Das Fronleichnam-Wochenende wollten Florian und ich unbedingt für einen kleinen Roadtrip nutzen und beschlossen deshalb, die Matratze in den Polo zu schmeißen und irgendwo Richtung Berge zu fahren. Da der Wetterbericht jedoch wenig vielversprechend klang und auf den Bergen auch noch ziemlich viel Schnee lag, hatten wir am Mittwoch Nachmittag immernoch keine Ahnung wohin wir fahren sollten. Ich packte also für alle Evantualitäten, da wir – nachdem Flo von der Arbeit heimkommen würde – nur 10 Minuten Zeit hatten, bevor wir uns auf den Weg zu Samuels Maturafeier begeben mussten. Als Flo bei der Tür hereinschaute begrüßte ich ihn also schon mit gepackten Sackerln, Kisten und Rucksäcken, die wir hinunter zum Polo brachte. Im Kopf noch damit beschäftigt, ob wir eh an alles gedacht hatten, bemerkte ich den großen Van neben meinem Polo erst gar nicht. Erst als Flo nicht aufhörte mich von der Seite anzugrinsen fiel bei mir der Groschen: Er hatte einen Van von der Arbeit bei Roadsurfers ausgeborgt, in dem wir die nächsten Tage verbringen konnten! Meine Freude war riesig und es fiel mir sehr schwer den Bus nicht sofort genauer zu inspizieren, da wir nun schon wirklich spät dran waren. Unterwegs fiel uns auf, dass am nächsten Tag ja Feiertag war und wir keinerlei Essen gepackt hatten, weshalb wir am Weg noch ein Einkaufen in Rekordzeit hinlegten.

Pünktlich auf die Minute kamen wir in Feldbach an, wo wir Samuel feierten, der die Matura mit Bravour abgeschlossen hatte. Während der vielen Reden recherchierte Flo wohin es die nächsten Tage für uns gehen könnte und so entschieden wir uns schließlich für den Plattensee in Ungarn.

Da wir erst spät losfuhren, ging es für uns nur ungefähr eine Stunde Richtung Osten, wo wir es uns an einem Fischerteich gemütlich machten und unser Dachzelt aufstellten. Müde aber glücklich schliefen wir in mitten von Froschgeräuschen ein. Als wir von Autogeräuschen der ersten Fischer geweckt wurden, zeigten unsere Handys 4:50 Uhr. Wir schlossen unser Dachzelt und verlegten unseren Schlafplatz auf das Bett nach unten im Bus, wo es ein wenig wärmer und leiser war, wodurch es uns gelang noch ein wenig weiterzuschlafen. Als die Fischer sich anfingen direkt vor unserem Bus lautstark zu unterhalten beschlossen wir allerdings doch aufzustehen und fuhren direkt zum Bahnhof, wo wir das Klo aufsuchen wollten. Leider war dieses nur mit Forint-Münzen zu öffnen und so fuhren wir weiter zu einer Tankstelle, die neben einem Klo auch noch einen leckeren Kaffee zum Aufwachen bot.

Frisch und munter fanden wir einen schönen Platz zum Frühstücken am Fuß eines Kalvarienberges.

Als wir den kleinen Hügel nach unserem Frühstück bestiegen waren, war uns so warm von der Sonne, dass wir uns nach Wasser sehnten. Glücklicherweise waren wir nicht mehr weit vom Plattensee entfernt und so suchten wir uns den nächsten Strand, den wir mit Schwimmen und Sonnebaden richtig ausnutzten. Da in Ungarn anscheinend kein Feiertag war, war an diesem Vormittag außer uns ein paar Schwänen nicht viel los und so genossen wir die Ruhe und das kühle Nass.

Am Nachmittag beschlossen wir eine Wanderung auf einen der Hügel in der sonst so flachen Landschaft zu unternehmen. Wir wählten dafür den Bazaltorgonák aus, auf dem man sehr interessante, durch Vulkanausbrüche entstandene, Felsformationen besuchen konnte. Am Parkplatz kochten wir uns erst jedoch noch ein Risotto und genossen eine ausgiebige Kaffeepause, bevor wir unsere Tour starteten.

