Unsere nĂ€chste Mission: Nochmal in den Amazonas, dieses mal aber lĂ€nger und tiefer in den Dschungel hinein. Ausgesucht haben wir uns als Ausgangspunkt fĂŒr dieses Vorhaben Yurimaguas, da diese „Stadt“ schon relativ weit im Amazonasgebiet liegt und trotzdem gut mit dem Auto zu erreichen ist. Dadurch, dass wir wieder von den Bergen hinunterfuhren, wurde es auch wieder wĂ€rmer und die vielen Stunden Autofahrt waren wieder extrem heiß, was uns nach der Hitze der KaribikkĂŒste aber nicht mehr umhaute.

Als wir in Yurimaguas ankamen, fuhren wir erst mal mindestens 3x gegen die Einbahn und fanden uns plötzlich mitten in einem Markt wieder, aus dem wir nur mĂŒhsam herauskamen. Als wir es irgendwie wieder aus dem Gewusel aus Menschen, Tieren und jeglichen GegenstĂ€nden auf den engen Straßen herausgeschafft hatten, fragten wir in einem Hotel nach einer Möglichkeit einer Dschungeltour und erhielten eine Telefonnummer von einem Anbieter. Mit diesem handelte Flo den gesamten restlichen Tag per Whatsapp, bis er uns einen super Preis herausgeschlagen hatte. Da wir noch einen Tag vor der Tour Zeit brauchten, um unsere WĂ€sche zu waschen, verbrachten wir die Nacht auf einem LKW-Parkplatz. Unser kleiner Bus wirkte zwischen den ganzen Riesentrucks winzig, was die LKW-Fahrer scheinbar ganz schön amĂŒsierte, denn wir wurden von allen Seiten neugierig beĂ€ugt und freundlich begrĂŒĂŸt. Bereitwillig teilten sie auch ihre Dusche mit uns, was nach dem heißen Tag wirklich eine Wohltat war.

Unser Van fĂŒhlte sich zwischen den Trucks so wohl, dass er am nĂ€chsten Morgen, nach einem FrĂŒhstĂŒck am Parkplatz, nicht mehr anspringen wollte. Wir fragten den erstbesten Menschen, den wir trafen, um Hilfe und dieser stellte sich als Tankstellen-Mitarbeiter heraus, der uns die Batterie eines Generators ausbaute und als Starthilfe zur VerfĂŒgung stellte. Leider wollte unser Bus trotz der Starthilfe nicht anspringen, und so lag Flo wenig spĂ€ter unter dem Wagen und werkelte daran herum. Der Schweiß rann uns in der prallen Sonne schon wieder in BĂ€chen herunter, dabei hatten wir erst 15 Minuten zuvor geduscht. Als irgendwann der Mann kam, um nach uns zu sehen, wollte Flo ihm zeigen, dass der Bus trotz Starthilfe nicht ansprang. Und siehe da: Plötzlich startete der Bus, als wĂ€re nie etwas gewesen. Flo hatte nur den Starter einmal ab- und wieder anmontiert und wir wissen bis jetzt nicht genau, was das Problem war. Hauptsache aber, dass unser Bus wieder einsatzfĂ€hig war und wir uns auf die Suche nach einer WĂ€scherei machen konnten.

Wir trauten uns nicht den Van gleich wieder abzustellen, da wir die Batterie ein wenig aufladen wollten. Leider schließen sich unsere vorderen TĂŒrschlösser beim Anstarten automatisch und gehen erst beim Abstellen wieder auf, was zu gelenkigen Kletteraktionen durch die hintere TĂŒr aus dem Bus hinaus und wieder hinein fĂŒhrte. Als wir den Bus eine Stunde spĂ€ter abstellten, ließ er sich danach wieder problemlos anstarten und bis jetzt – ca. 2 Wochen spĂ€ter – hatten wir keine Probleme mehr mit dem Starten. đŸ‘đŸŒ

