Da Sonja wĂ€hrend ihrer Zeit in Ecuador noch gerne die Wanderung zur Laguna Amarilla am El Altar unternehmen wollte, setzten wir uns abends in ihrer WG in Ambato zusammen und diskutierten darĂŒber, was wir fĂŒr das Campen auf 4200m Seehöhe einpacken sollten. Marion und Paul waren mittlerweile auch in Ambato angekommen und auch Franz, (Sonjas MitvoluntĂ€r) sowie Josue und Marlon (ecuadorianische Freunde von Sonja) schlossen sich uns an, sodass wir eine kleine Wandergruppe wurden, in der zugleich auf Deutsch, Spanisch und Englisch geredet, ĂŒbersetzt und gestikuliert wurde.

Um die lange Wanderung in einem Tag zu schaffen standen wir extra frĂŒh auf, kochten uns Tee und machten uns dann mit Sack uns Pack via Taxis und Bus auf den Weg nach Riobamba. Wie genau wir von dort weitergelangen wĂŒrden bzw. wo genau sich der Ausgangspunkt der Wanderung befand wusste zu diesem Zeitpunkt noch niemand so recht. Obwohl ich sonst eher ein Planungsmensch bin, kann ich diese Lockerheit und GemĂŒtlichkeit komischerweise sehr gut leiden und genieße es richtig, mich einfach „treiben“ zu lassen, zu schauen was passiert und mir nicht schon im Vorhinein Gedanken zu machen. Denn irgendwie kommen wir immer ans Ziel – dann lieber ohne viel Stress und Vorplanen.

Zu spĂŒren war diese Lockerheit auch, als wir es uns in Riobamba erstmal in einer Art BĂ€ckerei gemĂŒtlich machten und ausgiebig frĂŒhstĂŒckten und tratschten, bevor wir uns um die Weiterfahrt kĂŒmmerten. Dadurch dass die HĂ€lfte unserer Truppe fließend Spanisch spricht, war der richtige Terminal bald gefunden und ein Bus brachte uns irgendwo ins Nirgendwo auf 3000m, wo sich laut GoogleMaps eigentlich keine Straßen mehr befanden. Vor einem kleinen Haus setzte der Busfahrer uns schließlich ab und durch Fragen kamen wir an das Haus von zwei Park-Rangern, die uns streng erklĂ€rten, dass wir uns fĂŒr die Wanderung registrieren und vor spĂ€testens einer halben Stunde losgehen hĂ€tten mĂŒssen, um noch auf den Berg zu dĂŒrfen. Franz ließ seinen ganzen Charme spielen, gab dem Bus die Schuld an unserem spĂ€ten Erscheinen und erklĂ€rte, dass seine Freunde aus Österreich EXTRA fĂŒr diese Wanderung angereist wĂ€ren. Die Ranger ließen sich schließlich ĂŒberreden, doch schon wenige Meter spĂ€ter standen wir vor dem nĂ€chsten Problem: Ein Bauer, der im Besitz des Landes rundherum war, ließ uns auf Biegen und Brechen nicht weitergehen, da wir zu spĂ€t dran waren. Er meinte er wĂ€re auf seinem Land fĂŒr uns verantwortlich und da die Wanderung 8 Stunden dauert und der Weg durch den vielen Regen der letzten Tage schwerer begehbar war, wollte er uns um diese Zeit nicht mehr losgehen lassen. Dieses mal halfen auch die ÜberredungskĂŒnste von Franz nichts und selbst als wir den Ranger von unten dazuholten, der ohne mit der Wimper zu zucken fĂŒr uns log und beteuerte, wir wĂ€ren um Punkt 11:00 Uhr da gewesen, ließ sich der Bauer nicht ĂŒberreden. Nach ewig langer Diskussion mussten wir uns schließlich geschlagen geben und beschlossen die Wanderung um einen Tag zu verschieben.

Um den Tag trotzdem noch zu nutzen, wollten wir einen anderen Berg ein StĂŒck hinaufwandern, um dort unsere Zelte fĂŒr die Nacht aufzuschlagen. Der Berg erwies sich als sehr steil und mit unseren schweren RucksĂ€cken war das Gehen in der prallen Sonne ziemlich anstrengend, sodass wir sehr erleichtert waren, als wir nach ca. zwei Stunden eine Anhöhe erreichten, die sich perfekt als unser Nachtlager eignete. Zwischen Pferd und KĂŒhen bauten wir also unsere Zelte auf und genossen den Abend mit Lagerfeuer und Steckerlbrot ohne Stecken. Diese waren auch nicht notwendig, da wir in einer kleinen HĂŒtte eine modifizierte Autofelge fanden, die sich perfekt als Grillrost eignete. Unser gemeinsamer Abend wurde schließlich noch perfekt durch einen wunderschönen Sonnenuntergang abgerundet.

