Ein Ziel auf das wir uns schon sehr freuten war Huaraz und der Huascarán Nationalpark – ein beliebtes Wandergebiet mit 6000 Meter hohen Bergen. Der Weg dorthin kostete uns allerdings einige Tage und Nerven, denn man weiß nie ob man auf einer perfekten Asphaltstraße oder einer mehr als kaputten Schotterstraße landet. Leider traf für den Weg den wir einschlugen letzteres zu und so fanden wir uns nach einigen Stunden Schotterstraße schließlich auf sehr ausgewaschenem und steilen Sandstein wieder, an dem unser Bus an seine Grenzen geriet. Wir buddelten und bauten mit allem was wir finden konnten Hilfen für unsere Reifen, kamen jedoch trotzdem bei einem tiefen Graben mit unseren kleinen Reifen einfach nicht weiter. Zwei indigene Frauen die vorbeikamen wollten uns helfen und so versuchte ich mit zwei über 80 Jahre alten Damen den Bus anzuschieben – leider vergeblich. Die Frauen hatten solches Mitleid mit uns, dass sie uns zu sich nach Hause einluden, wo sie uns eine ganze Bananentraube, Brot, selbst gemachten Kaffee und getrocknete Bohnen auftischten. So saßen wir also in ihrem Haus, in dem außer dem windschiefen Tisch, zwei Stühlen, einem Kalender von 2015 und ein paar herumflitzenden Meerschweinchen und Katzen nicht viel zu finden war und waren dankbar für diese unfassbare Gastfreundachaft. Vor dem Haus – das wirklich mitten im Nirgendwo war – stand lustigerweise eine STRABAG-Straßenwalze. Die Leute erklärten uns, dass sie ab Dezember vor haben die Straße hier besser zu bauen.


Vier weitere Stunden wurden wir anständig durchgeschüttelt, bis wir zurück an der großen Straße waren, um eine alternative Route einzuschlagen. Diese begann vielversprechend, wurde dann aber zu einer Art interaktiven Baustelle. Hin und wieder waren kurze Stücke breit asphaltiert, die meiste Zeit aber schlängelten wir uns tausende Meter über Erdstraßen nach oben und wichen dabei allerhand Straßengeräten aus. Immer wieder mussten wir warten, so auch an einer Stelle, an der uns ein winkender Mann stoppte, weil direkt vor uns eine Sprengung stattfand. Wir warteten also, schauten zu, wie vor uns riesige Felsbrocken nach unten fielen und überlegten, wie sicher diese Durchfahrt werden würde. Da wir allerdings sowieso keine anderen Möglichkeiten hatten, versuchten wir so schnell wie möglich an der Stelle der Sprengung vorbeizufahren, als die Straßenarbeiter uns die Durchfahrt gewährten.
Tatsächlich kamen wir nach drei Tagen Fahrt heil in der Nähe des Nationalparks an, wo wir auf 3800 Höhenmetern an einem wunderschönen See schliefen.


Am nächsten Tag versuchten wir uns an einer Höhenstraße durch den Nationalpark, die sich zwischen 4400 – 4900 hm bewegte und aus unbefestigten Straßen bestand. In den vier Stunden musste ich das Auto nur an einer Stelle anschieben, den Rest schaffte unser Bus bravurös! Die Aussicht auf die 6000er rundherum, auf weiße Gletscher und grüne Täler war einfach atemberaubend.


So kamen wir schließlich am Gletscher Pastoruri an, wo wir eine Wanderung auf 5000 hm unternahmen, die uns bis direkt vor das knirschende Eis führte. Dem Gletscher kann man buchstäblich beim Schmelzen zuschauen und laut den Rangern gehören wir wohl leider zu den Letzten, die ihn noch bewundern dürfen.




Gerade als wir den Parkplatz wieder erreichten, kamen dort Touristenbusse an und es begann zu regnen. Mit unserem Glück haben wir den Gletscher ohne andere Menschen und ohne Regen besucht und stellten uns nun bei einer indigenen Frau unter, die warmen Cocatee und kleine Speisen verkaufte. Wir bestellten uns Kartoffeln mit Ei und bekamen auch genau das: nämlich drei gekochte Kartoffeln und ein gekochtes Ei – alles mit Schale.
Bei der Weiterfahrt kamen wir an den riesigen Puya Raimondi-Pflanzen vorbei. Diese wird bis zu 15 Meter hoch, gehört zur Familie der Ananas und trägt den Spitznamen „Königin der Anden“.