Unsere PechstrĂ€hne des Tages war jedoch leider noch nicht vorbei, denn als wir von Geldautomat zu Geldautomat spazierten, waren diese allesamt leer. Die einzige Bank die noch Geld im Automaten hatte, verlangte 10€ Fees, was wir nur ungern bezahlen wollten. ZufĂ€llig fanden wir dann doch noch eine kleine Bank, bei der wir fĂŒr etwas geringere Fees Geld abheben konnten, leider jedoch nicht genug um unsere Dschungeltour bezahlen zu können. Trotzdem trafen wir uns im Hotel mit dem Tourveranstalter und schilderten ihm unser Problem. Dieser wiederum erklĂ€rte uns, ein naher Geldautomat wĂŒrde gerade nachgefĂŒllt werden, weshalb wir uns erneut auf den Weg dorthin machten. TatsĂ€chlich klappte das Abheben dieses Mal und vor lauter Euphorie schnappten wir das Geld und ließen unsere Kreditkarte stecken. Als wir dies wenige Minuten darauf feststellten, war unsere Karte schon eingezogen worden. Zu unserem GlĂŒck sprach eine Praktikantin des Hotels Englisch, also erklĂ€rten wir ihr was passiert war, sie erklĂ€rte es ihrer Ausbildnerin, diese erzĂ€hlte es ihrem Chef und dieser rief jemanden von der Bank an, der versprach sich zu melden. Zwei Stunden spĂ€ter tat dieser das auch tatsĂ€chlich und ließ uns ausrichten, zur Hauptfiliale der Bank in die Stadt zu kommen. Ein motivierter, junger Hotelangestellter schwang sich sofort auf ein Mototaxi, mit dem er uns zur Bank brachte, wo wir von zwei finster dreinblickenden Security-MĂ€nnern an der TĂŒr empfangen wurden. Aus unerfindlichen GrĂŒnden meinten die Securitys, sie wĂŒrden uns nicht in die Bank lassen, doch unser netter Chaffeur ließ sich nicht abwimmeln und diskutierte so lange mit den bewaffneten MĂ€nnern, bis diese ca. 30 Minuten spĂ€ter mĂŒrrisch die TĂŒr fĂŒr uns öffneten. Wir wurden in ein Hinterzimmer gebracht, wo ein Mann mit dicker Uhr und Kette uns mitteilte, dass wir aus „SicherheitsgrĂŒnden“ unsere Karte erst in drei Tagen wiederhaben dĂŒrfen. Davon ließ er sich trotz aller ÜberredungskĂŒnste unseres Freundes nicht abbringen, also mussten wir uns geschlagen geben.

Nachdem der gesamte Tag mit der Auto- und Geldautomaten-Sache draufgegangen war beschlossen wir uns ein Zimmer im Hotel zu nehmen. Schließlich mussten wir schon um 3:00 Uhr frĂŒh am Boot sein, wollten noch unsere Handys und Kameras laden, duschen und vor allem ein wenig schlafen, um fĂŒr die Tour fit zu sein. Da wir mit unserem Bus auch fĂŒr die nĂ€chsten Tage am ĂŒberwachten Hotelparkplatz stehen konnten, lag es nahe, auch dort zu ĂŒbernachten.

Das Hotel war richtig schön und wir freuten uns sehr auf das Zimmer. NatĂŒrlich hatten wir aber den billigsten Raum gebucht und so wurden wir von der Praktikantin statt in den Bereich aus schönem dunklen Holz mit lauter tropischen Pflanzen in den Keller gefĂŒhrt. Es ging vorbei an der WĂ€scherei, an LagerrĂ€umen und an verstaubten Kisten in dunklen GĂ€ngen, bis wir die TĂŒr erreichten, die wohl die unseres Zimmers sein musste. Das Kellerzimmer war aber eh voll okay, wir hatten ein Bett, ein Klo, eine Dusche und Strom – also alles was wir brauchten. Ironischerweise fiel nach 20 Minuten Handys Laden jedoch der Strom aus und auch das Wasser funktionierte nicht mehr. Flo und ich schauten uns verschwitzt und komplett mĂŒde an und bekamen dann einen Lachanfall, weil die Situation einfach so absurd war. Langsam fing ich mir an Sorgen zu machen, das Universum wollte uns von unserer Dschungeltour abhalten. 😅

So schnell lassen wir uns aber nicht unterkriegen und so standen wir – frisch geduscht, wohlgemerkt – pĂŒnktlich um 3:00 Uhr frĂŒh am Hafen. Mit einem Boot ging es dann vier Stunden den Fluss aufwĂ€rts in das Dorf Lagunas mitten im Wald.