Als wir am nĂ€chsten Morgen aus den Zelten krochen, war unter uns nur Nebel zu sehen, wodurch eine mystische Morgenstimmung entstand. Nach und nach kamen alle aus den Zelten gekrochen und wir nahmen ein FrĂŒhstĂŒck, bestehend aus Keksen und einem Orangensaft der im Kreis herumgereicht wurde, zu uns.

Da wir nun am Vortag schon zwei Stunden den Berg hinaufgegangen waren beschlossen wir, den Weg weiter zu verfolgen, statt alles wieder hinunter und ein wenig weiter nochmals hinaufzugehen. Dass wir dabei eine Lagune finden wĂŒrden hofften wir einfach. Also ging es weiter, immer bergauf, wĂ€hrend sich uns eine unglaublich schöne Aussicht bot.

Irgendwann merkten wir, dass mit jedem Höhenmeter die Luft deutlich dĂŒnner wurde und wir versuchten dem Druck in unseren Köpfen mit CocablĂ€ttern entgegenzuwirken, die wir kauten. Als wir schließlich bei 4000m ankamen, gingen wir nur mehr sehr langsam und waren dann froh, als bei 4200m plötzlich tatsĂ€chlich eine kleine Lagune vor uns auftauchte. Wir schlugen unsere Zelte auf und legten uns zum Ausruhen in die Wiese.

WĂ€hrend unseres Nickerchens verabschiedete sich leider die Sonne und ein starker Wind sowie leichter Regen setzten ein. In Marions und Pauls ziemlich kaputten Zelt hatte sich schon bald eine Wasserlacke gebildet und auch das Zelt von Marlon und Franz wirkte so, als wĂŒrde es jeden Moment den Geist aufgeben. Da uns die Lage in dieser Höhe und der KĂ€lte zu gefĂ€hrlich wurde und wir noch die ganze – bestimmt sehr kalte Nacht – vor uns hatten, bauten wir unsere Zelte wieder ab und gingen ein paar Höhenmeter nach unten, wo wir die kaputten Zelte in eine kleine HolzhĂŒtte stellen konnten. Auch die Sonne entschied sich dazu zurĂŒckzukommen und so konnten wir nicht nur einen wunderschönen Sonnenuntergang mit Aussicht auf den Tungurahua und den Chimborazo, sondern auch ein anschließendes gemĂŒtliches Beisammensitzen am Lagerfeuer genießen.

Die Nacht auf 3800m war ziemlich kalt, was aber fĂŒr noch mehr GesprĂ€chsstoff am nĂ€chsten Tag sorgte, war ein undefinierbares GerĂ€usch, das wir in der Nacht gehört hatten. Die Theorien ĂŒber dessen Herkunft reichten von einer gebĂ€renden Kuh, ĂŒber MilitĂ€rsdrohnen bis hin zu einem UFO das ĂŒber uns kreiste. Schlussendlich einigten wir uns auf das UFO, da alles andere nicht erklĂ€rbar gewesen wĂ€re.

Nach dem Abstieg und der RĂŒckfahrt nach Ambato zeigte Sonja uns einen Mexikaner, wo wir ĂŒberdimensional große Burritos verspeisten, auf die wir uns schon mehr als gefreut hatten, nachdem wir die letzten drei Tage sehr sparsam mit dem Essen umgehen mussten, das wir eigentlich nur fĂŒr zwei Tage gepackt hatten. Die Riesenburritos waren der perfekte Abschluss fĂŒr unsere 3-Tages-Campingtour.


4 Kommentare zu „Die Suche nach der Laguna Amarilla 🏕“

  1. Avatar von Andrea Ulz
    Andrea Ulz

    noch einmal musste ich diese aufregende Tour lesen und stellte mir vor, wie es euch so ging – es ging euch gut! Trotz der Anstrengungen, der Höhe, des steilen Aufstiegs, der KĂ€lte habe ich beim Lesen den Eindruck, ihr meistert jede Lage mit einer tollen Einstellung. Bravo! Alles Gute

    1. Avatar von miriamabroadblog

      Danke fĂŒr die lieben Worte! 😘

  2. Avatar von Astrid Zach
    Astrid Zach

    Wahnsinns Geschichte! Und die wunderschönen Bilder

    1. Avatar von miriamabroadblog

      đŸ€—

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