Leider war die Tour weniger ruhig als wir uns das vorgestellt hatten. Ungefähr 1640 Gelsen hatten großen Spaß daran, uns hartnäckig zu verfolgen und überall hin zu stechen, wo kein Stoff zu finden war. Die Hitze und die große Luftfeuchtigkeit veranlassten uns dazu zu schwitzen, was auch noch alle Freunde und Bekannten der Viecher anzulocken schien und so befanden wir uns schon bald im „Todeskreislauf“, wie Flo ihn nannte: Wir wanderten immer schneller, wodurch wir mehr schwitzten, wodurch noch mehr Gelsen angelockt wurden, wodurch wir noch schneller wanderten, usw. Die Wanderung wurde schon bald zu einem kleinen Lauf und so fanden wir uns schon in der Hälfte der geplanten Zeit an unserem Auto wieder. Dort angekommen holten wir nochmal alles aus uns heraus und liefen zum Abschütteln der Gelsen erst eine Runde um den Van, um dann die Tür aufzureißen, hineinzuspringen und das Auto so schnell wie möglich wieder zu verschließen. Leider gibt es von der eigentlich echt schönen Wanderung auch nur wenig Fotos, da das Stehenbleiben zum Fotografieren unmöglich war.

Nachdem wir nun ordentlich durchgeschwitzt waren fuhren wir abermals zum See, um danach erfrischt und gewaschen auf Stellplatzsuche für die Nacht zu gehen.

Es ging durch verwachsene Schotterstraßen und Wasserlacken, bis wir plötzlich am Fuß eines Hügels standen, wo wir uns sofort wohlfühlten. Wir spazierten den Hügel hinauf, gönnten uns ein Sonnenuntergangsbier und danach eine Jause im Van. Da es leicht zu nieseln begann, spielten wir noch Phase 10 im Bus und genossen dann beim Einschlafen die Naturgeräusche und den beruhigenden Regen auf unserem Dachzelt.

Freitag Morgen wanderten wir abermals den Hügel hinauf und kletterten auf die sich dort befindenden Felsen, von denen aus wir eine tolle Aussicht auf den nebligen Wald hatten.

Den Nachmittag verbrachten wir in Kis-Balaton (Klein-Balaton), wo wir gemütlich durch das Naturschutzgebiet spazierten und Tiere beobachteten. Besonders die kleinen Babyenten, die es ihrer Mutter nachtaten und nach Fressen suchten, hatten es uns angetan.

Langsam aber sicher bekamen wir Hunger und schnell hatten wir uns darauf geeinigt, Pizza essen zu gehen, da dies fast schon Urlaubstradition für uns ist. Leider stellte sich die Suche nach einer Pizzaria kniffliger als gedacht heraus. Die erste Pizzaria hatte geschlossen, einige schauten nicht sehr vertrauenswürdig aus und als wir endlich ein passendes Restaurant gefunden hatten, uns zwei Pizzen ausgesucht hatten und diese bestellen wollten, teilte uns der Kellner bedauernd mit, dass es erst am Abend Pizzen geben würde. Ein wenig enttäuscht bestellten wir dann beide das slowakische Nationalgericht, welches sich als Spätzle herausstellte und sehr gut schmeckte.

Nach dem Essen starteten wir eine etwas längere Fahrt Richtung Norden, wo wir in der Nähe von Györ einen wunderschönen Stellplatz an der Donau fanden. Leider mussten wir gleich nach dem Aussteigen feststellen, dass es auch hier (wohl durch den sehr nassen Mai) übermäßig viele und überdurchschnittlich nervige Gelsen gab. So schnell wir konnten sprangen wir in die Donau und auch wieder hinaus und hinein in den Bus, wo wir erst ungefähr 30 Gelsen töten mussten, bevor wir es uns gemütlich machen konnten.

