns wieder jemand irgendwas auf italienisch sagen wollte was wir nicht verstanden und beschlossen dann einfach an die Südküste zu fahren, wo wir dann um 23:30 Uhr endlich einen Parkplatz zum Übernachten fanden. Erleichtert setzten wir uns noch mit einem Bier an den Strand und ließen den Tag so doch noch gemütlich ausklingen.
Samstag
Ein kleiner Schreck erwartete uns gleich am Morgen beim Aufstehen, weil das Auto durch die Sucherei am Vorabend ziemlich viele Kilometer verloren hatte und der nächste Supercharger zu weit weg war, um ihn noch zu erreichen. Deshalb beschlossen wir gleich nach dem Aufstehen eine Suche nach einer Ladestation zu starten, landeten zuerst bei einer, die nicht funktionieren wollte und fanden schließlich ein Hotel mit Tesla Ladestationen. Am Hoteleingang wurde uns zuerst Fieber gemessen, bevor wir ins riesige Resort fahren und unser Auto anstecken durften. Die Wartezeit des Ladens wollten wir mit einem Picknick, das wir kurzerhand im Schatten eines Baumes aufbauten, überbrücken. Wir schafften es gerade noch aufzuessen, bevor ein Hotelangestellter kam und uns mit mehreren aufgebrachten „No!“s verscheuchte.

Da wir eh schon satt waren marschierten wir zum Strand des Hotels, wo wir erst auffielen, als wir anderen Hotelgästen ihre Liegen klauten, die dort anscheinend den Zimmern zugeteilt waren. Wir wanderten also ein Stück weiter und genossen trotzdem noch eine kleine Abkühlung im Meer, bevor wir uns noch einen Kaffee am Auto kochten und weiterfuhren.

Zufällig entdeckten wir einen weiteren See und weil Flo so traurig darüber war, dass wir am Vorabend nicht am See schlafen konnten, war dieser nun unser nächstes Ziel. Unsere Erwartungen wurden mehr als übertroffen, als wir einen tiefblauen Stausee antrafen, neben dem Pferde, Kühe und Schafe grasten. Ein Teil des Sees war ausgetrocknet und als wir uns dorthin wagten war es fast als wären wir die einzigen Menschen auf einem fremden Planeten. Leider gab es auf der weiten Fläche des trockenen Sees keinen Schatten, Flo hatte dieses Problem jedoch innerhalb weniger Minuten mit Steinen, Stöcken und unserem Badetuch behoben. In unserem kleinen Lager kochten wir uns ein Mittagessen und gingen dann ans Wasser. Je näher wir dem Wasser kamen, desto schlammiger wurde der Boden und so gab es eine Schlammbehandlung für unsere Füße.





Wir fanden ein schönes Plätzchen zwischen Olivenbäumen, wo wir die Nacht verbringen wollten. Vorher gönnten wir uns jedoch noch ein Picknick, welches von einem kleinen Hund gestört wurde, der sich bei Flo pudelwohl fühlte.