Am Hafen Lagunas wurden wir sofort von dutzenden Menschen belagert, die uns Essen und Trinken verkaufen wollten. Zwei Polizisten geleiteten uns aber freundlich durch die durcheinanderrufenden VerkĂ€ufer, und ĂŒber steile Lehmtreppen erreichten wir die „Straße“. Dort wurden wir sofort von einem Mann begrĂŒĂŸt, der sich als Javier (unser Guide fĂŒr die nĂ€chsten Tage) entpuppte. Auf seinem Mototaxi brachte uns Javier ins „BĂŒro“ der Agentur, wo wir Dokumente ausfĂŒllen und unterschreiben sollten. Leider befand sich im BĂŒro nichts außer ein Tisch, ein Schildkrötenpanzer und eine Flusskarte der Gegend (Straßenkarte braucht man hier ja keine 😃). Da also auch kein Stift aufzutreiben war, beschlossen wir zuerst zu Javier nach Hause zu fahren, wo dessen Frau FrĂŒhstĂŒck fĂŒr uns vorbereitet hatte. Als wir vom Mototaxi stiegen, konnte ich meinen Augen kaum trauen, saß doch tatsĂ€chlich ein Affe vor der TĂŒr und schien uns anzugrinsen. Javier stellte uns den Affen als „Chorro den diebischen Affen des Nachbarn“ vor und Chorro gab sein bestes, uns zu beeindrucken und eventuell etwas von unserem Essen abzubekommen. Als auch seine schwungvolle Show mit den im Haus hĂ€ngenden TĂŒchern erfolglos war, ging Chorro plötzlich langsam auf Flo zu, umarmte dessen rechte Wade und begann diese mit KĂŒssen zu ĂŒbersĂ€en. Wir mussten sehr lachen, da wir damit nun wirklich nicht gerechnet hatten. Wir wussten nicht einmal, dass ein Affe KussgerĂ€usche machen kann. 😂

Nach einem leckeren FrĂŒhstĂŒck beluden wir ein großes Mototaxi mit Essen, Trinken, Kochzeug, Regenponchos, Gummistiefel, Angeln und was wir sonst noch fĂŒr die nĂ€chsten Tage im Dschungel benötigten und fuhren damit ca. 45 Minuten zur Bootseinstiegsstelle. In dem engen Fluss war nur wenig Wasser und Javier erklĂ€rte uns, dass dies an der Trockenzeit lĂ€ge. Diesen Oktober war es aber anscheinend noch trockener als sonst und so wurde der erste Weg am Wasser besonders fĂŒr die beiden Rudernden, Flo und Javier, anstrengend, da diese uns immer wieder aus seichten Stellen ziehen oder stemmen mussten. Nach ca. einer Stunde wurde der Fluss allerdings breiter und die restlichen fĂŒnf Stunden in den Dschungel hinein konnten wir einfach nur genießen. Javier kannte jeden Vogel, jeden Fisch und jede Pflanze und erspĂ€hte Tiere, die wir erst nach langem Hinschauen gerade so erkennen konnten. Wir beobachteten sich gaaaanz langsam bewegende Faultiere, blau-gelbe Papageien saßen in BĂ€umen und flogen ĂŒber unsere Köpfe und wir sahen riesige Adler und Fischreiher sowie fischende Eisvögel. An einer Stelle zeigte uns Javier auch Pumaspuren, die wohl noch vom gleichen Morgen stammten. Es war einfach großartig!

