Die Landschaft um uns herum wurde immer öder und bald war nicht mehr viel zu sehen, außer Sand. Mitten in dieser Einöde erreichten wir Paracas, wo wir einen gemütlichen Strandplatz fanden, an dem wir uns mit einem Cocktail von der heißen Autofahrt erholten und die Meeresluft genossen.

Am nächsten Tag machten wir uns auf, um mit dem Auto den Paracas Nationalpark zu erkunden. Es ging eine Sandstraße entlang, um die herum die Landschaft immer beeindruckender wurde. Zwischendurch sahen wir Flamingos, uralte Fossilien sowie Algen, die wie Plastiksackerl ausschauten. Die Aussicht auf Meer und Wüste, die aufeinandertreffen, war wirklich unglaublich.





Dicht auf den Fersen waren uns ein paar Schulbusse, deren Schüler*innen uns anscheinend interessanter als die Wüste fanden. An jedem Standort an dem wir zusammentrafen gab es ein wildes Gekichere, bis sich schließlich einige mutige Schüler trauten mit uns einzuschlagen und andere nach einem Foto mit dem „riesigen“ Flo fragten.

Am Rückweg kamen wir in einen ganz schönen Sandsturm und Flo hatte alle Hände voll zu tun unseren Bus gegenzulenken, um nicht von der Fahrbahn abzukommen. Zurück bei unserem Strandplatz beschlossen wir uns auf die Suche nach einer Dusche zu machen, um den Sand von allen möglichen Körperstellen zu entfernen. Fündig wurden wir in der Ortsmitte, wo öffentliche Toiletten und Duschen zur Verfügung standen. Diese waren gerade sehr gut besucht und so musste ich auf der Frauenseite erst einmal warten, bis die zehn Familien vor mir fertig waren, bevor ich mich unter das tropfende Loch stellen durfte, das wohl die Dusche darstellte. Während meiner wirklich kurzen Dusche wurde drei mal der Vorhang zurückgezogen – um nachzusehen ob die Dusche frei war oder ob hier wirklich eine „Gringa“ duscht, weiß ich nicht genau. Jedenfalls war ich froh als ich fertig war und wieder aus dem vollgestopften Bad gehen konnte, wo Flo schon auf mich wartete, der inzwischen seelenruhig auf der Männerseite geduscht hatte.
Die Lage am Meer konnten wir natürlich nicht ungenutzt lassen, um ein (mittlerweile unser Lieblingsessen in Peru) Ceviche mit Meeresfisch zu essen. Danach gönnten wir uns noch einen an der Straße von jungen, begeisterten Cocktailmixern zubereiteten Pisco Sour, welcher aus dieser Gegend stammt und setzten uns noch ein wenig an die Strandpromenade. Ob es so schlau war einen Cocktail mit rohem Ei darin an der Straße zu kaufen hinterfragten wir erst ein wenig später – glücklicherweise hatten wir allerdings keinerlei Nebenwirkungen vom Drink. 😅
Am nächsten Morgen wurden wir von lautem Klopfen auf unserem Autodach geweckt, das sich höchst ungewöhnlich anhörte. Als ich mich nach draußen begab um nachzusehen, lagen einige tote Fische auf unserem Dach. Schnell hatten wir herausgefunden, dass sich in der Palme über uns ein Vogelnest mit zwei Vogelkindern befand, die von ihrer fleißigen Mutter gefüttert wurden. Hin und wieder landete dabei auch ein Fisch auf unserem Auto.


An diesem Tag hatten wir eine Bootfahrt auf die Insel Ballestas gebucht, die kurzfristig wegen zu hoher Wellen ausfiel. Stattdessen fuhren wir auf die etwas kleinere Insel Blanca, wo wir Seelöwen, alle möglichen Vögel sowie Pinguine beobachten konnten! Wir hatten nicht damit gerechnet in Peru Pinguine zu sehen – umso größer war die Freude!






Außerdem fuhren wir an einer riesigen Geoglyphe vorbei, einem meterhohen und -breiten Zeichen, das in den Stein unter dem Sand geritzt wurde. Zum Zeitpunkt und Grund der Entstehung der Geoglyphen gibt es viele Mythen, die sich von religiösen Hintergründen bis hin zu Außerirdischen erstrecken. Eigentlich weiß aber niemand so genau über ihre Hintergründe Bescheid, was sie irgendwie noch spannender machen.

