Sonntag
Als ich am Sonntag in der FrĂŒh die Augen aufschlug konnte ich gar nicht glauben wie perfekt wir uns am Vorabend zufĂ€llig hingestellt hatten. Ohne den Kopf auch nur bewegen zu mĂŒssen schaute ich direkt auf einen Berg hinter dem die Sonne gerade dabei war aufzugehen. Diese Morgenstimmung nutzten wir auch noch zum ZĂ€hne putzen und machten uns dann auf zur nĂ€chsten Ladestation.


Die Ladestation befand sich an einem Hotel und so nutzten wir die Wartezeit indem wir das Hotelklo ausprobierten und unser nÀchstes Ziel planten.

Die Fahrt nach Condofuri Marina an der SĂŒdkĂŒste ging ĂŒber riesige BrĂŒcken zwischen einer Berglandschaft hindurch und am Ende der Fahrt hatten wir sogar mehrmals einen guten Blick auf Sizilien.

Als wir nachmittags an unserem Ziel ankamen, fanden wir nach einer kurzen Sucherei einen Zugang zu einem schönen Strand, mussten jedoch etwas weiter entfernt parken, da man fĂŒr den Parkplatz durch einen kleinen Bach fahren musste und wir uns das mit dem Elektroauto nicht trauten. Ein Ă€lterer, italienischer Mann wollte uns zwar mehrmals erklĂ€ren dass das Durchfahren ĂŒberhaupt kein Problem darstellte, als Flo ihm jedoch mit HĂ€nden, FĂŒĂen und AusdrĂŒcken wie âElektrocar, water, no good, booomâ mitzuteilen versuchte dass wir lieber hier stehen blieben gab er auf und winkte uns stattdessen ein paar mal freundlich zum Abschied.
Bevor wir an den Strand gingen, kochten wir uns noch ein NudelmenĂŒ zwischen unserem Auto und einer Steinmauer und fanden schlieĂlich durch Zufall einen Wasserfall, an dem wir unser Geschirr waschen konnten. Naja – es war eher ein Wasserschwall der aus der AutobahnbrĂŒcke aus einer undichten Leitung herunterkam, aber das Wasser war klar und erfĂŒllte seinen Zweck.

Der Strand begeisterte uns wegen des tĂŒrkisblauen Wassers und eines Flusses der ins Meer rann und den Flo sofort auf Fische untersuchte. Wir verbrachten den Nachmittag mit Baden, Schnorcheln und Angeln und spazierten abends zurĂŒck zu unserem âWasserfallâ, um ihn fĂŒr eine Dusche zu nutzen. Das eiskalte Wasser wirkte sehr erfrischend, sodass wir, bereit fĂŒr eine Schlafplatzsuche, aufbrachen.





Der ursprĂŒnglich geplante Schlafort bereitete uns beiden mulmige GefĂŒhle, da die Leute in der eher armen Gegend uns mit unserem Tesla alle förmlich anstarrten und wir einige Situationen beobachteten, die auf weniger legale GeschĂ€fte hindeuteten. Wir hörten auf unser BauchgefĂŒhl und fuhren ein StĂŒck die KĂŒste hinauf, wo wir eine perfekte Stelle am Strand fanden, um zu nĂ€chtigen.

Wir kamen genau richtig zum Sonnenuntergang an, genossen diesen und spazierten dann zu einer Pizzaria, um uns ein Abendessen zu gönnen. Besonders die Pizza mit RÀucherlachs, Garnelen und Ruccola schmeckte uns unglaublich gut und zur Nachspeise probierten wir aus Neugier sogar noch eine Nutellapizza.


Nachdem wir am Strand noch mit der Ukulele ein wenig Musik machten und sangen, legten wir uns ins Auto um zu schlafen. Unser Versuch die Nacht ohne Klimaanlage zu verbringen um weniger Kilometer zu verlieren endete darin dass ich um zwei Uhr nachts meine AutotĂŒr aufriss, meinen Kopf hinaussteckte und Flo drohte, mich ja nicht zu berĂŒhren, weil mir so heiĂ war. Dieser musste sich ein Lachen verkneifen, da ich am Abend noch ewig mit dem Fenster kĂ€mpfte, um es nur so weit herunterzulassen dass niemand hineingreifen konnte wĂ€hrend wir schliefen und nun mit sperrangelweit offener TĂŒr halb aus dem Auto hing. Ich gab den Kampf mit der Hitze auch wenig spĂ€ter auf und wir schalteten die Klimaanlage doch noch ein, was uns eine friedliche restliche Nacht ermöglichte.
Montag
Der Montag begann mit einem Einkauf im Supermarkt und einem FrĂŒhstĂŒck am Meer, das wir daraufhin zu uns nahmen.
Da wir bis zum Abend in Neapel sein wollten und uns noch am sĂŒdlichsten Ende Italiens befanden, bestand der Montag zu einem sehr groĂen Teil aus Autofahrten und Ladepausen. Highlights stellten dabei der Tesla aus Ăsterreich dar, den wir an der sĂŒdlichsten Ladestation antrafen, sowie die sich stĂ€ndig verĂ€ndernde, wunderschöne Landschaft die wir durchquerten.
Am Nachmittag genossen wir eine Pause an einem See, um unser Mittagessen bestehend aus Wraps zu uns zu nehmen und ein wenig zu entspannen.