Abends erreichten wir dann tatsächlich Asphalt!!! Ihr könnt euch die Erleichterung nicht vorstellen, nach mehreren Tagen endlich nicht mehr durchgehend komplett durchgerüttelt zu werden! Bis auf die riesigen Schlaglöcher, denen wir ausweichen mussten, fühlte es sich an als würden wir auf Wolken fahren.
Nach einer Nacht mit Kopfschmerzen (wegen der Höhe) aber dafür an einem wunderschönen See, wollten wir in der Stadt Huaraz unser Essen wieder aufstocken, Wäsche waschen und andere Dinge erledigen, die so anfielen. Leider hatten wir nicht bemerkt dass Sonntag war und da meine Kopfschmerzen nicht besser zu werden schienen, beschlossen wir uns ein Hostelzimmer mit Dusche, Klo und WLAN zu gönnen, um uns ein wenig auszuruhen und zu akklimatisieren.


Nachdem wir dann am Montag mit unseren Erledigungen fertig waren, planten wir Wanderungen für die nächsten Tage. Diese sahen so aus:
Sechs Stunden zur Laguna Rajucolta auf 4270 hm mit Aussicht auf den höchsten Berg des Nationalparks dahinter. Am Weg trafen wir viele Kühe aber keine anderen Menschen.







Sieben Stunden zum Laguna Shallap auf 4200 hm, den vor allem seine grüne Farbe besonders macht.





Am dritten Tag wollten wir eine kleine Pause einlegen und deshalb nur vier Stunden wandern. Wegen der vielen Höhenmeter und der steilen Passagen wurde es aber mehr zum Kletter- als zum Pausetag. Dafür genossen wir die Stille des glasklaren Bergsees Churup auf 4500 hm.




Der vierte Tag wurde wirklich zum Pausetag, mit ausschlafen (also bis 8:00 Uhr 😄), lesen und Hunde kuscheln.



Die letzte wurde zu unserer Lieblingswanderung. Ursprünglich planten wir nur die Laguna 513 auf 4450 hm zu besuchen, durch Flos Abenteuerlust fanden wir abseits des eigentlichen Wanderwegs allerdings noch zwei weitere türkisblaue Bergseen. Außerdem waren wir sehr nah an einem Gletscher dran und beobachteten wie ein großes Stück Eis aus diesem herausbrach, was einen ziemlichen Lärm machte. Während der acht Stunden die wir unterwegs waren hatten wir von strahlendem Sonnenschein bis zu Regenschauern alles durch und kamen abends erschöpft aber glücklich zurück.










Nachdem sich unsere Gasreserven langsam aber sicher dem Ende zuneigten, probierten wir eine neue Kochtechnik aus. Dafür füllten wir Öl in eine Thunfischdose, gaben Klopapier hinein und zündeten dieses an. Dadurch schufen wir eine Art Ölkerze, auf die wir unseren Topf stellen und kochen konnten. Funktioniert langsam aber ansonsten einwandfrei! 😃

Leider bemerkten wir am Abend vor unserer letzten Wanderung, dass am Unterboden Öl aus unserem Auto tropft. Beim Versuch die Schraube abzudichten stellte Flo fest, dass diese durchdrehte. Leider befanden wir uns auf einer Schotterstraße im Nirgendwo, hatten keinen Empfang und die nächste größere Stadt war zwei Stunden entfernt, weshalb Flo mit einem Gummiringerl die Schraube irgendwie notdürftig abdichtete. Dann vertrauten wir darauf, dass das Öl so langsam tropft, dass wir es nach unserer Wanderung noch nach Huaraz schaffen würden. Ein wenig Öl hatten wir zum Nachfüllen auch dabei und so machten wir uns nach der letzten Wanderung auf den Weg zur Werkstatt. Leider war inzwischen eine ganze Woche vergangen und wieder war Sonntag, weshalb wir uns im selben Hostel wie schon die Woche davor ein Zimmer nahmen und dieses dafür nutzten Glühwein zu kochen und auf der Dachterasse Spiele zu spielen. Rummy funktioniert übrigens auch mit UNO-Karten, wenn man ein wenig kreativ ist. 😄
Den gesamten nächsten Tag verbrachten wir mit Warten auf unser Auto, das in der Werkstatt repariert wurde. Ständig wurde uns mitgeteilt, das Auto würde noch eine Stunde brauchen und so verging der ganze Tag damit zur Werkstatt zu gehen, festzustellen dass der Bus noch nicht fertig ist und die darauffolgende Stunde mit Dingen wie Pizza essen, Punsch trinken oder durch die Gassen schlendern zu verbringen, um danach wieder zur Werkstatt zurückzukehren, usw.

