Als wir nach langer Autofahrt geradeaus Uyuni erreichten, peilten wir den alten Zugfriedhof am Rand der kleinen Stadt als Schlafplatz an. In der Abendstimmung, die durch den bevorstehenden Regen ziemlich mystisch war, spazierten wir durch die verlassenen Wagons und ließen den Ort auf uns wirken. Mit viel Wind und nach einem schönen Sonnenuntergang verbrachten wir eine gute Nacht am Zugfriedhof.



Am nächsten Tag wagten wir endlich das Abenteuer, auf das wir uns schon seit Monaten freuten: Mit dem Auto in die größte Salzwüste der Welt. Da wir uns im Dezember am Beginn der Regenzeit befanden und sich die Wüste zu dieser Jahreszeit durch das nicht versickernde Wasser in einen riesigen Spiegel verwandelt, waren wir ein bisschen nervös. Wir lasen von anderen Reisenden, die mit ihren Autos in der Wüste steckenblieben und tagelang auf Rettung warten mussten und beschlossen die Lage erstmal zu checken und dann zu entscheiden, ob die Wüste für uns befahrbar war oder nicht.
Als kurz vor Begin der Wüste der Boden immer gatschiger wurde und sich schließlich eine riesige Dreckslacke vor uns eröffnete, begannen wir an unserem Vorhaben zu zweifeln. Während wir so vor uns hin überlegten, fuhr eine kleine, weiße Rostschüssel vor uns durch den tiefen Schlamm und Flo wäre nicht Flo, wenn er das nicht als Aufforderung auch durchzufahren verstanden hätte. Die Luft anhaltend wagten wir es und tatsächlich kamen wir ohne große Probleme durch. Nun folgten wir dem Rostauto bis in die Salzwüste und sagten uns, dass wir erst umdrehen wenn dieses Auto irgendwo steckenbleibt. Kurz nachdem wir das Salz erreicht hatten, blieben der weiße Wagen und wir allerdings schon das erstemal stehen, um zu Fuß die Härte des Untergrundes zu testen, der feucht und wenig vertrauenswürdig wirkte. Schnell merkten wir allerdings, dass es auch eine Strecke zu geben schien, die hart und damit gut befahrbar war, und wir trauten uns nach dem Vorbild des Rostautos weiter in die Salzwüste hinein. Auch wenn wir am Beginn mit großer Nervosität fuhren – das Vertrauen wurde immer größer und auch der Boden schien nur am Rand so feucht gewesen zu sein, sodass wir es schon bald einfach nur mehr genossen auf dem ewigen Weiß dahinzufahren. Die Navigation auf dem Salz war gar nicht so einfach und wir versuchten einfach bestimmte Richtungen zu halten, um dorthin zu gelangen wo wir hinwollten. Nach einer Stunde in der wir außer Salz nicht viel gesehen hatten gelangten wir zu einem Hotel, das komplett aus Salz gebaut war. Sogar die Stühle und Tische waren aus Salz und auch ein paar lustige Salzstatuen konnten wir finden.


Nach diesem Stopp fuhren wir noch weiter in die Wüste hinein, immer Richtung Kaktusinsel Incahuasi. Auf dem Weg dorthin stoppten wir einmal um Fotos zu schießen. Dabei hatten wir großen Spaß, denn durch die ewige Weite kann man gut mit der Perspektive spielen und lustige Bilder entstehen lassen. Schwierig war es nur, dass wir beim Fotografieren fast nichts sahen, weil der weiße Boden die Sonne so stark reflektierte, dass die Augen selbst mit Sonnenbrille schmerzten.







Als wir die Kaktusinsel erreichten, wanderten wir diese ein Stück hoch und konnten die Wüste nun auch von oben betrachten, was sie irgendwie noch eindrucksvoller machte. Die Inseln in Salar de Uyuni bestehen übrigens nicht aus Stein, sondern aus toten Korallen, was man beim Gehen vor allem daran merkt, dass viele Kanten sehr scharf sind. Je höher wir wanderten, desto höher wurden die Kakteen – wenn man neben so einer meterhohen Pflanze steht kommt man sich ganz schön klein vor.



Da Isla Incahuasi von sehr vielen Touristen besucht wird, beschlossen wir noch zu einer zweiten, weniger bekannten Insel weiterzufahren. Dort angekommen checkten wir erst einmal die Gegebenheiten des Bodens aus, da wir am Rand der Inseln von den meisten Steckenbleib-Unfällen gelesen hatten. Der Boden war zwar brüchig aber fest, und so wagten wir uns nicht nur an die Insel heran, sondern fuhren ganz auf sie drauf, sodass wir einen Spot mit perfekter Aussicht auf Sonnenauf- sowie Sonnenuntergang hatten. Auf der Insel waren wir komplett alleine und nur hin und wieder konnten wir in der Ferne vorbeifahrende Autos ausmachen. Die Ruhe an diesem Ort war einzigartig als wir die Insel bis an ihre Spitze erklommen und von dort aus die Sonne langsam untergehen sahen, lagen wir uns gegenseitig mit Freudentränen in den Armen. Der Ort beeindruckte uns tief und wir waren in diesem Moment unfassbar dankbar, dass wir ihn live und gemeinsam erleben durften.










Ganz alleine waren wir auf der Insel dann aber doch nicht, wie wir bei unserem Abstieg feststellten. Denn immer wieder sahen wir Chinchillas vor uns herhüpfen und sich vor uns verstecken, was ein ziemlich süßer Anblick war.
Nach einem Lagerfeuer an dem wir uns Gemüsenudeln kochten, genossen wir einen wunderschönen Sonnenuntergang, der diesen wunderschönen Tag gebührend verabschiedete.


Der nächste Tag begann genauso schön wie der letzte aufgehört hatte, mit einem Sonnenaufgang, den wir vom Bett aus mit offenem Kofferraum genossen.

Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns von unserer Insel und machten uns wieder auf den Weg hinaus aus der Salzwüste. Dabei wählten wir den Ausgang im Süden (gekommen waren wir von Osten), was zu einer endlos langen Fahrt führte. Denn nach dem Salz sahen wir für die nächsten acht Stunden nur Schotterstraßen, auf denen wir nie schneller als 15-20 km/h fahren konnten. Eine dieser Straßen wurde immer abenteuerlicher, bis sie schließlich im Schlamm endete, sodass wir wieder 1,5 Stunden zurück und einen noch größeren Umweg fahren mussten. Die Umgebung war zwar schön, nach vielen Stunden flacher Ebene sehnten wir uns allerdings nach etwas Abwechslung. Einzig die vielen Guanakos (die Stammform der domestizierten Lamas) boten eine kleine Unterhaltung in der eintönigen Landschaft.






Nachdem wir dann irgendwann am Abend wieder auf Asphalt landeten, beschlossen wir, dass uns das doch zu langweilig war und dass wir die Lagunen-Route versuchen wollten. Diese erstreckt sich von der Salar de Uyuni bis ganz in den Süden Boliviens und besteht aus lauter Offroad-Straßen, weit ab der Zivilisation. Da die Straßen als nicht gerade einfach gelten, wollten wir unser Glück so weit wir es mit unserem Bus halt schaffen würden versuchen und danach wieder umdrehen. Während die Landschaft um ums herum unglaublich schön war, wurde die Straße immer mehr zur Geduldsprobe. Wieder kamen wir nur sehr langsam voran und wurden durch die Washboardroad ununterbrochen richtig durchgeschüttelt. Auch der Bus machte schon eigenartige Geräusche und langsam begann ich mich zu sorgen, er könnte einfach auseinanderfallen. Belohnt wurden die Strapazen allerdings nicht nur durch die Landschaft, sondern auch durch die vielen Tiere die wir um uns herum beobachten konnten: Lamas, Emus, Flamingos sowie Chinchillas.




An interessanten Felsformationen konnten wir einen Chinchilla sogar aus der Nähe betrachten, ließen ihn aber schnell wieder in Ruhe, als er ängstlich zu fiepen begann.



Nach einigen Stunden wurde die „Straße“ so schlecht, dass wir nur mehr mit 5 km/h vorankamen. Wissend, dass wir den gesamten Weg auch wieder zurückfahren mussten, drehten wir an dieser Stelle um und beschlossen, uns einen Platz für die Nacht zu suchen. Diesen hatten wir auch schnell gefunden, der Weg dorthin stellte sich allerdings als mehr als abenteuerlich heraus. Leider wurde der Sand auf dem wir fuhren immer mehr und irgendwann kam es wie es kommen musste, und wir gruben uns ein. Wir puddelten was das Zeug hielt und ließen nichts unversucht, es schien allerdings wie verflixt, und der Bus wollte sich kein Stück mehr nach vorne oder zurück bewegen. Schließlich erinnerte sich Flo an einen Trick, den er von seinem Opa gelernt hatte. Wir legten unsere Yogamatten unter die Reifen und siehe da: der Bus fuhr aus dem Sand heraus! Die Matten waren danach zwar ziemlich zerfleddert, hatten ihren Zweck allerdings erfüllt. Danke an Flos Opa für diesen Trick! 😃

Nur wenige Minuten später steckten wir erneut im Sand fest und das Spiel ging von vorne los. Insgesamt mussten wir uns dreimal mithilfe der Matten aus dem Sand holen, was jetzt vielleicht easy klingt, bei mir aber zu zwei verzweifelten Weinausbrüchen führte, bei denen ich verzweifelt darüber jammerte, dass wir jetzt bestimmt „für immer hierbleiben müssten“. Flo ließ sich wie immer nicht einmal davon aus der Ruhe bringen, und so dauerten unsere Pannen nicht für immer sondern nur ungefähr zwei Stunden.
Am Ende hatte sich das Ganze mehr als gelohnt, denn wir fanden einen Schlafplatz direkt an einer halb ausgetrockneten Lagune, in der eine ganze Flamingoschar lebte. Als wir mit unserer Jause am See saßen und die Tiere beobachteten, erkoren wir diesen malerischen Ort zu einem unserer schönsten Schlafplätze die wir je hatten.






Nach der Abenteuerfahrt auf der Lagunen-Route ging es für uns zurück Richtung Uyuni, wo wir unser Auto vom Salz reinigen ließen und uns dann wieder zum Zugfriedhof begaben, um dort zu übernachten. Am Bahnhof stand dieses Mal schon ein zweiter Camper und sobald wir die Autotür öffneten, wurden wir schon von ungefähr 5-jährigen Zwillingen fröhlich begrüßt. Wir unterhielten uns lange mit der Familie, die schon seit 2020 mit ihrem Camper von Kanada aus unterwegs ist und hatten großen Spaß dabei, den Kindern zuzuhören wie sie aufgeregt von ihren vielen Abenteuern erzählten. Die Familie gab uns auch eine kleine Tour durch ihr selbst ausgebautes Wohnmobil und die Kinder waren mehr als stolz auf ihre ausklappbaren Betten. Nach längerem Gespräch stellte sich heraus, dass der Mann aus Minnesota kommt – deshalb waren wir uns wahrscheinlich gleich so sympathisch. 😄 Die aufgeweckten Zwillinge schafften es geschickt mir meinen Oreo-Shake abzunehmen und schenkten uns im Gegenzug eine kleine Glocke und zwei Kugeln, die wir laut ihren Anweisungen als Weihnachtsdekoration im Bus aufhängen sollten. Sie waren nämlich ein bisschen enttäuscht, dass wir unser Auto noch gar nicht weihnachtlich geschmückt hatten und waren auch ein bisschen skeptisch, dass wir kein Klo besitzen. Ich glaube wir taten ihnen ein bisschen leid mit unserem kleinen Bus, denn sie checkten an diesem Abend immer wieder, ob es uns eh gut ging. 😃
Nach der zweiten Nacht am Zugfriedhof ging es für uns weiter nach Tupiza, wo wir beim Versuch zu einem Valley zu gelangen, plötzlich mitten in einem ausgetrockneten Flussbett standen und – natürlich – im Sand-Schotter-Gemisch steckenblieben. Gott sei Dank kamen allerdings gerade zwei Männer mit ihrem Mototaxi vorbei und halfen uns – ohne dabei aufzuhören das Fußballmatch auf ihrem Handy zu schauen – aus dem Schotter zu schieben. Die Fahrt ging allerdings ähnlich unvorhersehbar weiter und wir landeten plötzlich auf einer riesigen Müllhalde mit einigen Straßenhunden, die ihr Revier wild bellend verteidigten und so knapp neben unserem Auto herliefen, dass wir echt aufpassen mussten kein Tier anzufahren.




Als wir irgendwann endlich wieder zu einer größeren Straße gelangeten mussten wir entsetzt feststellen, dass die Auffahrt auf diese komplett ausgewaschen und dadurch unbefahrbar war. Das Ziel war so nah, trotzdem mussten wir den kompletten Weg wieder zurück und eine Alternative finden.

Schließlich schafften wir es aber doch noch und gelangten abends zu einem perfekt geeigneten Platz für die Nacht an einem Fluss. Rund um uns herum befanden sich wahnsinnig coole Felsformationen und unseren Bus konnten wir gut zwischen ein paar Bäumen verstecken.




Am nächsten Tag ging die Fahrt stundenlang weiter über eine Schotterstraße, die erst in ein Tal hinunterführte und dann stark bergauf über die Berge führte. Die Aussicht die wir dabei hatten war atemberaubend und unser Bus schaffte den Anstieg auch ohne Probleme, mit nur einer Pause um den Motor abkühlen zu lassen. Schließlich gelangten wir abends zu den Lagunas Tajzara, einem Naturreservat mit einer Vielzahl an Vogelarten. An einem der Seen fanden wir ein ruhiges Plätzchen, das wir aber ein paar Stunden später leider wieder verlassen mussten, da Campen im Park wegen der geschützten Vögel verboten war, was wir nicht wussten. Da es schon dunkel und wir müde waren, suchten wir nicht mehr lange herum und stellten uns einfach an den Rand einer kleinen Straße, wo wir eine ungestörte Nacht verbrachten. Dabei träumten wir schon von den nächsten Tagen, in denen wir Weihnachten auf einem anderen Kontinent als sonst verbringen würden.