Bis zum Abend waren wir weiter unterwegs Richtung Norden, bis wir schlieĂlich in der NĂ€he von Neapel einen Schlafplatz fanden, von dem aus wir einen wunderschönen Ausblick auf den Vesuv und die leuchtenden Lichter der Stadt darunter hatten. Wir machten uns noch einen Salat im Topf, bevor wir mĂŒde schlafen gingen.


Dienstag
FrĂŒh morgens wachten wir auf, rĂ€umten das Auto wieder um sodass es fahrbereit war und machten uns auf den Weg zum Vulkan Vesuv. Als wir schon halb auf dem Berg waren und sich uns eine wunderschöne Aussicht auf Neapel bot, legten wir noch eine Pause ein um zu frĂŒhstĂŒcken.
Obwohl es die Möglichkeit gab bis fast ganz zur Spitze des Vulkans zu fahren entschieden wir uns dazu zu FuĂ zu gehen und kamen so ca. 45 Minuten spĂ€ter an ein Gatter an dem uns mitgeteilt wurde, dass wir ohne online Tickets nicht zum Krater kĂ€men. Wegen Corona war es nicht möglich Vorort Tickets zu kaufen und auch die Onlinekarten waren stark limitiert. Am Versuch mit dem Handy trotzdem noch Eintrittskarten zu ergattern scheiterten wir klĂ€glich, da der Empfang am Berg nicht gerade der beste war. In meiner Verzweiflung rief ich meinen Bruder an, der 30 Minuten seiner Arbeitszeit dafĂŒr aufopferte sich mit italienischen Internetseiten herumzuschlagen um uns noch Tickets zu besorgen – leider auch vergeblich. SchlieĂlich mussten wir uns geschlagen geben und wir traten den RĂŒckweg zum Auto an, wĂ€hrend wir uns stĂ€ndig gegenseitig versicherten, dass der Krater eh gar nicht so cool gewesen wĂ€re und wir den Vesuv ja trotzdem bestiegen hatten.


Mehr GlĂŒck hatten wir dann bei unserem Besuch von Pompeii, einer 79 n. Chr. durch einen Vulkanausbruch verschĂŒtteten Stadt. Wir fanden direkt am Eingang einen Parkplatz an dem wir sogar unser Auto laden konnten, verbrachten dann 2,5 Stunden in der alten Stadt und lieĂen uns von einem FĂŒhrer interessante Details erzĂ€hlen.






Nach diesen vielen EindrĂŒcken stĂ€rkten wir uns mit einem Eis bevor wir den Weg zurĂŒck aus der Stadt antraten.

Wie so oft war ich heilfroh einen so ruhigen und gelassenen Autofahrer an meiner Seite zu haben, denn das Verkehrsverhalten der Italiener stellten meine Nerven als Beifahrerin schon sehr auf die Probe. SouverĂ€n brachte uns Flo aus der Stadt und wir kamen abends an einem See an, der sich als Nachtlager anbot. Nach einem Picknick und nachdem Flo ein wenig gefischt hatte, beschlich uns beide ein komisches GefĂŒhl und wir hatten irgendwie das BedĂŒrfnis unseren Schlafplatz zu verlegen. Wir hörten auf unser BauchgefĂŒhl und beschlossen den groĂen Parkplatz einer Tesla-Ladestation fĂŒr die Nacht zu nutzen. Dies ermöglichte uns einen gemĂŒtlichen Kinoabend im Auto, bevor ich (nicht mal noch bei der HĂ€lfte des Films) einschlief.


Mittwoch
Am nĂ€chsten Morgen genossen wir einen Cappuccino vor einer kleinen BĂ€ckerei, holten uns noch Backwaren fĂŒr die Fahrt und berieten uns ĂŒber den weiteren Verlauf der Reise. Wenig darauf stand unser Plan, heute noch bis nach SĂŒdtirol zu fahren, um die nĂ€chsten Tage zum Wandern zu nutzen. Der Dienstag bestand also hauptsĂ€chlich aus einer langen Autofahrt mit Lade- und Esspausen. Auch einen guten Platz zum Waschen fanden wir auf der Fahrt: einen eiskalten Fluss mit Privatsteg fĂŒr uns beide.

Erst um 00:15 Uhr kamen wir schlieĂlich endlich an und hatten 20 Grad weniger als noch in der FrĂŒh im SĂŒden. Das machte uns aber nichts, ich bekam pĂŒnktlich um Mitternacht sogar ein GeburtstagsstĂ€ndchen von Flo und bevor wir schlafen gingen aĂen wir ein StĂŒck Geburtstagstorte. (Naja, eher ein sehr improvisierter Kuchen von Spar, aber mit viel Fantasie eine super leckere Torte. đ)