Abends kamen wir an unserem Lager fĂŒr die Nacht an: einer gemĂŒtlichen HĂŒtte auf Stelzen. In einer zweiten HĂŒtte daneben wohnt ein alter Mann, der uns freundlich willkommen hieß, uns die Klo-HĂŒtte zeigte und uns einlud im Fluss zu baden. Er sowie Javier beteuerten, in der NĂ€he des Steges seien keine Piranhas oder Krokodile zu finden und so wagten wir die willkommene AbkĂŒhlung. Ein paar kleine Fische knabberten zwar an unseren Beinen, ansonsten war nach dem Bad aber noch alles an uns dran.

Nachdem wir das leckere Abendessen, das Javier fĂŒr uns am Feuer kochte, verspeist hatten, durften wir uns ein Bett aussuchen und ĂŒberspannten dieses mit einem Mosquitonetz. Bei Kerzenschein saßen wir dann noch ein wenig mit Javier zusammen, der uns Geschichten aus dem Dschungel erzĂ€hlte. Vor dem Schlafengehen nahm er uns nochmal mit nach draußen, um uns in der Dunkelheit leuchtende Augen eines Krokodils zu zeigen. Als wir Javier unglĂ€ubig damit konfrontierten, dass wir nur kurz zuvor hier gebadet hatten, meinte dieser entschuldigend, dass es eventuell doch Krokodile gĂ€be – aber eh nur kleine.

Am nĂ€chsten Morgen wurden wir von wildem Vogelgesang geweckt und ein paar Minuten lagen wir einfach nur da und lauschten den Melodien, bevor wir uns auf zum FrĂŒhstĂŒck machten. Javier hatte am Vorabend noch Netze gespannt und war schon um 4:00 Uhr aufgestanden, um die gefangenen Fische fĂŒr uns zuzubereiten. (Er hatte schon gemerkt wie begeistert Flo vom Fischen ist und wollte ihm wohl eine Freude machen.) So gab es Fischsuppe zum FrĂŒhstĂŒck, was mich kurz ein wenig Überwindung kostete, die dann aber extrem lecker schmeckte.

Nach dem FrĂŒhstĂŒck packten wir unser gesamtes Zeug wieder ins Boot und machten uns auf die Weiterfahrt, noch tiefer in den Dschungel hinein. Auf dieser Fahrt begegneten uns wieder zwei Faultiere, viele Affen, Vögel, ein Krokodil sowie Flussdelfine!

Am frĂŒhen Nachmittag kamen wir dann an unserer zweiten Schlafstelle an. Wieder handelte es sich um ein Haus, dieses Mal war es aber aus Holz gebaut, hatte einen Bambusboden und ein Dach aus PalmenblĂ€ttern. Außerdem gab es nur einen Boden und ein Dach und die WĂ€nde fehlten. 😃

Javier tischte uns wieder ordentlich Fisch und frischen Saft auf, bevor wir uns kurz fĂŒr eine Mittagsruhe auf den herumliegenden Matratzen ausruhten. Die Hitze machte ganz schön mĂŒde!

Nach der Mittagspause schlĂŒpften wir in die Gummistiefel und machten uns auf zu einer Wanderung in den Wald. Javier erklĂ€rte uns jede Menge Heilpflanzen, zeigte uns RiesenbĂ€ume, die hunderte Jahre alt waren, ließ uns Wasser aus Lianen trinken und eine Made kosten. Diese wohnt im Inneren einer Frucht, welche sie im Lauf ihres Lebens auffrisst und nach der sie dann schmeckt.

Plötzlich fing es rund um uns herum an laut zu rascheln und wir fanden uns mitten in einer Affentruppe wieder. Wohin man auch schaute hĂŒpften die Äffchen von Ast zu Ast und wir hatten das GlĂŒck, sogar eine Affenmutter mit ihrem kleinen Baby am RĂŒcken zu sehen! Abgesehen vom Schweiß, der uns wegen der hohen Luftfeuchtigkeit in BĂ€chen herunterrann, war hier zwischen den munteren Affen zu stehen sicher eines der schönsten GefĂŒhle meines Lebens!