Auf der Rückfahrt fuhren wir auch noch an einem Schiffswrack vorbei, das seit dem Erdbeben 2007 hier liegt und heute von vielen Vögeln und einem Mann bewohnt wird.

Da wir schon einen Monat in Peru waren lief unsere verpflichtende Auto-Versicherung aus und wir versuchten in der Stadt Ica unser Glück ein Versicherungsbüro zu finden. Klassischerweise war an den drei angeblichen Standorten auf GoogleMaps nichts zu finden und wir gurkten umsonst eine Stunde durch die engen und sehr belebten Gassen der Stadt. Irgendwann gaben wir auf und machten uns auf den Weg aus der Stadt hinaus, zur Oase Huacachina. Dieses Dorf liegt inmitten von hohen Sanddünen um einen See herum und ist mittlerweile ein einziger Touristenort. Das bekamen wir sofort zu spüren, denn wir wurden von duzenden Tourguides begrüßt die uns irgendetwas verkaufen wollten und es wimmelte nur so von Touristen. Nach der nervenaufreibenden Fahrt in der Stadt war die Situation etwas überfordernd für uns und wir überlegten gerade nochmal aus dem Dorf hinauszufahren, als uns ein junger Mann ansprach, der uns Sandtouren verkaufen wollte. Er ließ nicht locker und zeigte uns Videos von Touristen, die auf einem Board am Bauch liegend Sanddünen hinunterrutschten und wir bekamen langsam große Lust auf Snowboarden. Als wir ihn aber nach richtigen Boards fragten, auf denen wir stehend den Berg hinunterfahren könnten, versuchte er uns dieses „gefährliche und schwierige“ Unterfangen eher auszureden. Diesmal ließen allerdings wir nicht locker und so vereinbarten wir für in ein paar Stunden einen Termin für eine Buggy-Tour mit Sandboards.
Davor wollten wir noch eine Kleinigkeit essen und landeten in einem Café, in dem wir die Inhaberin Anna aus Venezuela kennenlernten, die wohl zu den freundlichsten Menschen überhaupt zählt. Sie bot uns sofort an vor dem Café parken und im Auto schlafen und dabei jederzeit ihre Toilette nutzen zu dürfen. Außerdem gab sie uns ihr WLAN-Passwort, wir durften unsere Geräte bei ihr aufladen und sie machte uns leckere Avocado-Ei-Sandwiches und wirklich guten Kaffee.


Gestärkt holten wir wenig später unsere Boards (ganz normale Snowboards ohne Kanten und mit Holzbelag) ab und zogen Snowboardboots an, wobei sich Gott sein Dank sogar welche in Flos Größe finden ließen. Es war ein wirklich lustiges Gefühl mit Snowboards in der Hand und dicken Boots an den Füßen eine Sanddüne hochzuwandern! Oben angekommen wurden wir einer Gruppe zugeordnet und in einen Buggy verfrachtet, der schon wenig später wild losraste. Kurz ging es rasant über die Dünen, bis unser Fahrer plötzlich abrupt stehenblieb und einen besorgten Blick in den Motorraum warf. Sehr beruhigend war das nicht, vor allem als der Fahrer anfing herumzutelefonieren und sich plötzlich langsam mit uns auf den Weg zu einer Stadt machte, die ziemlich heruntergekommen wirkte. Wir Weiße im Buggy wurden von allen Seiten neugierig beäugt, bis wir schließlich bei einer Werkstatt ankamen. Ein Mechaniker und unser Fahrer machten sich an die Arbeit und wir konnten von hinten erkennen, das eine einfache Plastikflasche als Kühlflüssigkeitsbehälter in den Motorraum eingebaut war. Während ich noch darüber nachdachte was ich davon halten sollte ging die Fahrt allerdings schon weiter und wir fuhren wieder zurück in die Sandwüste.

Dort bestand unser erstes Ziel aus einer hohen Düne, von der die meisten Touristen auf dem Bauch rutschend hinunterrutschten, während wir unsere Boards mit der Kerze einrieben die wir erhalten hatten, bevor wir sie anschnallten. Auf dem Buggy hatten wir ein Pärchen aus Seattle kennengelernt, mit denen wir uns auf Anhieb gut verstanden. Die beiden waren ebenfalls mit Snowboard und Schi unterwegs und wir vier entpuppten uns bald als die Stars der Wüste, als wir den Hügel hinunterfuhren, während die anderen Snowboarder eher hinunterpurzelten. Es machte so großen Spaß die immer höher werdenden Dünen hinunterzubrettern, während die Sonne langsam hinter den Sanddünen unterging. Am Schluss genossen wir noch den Sonnenuntergang, bevor wir uns auf den Rückweg machten.




Leider trat das Problem mit dem Buggy auf der Rückfahrt erneut auf und so rasten die anderen Fahrzeuge an uns vorbei Richtung Oasendorf, während wir uns nur ganz langsam fortbewegten und es plötzlich richtig kalt und dunkel um uns wurde. Unser Fahrer telefonierte wieder herum und irgendwann trafen wir plötzlich auf ein zweites Gefährt, aus dem eine Familie gescheucht wurde, die unser kaputtes Auto erhielt, während wir in ihr intaktes umstiegen. Warum genau das passierte verstand irgendwie keiner so genau, allerdings war in unserem neuen Fahrzeug ein Platz zu wenig, weshalb ich die rasante Rückfahrt auf Flos Schoß verbrachte und dabei mein bestes gab, meinen Kopf unverletzt zu halten.
Den Nachmittag mit den Sandboards fanden wir so großartig, dass Flo und ich unseren Tourguide überredeten, uns am nächsten Tag die Boards noch einmal auszuborgen, damit wir auf eigene Faust losziehen konnten. Früh morgens machten wir uns also auf, um die erste Düne zu Fuß zu erklimmen. Im heißen Sand mit den Boots ist das ziemlich anstrengend und insgeheim wünschten wir uns den Buggy vom Vortag zurück. Als wir dann allerdings oben waren hatten wir eine so unglaubliche Aussicht, dass die Anstrengung sofort vergessen war. Außerdem war die Düne höher als alle vom Vortag und wir hatten mächtig Spaß sie hinunterzufahren. Drei mal plagten wir uns die Düne hinauf und hatten am Ende ein paar Fans mehr, die uns mit Handys und Drohne filmten und wild anfeuerten.


Nach der Hitze in der Wüste sehnten wir uns schon wieder nach den Bergen und so machten wir uns wieder auf den Weg in die Anden. Unser Ziel waren die irgendwo im Nirgendwo gelegenen Aguas Turquesas Millpu, die uns – wie ihr Name schon sagt – durch ihre unglaublichen Farben umhauten. Im glasklaren türkisen und grünen Wasser lebten außerdem riesige Forellen, die Flo ziemlich beeindruckten. In einem Restaurant, das aus kleinen auf Stelzen stehenden Hütten bestand, konnten wir uns deshalb nach der Wanderung ein frisches „Ceviche de Trucha“ – also ein Forellen-Ceviche auf keinen Fall entgehen lassen. Der Fisch dafür wurde von der Köchin nach der Bestellung frisch beim Nachbarn gefangen. Wir aßen an dem Tag das wohl beste Ceviche überhaupt und kamen nach jedem Bissen aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Beim Zahlen allerdings konnte die Köchin uns nicht auf unser Geld herausgeben und es stellte sich heraus, dass niemand im ganzen Ort einen Zwanzig-Soles-Schein wechseln konnte. Wir fragten in jedem Geschäft, jedem Restaurant und überhaupt jeden der uns begegnete, doch Wechselgeld schien hier wirklich rar zu sein. Irgendwann ließ sich dann aber doch eine Familie finden, die gemeinsam irgendwie unser Geld wechseln konnte und wir konnten unser Essen endlich bezahlen.
Am Rückweg begann dann ein Desaster, das uns noch einige Tage verfolgen sollte. Aber mehr dazu im nächsten Blogbeitrag.
