Da der Titikaka-See sowohl in Peru als auch in Bolivien liegt, konnten wir unsere ersten Tage im neuen Land noch am schönen Blau verbringen. In Copacabana fanden wir ein schönes Plätzchen zum Campen direkt am See und unternahmen von dort aus einen Tagesausflug auf die Isla del Sol, eine idyllische Insel auf der es sich gut wandern lässt. Mit dem Boot ging es morgens los und wir ließen es uns nicht nehmen am Dach zu sitzen und die Aussicht zu genießen. Die Insel ist zwar schon vom Festland aus zu sehen, die Bootsfahrt dorthin zog sich allerdings trotzdem über zwei Stunden, weil wir nur seeeehr langsam fuhren. So hatten wir mehr Zeit uns mit den anderen Reisenden am Dach auszutauschen, die alle ungefähr in unserem Alter waren.

Auf der Insel wanderten wir zuerst zum Temple del Sol, der eindrucksvoll am Rand der Insel steht. Von dort aus sichtete Flo ein Restaurant auf einer kleinen Insel am Ufer, das wir besuchten und wo unser Hunger mit einer leckeren und frisch aus dem Wasser geholten Forelle gestillt wurde.





Weiter ging es auf eine Hügelspitze, von der aus wir einen wunderschönen Ausblick hatten, der uns ein wenig an Kroatien erinnerte. Oben befanden sich allerhand Dinge für spirituelle Rituale, wie zum Beispiel ein Labyrinth oder eine Art Altar aus Steinen. Wozu genau die einzelnen Gegenstände benutzt werden, wussten wir leider nicht und versuchten deshalb es uns selbst zusammenzureimen.






Auch den höchsten Punkt der Insel auf einem zweiten Hügel besuchten wir und genossen von dort aus die Aussicht.


Nach diesem schönen ersten Tag in Bolivien ging es für uns weiter in die Großstadt La Paz. Auf dem Weg dorthin mussten wir einen Fluss überqueren und kamen wieder in den Genuss einer lustigen Fähre, die mäßig vertrauenswürdig wirkte. Als wir allerdings sahen dass auch Busse und LKWs den Fluss mit den Fähren überquerten, hatten wir keine Angst mehr dass unser kleiner Bus untergehen würde.

Wir hatten im Vorhinein schon von anderen Reisenden gehört, dass das Tanken für Autos mit ausländischem Kennzeichen eine Herausforderung in Bolivien darstellen kann. Das dem tatsächlich so ist, stellten wir bei unserem ersten Tankversuch schnell fest. Nachdem wir an den ersten beiden Tankstellen mit einem entschlossenem „No para extranjeros!“ weggeschickt wurden, mussten wir uns an einer dritten Tankstelle in einer unheimlich langen Schlange von Fahrzeugen anstellen. Natürlich befand sich diese Autoschlange direkt auf der Schnellstraße und es war nicht gerade angenehm wie nah die Autos an einem vorbeischossen. Der LKW-Fahrer vor uns war allerdings so nett uns mitzuteilen, dass die meisten Autos für Diesel anstanden und da wir Benzin brauchten, konnten wir nach vorne fahren und mussten nur ein Auto vor uns abwarten. Der Tankwart beäugte unser Kennzeichen schon kritisch bevor wir überhaupt an der Reihe waren und als wir schließlich vorrückten und Flo schnell aus dem Auto hüpfte um den Tankdeckel zu öffnen und so zu tun als wäre es das normalste der Welt, dass wir hier tankten wollten, schaute er uns kurz an und schien zu überlegen. Dann hörten wir aber wieder dasselbe wie schon bei den anderen Tankstellen: für Ausländer ist tanken hier nicht möglich. Leise fragte Flo ihn, ob das Tanken nicht auch „ohne Rechnung“ möglich wäre, doch der Tankwart schüttelte nur den Kopf. Flo gab nicht auf und ließ leise das Wort „Propina“, also „Trinkgeld“ fallen. Der Tankwart schien zu überlegen und als Flo ihm unseren Kanister zeigte deutete er uns mit dem Auto außer Sichtweise zu fahren und mit unserem Kanister zurückzukommen. Dies taten wir und wenig später hatten wir einen Kanister voll mit Benzin im Auto. In Bolivien ist der Tankpreis für Einheimische extrem billig (ca. 0,48€ pro Liter), für Ausländer gibt es allerdings einen eigenen Preis, der mehr als dreimal so hoch ist. Nur wenige Tankstellen sind dazu befugt überhaupt Benzin und Diesel an ausländische Fahrzeuge zu verkaufen und da fast alle Tankstellen über Überwachungskameras verfügen, gehen viele Tankwarte auch kein Risiko ein. Mit der Zeit haben wir allerdings herausgefunden, dass die Benzin-in-Kanister-Methode fast überall funktioniert und konnten meistens mit ein wenig Propina für die Angestellten sogar zum Einheimischenpreis tanken oder den Preis zumindest herunterhandeln. Für Flo wurde es mit der Zeit richtig zum Sport mit den Tankwarten zu verhandeln und den besten Preis herauszuschlagen. Aus einer Colaflasche bastelten wir uns übrigens einen Trichter, den wir zum Umfüllen des Tankes ins Auto benutzten.


In La Paz fuhren wir nach dem Tankabenteuer in ein Einkaufszentrum um Geld abzuheben und unsere Vorräte aufzustocken. Als wir nach den Erledigungen wieder aus der Tiefgarage fahren wollten, standen wir allerdings vor einem Problem: die eigentliche Ausfahrt war gesperrt und wir mussten die sehr steile und lange Einfahrt zur Ausfahrt benutzen. Zusätzlich liegt La Paz als eine der höchsten Städte auf 3.900 hm, die im Motor des Autos deutlich zu spüren sind. Nach dem ersten Versuch landeten wir ungefähr bei der Hälfte der Rampe und ich stieg aus, um das Gewicht zu verringern. Beim zweiten Versuch probierte Flo – so gut es in der Garage halt möglich war – Anlauf zu nehmen, schaffte es aber nur knapp über die Hälfte. Beim dritten Versuch beschlossen zwei Angestellte des Parkhauses und ich, das Auto den Rest des Weges anzuschieben und so schafften wir es mit Ach und Krach wieder nach oben auf die Straße. Die Leute die von oben in die Tiefgarage wollten mussten unterdessen warten, hatten aber dafür etwas zum Schauen.
Die Städte La Paz und El Alto gehen ineinander über, sodass es sich eigentlich um eine riesige Stadt handelt. In dem noch höher gelegenen El Alto hatten wir uns für zwei Nächte ein Apartment gemietet, damit wir für die 60er-Feier von Flos Papa gutes und stabiles Internet sowie ein ruhiges Plätzchen zum Telefonieren hatten. Das Apartment nutzen wir auch dafür, den weiteren Verlauf unserer Reise ein wenig zu planen und unsere Reifen zu wechseln, da unsere Vermieter gleichzeitig Mechaniker waren und sich der Parkplatz unseres Autos in deren Werkstatt befand.

Wir unternahmen natürlich auch einen Ausflug nach La Paz und mussten dafür mit einem komplett überfüllten Minibus, in dem wir mit ein paar Einheimischen übereinandersaßen, Richtung Innenstadt fahren. Als wir ungefähr an unserem Ziel waren, zwängten wir uns wieder aus dem Bus und legten das letzte Stück zu Fuß zurück. Schließlich kamen wir an eine Haltestation der Gondel, die über die komplette Stadt fährt. Wir probierten die nächsten Stunden fast alle Linien der Gondel aus und freuten uns über diese gemütliche Art die Stadt von oben zu entdecken. Die Gondeln sind übrigens von Doppelmayr – also österreichisch. 😃





Nach La Paz beschlossen wir noch einen Abstecher in den Norden zu machen, um eine besondere Höhle zu besuchen. Dabei kamen wir wieder am Titikaka-See vorbei, der uns als gemütlicher Schlafplatz diente. Außerdem fanden wir in einem kleinen Dorf am Weg eine Frau die an der Straße Benzin aus Kanistern verkaufte und sparten uns damit das Verhandeln an der Tankstelle. Der Benzin war zwar kohlrabenschwarz, erfüllte aber seinen Zweck. 😄

Unser Weg führte über einen Pass in die bergige Gegend um Sorata, wo wir an einem Aussichtsplatz die Umgebung bewunderten.




Über sehr gatschige und schlammige Straßen (dank Regenzeit) ging es schließlich zur Gruta de San Pedro, einer Höhle mit einem tiefblauen, unterirdischen See. Nachdem wir diesen besonderen Ort zu Fuß erkundet hatten und ich Flo irgendwie dazu brachte mit mir umzudrehen und nicht immer tiefer in die noch unerforschten Gänge der Höhle vorzudringen, borgten wir uns ein kleines Boot aus, mit dem wir über den stillen See ruderten. In der Höhle war eine solch stille Atmosphäre, dass man wie automatisch flüsterte und sich fast nicht zu atmen traute. Ein wirklich besonderer Ort.




Über Gatsch und Stein sowie überschwemmte Straßen ging es für uns wieder zurück durch La Paz, immer weiter Richtung Süden. Nach einer langen Autofahrt landeten wir schließlich in einer komplett neuen Landschaft: Wüste. Da die Fahrt zu lang für einen Tag war, machten wir für die Nacht Rast am Fuß einer Kaktusinsel. Dort angekommen fanden wir um unser Auto herum Ausscheidungen, die sich als die von Pumas herausstellten. Da wir offensichtlich an einem Pumaklo campten, hofften wir sehr darauf eines der Tiere zu sehen, doch leider erfüllte sich dieser Wunsch nicht. Stattdessen bewunderten wir auf einer Wanderung den Hügel hinauf die riesigen Kakteen.





Auf der weiteren Fahrt begegneten wir unendlich vielen Lamas neben der Straße und sahen auch einige kleine Tornados auf der flachen Ebene. Ein Minitornado fegte genau über uns hinweg und da wir die Fenster offen hatten, war danach alles ziemlich sandig. Damit waren wir gut für die nächsten Tage vorbereitet, die wir in der öden Wüstenlandschaft verbringen wollten. Doch auch wenn die Gegend eher öde war – ein paar unvergessliche Abenteuer ließen nicht lange auf sich warten. Aber dazu mehr im nächsten Beitrag.