Irgendwann riss Javier uns aus dem glĂŒcklichen Moment, weil er meinte, es wĂŒrde in KĂŒrze anfangen zu regnen, was er am Gesang eines bestimmten Vogels feststellen konnte. Und tatsĂ€chlich: In dem Moment, in dem wir aus dem Wald traten, fing es an zu tröpfeln und wir erreichten gerade noch unser Palmendach, bevor es wie aus KĂŒbeln goss.

Nach einem leckeren Abendessen (natĂŒrlich Fisch) bestiegen wir wieder unser Boot, mit dem wir unsere Nachttour starteten, um Krokodile zu suchen. Da der Vollmond leuchtete, stellte sich dieses Vorhaben als gar nicht so einfach heraus, denn die Krokodile sahen uns in der hellen Nacht schon sehr frĂŒh kommen und tauchten unter. So sahen wir meistens nur kurz ihre leuchtenden Augen, bevor die Tiere unter Wasser verschwanden. Als wir so langsam im Dunkeln dahinruderten, platschte es plötzlich direkt neben uns und unser Boot begann ganz schön zu wackeln. Wie uns Javier sofort aufgeregt mitteilte war das wohl ein großes Krokodil, dessen Augen wir nicht als Vorwarnung gesehen hatten, da es in die andere Richtung geschaut hatte. Wie sich wenig spĂ€ter herausstellte, war besagtes Krokodil zwischen 4-5 Meter lang und damit mindestens so lang wie unser Einbaum. Javier fand das Tier nĂ€mlich wieder, als es mit seinem Kopf ĂŒber Wasser am Rand dalag und brachte uns sehr nahe heran. Wahnsinn, dem riesigen Kaiman in einem kleinen Boot so nahe zu sein, vor allem wenn es dunkel ist und man weiß, dass es rundherum nur so von weiteren Exemplaren wimmelt.

Nach dieser Sichtung fischte uns Javier ohne Vorwarnung noch ein Babykrokodil aus dem Wasser und wollte es mir freudig ĂŒberreichen. Ich war ziemlich ĂŒberrumpelt und unsicher ob ich mich wirklich traue, das Tier zu halten, fasste dann aber meinen Mut zusammen und nahm Javier den kleinen Kaiman – streng seinen Anweisungen befolgend – ab. Auch Flo durfte den Kaiman halten und hatte dabei solche Angst dem Kaiman mit dem festen Griff um dessen Maul wehzutun, dass der ihm fast ins Boot entwischte. Nachdem wir unseren Freund genau betrachtet und bewundert hatten, ließ Flo ihn wieder frei und wir machten uns auf den RĂŒckweg zu unserer Unterkunft.

Ich kann euch nicht sagen wie gut man sofort gelaunt ist, wenn man in der FrĂŒh die Augen aufmacht und dank der nicht vorhandenen WĂ€nde um einen herum nichts als Dschungel sieht, riecht und vor allem hört. Wenn man dann auch noch frische tropische FrĂŒchte zum FrĂŒhstĂŒck serviert bekommt, kann der Tag nur perfekt werden. Und tatsĂ€chlich begegneten wir bei unserer Bootsfahrt zurĂŒck zur ersten Schlafstelle unter anderem einer Fischotterfamilie, noch mehr Faultieren und Affen und ein Flussdelfin sprang zum Abschied elegant vor uns aus dem Wasser.