Als das Auto schließlich endlich repariert war, quälten wir uns eine gute Stunde lang eine steile Schotterstraße nach oben, die durch den Regen eher zum Fluss geworden war. Oben angekommen wollten wir eigentlich einen Platz zum Übernachten finden, um am nächsten Tag von dort aus eine 2-Tages-Wanderung zu starten. Zwei Wachmänner rieten uns allerdings vom Schlafen in dieser Gegend ab, weshalb wir uns kurzerhand dazu entschlossen unsere Weiterfahrt anzutreten. Im Dunkeln fuhren wir den Fluss/Straße wieder hinunter und eine Stunde aus der Stadt hinaus Richtung Süden, wo wir schließlich einen wunderschönen Platz an einem abgeschiedenen See fanden.


Beim Frühstück am nächsten Tag stellten wir voller Freude fest, dass sich im See nicht nur Enten, sondern auch Flamingos befanden. Wir genossen die Stille, frühstückten und fuhren dann weiter Richtung Lima, der Hauptstadt Perus.
Es war interessant festzustellen, dass aus den Polizeikontrollen im Norden Perus, bei denen wir von den Polizisten gefragt wurden ob bei uns alles gut ist, ob sie ein Foto von unserem Führerschein machen und zu Hause herzeigen dürfen oder ob unsere Augen- und Haarfarben echt sind, wieder Kontrollen mit weniger freundlichen Beamten wurden. Je näher wir nach Lima kamen, desto nervenaufreibender wurden die Kontrollen wieder. Ein Polizist ließ uns zum Beispiel anhalten und neben einem Häuschen parken, schoss dann ein Foto von unserem Auto und behauptete, wir hätten das Licht nicht eingeschalten gehabt. Dass sein „Beweisfoto“ im geparkten Zustand des Autos geschossen wurde stritt er vehement ab und so begann wieder eine lange Diskussion, bis wir schließlich meinten er solle uns eben ein offizielles Strafticket ausstellen, was er dann doch nicht wollte. Bargeld gaben wir vor keines zu haben und so ließ er uns irgendwann wieder fahren.
In der Großstadt Lima fanden wir einen recht gemütlichen Parkplatz direkt am Meer, der auch in der Nacht bewacht wurde und wo wir eine Nacht verbringen wollten. Um 3:00 Uhr Früh wurden wir durch lautes Klopfen – oder eher Hämmern – gegen unser Auto unsanft aus dem Schlaf gerissen. Als wir ein Fenster öffneten stand ein Polizist vor uns, der uns lautstark erklärte, wir müssen wegen unserer verdunkelten Scheiben Strafe zahlen. Wir waren noch im Halbschlaf und wollten den Mann so schnell wie möglich wieder loswerden, taten also so als würden wir nichts verstehen, was ihn immer lauter mit uns schreien ließ. Mittlerweile haben wir gelernt dass es hilft, nur sehr wenig Geld in der Geldtasche zu haben und als wir ihm die 20 Soles (ca. 5€) zeigten die wir noch hatten, gab er murrend auf und fuhr wieder davon.
Am nächsten Tag spazierten wir in den schönen Stadtteil Miraflores, wo wir uns wie in einer freumden Welt fühlten. Als wir am Vortag durch Lima fuhren sahen wir sehr viel Armut, einfachste Häuser und sehr viel Müll. In Miraflores allerdings fühlten wir uns wie in einer europäischen Stadt voller hippen Cafés und Restaurants, modernen Gebäuden und perfekt gepflegten Parks und Straßen.




Wir probierten uns durch das berühmte Streetfood Limas: Churros mit Kakao, Ceviche und Picarones. Das Ceviche und die Picarones aßen wir an Plätzen, die es sogar in die Serie „Streetfood Latin America“ auf Netflix geschafft haben. Alles schmeckte ausgezeichnet, am Ende war uns aber trotzdem ein bisschen schlecht, weil alles an einem Tag doch nicht wenig Essen auf einmal war. 😅



Außerdem besuchten wir den Kennedy Park, der voller (glücklicher) Katzen ist, die von den Leuten gefüttert und gekuschelt werden.

Da wir keine Lust auf einen weiteren nächtlichen Polizeibeauch hatten fuhren wir abends ein Stück aus Lima hinaus und schlugen unser Nachtlager an einer Tankstelle mit Supermarkt auf. Dort kauften wir uns frische Zutaten für einen Salat, bereiteten diesen in unserem Topf zu uns verspeisten ihn im Auto, während wir Pläne für die nächsten Tage schmiedeten und die letzten Tage Revue passieren ließen. Manchmal tut es gut gemeinsam die Erlebnisse der letzten Tage durchzugehen, um die vielen Eindrücke ein wenig zu ordnen und zu reflektieren. Oft können wir dann selbst nicht glauben was wir alles so erleben oder enden in einem Lachanfall wegen irgendeiner lustigen Erinnerung.