Leider waren die Mosquitos wirklich so nervig, dass wir das Abendessen nach drinnen verlegen mussten. So probierten wir aber unseren Gasherd aus, auf dem wir uns Champignons und Fladenbrote kochten. Die Nacht verbrachten wir mit offenen Fenstern (allerdings mit Mückennetzen!) im Dachzelt und sie wurde zu meiner Lieblingsnacht, da ich mich durch die Geräusche rundherum wie im Dschungel fühlte.

Der Samstagmorgen begann dramatisch. Die Gelsen verhinderten unsere Pläne, gemütlich im Freien am Fluss zu frühstücken und in diesem zu baden und beeinflussten damit meine Laune so sehr, dass Flo alle Hände voll zu tun hatte, um mir eine Dusche mit Haarewaschen und damit eine Launenbesserung zu ermöglichen. Irgendwo am Waldrand bauten wir unsere Außendusche auf und während ich so schnell wie möglich versuchte meine Haare zu waschen, wachelte Flo wie wild mit seinem Handtuch um mich herum, um die hungrigen Biester zu vertreiben.

Nach dieser Aktion ging es mit der Laune Gott sei Dank ganz schnell wieder bergauf und wir trafen uns mit meiner Familie in Orth an der Donau im Besucherzentrum, wo wir Schlangen, Frösche, Schildkröten und andere Tiere beobachten konnten. Ein Highlicht war allerdings die Live-Übertragung aus dem Storchennest, in dem gerade drei Babystörche wohnten.

Weiter ging unsere Reise nach Stopfenreuth, wo wir eine Kanutour in einem der Donauarme gebucht hatten. Christian, unser Ranger, begrüßte uns und erklärte uns wohin wir gehen sollten, während er das Boot schon einmal zum Fluss fährt. Anscheinend dachten wir alle, die anderen hätten eh gut zugehört, denn nach ein paar Minuten Fußmarsch war sich niemand mehr so richtig sicher, ob wir richtig waren. Als dann Christian und das Boot irgendwann doch in unser Blickfeld gerieten, waren wir deshalb ganz schön erleichtert.

Die Tour durch die Auen war wirklich wahnsinnig schön – wir glitten durchs ruhige Wasser, konnten Sumpfschildkröten beim Sonnen beobachten, sahen Seeadler, fanden Biberbaue und unser Ranger kannte jeden Vogel am Zwitschern, jede Fußspur der Säugetiere und jede Pflanze und ihre Eigenheiten. Drei Stunden lang genossen wir die vielen Informationen und vor allem die Ruhe und das bunte Leben in den Donauauen. Da der Wasserstand gerade ziemlich tief war, musste unser Ranger und die Jungs hin und wieder aussteigen und uns über besonders seichte Stellen schieben und ziehen, woran besonders Flo großen Gefallen fand.

Nach der Tour ließen wir den Tag in einem Restaurant in Orth ausklingen, wo wir Fischspezialitäten und Cremeschnitten genossen und uns mit der Kellnerin anfreundeten, die auch Miriam hieß.

Nachdem unsere Bäuche mehr als voll waren, machten sich die anderen wieder auf den Heimweg, während wir hin und her überlegten, wohin es für uns in dieser letzten Nacht noch gehen sollte. Als wir eigentlich schon auf dem Weg Richtung Süden waren, machte mich Flo auf ein Plakat über ein Autokino in Wien aufmerksam. Als ich das Programm des Tages checkte und dort Fast and Furious 10 lief, den Flo sowieso unbedingt sehen wollte, drehten wir kurzerhand um und sahen uns vom Van aus den Film auf der riesigen Leinwand an.

Erst um 1:30 Uhr war der Film schließlich aus und wir fuhren nach Pinkafeld, wo wir im Wald unseren letzten Stellplatz des Trips fanden.

Am Sonntag fuhren wir zurück nach Graz, um dort Flos Eltern und vor allem seinen Papa zum Vatertag zu überraschen und gemeinsam mit ihnen Essen und spazieren zu gehen.


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