Am Nachmittag stand ein weiteres Highlight am Programm: Javier ging mit uns fischen. FĂŒr mich war es das erste Mal und ich war kurz ĂŒberfordert, als mir Javier einen Holzstecken mit Angelschnur sowie ein StĂŒck Fisch fĂŒr meinen Haken in die HĂ€nde gab. Gleich hatte ich aber den Dreh heraus und war sogar die erste, die einen Piranha angelte. Sechs Piranhas spĂ€ter wurde Flo von einem von ihm gefischten Piranha in den Finger gebissen, als er diesen vom Haken holen wollte. Es rann ziemlich viel Blut, ich machte mir Sorgen, Javier betonte immer wieder Flo soll seinen blutigen Finger ja nicht ins Wasser halten und Flo selbst redete davon, wie cool es wĂ€re wenn eine Narbe am Finger bleiben wĂŒrde. Dann könnte er jedem, der nach der Narbe fragt, erzĂ€hlen, diese sei von einem Piranha. (Gerade sieht es nicht danach aus, dass der Finger bleibende SchĂ€den davontrĂ€gt – Flo hofft aber immer noch.)

WĂ€hrend die von uns gefischten Piranhas ziemlich klein waren, hatte Javier einen ca. 30cm langen am Haken, der ihm allerdings wieder entwischte. Zu sehen, dass so große Piranhas in dem GewĂ€sser sind, in dem wir uns badeten, war allerdings nicht gerade sehr beruhigend.

Am Abend servierte uns Javier die von uns gefangenen Piranhas, die er bei ströhmendem Regen an der Outdoor-Feuerstelle fĂŒr uns zubereitete. Damit das Essen nicht zu nass wurde und das Feuer nicht ausging, bastelte er sich kurzerhand ein kleines Dach aus Wellblech, welches seine Dienste ausgezeichnet erfĂŒllte.

Das Gewitter bewirkte auch, dass allerlei Krabbeltiere in unserer HĂŒtte Unterschlupf suchten, und so fanden wir in unserem Zimmer ein paar große Spinnen, Geckos und TausendfĂŒĂŸler, welche bei uns ĂŒbernachteten. Dank unseres Mosquitonetzes brauchten wir uns aber keine Sorgen machen, die Tiere im Bett wiederzufinden und konnten gut schlafen.

Am letzten Tag ruderten wir sieben Stunden flussaufwĂ€rts, was durch den niedrigen Wasserstand vor allem am engen GewĂ€sser am Ende ziemlich anstrengend wurde. Immer wieder mussten wir aussteigen und das Boot ĂŒber umgefallene BĂ€ume heben. Bei einer dieser Aktionen verlor Javier einen seiner Flipflops im Schlamm, und obwohl er und Flo lange darin herumwĂŒhlten, blieb der Schuh verschwunden.

Mit einem Schuh weniger aber trotzdem glĂŒcklich, kamen wir zurĂŒck nach Lagunas, wo wir uns noch auf ein Bier mit Javier verabredeten. Dieser holte uns nach einer Dusche mit seinem Mototaxi von unserer Unterkunft ab und fuhr mit uns zu einer großen Halle, wo das ganze Dorf von Jung bis Alt versammelt schien. Die Halle war mit Partylichtern beschmĂŒckt und ein DJ sorgte fĂŒr gute Stimmung. Die Musik war (wie meistens in SĂŒdamerika) so laut, dass wir uns gegenseitig ins Ohr schreien mussten, um uns dann mithilfe der paar verstandenen Wortfetzen den Sinn der Aussage zusammenzureimen. Da der DJ so eine Freude mit uns hatte und immer wieder ein lautes „Salud auf die AuslĂ€nder“ in sein Mikrofon rief, begaben wir uns schließlich auf die TanzflĂ€che. Immerhin spielte der DJ extra fĂŒr uns englische Lieder, was – wie wir mittlerweile wussten – wirklich eine Ausnahme war! Wir wurden zum Highlight der TanzflĂ€che und vor allem Flo mit seinen Rave-KĂŒnsten wurde (besonders von vielen jungen Frauen) von allen Seiten gefilmt. Wir hatten unseren Spaß und auch Javier amĂŒsierte sich sehr darĂŒber, dass irgendwann nur mehr Flo und ich tanzten und alle anderen uns filmten.

