Einen unserer letzten Tage in Ecuador verbrachten wir mit einer wunderschönen Wanderung im Cajas Nationalpark, den wir am Beginn unserer Reise schon gemeinsam mit Sonja, Marion & Paul besucht haben. Damals war uns ziemlich kalt, dieses mal hatten wir mehr Glück und die Sonne strahlte, was die Landschaft noch schöner wirken ließ. Zwischendurch versuchte Flo Kuhglocken und Muhen zu imitieren, um ein Almfeeling herzustellen (was ihm mittelgut gelang).


Im Park fanden wir ein kleines Restaurant, bei dem Flo eine selbstgemachte Angel in die Hand gedrückt bekam und unsere Forellen für das Mittagessen selbst fischen durfte.

Danach ging es für uns noch weiter in den Süden durch die Stadt Cuenca, wo wir verzweifelt versuchten ein Mosquitonetz zu finden. Jeder Verkäufer den wir fragten schickte uns entweder in eine andere Abteilung oder gleich in einen anderen Shop, wo es das Netz „sicher gibt!“. Leider waren wir nach mehreren Stunden immer noch nicht fündig und legten eine Nachtpause an der Tankstelle ein, bevor wir uns am nächsten Morgen wieder in die Geschäfte stürzen wollten. Wir begannen am nächsten Tag mit einer anderen Filiale einer Kette, die wir schon besucht und in der wir von Abteilung zu Abteilung geschickt wurden. Nachdem wieder einige Mitarbeiter die Existenz eines Mosquitonetzes verneinten und wir kurz vorm Aufgeben waren, hatte ich die Eingebung einem Abstecher in die Stoffabteilung zu machen. Und siehe da: Nur wenig später stand ich vor einer Auswahl an acht verschiedenen Mosquitonetzen in unterschiedlichen Farben, Stärken und Materialien. Hat sich das lange Suchen doch gelohnt! 😃
Unseren letzten Stopp in Ecuador legten wir in Vilcabamba ein, das als „Tal der 100-Jährigen“ gilt, da die Menschen hier wohl eine überdurchschnittlich hohe Lebenserwartung aufweisen. In den letzten Jahren wurde das Dorf ziemlich „gringoisiert“ – wir haben noch nirgendwo anders so viele Menschen aus Europa und der USA gesehen. Überall werden Yoga, Massagen und Meditationen angeboten und wir hatten ein wenig das Gefühl in eine gemütliche Hippie-Welt eingetaucht zu sein. Die gemütliche Atmosphäre des Dorfes nutzten wir voll aus, blieben drei Nächte am Fluss und arbeiteten an unserem Van: Wir brachten die Mosquitonetze an, Flo baute neue Ladebuxen ein, die Matratze bekam ein Update (haben jetzt quasi ein Boxspringbett 😎), die Dichtungen an den Türen wurden kreativ erneuert und wir schnitten, klebten und bastelten wie wild an unseren neu erstandenen Isolierungen für die Fenster herum, bis jedes Fenster sein individuell passendes Teil hatte. Beim Werkeln kam uns der Gedanke, unser Auto „Pfuschi“ zu nennen, da uns das an diesem Punkt irgendwie passend erschien. Nach so manchem Eingriff stehen wir nämlich anschließend vor unserer Arbeit, schauen sie uns an und müssen einfach nur lachen, vor lauter Pfusch.


Am letzten Tag in Vilcabamba unternahmen wir noch eine Wanderung auf den Cerro Mandango bevor wir uns auf zur Grenze nach Peru machten.



Die Fahrt zur Grenze führte durch einen Nationalpark und war dementsprechend schön, auch wenn es die letzten 100 km auf den unbefestigten Straßen nur sehr langsam voranging. Die Grenze auf der ecuadorianischen Seite bestand aus zwei Gargen mit jeweils einem Angestellten hinter einem kleinen Schreibtisch. Ein einziger Polizist war anwesend, schleckte gerade genüsslich an seinem Eis und war anscheinend gleichzeitig auch noch als DJ für die lautstarke Musik zuständig.
Statt wie sonst in den Computer eingegeben, wurden in den Garagen unsere Daten per Hand gemächlich auf einem Zettel ausgefüllt, der dann in die Schublade des Tisches gelegt wurde. Anscheinend fehlte es an der Grenze auch an Internet, Stempel bekamen wir aber trotzdem ganz förmlich in unsere Pässe gedrückt, was uns ein wenig erleichterte.
Einer der Männer erhob sich schließlich um uns eine Schranke zu öffnen, die wir passierten, um gleich darauf vor einer weiteren Hürde aus Verkehrshütchen zu stehen. Leider war weit und breit niemand zu finden, weshalb wir die Hütchen einfach selber entfernten, weiterfuhren und sie dann wieder aufstellten. Auf der peruanischen Seite war die Einreise auch relativ einfach, wobei wir uns aber wunderten, weshalb die Mitarbeiterinnen von mir Fingerabdrücke und Foto brauchten und von Flo stattdessen nur seinen Beziehungsstatus und Beruf wissen wollten. Naja – die 90-tägige Aufenthaltsgenehmigung erhielten wir jedenfalls problemlos, weshalb wir uns als nächstes an die zuständige Stelle für die Einreise unseres Autos wenden konnten. Auch hier wurde uns überaus freundlich geholfen, wobei wir dem Mann bei unserem Enddokument noch zwei mal etwas austipexen lassen mussten. Soooo genau hatte er das Ausfüllen nämlich nicht genommen. Am Ende wollten plötzlich noch zwei Männer unser Auto auf mitgeführtes Obst überprüfen, welches sie aber vor lauter Freude über unser Minibett im Bus ganz übersahen.

Die Einreise war damit geschafft und wir freuten uns über die Straße, die plötzlich asphaltiert weiterging. Schon bald fiel uns auf, dass jedes zweite Haus Kaffeebohnen zum Trocknen vorm Haus liegen hatte. Wenn kein Vorplatz vorhanden war, lag der Kaffee auch gerne mal einfach mitten auf der Straße, manchmal noch mit Hühnern oder einem schlafenden Hund darauf. Außerdem wurden wir nicht nur, wie wir es mittlerweile schon gewohnt sind, mit offenen Mündern angestarrt, sondern auch fröhlich mit Gewinke begrüßt. Ich glaube ich kriege nie genug davon durch Dörfer zu fahren, die Leute anzulächeln und immer freudestrahlend gegrüßt oder zurück-angelächelt zu werden.
Bei der langen Fahrt fiel uns auch auf, dass andauernd so viele lustige Sachen passieren bzw. zu sehen sind, bei denen wir früher sofort den Fotoapparat gezückt hätten, die uns jetzt aber gar nicht mehr richtig auffallen. Wir haben das alltägliche Chaos hier irgendwie richtig lieben gelernt und wenn die Leute im Tuktuk vor uns vor lauter Uns-Anstarren ihr Bügeleisen auf der Straße verlieren oder auf der einspurigen Fahrbahn plötzlich ein LKW, zwei Motortaxis und ein Motorrad nebeneinander fahren, gehört das einfach dazu.



Um uns eine peruanische SIM-Karte zu kaufen, unser Geld in Soles umzutauschen und um die verpflichtende Versicherung für den Bus abzuschließen, steuerten wir die Stadt Jaen an. Da im Büro der Versicherungsfirma klassischerweise gerade das Internet nicht funktionierte, mussten wir ein wenig Wartezeit überbrücken und trafen dabei plötzlich ein französisches Paar, mit dem wir schon an der Grenze kurz gesprochen hatten. Wir beschlossen gemeinsam einen Kaffee trinken zu gehen und fanden dabei heraus, dass die beiden seit einem Jahr nur per Autostopp unterwegs sind. Und das krasseste: Sie sind auch per Autostopp (oder besser gesagt „Bootstopp“) von Spanien bis nach Südamerika gereist, was ungefähr 6 Monate gedauert hat und sehr spannend war! Wir hingen nur so an den Lippen der beiden Abenteurer und waren echt traurig, dass wir sie aus Platzmangel nicht auch ein Stück im Bus mitnehmen konnten.
Da wir uns im amazonischen Andengebiet befanden, war die Landschaft geprägt von Bergen mit Regenwäldern und schon alleine die Autofahrten durch tiefe Canyons waren Highlights. Die Gegend ist außerdem bekannt für ihre unglaublich hohen Wasserfälle, die wir natürlich besuchen wollten. Eine Schotterstraße ging es den Berg hinauf, durch ein minikleines Dorf hindurch, bis zum Startpunkt der Wanderung zum Yumbilla Wasserfall. Der Weg führte mitten durch den Regenwald, dessen Name nicht von irgendwo kommt, denn ungefähr bei der Hälfte der Wanderung fing es plötzlich heftig an zu schütten. Wir hatten das Glück dass wir uns gerade bei einer überdachten Aussichtsplattform befanden, die wir dann für eine kleine Yoga-Session nutzten, während wir auf das Abklingen des Regens warteten. Als wir schließlich nach drei Stunden am mächtigen Wasserfall ankamen, waren wir ganz verzaubert. Dass uns die gesamte Wanderung auch niemand begegnete, machte den ganzen Ort irgendwie magisch. Flo konnte sich natürlich gar nicht mehr halten und musste unbedingt in den Fällen duschen, was er dann auch versuchte. Der Wind an den Fällen war so stark, dass auch ich beim Fotografieren komplett nass wurde, obwohl ich einige Meter Sicherheitsabstand hielt.



Nach diesem Ausflug fanden wir auch noch den perfekten Schlafplatz auf einem Berg, von dem aus wir nicht nur die umliegenden Berge überblickten, sondern auch noch direkte Sicht auf den 700 Meter hohen Gocta Wasserfall hatten, den wir am nächsten Tag besuchen wollten. Den Abend verbrachten wir mit gemütlichem Kochen bei Sonnenuntergang und später unter klarem Sternenhimmel, als Flo plötzlich mit einem Schrei aufsprang. Auf seiner Hand saß nämlich eine riesige Spinne, die ihn ganz schön erschreckt hatte. Die Spinne war genauso erschrocken und schaute dass sie wegkam.

Als wir am nächsten Morgen zum Startpunkt der Wanderung fahren wollten, standen wir plötzlich vor einer Baustelle mitten auf der Straße und ein Baggerfahrer ließ uns wissen, er würde den Riesenhaufen Erde begradigen, um uns Passieren zu lassen. Wir warteten also und beobachten dabei wie die Bauarbeiter die Motorräder der anderen vorbeiwollenden Menschen einfach über die Baustelle trugen. Wir waren wohl die einzigen mit Auto hier, was die Sache leider erschwerte. Irgendwann hatte uns der Baggerfahrer jedoch tatsächlich einen Weg freigeschaufelt, doch als wir uns weiter auf den Weg den Berg hinunter machen wollten, stellten wir fest, dass auch diese Straße gesperrt war, sodass wir uns entschieden, eine andere Wanderung zum Wasserfall als geplant zu machen.
Diese Enscheidung bereuten wir nicht, denn der Weg war richtig gut ausgebaut. Es ging auf und ab und wir waren weit nicht die einzigen auf der Wanderung. Eine Schulklasse Jugendlicher schlich immer wieder um uns herum, bewunderte unsere Gopro und fanden scheinbar vieles an uns „bekichernswert“. Irgendwann brachte einer von ihnen den Mut auf, uns nach einem Foto zu fragen und als wir zustimmten, strömten plötzlich von allen Seiten Jugendliche auf uns zu, um auch auf dem Foto drauf zu sein. Am Ende wurde es ein riesiges Gruppenfoto.
Flo war verrückt genug sich am Wasserfall ins Wasser zu wagen, was (laut Flos Bericht danach) „arg kalt aber nice“ war.


Am Parkplatz für die Wanderung konnten wir gleich über Nacht bleiben und hatten so sogar eine Toilette die wir benutzen konnten. Unsere Nachbarn waren zwei Italiener in einem super modernen Camper mit allen Luxusgadgets die man sich nur vorstellen kann. Glücklicherweise waren sie sehr nett und gaben uns das Passwort für ihr Satelliten-Internet, mit dem wir mit meiner Cousine Astrid telefonieren konnten, deren Geburtstagsfeier an dem Tag stattfand. Später duschten wir noch mit dem Schlauch zum Autowaschen und waren die glücklichsten Menschen wegen der kalten Dusche mit unlimitiert viel Wasser.
Als wir das Dorf erfrischt über die einzige mögliche Straße wieder verlassen wollten, mussten wir feststellen, dass diese wieder gesperrt war. Die Straßenarbeiter erklärten uns, die Straße wäre noch bis 14:30 Uhr unbefahrbar (was erst in drei Stunden war), weshalb wir uns dann im Dorf ein Mittagessen suchten.
Auf der anschließenden Fahrt nach Nuevo Tingo hatten wir unsere zweite Polizeikontrolle in Peru. Beide verliefen weit glücklicher als in Ecuador. Einmal waren zwar unsere dunklen Scheiben wieder Thema, aber der Polizist meinte wir dürfen weiterfahren weil wir Ausländer sind. 😅
Nuevo Tingo ist ein Mini-Dorf, das von einem Hügel auf ein Flusstal herabschaut. An diesem Fluss fanden wir ein schönes Plätzchen für die Nacht, wo wir Mücken-Risotto kochten, da diese trotz aller Bemühungen nicht ganz vom Essen fernzuhalten waren.
In der Früh fuhren wir die Serpentinen hoch nach Nuevo Tingo um eine Jause für die Wanderung zu kaufen, die wir geplant hatten. Es stellte sich als gar nicht so einfach heraus in dem kleinen Dorf Brot zu finden und wir wurden mal wieder von Shop zu Shop geschickt, bis wir schließlich doch noch eine kleine Panaderia (Bäckerei) fanden. Währenddessen hatten wir in den vielen anderen kleinen Shops noch Kekse, Gemüse und andere Kleinigkeiten zusammengesammelt, sodass wir am Ende eine gute Jause beisammen hatten. Die war auch wirklich notwendig, denn unsere Wanderung führte 1300 Höhenmeter bergauf, bis wir schließlich nach vier Stunden wandern in der Einöde in ein Dorf kamen. Wir konnten es fast nicht fassen, dass sich hier oben – am Ende des langen, steilen Wanderweges – tatsächlich Häuser befanden! Wie überall hier gab es sogar einen kleinen Fußballplatz und wir wurden wieder sehr freundlich von den Dorfbewohnern begrüßt. Solche Dörfer lassen mich immer darüber nachdenken, wie mein Leben wohl aussehen würde, wäre ich hier aufgewachsen. Schon krass wie sehr der Ort an dem wir geboren werden unser Leben bestimmt.

Unser eigentliches Ziel war jedoch nicht besagtes Dorf, sondern die Festung Kuelap, die vor ungefähr 1000 Jahren gebaut wurde und noch erstaunlich gut erhalten ist. Leider mussten wir feststellen dass für den Besuch der Stätte Tickets notwendig gewesen wären, die wir nun leider nicht hatten. Glücklicherweise hatte der Securityguard wohl Mitleid mit uns – wir sahen nach den vier Stunden bergauf wohl auch dementsprechend mitleidserregend aus. Er schummelte uns irgendwie durch den Eingang, wo wir uns unter die anderen Besucher mischen konnten und Helme aufgesetzt bekamen. Der Sicherheitsmann hatte uns 20 Minuten zur Besichtigung gegeben, sodass wir im Eilgang durch die Festung flitzten. Der Eingang besteht aus einem trichterförmigen Gang der am Ende immer enger wird, um Eindringlinge besser abwehren zu können. Innerhalb der Festung stehen noch die Fundamente unzähliger runder Häuser, deren Steinmauern mit Tieren und Mustern beschmückt sind.






Nach dem Abstieg, der unsere Beine nochmal ganz schön beanspruchte, schmissen wir uns zum Duschen in den eiskalten Fluss. Dabei versuchten wir uns zu erinnern, wann wir das letzte mal warm geduscht haben. Das letzte mal halbwarm war vor 5 Wochen, an die letzte warme Dusche können wir uns nicht mal mehr erinnern. 😄 Aber auch wenn es manchmal Überwindung braucht – wir lieben das Baden im Fluss und das Gefühl danach, wenn man richtig frisch und munter ist. Außerdem haben wir mittlerweile eine gute Taktik entwickelt und sind auch schon im Waschen meiner langen Haare Profis. 😎
Für die unglaubliche Dankbarkeit, die wir verspüren, wenn wir einfach nur sauberes Wasser zum Waschen haben, das noch nichtmal warm ist – dafür reisen wir. Wir haben so viel mehr als wir eigentlich brauchen und wünschen uns trotzdem oft noch mehr. Es tut gut, sich einmal auf das Minimum zu reduzieren und dabei festzustellen, wie wenig man eigentlich benötigt, um glücklich zu sein. Flo meinte letztens, es ist schon lustig wie klein unsere Wünsche werden können. Zuhause beim Trinken des Kaffees wünscht man sich den leckeren Kaffee aus einer Siebträgermaschine. In den Restaurants hier in Südamerika wünscht man sich beim Trinken des Löskaffees den Kaffee aus der Maschine zu Hause. Beim Trinken des Löskaffees beim Campen wünscht man sich den Kaffee aus den Restaurants hier. Und beim Versuch im Dschungel mit dem Kaffee zu sparen, weil eine kleine Packung für drei Personen und vier Tage reichen muss, wünscht man sich den großen Löskaffee vom Campen, von dem man nach Lust und Laune nachfüllen kann.
Ob Dusche oder Kaffee – es gibt sooo viele Dinge in unserem Alltag über die wir uns freuen können! Anscheinend muss man daran einfach ab und zu erinnert werden.