Die RĂŒckfahrt mit dem Mototaxi war auch spannend, da es in Lagunas nur Erdstraßen und keine Straßenbeleuchtung gab und es in Strömen regnete. Flo und ich leuchteten jeweils an einer Seite mit unseren Handytaschenlampen, da das Mototaxi auch kein Licht hatte. Zum GlĂŒck ist Lagunas ja nicht groß und so waren wir wenige Minuten spĂ€ter bei unserer Unterkunft, wo wir mĂŒde ins Bett fielen.

Um 5:00 Uhr morgens ging es mit dem Schnellboot zurĂŒck nach Yurimaguas und auch hier war jemand dafĂŒr angestellt, am vorderen Ende des Bootes zu stehen und mit einem Handscheinwerfer fĂŒr Licht zu sorgen.

Ich hĂ€tte mir das vorher nie gedacht, aber die Tage im Amazonas waren die entspanntesten seit Ewigkeiten. Es gab so viel zu sehen, hören, riechen und zu entdecken, dass unsere Handyakkus nach vier Tagen Nicht-Aufladen immer noch halbvoll waren, da wir sie nur fĂŒr das eine oder andere Foto gebrauchten. Wir haben die Zeit im Dschungel so genossen, dass wir uns sicher sind, dass wir irgendwann zurĂŒckkommen und mit Javier noch mehr Tage im Wald verbringen wollen. Was Javier uns gelernt hat ist auch, alles ruhig anzugehen. Seine Grundaussage in jeglicher Situation war nĂ€mlich „Tranquilo!“, also „Ruhig/Entspannt“. An dieses Tranquilo versuche ich jetzt immer zu denken, wenn ich mir wieder ĂŒber irgendetwas zu stark den Kopf zerbreche.

Achja – unsere Kreditkarte bekamen wir nach einem weiteren Besuch bei der Bank auch wieder. Ende gut, alles gut. 😊


8 Kommentare zu „Im Amazonas braucht man keine Kreditkarte 🛖🐍🐊“

  1. Avatar von Christine Donnerer
    Christine Donnerer

    Boa so spannend! Ihr seids echt mutig.
    Danke fĂŒr die spannenden ErzĂ€hlungen.
    Liebe GrĂŒĂŸe von zu Hause!
    Christl

    1. Avatar von miriamabroadblog

      Danke und liebe GrĂŒĂŸe zurĂŒck!

  2. Avatar von Barbara
    Barbara

    Hallo ihr beiden Globetrotter!
    Ich bewundere euren Mut und beneide euch um diese wunderbaren Erlebnisse und Begegnungen mit tollen hilfsbereiten Menschen! Diese Erinnerungen werden ein Leben lang bleiben.
    Weiterhin alles Gute!
    Liebe GrĂŒĂŸe
    Barbara (Moik)

    1. Avatar von miriamabroadblog

      Vielen Dank!
      Ganz liebe GrĂŒĂŸe zurĂŒck đŸ€—

  3. Avatar von Waltraud
    Waltraud

    Ihr seid der reinste Wahnsinn – deine ErzĂ€hlungen bewirken bei mir GĂ€nsehaut pur 🐊
    Hab mich – wie immer – wieder riesig ĂŒber euren neuen Blogeintrag gefreut!!!
    Vielen Dank, dass wir durch deine ErzĂ€hlungen eure Erlebnisse so hautnah miterleben dĂŒrfen đŸ€— 😘
    Liebe GrĂŒĂŸe und passt gut auf euch auf!

    1. Avatar von miriamabroadblog

      So schön zu hören dass unsere Geschichten gern gelesen werden!! Vielen Dank fĂŒrs Mitfiebern und Kommentieren!😘

  4. Avatar von Sandra Schmidt
    Sandra Schmidt

    Hallo ihr zwei. Einfach ein Wahnsinn, was ihr alles erlebt und die bildliche Beschreibung lĂ€sst uns Teil davon sein. Vielen Dank dafĂŒr und noch viele unvergessliche Momente und Abenteuer. Ich freue mich schon auf den nĂ€chsten Beitrag. LG von zu Hause

    1. Avatar von miriamabroadblog

      Dankeschön! Beste GrĂŒĂŸe zurĂŒck!

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Miriam abroad

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen